Kleine Fluchten, oder wie man sich selbst motiviert
Kleine Fluchten gesucht…Es gibt Zeiten im Leben, die man am liebsten aus dem Gedächtnis und noch besser aus seinem Leben streichen möchte. In so einer befinde ich mich gerade. Alleine in einem anderen Land – fremd möchte ich Italien gar nicht nennen, da ich es ganz gut kenne und auch sehr liebe. Aber das tröstet mich im Moment auch nicht richtig.
Ich kämpfe seit längerem mit einer unangenehmen Gastritis, die mich weder eine köstliche Pasta noch die perfekt gebratene Tagliata in meinem Lieblingsrestaurant genießen lässt. Dazu habe ich einen riesigen Wasserschaden in einem Nebengebäude auf unserem Grundstück, der es unbewohnbar macht für Familie und Freunde.
Die Mühlen der Versicherungen mahlen auch in Italien langsam. Das kennt man ja. Doch eine große Renovierung steht für den Herbst an, die organisiert werden will. Im Hauptgebäude, in dem ich wohne, wird das Bad kernsaniert, was dringend nötig war bei einem 200 Jahre alten toskanischen Haus. Die Arbeiten gehen schleppend voran. Dann hat auch noch irgendein (un)netter Mensch mein Auto auf einer Seite beschädigt und ist abgehauen.
Es kommt noch schlimmer…
Das alles wäre noch nicht das Schlimmste, wenn mein Mann nicht gerade auch noch einen Herzinfarkt, genau gesagt einen Vorderwandinfarkt, erlitten hätte. Ganz ohne Vorwarnung, ohne Risikofaktoren und ohne Vorgeschichte. Zwei Stents mussten eingesetzt werden, dann Reha. Dann folgte ein weiterer Stent. Und das alles bei einem Menschen, der noch nie ernstlich krank gewesen ist. Ein Macher, den sein Körper bislang nie im Stich gelassen hatte und der sich daher auch keine besonderen Gedanken um ihn gemacht oder ihm besondere Aufmerksamkeit geschenkt hätte.
Deshalb hat er auch noch nicht richtig begriffen, dass er in seinem Alltag einen Schritt zurückschalten und sich mehr Ruhe gönnen muss. Das Leben auf der Überholspur ist vorbei. Auch mit dem Loslassen in seiner eigenen Firma klappt es nicht so richtig. Immer wieder gibt es deshalb gesundheitliche Rückschläge. Das Herz meldet sich eben, wenn es überfordert wird. Ich lebe seitdem in ständiger Angst um ihn. Dieses Auf und Ab zehrt an meinen ohnehin schon reduzierten Kräften.
Ich muss lernen mit dieser Angst umzugehen und auch akzeptieren, dass jeder Mensch letztendlich für sich selbst und sein Leben verantwortlich ist. Aber was man vom Kopf längst realisiert hat und wie man es dann umsetzt, das sind oft zwei verschiedene Dinge. Eben mein Lernprozess. Wie hat eine Freundin zu mir gesagt: Man bekommt im Leben immer das, was man auch schultern kann…
Selfmotivation
Sie werden jetzt vielleicht sagen, aber Sie leben in der Toskana doch an einem der schönsten Orte der Welt. Ja stimmt schon, aber wenn alles rundherum schwierig ist, hat das Auge auch einen getrübten Blick auf die Schönheit um einen herum. Und im einzelnen betrachtet sind das alles keine unüberwindlichen Schwierigkeiten, es gibt mit Sicherheit viel Schlimmeres. Trotzdem drückt es auf die Stimmung, wenn einfach so vieles zusammenkommt. Und es lähmt mich. Ich stelle eine gewisse Tatenlosigkeit und Demotivation fest, die ich sonst nicht an mir kenne.
Aber wie zieht man sich selbst am Schopf, um aus dem Sumpf der Tatenlosigkeit herauszukommen? Wie motiviere ich mich, um wieder aktiv zu erledigen, was anliegt und Probleme aus der Welt zu schaffen. Und wie stehe ich wieder auf, wenn ich eine Niederlage erlitten habe? Die Motivationsforschung sagt, dass man sich im Prinzip nur selbst motivieren kann. Es muss von innen, also aus mir heraus stattfinden. Um ins Handeln zu kommen, braucht es positive Energie und positive Gedanken. Kleine Fluchten müssen her.
Mein innerer Dialog
So geht es nicht weiter, hab ich mir gedacht. Ich muss mich wieder in eine positive Stimmung versetzen. Hängenlassen steht ohnehin nicht auf meiner Bucket List. Bei allen Unwegsamkeiten will ich meine Lebensfreude zurückgewinnen. Also habe ich mir mehrere kleine Fluchten gesucht, die mich aufmuntern. Beispielsweise habe ich mir eine 7tägigr Vitalkur per Infusionen verordnet. Täglich einmal an der Nadel hängen, und Health Goodies wie Spermidin, Vitamin C etc. durch die Venen laufen zu lassen. Tatsächlich. Nach einer Woche fühlte ich mich schon viel fitter und voller Energie.
Statt grübelnd zu Hause zu sitzen, unternehme ich mehr. Anfangs muss ich mich ehrlich gesagt dazu zwingen, aber bald freue ich mich darauf. Ich mache lange Spaziergänge mit meinem Hund Byron in neuen Gefilden statt der gewohnten Gassi-Runde und entdecke dabei wunderschöne Gegenden und Wanderwege. Dort gehe ich mit offenen Augen durch die Natur, präge mir deren Schönheit im einzelnen ein. Ich mache Ausflüge in die kleinen mittelalterlichen Dörfer der Umgebung und erfreue mich an den alten Bauwerken.
Mit einer lieben Freundin besuche ich ein leckeres, kleines Fischrestaurant in Subbiano. Im „I tre Gamberi“ kocht und bedient Besitzerin Betty selbst. Ich genieße den Abend zu zweit. Bei einem Stadtbummel in Arezzo kaufe ich mir einen Talisman. Das Corno, auch als Cornicello oder Glückshorn bezeichnet, ist in Italien ein traditionelles Amulett, das vor dem „bösen Blick“ (Malocchio) und Unglück schützen und Glück bringen soll. Das kann ich gerade dringend brauchen…
Kleine Fluchten: Pläne schmieden
Ich setze alles daran, um mich in eine positive Gefühlslage zu versetzen. Ich konzentriere mich auf schöne Dinge, ohne die Schwierigkeiten, die mir immer noch ins Haus stehen, aus meinem Denken zu verbannen. Aber sie nehmen nicht mehr den meisten Raum in meiner Gedankenwelt ein. Ich schmiede Pläne für Dinge in der Zukunft, auf die ich mich schon jetzt freuen kann.
Beispielsweise ein Kurztrip mit meiner Schwester nach Marokko im Herbst. Marrakech ist eine meiner Lieblingsstädte und bringt mich immer auf neue Ideen für Einrichtung und Wohndesign. Ich überlege, was ich für mein Zuhause brauchen kann, um es noch gemütlicher zu machen. Auf alle Fälle einen Teppich. Ich messe schon mal den Raum ab und schreibe mir die Maße auf…
Für den Spätsommer plane ich ein Wochenende mit Mann und Hund am tyrrhenisches Meer. Es wird ihm und mir gut tun. Mal wieder nur zu zweit etwas Schönes unternehmen mit Spaziergängen am Strand und Dinner for two. Bislang hat immer die Zeit gefehlt für so einen Trip. Falsch. Wir haben sie uns einfach nicht genommen. Aber die Planung macht mir schon jetzt so viel Freude wie das Verreisen selbst. Das alles erzeugt bei mir positive Gefühle, die mich das Leben wieder besser meistern lassen. Kleine Fluchten können so viel bewirken!
Fluchten, Motivierung, Selbsthilfe

CultureAndCream-Autorin aus München
Beruflich als Beauty-Journalistin zu reisen, war mir nicht genug. Sechs Monate Weltreise haben auch nicht gereicht. Immer wieder zieht es mich in andere Städte, fremde Länder, zu Roadtrips und an Locations, die man kennenlernen sollte. Mich interessieren nicht nur „culture“ und „cream“, sondern auch Menschen, die Geschichten zu erzählen haben. Auf solche Reisen möchte ich euch mitnehmen.






Catherine Beasley
Danke für deine ehrlichen Worte, Margit. Es ist inspirierend zu sehen, wie du trotz aller Herausforderungen kleine Momente der Freude und Kraft für dich findest. drift hunters
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