In Südtirol erlernt man die Kunst der Langsamkeit


Wie ein neues Nature Retreat „Moments of Calm“ zelebriert

Südtirol (italienisch Alto Adige) steht für mediterrane Lebenslust, guten Wein, traumhafte Landschaft und romantisches Bergflair. Dass die Nord- und Süditaliener sich nicht ganz grün sind, vergessen wir jetzt mal. In Südtirol spricht man eh lieber Deutsch als Italienisch vermischt mit dem charmanten Dialekt der Gegend. Genauer gesagt gibt es über 40 verschiedene Dialektvarianten. Deutsch ist die Muttersprache von über 62 Prozent, Italienisch von etwa 23 Prozent der Bevölkerung und vier Prozent sprechen Ladinisch, hauptsächlich im Dolomitengebiet.

Eine Oase voller Licht und Ruhe

Seit Mai 2017 hat das Alto Adige ein neues Kleinod. Das Hotel Seehof Nature Retreat (4 Sterne)  in Natz bei Brixen. Das Ehepaar Tamaris und Andreas Auer, Hoteliers von Kindesbeinen an, hat es unter das Motto „Moments of Calm“ gestellt. Das von den Eltern ererbte Hotel wurde vollständig umgebaut und ist zu einem Schmuckstück erblüht. Alpine Bodenständigkeit und mediterrane Leichtigkeit geben sich hier die Hand. Wie gemalt fügt sich das moderne Gebäude in die Landschaft ein. Sobald man das Nature Retreat betritt, hat man das Gefühl, man befände sich in einer anderen Dimension, in der Stress und die Hektik des Alltags keinen Platz haben.

Eine berühmte Handschrift

Stefan Rier und Lukas Rungger, Schüler von Star-Architekt Matteo Thun, einer der berühmtesten Söhne der Region, haben mit ihrem Architekturbüro „Noa“  in Bozen die Gestaltung übernommen. Sie spiegelt Thuns klaren, reduzierten Stil wider. Helle, luftige Zimmer und Suiten mit teilweise offenen Bädern. Die Terrassentüren muss man einfach öffnen, um der Landschaft noch näher zu sein und dem Spiel der hauchdünnen Vorhänge zuzusehen, wenn sie sich in der sanften Brise des Abendwinds blähen. Sanfte Erd- und Steinfarben, akzentuiert mit einem Hauch von Lavendel- und Kupfertönen, finden sich im gesamten Haus. Letztere sind als Reminiszenz an den Großvater der Besitzer zu verstehen, der Wasserrohre in Pionierarbeit verlegen hat lassen, um 1958 das Hochplateau erstmals mit fließendem Wasser zu versorgen.

Entspannende Momente im Spa

Das Yang der Architektur schmiegt sich in das Yin der Landschaft. Direkt vor der weitläufigen Terrasse mit gemütlichen Lounge-Sofas breitet sich der private Natursee wie eine eigene See-Bühne aus. Zum Meditieren, zum Entschleunigen, aber auch zum Schwimmen. Auch von der verglasten Panorama-Sauna im Spa „La Primavera“ geniesst man den Blick aufs Wasser und hat sogar direkten Zugang zum See. Für Beckenschwimmer gibt es einen Infinity-Pool mit großzügigem Liegebereich. Das Spa bietet eine Vielzahl an entspannenden Methoden, die auf die jeweiligen Bedürfnisse des Gastes abgestimmt werden. Behandelt wird mit Produkten der deutschen Kosmetik-Linie Babor , ergänzt durch Südtiroler Pflege-Produkte von Vitalis und Team Dr. Joseph.

Köstlichkeiten aus der Region

Größten Wert auf Regionalität und Frische der Produkte legen die Hoteliers auch im Restaurantbereich. Von Fleisch und Gemüse über Bio-Milchprodukte bis hin zum heimischen Bienenhonig. Apfel-Haine beginnen gleich vor der Haustüre und erstrecken sich soweit das Auge reicht. Dem Abend-Restaurant vorgelagert findet sich der „Borgo dei Sapori“, ein „Marktplatz der Genüsse“. Dort türmen sich dreimal am Tag Köstlichkeiten in Hülle und Fülle – zum Frühstück, der mittäglichen Pasta und der für Südtirol so typischen „Marende“, die Brotzeit am Nachmittag. Im ursprünglichen Sinn wird sie nach getaner Arbeit gereicht, aber sie schmeckt auch ohne Plackerei!

Wandern mit dem Gastgeber

Hotelchef Andreas Auer lädt täglich vormittags zu einer mehrstündigen Wanderung ein, um von Natz aus die Gegend in und um die Bischofsstadt Brixen zu erkunden. Wer will, kann das natürlich auch alleine tun, zu Fuß, im Auto oder per Mountainbike. Auf alle Fälle darf eine Einkehr in einem der urigen Restaurants mit Südtiroler Küche nicht fehlen. Sie bietet die perfekte Symbiose aus deftiger Tiroler Hausmannskost mit leicht italienisch-mediterraner Note. Die Spezialitäten wie Gersten- und Tortelli-Suppe, Schlutzkrapfen, Ladiner Risotto, Kaiserschmarrn und Strauben sind mehr als eine Sünde wert.

Fünf Dinge, die man in Südtirol einfach nicht verpassen darf

Kloster Neustift oder auch Stift Neustift in der Gemeinde Vahrn bei Brixen ist die größte und älteste Klosteranlage in Tirol. Es wurde 1142 von Bischof Hartmann als Augustiner-Chorherrenstift gegründet. Die großflächige Anlage bietet viel zu Entdecken von der romanischen Stiftskirche, die im 18. Jahrhundert barockisiert wurde, zum Innenhof mit dem Brunnen, auf dem die sieben Weltwunder dargestellt sind, der Bibliothek im Rokokostil, der Türkenmauer und vor allem der Rundbau der Engelsburg, ehemals Hospiz und Verteidigungsanlage.

Theatralische Erlebnisführung gibt es zu unterschiedlichen Themen: „Auf den Spuren des Elefanten“ lernt man die Brixner Vergangenheit zwischen Mittelalter und Moderne kennen. „Auf sagenhafter Schatzsuche am Woody Walk“ wandert man mit zwei Hirten auf der Plose und lauscht spannenden Sagen und Geschichten. Wer es gern gruselig mag, bucht die Nachtwanderung „Hexen, Henker und Halunken“, die durch Brixens Altstadtgassen zu grauenvollen Vergehen und dunklen Mythen entführt. Tickets ab 10 Euro buchen bei Brixen Tourismus.

Ausflug auf den Hausberg von Brixen, die 2.500 Meter hoch gelegene Plose. Der weitläufige Gebirgsstock mit mehreren Gipfeln (Telegraph, Pfannspitze, Gabler) steht für eine fantastische Aussicht, viel Sonne (Südtirol verzeichnet 2.000 Sonnenstunden im Jahr), Hüttenvergnügen und schöne Wanderwege, beispielsweise zur Rossalm . Wer gern Räder unter sich hat, bucht ein Bike oder einen Mountaincart. Im Winter kann man auf rund 45 Pistenkilometern und acht Aufstiegsanlagen herrlich skifahren. Die Trametsch ist mit neun Kilometer die längste präparierte Abfahr Südtirols und stellt eine besondere Herausforderung dar.

Weinprobe auf einem Weingut. Nicht zu vernachlässigen sind die leckeren Südtiroler Weine, die von ca. 5.000 Weinbaubetrieben produziert werden. Obwohl das Anbaugebiet vergleichsweise klein ist, ist es sehr vielfältig mit etwa 20 verschiedenen Rebsorten. Zu 55 Prozent sind es Weißweinreben, die in den mineralischen Böden und dem Mikroklima exzellente Bedingungen finden. Der Köfererhof des Winzerpaars Gaby und Günther gehört zu den typischen Eisacktaler Weinhöfen mit langer Tradition. Auf 5,5 Hektar in 650 Metern gedeihen die Reben rund um den Bilderbuchhof in Vahrn. Ein Besuch lohnt sich.

Zum Törggelen nach Südtirol. Einheimische nennen es die fünfte Jahreszeit: Die Törggelen Saison findet von Oktober bis zu Beginn der Adventszeit statt. Entstanden ist sie auf den Bauernhöfen des Landes. Nach Einbringen der Ernte luden die Bauern ihre Helfer zum Essen ein und tischten auf, was der Herbst zu bieten hat. Törggelen leitet sich von der Torggel ab, der Traubenpresse im Kelterraum (lateinisch torquere – pressen). In Buschenschenken und Landgasthöfen von Brixen bis nach Barbian und Lajen fröhnt man heutzutage dem alten Brauch mit gebratenen Kastanien, Südtiroler Speck, dem harten Schüttelbrot, Hauswürsten mit Kraut und Schlachtplatte mit „Rippelen“. Im Vordergrund steht natürlich die Verkostung des jungen, noch nicht gegorenen Traubensafts, des „Nuien“. Wer gut isst, muss sich auch bewegen. Deshalb gehört zum traditionellen Törggelen auch eine Wanderung im Eisacktal. Und eines ist sicher: einmal törggelen, immer törggelen!

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CultureAndCream-Autorin aus München

Beruflich als Beauty-Journalistin zu reisen, war mir nicht genug. Sechs Monate Weltreise haben auch nicht gereicht. Immer wieder zieht es mich in andere Städte, fremde Länder, zu Roadtrips und an Locations, die man kennenlernen sollte. Mich interessieren nicht nur „culture“ und „cream“, sondern auch Menschen, die Geschichten zu erzählen haben. Auf solche Reisen möchte ich euch mitnehmen.

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