Rendezvous mit Marilyn Monroe


Der geheime Promi-Friedhof von Los Angeles

Er stand schon lange auf meiner Los Angeles To-do Liste: der Westwood Village Memorial Park Cemetery, südlich des Millionärviertels Bel Air. Dass es mich ausgerechnet am Totensonntag dorthin zieht… Zufall? Den unscheinbaren Friedhof hinter dem iPic Theatre am Wilshire Boulevard zu finden, ist nicht ganz einfach. Mehrfaches Fragen von Passanten und Anwohnern bleibt erfolglos. Erst eine kleine, alte Dame, die gerade in ihr Auto einsteigen will, nickt wissend und beschreibt mir den richtigen Weg zur Adresse 1218 Glendon Avenue. „Er liegt versteckt zwischen der Bücherei dort und dem Parkhaus. Genau da geht der Weg rein“, sagt sie und zeigt mit dem Finger auf zwei kastige, unansehnliche Gebäude und einen Durchgang dazwischen. Die Gräber müssen sich demnach über der Tiefgarage befinden.

Der Ort scheint tatsächlich ein Geheimtipp zu sein in dem Viertel mit all seinen Hochhäusern von Banken, Immobilienfirmen und Öl-Konzernen. Ich bin die einzige, die sich an diesem sonnigen Sonntagmorgen hierher verirrt hat, um Marilyn Monroes Grab und die Ruhestätte von unzähligen weiteren Hollywoodschauspielern, Regisseuren, Drehbuchautoren und Schriftstellern zu besuchen. Es ist eine kleine grüne Oase mit alten knorrigen Bäumen, darunter ein riesiger Kastanienbaum, der seine Äste beschützend über dem Grün ausbreitet. Die eine Seite ist eingerahmt von mehreren schmalen Urnenhallen. In den ersten sind die bronzenen Plaketten der Verstorbenen an den steinernen Wänden so eng aneinander gesetzt und bis unter die Decke platziert, dass es schwer fällt, die Namen zu entziffern. Blumenbepflanzte Gräber sucht man vergebens. Einzelne größere Gedenksteine wie die von Farrah  Fawcett, Walter Matthau und „Colombo“ Peter Falk überragen grüne weiche Grasflächen. Bei Jack Lemmon wird die nackte, braune Erde gerade neu angesät. Namensplaketten von berühmten Menschen und Normalsterblichen liest man überall –  an Mauern, auf kurzen Säulen in kleinen Wasserbecken oder auf steinernen Bänken. Andere sind einfach auf einzelnen gepflasterten Wegen eingraviert. Der Memorial Park ist tatsächlich mehr Park als Friedhof. Es ist ein Platz zum Verweilen, Ausruhen und zum Nachdenken.

Als ich den Park gerade verlassen will, kommt mir ein Mann mit einer einzelnen frischen, dunkelroten Rose in der Hand entgegen. Ich warte, wohin er geht – zu Marilyns Grab.

Marilyn Monroes Gedenkstätte zu finden, hilft mir ein Rosenbusch, der vor der Urnenwand gepflanzt ist, sowie die gelblich verfärbte Marmorplatte ihrer kleinen Kruft. Der Platz links neben ihr ist von vielen roten Kussmünder bedeckt, trägt aber keinen Namen. Hier soll der erst kürzlich verstorbene „Playboy“-Gründer Hugh Hefner beigesetzt sein. Er soll sich die Grabstätte an Marilyns Seite bereits 1992 für 75.000 Dollar gesichert haben. Monroe, die 1962 verstorben ist, zierte 1953 das Cover der ersten „Playboy“-Ausgabe und verhalf dem Männermagazin damit zu einem Riesenerfolg.  Neben ihrem Namen steckt in der bronzenen Vase eine einzelne, fast schon verblühte dunkelrote Rose inmitten einem Strauß von frischen, weißen Blüten. Von der Liebe ihrer Verehrer und dass sie bis heute unvergessen ist, zeugt eine schlichte graue Marmorbank mit schwarzer Inschrift „In Remembrance of Marilyn Monroe from her many Fans“ vor der Urnenwand. Wer mehr über MM wissen möchte: Viele Information, auch solche, die mir noch neu waren, findet man auf marylinmonroepages.com/fans.

Wie bei ihr sind außer dem Namen bei allen Verstorbenen nur Geburts- und Sterbejahr vermerkt. Einige haben von ihren Lieben mehr oder weniger weise Sprüche auf ihre letzte Reise mitbekommen. Da steht zum Beispiel „Good Night Sweet Princess“ oder auch ein „parked quietly“.  Rita Kaslov, verstorben 2005, verrät auf ihrem rötlichen Marmorstein, dass sie einst ein Medium war und das Handlesen bei ihr fünf Dollar gekostet hat. Auf ihrem Stein lies sie außerdem vermerken: „Diamonds are a Girls best Friend“. Dean Martins Grab ziert außer den von Besuchern an der oberen Kante aufgereihten Cent-Münzen die Titelzeile einer seiner berühmtesten Songs „Everybody loves somebody sometimes.“ Und bei Billy Wilder, der das Drehbuch zu Marilyn Monroes ersten großen Filmerfolg „Manche mögen‘s heiß“ (1959) geschrieben hat, heißt es „I’m a Writer but then Nobody‘s perfect“. Auf dem Rasengrab von Roy Orbison liegt ein weißer Cowboyhut mit seinen Geburts- und Sterbedaten und der Aufschrift „Crying“. Ganz in seiner Nachbarschaft sind Frank Zappa, Janis Joplin, Burt Lancaster und die unter mysteriösen Umständen ertrunkene Schauspielerin Nathalie Wood Wagner bestattet.

Als ich den Park gerade verlassen will, kommt mir ein Mann mit einer einzelnen frischen, dunkelroten Rose in der Hand entgegen. Ich warte, wohin er geht – zu Marilyns Grab.

 

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