Sechs Beauty-Fragen, die Frauen beschäftigen

Als Forschungsärztin in der kosmetischen Dermatologie mit Skincare Centre in Rotterdam und eigener Pflegelinie weiß Dr. Jetske Ultee auf jede Beauty-Frage die richtige Antwort. Ihr Background: Medizinstudium an der Erasmus Universität in Rotterdam, Niederlande. Danach Assistenzärztin und Forscherin in der Abteilung Plastische und Rekonstruktive Chirurgie mit Promotion 2010. Hier gibt Dr. Ultee aufschlußreiche Antworten auf Beauty-Fragen, die viele Frauen betreffen:

Frage: Kann Zitronensaft wirklich helfen, um Pigmentflecken aufzuhellen?

Dr. Ultee: Mit Tipps zur Selbstbehandlung wie eben Bleichen mit Zitronensäure sollten Sie vorsichtig sein. Das trocknet die Haut schnell aus. Zitrusextrakte können auch in Kombination mit Sonnenlicht unschöne Flecken verursachen. Sie können sogar Blasen oder Brandwunden davontragen. Ich rate also davon ab. Das können Sie tun, um Pigmentflecken zu verringern:
GUT EINCREMEN UND EINE KOPFBEDECKUNG TRAGEN
Nur wenige von uns haben Pigmentflecken auf dem Po. Der bekommt immerhin nicht so viel Sonne ab. Wenn Sie Pigmentflecken vorbeugen möchten, müssen Sie sich vor der Sonne schützen. Cremen Sie sich mit einer guten Sonnencreme ein, bleiben Sie im Schatten und tragen Sie an heißen Tagen eine Kopfbedeckung. Und es ist wirklich nie zu spät, mit Sonnenschutz zu beginnen. Eine Behandlung der Pigmentflecken hat allerdings wenig Sinn, wenn man gleichzeitig nichts unternimmt, um eine Verschlimmerung zu verhindern.
KONTROLLIEREN SIE DEN INHALT IHRER KOSMETIKTASCHE UND IHRES MEDIKAMENTENSCHRANKS
Wenn Sie von Pigmentflecken betroffen sind, werfen Sie einmal einen kritischen Blick auf die Inhaltsstoffe Ihrer Kosmetikprodukte. Vor allem Duftstoffe und Pflanzenextrakte oder -öle wie Zitrus, Orange, Bergamotte, Mandarine, Grapefruit, Lavendel und Rosmarin können die Entstehung von Pigmentflecken fördern. Auch ein Blick in den Medikamenten-Schrank ist unerlässlich, denn auch Medikamente können in Kombination mit Sonnenlicht unschöne Flecken hervorrufen. Die genannten Tipps zu beherzigen, ist für jeden wichtig, ob man nun Pigmentflecken hat oder nicht.

Frage: Welche Arten von Pigmentflecken gibt es eigentlich und wie kriegt man sie weg?

Wichtig ist es herauszufinden, welche Art von Flecken die Person eigentlich hat. Wir Ärzte unterscheiden:
Postinflammatorische Hyperpigmentierung – Diese Art der Pigmentierung entsteht durch kleine Hautverletzungen. Das können beispielsweise Insektenstiche, Schürfwunden und Akne sein. Bei Menschen, die dafür empfänglich sind, können Sie auch durch Reizungen nach Peelings, Wachsbehandlungen oder aggressiven Kosmetikprodukten entstehen. In der Regel verblassen diese unschönen Pigmentflecken von selbst. Mit beruhigenden Stoffen und Antioxidantien, beispielsweise Süßholzwurzel, Niacinamid, Vitamin C oder Azelainsäure lässt sich dieser Prozess jedoch unterstützen. Sollten sie nach einem Jahr noch sichtbar sein, kann auch eine Laser- oder Peelingbehandlungen helfen.
Altersflecken – Diese Form der Pigmentierung wird durch Sonnenlicht hervorgerufen und bildet sich vor allem auf den Hautpartien, die der Sonne oft ausgesetzt sind (also Gesicht, Hände und Arme). Im Gegensatz zu Sommersprossen sind sie auch in den Wintermonaten sichtbar.Altersflecken, die übrigens auch schon in jungen Jahren auftreten können, lassen sich im Allgemeinen gut behandeln. Skincare mit Süßholzwurzel, Azelainsäure, Vitamin C, Glykolsäure, Niacinamid, Kojisäure oder Vitamin A können helfen, Pigmentflecken aufzuhellen. Ein Arzt kann zudem noch eine (medizinische) Creme mit Azelainsäure oder Vitamin-A-Säure verschreiben. Sehen Sie keine Verbesserung durch Cremes, können Sie eine Laser- oder Lichttherapie machen. Die Flecken sind dann in der Regel für immer weg.
Melasma – Das ist eine Form der Hyperpigmentierung, die sich in dunkelbraunen, in der Regel bizarr (symmetrisch) geformten Flecken im Gesicht (oft auf Stirn, Wangenknochen und Oberlippe) zeigt. Diese Flecken lassen sich oft schwierig behandeln. Wir kennen zwar die Auslöser von Melasma, jedoch nicht die genaue Ursache. Die Sonne spielt eine Schlüsselrolle, aber auch hormonelle Veränderungen wie bestimmte Antibabypillen, Schwangerschaft und eine Hormontherapie während der Wechseljahre können Melasma auslösen. Und sogar eine Wachsbehandlung der Oberlippe! Manchmal hat man Glück und die Flecken verschwinden dann mit der Einnahme einer anderen Pille oder nach dem Abstillen. Aber das ist eher selten. Mein Behandlungsplan bei Melasma ist fast immer eine Langzeitstrategie und besteht aus einer Kombination verschiedener Produkte, Medikamente und Lebensstil-Tipps:

  • täglich Sonnencreme benutzen: unglaublich wichtig
  • achten Sie darauf, dass Ihre Creme Vitamin C und Niacinamid enthält.
  • Medikamente: Azelainsäure und Tranexamsäure
  • Laser oder Peeling? Gehen Sie zu einem Fachmann, denn Melasmen können sich dadurch auch verschlimmern.
  • Ernährung: Setzen Sie viele Antioxidantien auf Ihr Menü.

Alles Wissenswerte über die Haut

In ihrem “Hautbuch”* erzählt Dr. Jetske Ultee aus ihrer persönlichen Sicht, wie sie auf der Suche nach guten Produkten war, die ohne irreführende Behauptungen auskommen, und welche revolutionären Inhaltsstoffe sie entdeckte, die wirklich etwas Gutes für die Haut tun. Sie sagt: “Welche das sind und wie man seine Haut am besten pflegen kann, ist genau das, was ich Ihnen vermitteln möchte.” 120 Seiten, Kindle 9,99 Euro

Frage: Ist es ratsam, die Haut in gewissen Abständen abends nicht einzucremen, um die natürliche Regeneration zu erhalten?

Man hört schon mal, dass die Haut durch Cremes faul werden würde. Ich verstehe sehr gut, dass Sie fragen, ob die Haut dann ihre Regenerationsfähigkeit behält. Es gibt jedoch wirklich keinen Hinweis darauf, dass die Haut von guten Produkten faul oder inaktiv wird. Die Haut produziert jedenfalls nicht weniger Talg, wenn Sie eine fetthaltige oder reichhaltige Creme benutzen. Die Aktivität der Talgdrüsen wird unter anderem von Faktoren wie Hormone und Ernährung beeinflusst, aber nicht direkt durch einen Fettfilm auf der Haut. Durch eine zu reichhaltige Creme kann die Haut jedoch „überhydratisiert“ werden. Dann verlaufen bestimmte Prozesse in der Haut weniger effizient. Aber das hat nicht so sehr damit zu tun, dass sich die Haut an die Inhaltsstoffe oder die verwendete Dosis gewöhnen muss, sondern damit, welches Produkt man benutzt. Ist die Feuchtigkeitsbalance und die Talgproduktion in Ordnung? Entscheiden Sie sich dann für eine Creme mit einer leichteren Textur. Gerade, wenn Ihre Haut etwas trockener ist, sind besonders hydratisierende und „verschließende“ Stoffe geeignet, die dafür sorgen, dass die Haut weniger Feuchtigkeit verliert.
Fühlt sich die Haut trocken an, ist es kein Problem, sich öfter einzucremen oder eine dickere Schicht aufzutragen. Die Haut wird dadurch in Ihrer Funktion nicht beeinträchtigt. Die Haut kann übrigens auch nicht „immun“ gegen die Wirkung aktiver Stoffe wie Antioxidantien oder beruhigende Stoffe werden. Ich würde sie auf jeden Fall weiterhin auftragen. Denn gerade durch diese Stoffe bleibt die Haut in guter Kondition. Die Wirkstoffe können sie vor Schäden durch freie Radikale schützen, die beispielsweise durch die Sonne, rauchen und Luftverschmutzung entstehen. Gerade mit zunehmendem Alter verlaufen bestimmte Prozesse weniger effizient, und dann kann die Haut etwas zusätzliche Hilfe von außen gebrauchen.
Haben Sie sehr fettige Haut? Dann können Sie morgens auch nur einen Toner benutzen (wichtig für die Antioxidantien) und den Moisturizer weglassen. Abends würde ich immer eine Creme auftragen. Nachts verliert die Haut nämlich viel Feuchtigkeit, und diese Cremeschicht sorgt dafür, dass weniger Feuchtigkeit aus der Haut verdampfen kann.

Frage: Wie viel peelen verträgt die Haut? Kann man sie auch überpeelen?

Das hängt individuell von Ihrer Haut ab. Für manche ist einmal pro Woche schon sehr gut. Für andere ist es vielleicht besser, täglich zu peelen. Mein Tipp? Steigern Sie die Anwendung langsam und beobachten Sie, wie Ihre Haut darauf reagiert. So finden Sie die Häufigkeit heraus, die für Ihre Haut am besten geeignet ist.

Frage: Auf welche Inhaltsstoffe sollte man bei trockener Haut besser verzichten?

Es ist für jeden wichtig, reizende Inhaltsstoffe zu vermeiden. Hautpflegeprodukte, die Alkohol und Parfüm enthalten, meide ich auf jeden Fall. Diese können die Haut stark austrocknen. Auch bei Reinigern gibt es weniger gut geeignete. Schäumt Ihr Reiniger stark? Dann ist es besser, zu einem cremeartigen Produkt oder einem ölhaltigen Reiniger wechseln.

Frage: Welche Inhaltsstoffe in Selbstbräunern sollte man vermeiden?

Der Stoff, der in Selbstbräunern die Braunfärbung der Haut hervorruft, ist DHA (Dihydroxyaceton). Dieser reagiert mit der Haut, wodurch sich diese dunkler färbt. Gewonnen wird er aus Zuckerrüben, Zuckerrohr oder fermentiertem Glyzerin. Er zählt also zu den natürlichen oder pflanzlichen Inhaltsstoffen. Damit DHA gut zwischen die abgestorbenen Hautzellen gelangt, werden auch schon mal Hilfsstoffe wie beispielsweise Alkohol verwendet. Einige Alkoholarten lösen die natürlichen Hautfette der Schutzschicht der Haut auf, wodurch Stoffe tiefer in die Haut eindringen können. Dadurch können Hautreizungen entstehen.Meiden Sie darum Produkte mit Alcohol denat., SD alcohol, Ethanol, Methanol, Ethyl alcohol und Isopropyl alcohol. Ihr Selbstbräuner sollte deshalb keine hohen Konzentrationen dieser Alkoholarten enthalten. Wie können Sie das kontrollieren? Alkohol steht dann nicht im oberen Drittel der Liste der Inhaltsstoffe. Entscheiden Sie sich auch am besten für ein parfümfreies Produkt. Checken Sie die Liste der Inhaltsstoffe auf „Parfum“ oder „Fragrance“.
Auch wenn das Produkt keine reizenden Stoffe enthält, rate ich dazu, einen Selbstbräuner nicht länger als ein paar aufeinander folgende Tage zu verwenden, sodass Sie Ihrer Haut auch etwas Ruhe gönnen. Übertreiben Sie es besser nicht mit diesen Produkten. Der Wirkstoff DHA kann auch zu einer vermehrten Bildung freier Radikale führen. Es ist darum sehr wichtig, sich sehr gut mit Sonnencreme einzucremen. Zusätzliche Antioxidantien in Hautpflegeprodukten helfen, die Haut vor diesen freien Radikalen zu schützen. Es gibt Selbstbräuner, die Antioxidantien enthalten. Sie können aber auch nach dem Auftragen des Selbstbräuners eine Creme mit zusätzlichen Antioxidantien wie Niacinamid, Vitamin C und oder Vitamin E benutzen.
Einiges zu beachten gibt es auch bei der Aufbewahrung eines Selbstbräuners. Der Stoff, der der Haut die Farbe verleiht, ist sehr instabil und verträgt sich schlecht mit Wärme und einem hohen pH-Wert. Lagern Sie das Produkt darum an einem kühlen Ort und achten Sie auf eine lichtundurchlässige Verpackung. Riechen Sie vor dem Gebrauch an dem Produkt. Riecht es sauer, sollten Sie es nicht weiter verwenden. Benutzen Sie einen Selbstbräuner nach dem Öffnen maximal sechs Monate.

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