Parfums sind die größten Verführer – diese Frau weiß alles darüber


Ein Interview mit Duft-Hedonistin Corinna Mosler-Jakobsohn

Düfte können verführen. Voraussetzung ist aber, dass man den richtigen für sich findet. Nicht ganz einfach! Corinna Mosler-Jakobsohn erklärt den Umgang mit Düften und warum sie häufig Lebensabschnittspartner sind. Sie selbst ist eine wahre Hedonisten, deren Leidenschaft nur den edelsten Parfums gehört. Als Inhaberin von „Belle Rebelle“, ein Kabinett der Schönheit in Berlin-Charlottenburg, kann sie diese Passion voll ausleben.

C&C: Was unterscheidet Eau de Toilette, Eau de Parfum und reines Parfum?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Ein EdT besitzt eine leichtere Duft-Konzentration, ist nicht so lange haltbar auf der Haut. Es enthält 6-9 Prozent an Aromaölen, während beim EdP die Konzentration bei 10-14 Prozent liegt. Intense-Varianten erreichen bis zu 20 Prozent. Ein Extrait de Parfum ist mit 15-3o Prozent am höchsten konzentriert. Manche Nischenparfums wie „Schwarzlose“ beispielsweise bringen es bei EdPs auf Duftkonzentrationen von 35 Prozent, bei „Profumum Roma“ sogar auf über 40 Prozent. Das sind eigentlich schon reine Parfums, sie sind richtig ölig.

C&C: Unterscheiden sich EdT und EdP aus derselben Duft-Linie in ihrem Aufbau?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Nein, die Ingredienzien sind immer gleich. Verändert sind nur die Anteile der Parfumöle. Aber für den Parfümeur ist es nicht damit getan, einfach nur die Konzentration zu erhöhen. Er muss immer wieder feintunen, sonst wird ein Stoff z.B. ein Rosenaroma viel zu prominent, und das EDP riecht plötzlich völlig anders als das EdT.

C&C: Welche Duftkonzentrationen halten sich am längsten auf der Haut?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Am niedrigsten konzentriert ist ein Eau de Cologne, es verfliegt am schnellsten. Häufig verwendet man es für Männerdüfte. Dann kommen EdT und EdP. Die längste Haltbarkeit auf der Haut besitzt reines Parfum. Aber auch das ist wiederum abhängig von den Duftstoffen. Helle, citrische Aromaöle haften weniger lange als dunkle Noten wie Leder und Patchouli.

C&C: Gibt es eine Art Typologie, zu wem welcher Duft passt?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Das kann man nicht verallgemeinern. So eine Art Einsteiger-Duft gibt es nicht. Auch eine junge Kundin kauft einen Duft in Parfumkonzentration. Das ist gerade bei Nischendüften der Fall, die oft nur EdPs und keine EdTs herstellen. Es gibt Düfte wie „Profumum Roma“, die Männer und Frauen jeden Alters kaufen, und die so erfolgreich sind aufgrund ihrer Konzentration und ihrer Einfachheit. Da sind zwar wenige Duftstoffe enthalten, aber so hoch konzentriert, dass sie wie Natur pur riechen. Bei den Massmarket-Düften verhält es sich etwas anders. Da tendiert eine junge Kundin eher zu etwas Leichtem, und ein Parfum ist eher etwas Erwachsenes.

C&C: Warum gibt es im Nischenbereich keine Serien?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Das hat vor allem mit den höheren Produktionskosten zu tun, dass man sich nur für eine Version, z.B. ein EdP entscheidet. Ein anderer Aspekt ist auch, den Duft in seiner höchsten Konzentration anzubieten, dass er besonders langanhaltend auf der Haut ist. Der Nischenkunde verlangt bewusst nach einem EdP oder Extrait, schon deshalb werden keine EdTs produziert.

C&C: Ist das der Luxusanspruch?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Ja, eine hohe Duftkonzentration hat etwas mit Luxus zu tun, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit. Die Kunden haben mehr davon und zahlen auch gerne mehr dafür. Ein Parfum ist ergiebiger, man muss weniger davon aufsprühen. Beim EdT kann man fünfmal am Tag nachsprühen, weil es schneller verfliegt. Beim EdP ist das nicht nötig.

C&C: Wie parfümiert man sich eigentlich richtig?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Gut ist immer, wenn man Duft auf die frisch gewaschene Haut gibt. Am besten sind pulsierende Stellen wie das Handgelenk innen oder der Haaransatz. Frisch gewaschenes Haar ist ein idealer Duftträger, und da gibt es auch keine Allergien. Gerade im Sommer muss man unterhalb der Ohrläppchen aufpassen. Oft entstehen Pigmentstörungen, wenn Frauen sich dort ständig parfümieren. Schöne Stellen, um Duft aufzutragen, sind Dekolleté und Hals, wenn es nicht gerade Sommer ist und die Sonne darauf scheint. Alkohol und Bergamotte können die Haut nämlich besonders lichtempfindlich machen.

C&C: Wie lange kann man Parfums aufbewahren?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Das ist bei allen Duftkonzentrationen gleich. So lange der Duft weder Licht noch Wärme ausgesetzt ist, hält er sich circa zwei Jahre in der Verpackung. Sind Farbe und Geruch stark verändert, ist das Parfum gekippt. Das ist, wie wenn ein Wein gärt.

C&C: Gibt es reine Parfums auch für Männer?
Corinna Mosler-Jakobsohn: In der Nische schon, aber nicht im breiten Markt. Reine Parfums werden oft noch wie früher mit einem Glasstöpsel aufgetupft, das ist unüblich für Männer. Der Begriff Parfum ist ohnehin immer noch weiblich besetzt. Im Massmarket findet man hauptsächlich Eau de Colognes und EdTs.

C&C: Was zeichnet einen echten Duft-Connaisseur aus?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Es ist jemand, der sich in eine komplexe Parfumgeschichte hineinriechen kann, der die Düfte versteht. In seinem Kopf entstehen Bilder. Er muss Düfte nicht unbedingt in ihre einzelnen Komponenten zerlegen können. Er setzt sich eher mit den komplexen Duftstoffen auseinander. Das ist wie bei einem Weinkenner, der die Aromen sehr gut wahrnehmen und in ihrer Reinheit erkennen kann. Ein Duft-Connaisseur kann mehr als drei Düfte riechen. Das kann man trainieren, indem man sich damit befaßt.

C&C: Was haben edler Wein und edler Duft gemeinsam?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Gute Inhaltsstoffe, eine gute Geschichte, und das Zusammenspiel muss stimmen.

C&C: Häufig wird von Dufttrends gesprochen, gibt es die tatsächlich?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Für Nischendüfte eher weniger. Sie folgen nicht den üblichen Trends, sondern sind Kreationen eines Parfümeurs.

C&C: Was muss ein Duft haben, den Sie in Ihr exquisites Portfolio aufnehmen?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Das Gesamtkonzept muss stimmen, und es muss eine gute Geschichte dahinter stecken. Selbstverständlich muss auch die Qualität passen.

C&C: Kauft der Kunde nur mit der Nase oder auch mit dem Auge?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Die Leute greifen schon lieber zu einer schönen Verpackung. Sie kann schlicht sein, muss aber ansprechen. Die Geschichte muss zum Duft und seiner Optik passen.

C&C: Woher kommt Ihre Liebe zu Düften?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Schon als kleines Mädchen wußte ich, dass ich im Schönheitsbereich arbeiten wollte. Die Realisierung war nicht so einfach. Ich bin im Osten geboren, und so viele Düfte gab es da nicht. Mein allererster Duft war „Samsara“ von Guerlain. Den habe ich mir mal zu Weihnachten gewünscht, das reine Parfum. „Sacré“ von Caron habe ich mit Anfang 20 getragen. Heute mag ich an mir eher trockene, cleane Düfte. Ich liebe den Orto Parisi-Duft „Bergamask“ von Alessandro Gualtieri und auch „Blamage“, da ist Ambroxan (synthetisches Ambra) drin. Was sich gut verkauft, das sind Vanilledüfte. Sie vermitteln das Gefühl von Vertrauen wie eine Mutter. Die Duftwahl hat sicher auch mit dem Lebenslauf zu tun. Wenn man sich freigestrampelt hat, wagt man sich an andere Düfte. Düfte sind Lebensabschnittspartner.

C&C: Warum ist der Name für einen Duft wichtig?
Corinna Mosler-Jakobsohn: Den Connaisseuren ist er nicht wichtig, aber für das breite Publikum schon. Man identifiziert sich damit, oder der Name erinnert an etwas. „French Lover“ von Frédéric Malle ist so ein Beispiel. Oder von Byredo „Fantastic Man“, das inzwischen „Sunday Cologne“ heißt. Auch zum Valentinstag verkaufen sich Düfte gut, deren Name in diese Richtung geht. Bei vielen Frauen ziehen bestimmte Namen wie „Narcotic V.“ von Nasomatto, der früher „Narcotic Venus“ hieß. Er sprach einen Frauentyp an, der sich als sinnlich, als Femme fatale sieht. Im Mainstream-Bereich ist ein Testimonal, das bei den Leuten gut ankommt, sehr verkaufsfördernd. Im Nischenbereich zählt eher die Geschichte oder die Inszenierung des Dufts.

CultureAndCream-Autorin aus München

Beruflich als Beauty-Journalistin zu reisen, war mir nicht genug. Sechs Monate Weltreise haben auch nicht gereicht. Immer wieder zieht es mich in andere Städte, fremde Länder, zu Roadtrips und an Locations, die man kennenlernen sollte. Mich interessieren nicht nur „culture“ und „cream“, sondern auch Menschen, die Geschichten zu erzählen haben. Auf solche Reisen möchte ich euch mitnehmen.

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