Ich wollte dann auch mal weg!


Wie Frau sich für eine Pilgerreise organisiert

Das kann nicht nur Hape Kerkeling. Schon lange träumte ich davon, einmal auf dem Jakobsweg nach Santiago zu gehen. Zu Fuß, alleine, nur mit dem Nötigsten im Rucksack. Aber kann ich es mir auch zutrauen? Schaffe ich es körperlich? Wie lange kann ich überhaupt am Stück zu Fuß gehen? Ich bin schließlich nicht die Sportlichste. Diese Fragen und Überlegungen hielten mich jahrelang davon ab, mir meinen Traum zu erfüllen. Vor fünf Jahren entschied ich mich schließlich, mich meinem Ziel langsam zu nähern. So ging ich jährlich einen Stück eines Pilgerwegs. Ich begann mit zwei Tagen im Allgäu, steigerte mich auf eine Woche in Niederbayern, Österreich und Oberbayern und brach schließlich dieses Jahr zu einer 14-tägigen Reise nach Santiago de Compostela auf.

Warum pilgern Menschen überhaupt?

Bereits im Mittelalter pilgerten die Menschen zum Heiligen Jakobus, um sich einen Platz im Paradies zu sichern. Heute haben die Motivationen von Pilgern nicht unbedingt einen religiösen Ursprung. Einige sehen darin eine sportliche Herausforderung. Andere möchten möglichst viele Menschen aus aller Herren Länder kennenlernen. Wieder andere verarbeiten schlimme Erfahrungen, haben ein Burn-out erlitten oder möchten sich etwas beweisen. Die Gründe sind so vielfältig wie die Menschen, die sich auf den Weg machen. Für mich ist es eine persönliche Auszeit, in der ich zur Ruhe komme. Ich will die Natur, all die wunderbaren Pflanzen und Tiere, auch die ganz kleinen, beim Gehen wahrnehmen, auf sie achten und mich jeden Tag wundern und darüber staunen, wie schön die Welt erschaffen ist. In Deutschland ist man als Pilger mehr oder weniger ein Exot, in Spanien dagegen gehören diese Reisenden zum Straßenbild. Wildfremde Fußgänger oder Radfahrer rufen einem „buen camino“ zu.

Gut vorbereitet

Pilgern kann zur Sucht werden. Kaum komme ich von meiner Reise zurück, überlege ich mir, wohin es nächstes Jahr gehen soll. So habe ich mit den ersten Überlegungen bereits im Herbst letzten Jahres angefangen. Nur war es dieses Mal anders. 2017 habe ich auf dem Münchner Jakobsweg eine Gleichgesinnte kennengelernt, mit der ich das letzte Stück zusammen gewandert bin. Nachdem wir uns so gut verstanden haben, haben wir beschlossen, die nächste Pilgerreise gemeinsam zu unternehmen. Unsere Wahl fiel auf den Portugiesischen Jakobsweg, der in Porto beginnt und in Santiago de Compostela endet. Im Gegensatz zu dem traditionellen spanischen Jakobsweg mit 800 Kilometern ist dieser nur circa 250 Kilometer lang und somit in zwei Wochen gut machbar. Im Januar 2018 buchten wir unseren Flug nach Porto und den Rückflug von Santiago nach München. Für die erste Nacht in Porto besorgten wir uns auch ein Quartier. Alle weiteren Übernachtungen ließen wir offen, um flexibel zu sein. Aber davon mehr in meiner nächsten Geschichte.

Rucksack richtig packen

Im Lauf der Jahre hat sich meine Ausrüstung stetig verbessert, so dass mein Rucksack nur noch gut vier Kilogramm wiegt. Es ist richtig befreiend, festzustellen, mit wie wenig man eigentlich auskommt.

  • Außer der Kleidung, die ich trage, nehme ich nur noch einen Satz Unterwäsche, ein schnell trocknendes T-Shirt und eine Hose mit. Zum allabendlichen Ritual gehört das Wäschewaschen. Am Morgen ist alles wieder trocken und landet im Rucksack. Falls es kühler werden sollte, ist eine Fleecejacke und eventuell – je nach Klima – Softshelljacke sinnvoll. Zusätzlich packe ich noch einen leichten Schlafanzug ein.
  • Das Wichtigste: Die Schuhe müssen gut passen (ein- bis eineinhalb Nummern größer als die normale Schuhgröße) und vor allem richtig eingelaufen sein.
  • Auch die Socken sollten nicht brandneu sein. Den Fehler habe ich dieses Mal gemacht und mir prompt eine Blase zugezogen. Bewährt haben sich Rechts-Links-Socken ohne Nähte.
  • Mein Rucksack begleitet mich schon viele Jahre und leistet mir gute Dienste, obwohl er nicht teuer war und nur 25 Liter fasst. Wenn ich mir irgendwann einen neuen kaufe, achte ich auf eine gute Passform. Er darf auf keinen Fall zu groß sein und zu tief sitzen, da sonst die Schultern zu stark belastet sind. Ein Hüftgurt ist unumgänglich. Was alles rein muss:
  • Regenzeug (Ich habe einen atmungsaktiven Poncho, den ich mit über den Rucksack ziehen kann)
  • Schuhe für abends (Flip-Flops, Crocs oder Wandersandalen. Mit Barfuß-Schuhen habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Sie sind mit 380 Gramm sehr leicht, entspannen die Füße und sind wasserfest)
  • Sonnenhut mit Krempe oder Schirmmütze, Sonnenbrille
  • Seidenschlafsack
  • Sitzunterlage
  • Toilettenartikel in kleinen Behältern (Duschgel, Zahnbürste, -seide und –pasta, Bürste, Lippenbalsam mit UV-Schutz, Sonnencreme, Gesichts-Feuchtigkeitscreme, Waschmittel in der Tube. Und ganz wichtig, um Blasen vorzubeugen: Hirschtalgcreme)
  • Medikamente (Salbe gegen Zerrungen u.ä., Kopfschmerztabletten, Alkoholpads, Blasenpflaster, weißes Fixierpflaster, Ohrstöpsel)
  • Mikrofaser-Handtuch
  • Papiere und Sonstiges (Ausweis und Kopie, EC-, Kredit- und Krankenversicherungskarte, Pilgerausweis, Telefon und Ladegerät/-kabel, Notizbuch und Stift, Pilgerführer mit Beschreibung des Wegs)
  • Verpflegung (1-1,5 Liter Wasser am besten in Edelstahlflasche, Taschenmesser, Notration: Trockenobst, Nüsse, Frucht-/Getreideriegel)
  • Nachdem ich manchmal Schwierigkeiten mit meinen Knien habe, nehme ich immer Teleskop-Wanderstöcke mit, die mir vor allem bergab gute Dienste leisten.

Jedes Jahr, wenn ich meinen Rucksack packe, steigt die Vorfreude auf die Reise und ich bin gespannt, was so alles auf mich zukommt und wie ich mit den Herausforderungen, die sich täglich stellen, umgehen werde. Ich freue mich auf die unbekannte Landschaft, auf die Menschen und auf die Erlebnisse außerhalb meiner Komfortzone.
Was ich heuer auf dem Weg von Porto nach Santiago de Compostela alles erlebt habe, folgt in der nächsten Geschichte.

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