Beauty-Weekend in Bangkok


Warum das Oriental-Hotel die lange Reise wert ist

Wenn ein Hotel so etwas wie eine zweite Heimat sein kann, ist es für mich das „Mandarin Oriental“ in Bangkok. Und das schon seit vielen Jahren. Immer wieder zieht es mich in das Haus am Chao Phraya Fluss zurück. Dabei habe ich stets die Berichte von Anna Leonowens im Kopf. Eine Zeitzeugin, die 1862 in der Stadt ankam, um am Hof von König Mongkut, besser bekannt als Rama IV, den 67 Kindern Englisch und westlichen Benimmunterricht zu geben. Ihre Tagebücher bildeten später die Vorlage zu dem romantischen Roman „Anna und der König von Siam“ von Margaret Landon von 1944, der mehrere Male als „The King and I“ verfilmt wurde.

Tatsächlich hat Anna nie einen Fuß in das Oriental gesetzt, da ihr Aufenthalt nur fünf Jahre andauerte. Laut der Hotelchronik wurde das „Oriental“ 1876 als Seemannsherberge gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts war es Fremden nicht erlaubt, in der abgeschotteten, mit zweihunderttausend Einwohnern schon relativ großen Königsstadt zu nächtigen. Heute stehen rechts und links vom „Mandarin Oriental“ zwei ziemlich verfallene Gebäude, die an die alten Zeiten erinnern. Auf dem einen weist der Name East Asian Company auf die Handelstätigkeiten hin. Auch den Old Wing des „Oriental“, in dem mit der Seemannsherberge alles anfing, gibt es noch. Er wurde 2016 zum 140. Geburtstag mit einem Aufwand von 17 Millionen Euro renoviert und umgebaut. Sein historisches Flair hat er glücklicherweise nicht eingebüßt. Vom Fluss aus kaum zu sehen liegt er verborgen hinter Fächerpalmen. Die Author’s Lounge darin ist ganz in Weiß und in kolonialem Stil gehalten, mit weißen Korbstühlen und weißen Lamellenfenstern. Außer der Grand Royal Oriental Suite mit 600 qm und sechs Schlafzimmern entstanden zwölf neue Garden Suites. Meine erstreckt sich über zwei Etagen mit Fensterfronten vom Boden bis zur Decke und einer gemütlichen Lounge. Vom Schlafzimmer in der oberen Etage blicke ich rechts auf die Lichter der Stadt, links auf den träge dahinfließenden Chao Phraya. Ideal für mein Beauty-Wochenende. Denn die vier neuen Spa-Studios, in denen erstmals in Bangkok Pediküre und Maniküre von Bastien Gonzalez sowie Beauty Behandlungen mit der deutschen Wirkstoffkosmetik !QMS angeboten werden, befinden sich ebenfalls im Garden Wing.

Erster Tag: Nach dem langen Flug kann ich erstmal eine Relax-Massage vertragen. Um zum Hauptspa zu kommen, muss ich den Fluss überqueren. Bootsführer Narong Petcharit fährt mich. Er gehört wie viele andere Hotelmitarbeiter seit mehr als 20 Jahren zur „Oriental“-Familie. An jedem Arbeitstag tuckert er mit seiner Barke bis zu zweihundert Mal über den Fluss. Er fährt immer mit seiner Frau Rachanee: Sie wirft die Leinen, macht fest und hilft den Gästen beim Aussteigen.

Im Spa ist heute Digital Detox Day. Zwei Stunden ohne Mobiltelefon. Das Konzept zur Reduzierung von Stressfaktoren wurde zusammen mit der Mayo-Klinik erarbeitet. An der Rezeption tausche ich mein Handy gegen ein duftendes Öl ein. Drei Mal tief einatmen. Anschließend im Behandlungsraum werden damit meine verspannten Körperzonen wie Nacken, Schultern, Rücken über eine Stunde lang besonders intensiv bearbeitet. Im Loungebereich wartet danach noch mehr Ablenkung vom Digitalstress auf mich beim Lesen, Schreiben oder Malen. Ich lasse mir eine entspannende Gesichtsmaske auflegen, während ich auf einem Meditationskissen sitze, die Augen schließe und alles um mich herum vergesse. Im Nu sind zwei Stunden vergangen. Abends bin ich so müde, dass das Essen ausfallen muss. Ich lasse mir nur ein paar Früchte und Tee aufs Zimmer bringen, dann falle ich todmüde in die weichen Kissen.

Zweiter Tag: Heute lerne ich Bastien Gonzalez kennen. Schon viel von ihm gehört. Der Franzose wird gern als „Fußflüsterer“, „Fußvirtuose“ oder „Prinz der nackten Füße“ betitelt. Seine einzigartige Technik und die innovativen Pflegeprodukte, die er auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen entwickelte, sollen Wunder bewirken. Der ausgebildete Podologe und Pedikürist hat das Talent, die gesamte Kondition der Füße zu verbessern und nicht nur die der Fußnägel. Dieses Wissen gibt er auch an alle seine Mitarbeiter weiter. Zu Bastiens Hollywood-Klientel gehören Gwyneth Paltrow, Cate Blanchett, Naomi Campbell und Robert DeNiro. An diesem Tag gehöre auch ich dazu.

Natürlich frage ich gleich, warum er unter seinen 20 ausschließlich luxuriösen Standorten kein Institut in Deutschland und nicht mal eins in Frankreich besitzt. „Ganz einfach“, sagt er, „weil wir dort ästhetische und medizinische Pediküre nicht zusammen ausführen dürfen. „Unsere Philosophie aber ist die Kombination beider Aspekte. Wir bezeichnen uns als Pediküre-Podologen mit dem Ziel, nicht nur die Nägel schön zu machen. Wir behandeln alle Probleme, eingewachsene Nägel, Diabetiker etc. Ein Podologe bezieht auch die Konstitution des Körpers mit ein. Wir können Leute analysieren, während sie laufen. Was sie falsch machen, was sie verbessern können.“ Also laufe ich erst mal. Ich habe Glück: keine Fehlhaltung, kein Hallux. Meine Füße sind griechisch, erfahre ich. Erkennbar an der längeren zweiten Zehe wie man sie an griechischen Statuen sieht. 20-25 % der Bevölkerung gehören zu dieser Gruppe. Am häufigsten ist die ägyptische Form mit ca. 50 %, wobei der große Zeh der längste ist. Darauf sind die meisten Designerschuhe konzipiert. Das sollte man bei seiner Schuhwahl in Betracht ziehen, sonst kann der längere, griechische Zeh zum Hammerzeh werden. Was mir bei der Behandlung auffällt: Es gibt kein Fußbad. „Wir benutzen kein Wasser“, erklärt der Mitarbeiter von Gonzalez. „Wasser trocknet aus. Die Haut produziert Sebum zur Befeuchtung und Widerstandsfähigkeit. Mit Seife und Wasser wäscht man das Fett aus. 20 Minuten ist alles gut, dann wird die Haut immer trockener.“ Außerdem erklärt er mir, dass man den Zustand von Haut und Nagel nur im trockenen Zustand richtig beurteilen kann. Naß sieht man beispielsweise die gelbe Färbung, an der man verhärtete Stellen erkennt, nicht mehr. Dann kommt es vor, dass zu viel Haut abgeschliffen wird.

Zur Reinigung der Nägel und Entfernen von Nagellack gibt es ein spezielles Gerät. Der Sound hört sich an wie beim Zahnarzt. Bastien: „Ich benutze möglichst keinen Lackentferner, weil die Chemikalien Haut und Nägel unnötig austrocknen. Fußnägel sind zweimal dicker als die an den Händen, deshalb kann man hier gut die Maschine einsetzen. Damit entferne ich außer Lack auch eine winzige Schicht von der kontaminierten Oberfläche. Nägel absorbieren Chemikalien von Lack bespielsweise wesentlich stärker als die Haut.“ Um verhärtete Haut zu beseitigen, wird für jeden Gast eine frische, sterile Klinge, eine Art gebogenes Mini-Salpell benutzt. Den Nagelecken gebührt besondere Aufmerksamkeit, damit sie nicht einwachsen. Hornhaut wird nie komplett abgetragen, maximal 50 %, weil sie auch einen Schutz für den Fuß darstellt. Sobald eine gute Elastizität der Haut fühlbar ist, wird aufgehört. „Den Erfolg machen 20 % die Augen aus, 20 % die Klinge. Der Rest ist das Gefühl in den Händen“, so Bastien. Sein Mitarbeiter macht deutlich, wie wichtig die Erfahrung ist, die auch die Lebensumstände des Klienten berücksichtigen sollte. Er erzählt: „Zu Anfang meiner Laufbahn habe ich einen Fußballspieler behandelt. Ich habe ihm richtige Babyfüße verpasst. Leider war das falsch, weil sie zum Fußballspielen danach viel zu empfindlich waren. Man muß immer die Balance halten und genau wissen, was man macht.“

Gefeilt wird mit einer Glasfeile, weil die am sanftesten ist. Diesen Rat bekomme ich auch für zu Hause. Eine Paste für die Nägel mit der Textur von Perlmutt wirkt wie ein Scrub. Danach werden sie mit einem soften Lederbuffer poliert. Ich fühle, wie Wärme sich im Nagel ausbreitet. „Die Nagelplatte wird besser durchblutet und mehr mit Sauerstoff versorgt, das stärkt sie“, sagt Bastien. „Der Buffer wurde übrigens von Marie Antoinette, Gattin Ludwig XVI., prominent gemacht. Es ist der eigentliche Ursprung der French Manicure.“ Die Nägel sehen hinterher tatsächlich rosig frisch und strahlend aus. Mit einer Creme, die nicht nur einfach aufgetragen, sondern zwei Minuten lang intensiv einmassiert wird, bin ich entlassen. Meine Füße sehen perfekt aus, und den Weg zu meinem Zimmer lege ich wie auf Wolken zurück. Beim Abendessen auf der anderen Seite des Flusses im „Rim Naam“ mit authentisch thailändischen Gerichten, die auf der Terrasse serviert werden, trage ich mit Sicherheit offene Schuhe.

Es steht „Beauty by Mandarin Oriental“ auf meinem Programm. Termin in der neuen Spa-Suite für ein QMS!-Treatment. Es ist die erste Dependance der deutschen Kosmetikfirma in Asien. Das Menu umfasst eine erlesene Auswahl an exklusiven und maßgeschneiderten Signature-Behandlungen wie das Anti-Aging Treatment mit einem Collagen Boost sowie das belebende und hautstraffende Skin Lift Facial. Ich entscheide mich für ersteres, das „Collagen Vita Skin Facial“. Es dauert eine gute Stunde, soll die Hautalterung kontrollieren und gleichzeitig regenerieren. Gearbeitet wird vor allem mit natürlich löslichem Kollagen, um den Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu verbessern. Genau das brauche ich. Highlight ist eine Algen Modelage, eine Maske, die auf der Haut antrocknet. Damit habe ich bereits meine Erfahrungen, keine guten. Deshalb zögere ich, ob ich mich damit wohlfühle, wenn Augen und auch Mund bedeckt sind. Meine thailändische Kosmetikerin bietet mir an, den Mund frei zu lassen. Damit bin ich einverstanden.

Die weiße Algenpaste fühlt sich kühl an auf der Haut. Ich atme tief durch je mehr sie damit von meinem Gesicht bedeckt. Als die Augen an der Reihe sind, halte ich kurz die Luft an, dann entspanne ich mich allmählich. Schon bald spüre ich, wie die Masse allmählich auf meinem Gesicht zu trocknen beginnt. Als die Asiatin nach 20 Minuten beginnt, die Modelage sanft zu lösen, bin ich erstaunt, dass die Zeit schon vorbei ist. Schließlich hält sie die feste Maske, das genaue Abbild meines Gesichts in den Händen. Auf der Innenseite kann sie wie auf einer Landkarte den Zustand meiner Haut lesen. Wo die Haut zu trocken ist, wie tief die Fältchen waren. Das Ergebnis ist verblüffend. Meine Haut sieht wie aufgepolstert aus, feine Linien sind verschwunden und tiefere minimiert. Alles in allem finde ich den Teint strahlend und voller Vitalität. Es hat sich gelohnt. Bedauerlich, dass es die Wundermaske nur für die Kabine gibt und nicht für die Anwendung zu Hause. Übrigens gibt es QMS Medicosmetics weltweit in über 700 Locations.

Den Nachmittag verbringe ich im Fitness-Center am gegenüberliegenden Flussufer hinter dem Lotusteich. Ich trainiere Ausdauer und Kraft, gönne mir zum Abschluss Dampfbad, die Sauna ist mir zu heiß, sowie einen Abstecher in den Whirlpool. Dabei beschließe ich, meinen letzten Abend auf einem Nachtmarkt zu verbringen. Am wenigsten touristisch ist der „Road Fai“ hinter dem Esplanade Shopping Center. Er ist ab 18 Uhr geöffnet und bietet alles von Kleidung über Essen bis hin zu Nightlife. An unzähligen Streetfood-Ständen gibt es alles, was die thailändische Küche an Köstlichkeiten zu bieten hat. Die vielen kleinen Bars sind in Schiffscontainern untergebracht, die man übereinander gestapelt hat. Ein echtes Erlebnis abseits vom Tourismus.

Dritter Tag: Am Morgen meines Rückflugtags bin ich so fit und voller Energie, dass ich zum Morgenyoga aufstehe und mich schon um 6.30 Uhr über den Chao Phraya zum Spa schippern lasse. Dort erwartet mich meine Trainerin Neelam Khatri, eine bekanntes Gesicht von früheren Besuchen. Die Inderin unterrichtete vor dem Wechsel ins „Oriental“ Yoga im renommierten Hotel The Oberoi Rajvilas in Jaipur. Sie ist ebenso in Ayurveda und Meditation geschult, konzipiert individuelle Wellness-Programme. Nach dem Frühstück am reichhaltigen Buffet mit Blick über den träge fließenden Chao Praya verbringe ich die letzten Stunden lesend am Pool bevor mit ein Shuttle am späten Nachmittag zum Flughafen bringt. Ich bin so fit und gut erholt, dass ich die langen Nachtreise zurück nach Europa sozusagen wie im Flug überstehe.

Mein Fazit: So ein Beauty-Wochenende sollte man sich viel öfter gönnen. Es muss ja nicht immer gleich Bangkok und das Mandarin Oriental sein. Wobei ich zugeben muss, dass das Hotel zwar teuer, aber ein echtes Asia-at-its-Best-Erlebnis ist.

CultureAndCream-Autorin aus München

Beruflich als Beauty-Journalistin zu reisen, war mir nicht genug. Sechs Monate Weltreise haben auch nicht gereicht. Immer wieder zieht es mich in andere Städte, fremde Länder, zu Roadtrips und an Locations, die man kennenlernen sollte. Mich interessieren nicht nur „culture“ und „cream“, sondern auch Menschen, die Geschichten zu erzählen haben. Auf solche Reisen möchte ich euch mitnehmen.

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