Ein Wochenende zum Träumen


Kufstein hat mehr zu bieten als man denkt

Das Gute liegt oft so nah. Von München nach Kufstein fährt man gerade mal eine Stunde mit dem Auto. Tipp: Nimmt man Kiefersfelden, die letzte Autobahnausfahrt in Deutschland, benötigt man keine österreichische Autobahn-Vignette. Über die Innbrücke geht es in die Altstadt von Kufstein. Direkt am Fluss unterhalb der Festung liegt die „Träumerei #8“ by Auracher Löchl, ein Boutique Hotel, das mir im Internet zuerst wegen des ungewöhnlichen Namens ins Auge fiel. Auracher Löchl, habe ich recherchiert, heißt ein Teil des Gebäudekomplexes, weil der 600 Jahre alte und 90 Meter tiefe „Löchl“-Stollen früher nicht nur als Bier- und Weinkeller diente, sondern auch Zugang zu einem weitläufigen System an Geheimgängen bot, das den gesamten Festigungsberg durchzieht.

Per Mausklick habe ich mich auf Anhieb in die einzigartigen Zimmer der „Träumerei #8“ verliebt. Jedes ist nach einer Weltmetropole oder einem faszinierenden Land benannt und genauso eingerichtet: das coole „Berlin“ mit dem Fernsehturm an der Wand, „Hamburg“ mit Seefahrtsutensilien, „Hollywood“ huldigt den Stars der Traumfabrik, in „Kenia“ träumt man von Safari und wer auf Vampirgeschichten steht, schläft im „Transsilvanien“ mit Dracula ein. Unschlagbar romantisch ist das Brückenzimmer, Raum 69. Es liegt im Inneren des Brückenbogens über der historischen Römerhofgasse, versteckt einen Whirlpool unter dem Luxusbett, und das 5-Gang-Liebes-Menü für zwei ist inklusive. Wem da nichts einfällt…. Alle 34 Kuschelzimmer wurden übrigens im letzten Jahr von der Inhaber-Familie Richard und Alexandra Hirschhuber liebevoll renoviert und detailverliebt mit vielen Sammlerstücken eingerichtet. Mein „Salzburg“-Raum ist ganz im Sinne von Mozart gestaltet – mit Partitur-Noten, Geigen und goldenen Engerln an den Lampen. Ein Erker mit zwei Stühlen gibt den Blick auf den Inn frei. Sofort-bleiben-wollen. Es ist so gemütlich, dass ich das „Still dreaming“-Schild für den Rest des Abends vor die Türe hänge.

Gin-Bar „Stollen1930“

Auch kulinarisch kommt man bei den Hirschhubers schnell ins Träumen. Das meterlange Geniesser-Frühstücksbuffet von Gästeverzauberer Ali bietet eine Auswahl, die man nur selten findet. Wer nicht in der „Träumerei“ wohnt, sollte sich zumindest einmal dieses Frühstück (bis 11 Uhr) gönnen. Gegenüber im Tiroler Wirtshaus „Auracher Löchl“ werden nicht nur landestypische Spezialitäten serviert, es ist auch bekannt für seine sagenhaft guten Steaks. Blutig, medium oder durchgebraten? Das Küchenteam versteht sein Handwerk. Es hat den besten Porterhouse-Grillmeistern der Welt über die Schulter geschaut. Zum Ausklang des Abends braucht man nur ein Stockwerk tiefer gehen. Im „Stollen 1930“ findet sich die weltgrößte Gin-Sammlung mit 827 (!) Sorten, die es bereits ins „Guinnes Book of Records“ geschafft hat. Wer keinen Gin mag, kann sich im Ambiente der 30er Jahre passend zur Musik Cocktails aus dieser Zeit bestellen. Alkoholfreies, aber auch ausgezeichnete Biere aus Belgien, Irland oder England werden ebenfalls gereicht. Hauptsache, man ist über 21 Jahre alt. Sonst geht nix.

Fünf Attraktionen, die man in Kufstein nicht verpassen sollte:

Einen Stadtrundgang
Los geht es in der Altstadt in der Römerhofgasse, die parallel zum Inn verläuft, mit ihren traditionellen Gebäuden und Fassaden. Hier steht auch das Denkmal von Karl Ganzer, der 1947 das berühmte Kufstein-Lied komponiert hat. Zwischen kleinen Souvenir- und Trachtenläden besagt eine Inschrift am „Batzenhäusl“, dass schon Dichter Joachim Ringelnatz in der Weinstube so manchen Becher geleert hat. Unter dem Bogen des Auracher Löchl gelangt man zum Unteren Stadtplatz mit dem Marienbrunnen. Einladend sind die vielen kleinen Restaurants, Cafés und Läden. Weiter in Richtung Oberer Stadtplatz befindet sich die spätgotische Stadtpfarrkirche, eine um 1400 entstandene Hallenkirche. Daneben die 100 Jahre später erbaute Dreifaltigkeitskirche mit Gruftkapelle. Eines der schönsten Tiroler Jugendstilhäuser ist das Egger Gebäude am Oberen Stadtplatz. Dort steht auch das imposante Sparkassen-Gebäude von 1907.

Die Festung Kufstein
Direkt vom Stadtzentrum gelangt man zum Festigungsneuhof und zur führerlosen Panoramabahn „Kaiser Maximilian“, die nach oben führt. Sportliche wählen den „Ganngsteig“, einen gedeckten Stiegenaufgang. Beides ist im Ticket enthalten: Erwachsene 10 Euro im Winter, 12 Euro im Sommer. Oben erwarten einen 24.125 qm Geschichte. Urkundlich erwähnt wurde die Festigung erstmals 1205 als Besitz des bayerischen Herzogs Ludwig und des Bischofs von Regensburg. Sie war lange Zeit heiß umkämpftes Objekt zwischen Bayern und Tirol. Ob Staatsgefängnis, Kriegspulvermagazin, Schlosskaserne oder die Annabatterie mit dem Nutzpflanzen- und Kräutergarten – es gibt so viel zu sehen aus der bewegten Geschichte der Festung, dass ein Tag kaum ausreicht. Keinesfalls versäumen sollte man das Heldenorgenkonzert auf der größten Freiorgel täglich um 12 Uhr. Tipp: kostenlose Audio-Guide App „Festung Kufstein“ auf Google Play oder im App Store. Über die verschiedenen Veranstaltungen, Ausstellungen und Musik-Events in der Arena der Festung informiert. Link zur Festung.

Das Kaisergebirge
Knapp eine halbe Stunde dauert die Fahrt von Kufstein. Das Naturschutzgebiet Kaisergebirge umfasst die Gipfel des „Wilden Kaisers“ und des „Zahmen Kaisers“ auf einer Fläche von 102 qkm. Von einer Höhe von 480 Metern geht es hinauf auf 2344 Meter an der Ellmauer Halt. Es ist alles geboten von gemütlichen Almwanderungen über anspruchsvolle Berg- und Klettertouren in atemberaubender Natur mit sprudelnden Wasserfällen und historischen Hütten. Im Winter bietet die SkiWelt Wilder Kaiser auf 1800 Metern eines der größten und modernsten Skigebiete weltweit mit 280 km Pisten, 90 modernsten Liften und Bergbahnen sowie 77 urigen Hütten und Après Ski-Lokalen.

Das Nähmaschinenmuseum
Um 1810 erfand der in Kufstein geborene Josef Georg Madersperger die Nähmaschine. Wie nützlich sie war, wußte nur der Schneidermeister selbst zu schätzen, keiner kaufte sie ihm ab. Schließlich schenkte er seine erste funktionstüchtige Maschine dem Polytechnischen Institut in Wien, der Stadt, wo er später lebte und auch 1850 völlig verarmt starb. Die Kufsteiner haben ihrem Erfinder ein kleines Museum in seinem Geburtshaus in der Kinkstraße gewidmet. Über die audiovisuelle Show bekommt man einen interessanten Einblick in das Leben und Werken von Madersperger.

Die Tiroler Glashütte
Bereits in elfter Generation befindet sich die Glashütte in der Hand der Familie Riedel. Deren Tradition begann 1756 als Glasmacher in Böhmen. Die Familie erlebte Höhepunkte aber auch Tiefschläge bis sie 1957 eine neue Heimat in Kufstein fand. 1973 schuf Claus J.Riedel die ersten handgefertigten und mundgeblasenen Gläser mit dünnwandigen, eiförmigen Kelchen, die unter dem Namen „Sommeliers“ weltberühmt wurden. Daß heute kaum noch mundgeblasen wird, tut der Qualität der Riedel Gläser keinen Abbruch. Auf der Zuschauerbrücke hoch über der Glas-Werkstatt bekommt man einen Einblick in die Glasmacherkunst. Tipp: Bloß nicht zu warm anziehen, da oben herrschen Saunagrade! Kühler wird es erst in der „SINNfonie“, einem interaktiven Museum, das alle Sinne berauscht. Sollte man sich nicht entgehen lassen. Geöffnet von Montag bis Freitag (Eintritt 5 Euro), der Shop hat auch samstags offen.

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