Intime Themen, über die Frau nicht gerne spricht


Ob nach Schwangerschaften oder Wechseljahren, wenn die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist, kann es zu allerhand körperlichen Problemen kommen – von Inkontinenz bis zu Orgasmus-Schwierigkeiten. Auch verschiedene vaginale Veränderungen können die Lebensqualität einer Frau physisch, psychologisch und sexuell beeinträchtigen. Dagegen gibt es zwei neue, nicht invasive Methoden. Der Münchner Gynäkologe Dr. Maximilian Franz erklärt, wann und wie sie einzusetzen sind.

Emsella Chair – Bitte Platz nehmen

Der BTL Emsella Chair sieht aus wie eine Mischung aus 50er-Jahre Friseurstuhl und postmodernem Sessel. Man sitzt sehr aufrecht und mittig auf dem harten Stuhl, keine Lümmelposition, – und schon geht es los. Das System schickt fokussierte elektromagnetische Wellen durch den Unterleib und löst dadurch supermaximale Muskelkontraktionen aus. Über ein  Steuerungstool wird die Intensität reguliert. Es beginnt mit niedrigen Elektroimpulsen, die bis auf 100 Prozent gesteigert werden. Der Emsella (Em- wie elektromagnetisch, sella, lateinisch für Stuhl) wurde von Urologen entwickelt und ist FDA-geprüft. In den USA ist das Beckenbodenwunder längst ein Renner, denn eine 30-minütige Sitzung entspricht 12.000 Kontraktionen. Das kann mit keinem anderen Beckenbodentraining erreicht werden. Schmerzen hat man währenddessen keine. Zu spüren ist ein Kribbeln, unterbrochen von Stoßbewegungen. Man kann lesen, Musik hören oder nur vor sich hin träumen. Nur das Handy darf nicht mit Platz nehmen. Laute einer Pilotstudie tritt eine Verbesserung der Beschwerden oft bereits nach ein, zwei Sitzungen ein. Übrigens bei Frauen wie Männern. Nach der zweiten Sitzung fühlt sich die untere Bauchmuskulatur fester an. Auch die untere Rückenmuskulatur wird gestärkt. Aber das sind die angenehmen Nebeneffekte. Nach der sechsten Sitzung hat sich durch die komplexe Straffung die Inkontinenz reduziert, und durch die Kräftigung des Beckenbodens kann dieser wieder bewusster angespannt werden. Die Orgasmus-Fähigkeit bei Frauen verbessert sich erheblich, bei Männern die Potenzstörungen.

Das sagt der Experte Dr. Maximilian Franz

Warum ist es eigentlich so schwierig, den Beckenboden zu trainieren?

Vor allem Schwangerschaften sorgen dafür, dass die Beckenbodenmuskulatur gedehnt und sehr belastet wird. Fehlendes Training sowieso. Und wer sie trainieren will, kann es eigentlich schlecht, weil man gar nicht, wo man trainieren soll. Vielfach findet man den Muskel überhaupt nicht. Man weiß oben im Kopf nicht ganz genau, wie man den Muskel unten kontrahiert. Da fehlt sozusagen das Mapping über die Zuordnung auf der Hirnrinde vom Muskel.

Wie viele Sitzungen braucht man auf dem Stuhl?

Empfohlen sind erstmal sechs Anwendungen mit wöchentlichen Abständen und anschließend drei Wochen warten. Auch wenn man den Bizeps trainiert, sieht man nicht von heute auf morgen wie er anschwillt. Dann ist es natürlich auch gut, wenn man danach selbst weiter trainiert. Man weiß ja jetzt, wo der Muskel sitzt und wo man anspannen muss. Dann sollte man nach ein paar Wochen einen Effekt merken.

Wie kann man alleine weiter trainieren?

Ganz simpel, man kauft sich Liebeskugeln. Die tut man in die Scheide, und dann muss man sie drin behalten. Es geht nicht darum, dass die Kugeln ein Gefühl auslösen, sondern dass sie an Ort und Stelle bleiben. Dadurch wird der Beckenboden trainiert. Durch diese Kontraktionen wird das Ganze natürlich auch etwas fester und enger und damit orgasmusfähiger. Die klassische Behandlung beim Physiotherapeuten ist das Biofeedback-Training, wo man ein Gerät einführt in die Scheide und einen Drucksensor hat. Durch ihn bekommt man Feedback, wie fest man die Beckenbodenmuskulatur kontrahieren kann. Aber auch das beste Biofeedback-Training bringt nichts, wenn man a) keine Muskeln hat und b) nicht weiß, wo man zusammenkneifen muss. Gut ist auch Pilates, weil hier ein deutlicher Fokus auf der sogenannten Core-Muskulatur liegt. Diese Muskulatur (schräge, gerade, untere Bauchmuskulatur, Wirbelsäulenmuskulatur, Zwerchfell, Beckenboden) trägt den Rumpf des Körpers.

Juliet Laser – Veränderung im Intimbereich

Vaginale Atrophie, vaginales Relaxationssyndrom oder eine Inkontinenzsymptomatik sind mögliche Veränderungen, die in den unterschiedlichen Lebensabschnitten der Frau wie nach Geburten oder in den Wechseljahren auftreten. Ein neuer vaginaler Laser wird vor allem bei Beschwerden wie einer trockenen, gereizten und empfindlichen Scheidenhaut (Atrophie) oder bei einer Senkung der vorderen Scheidenwand (auch Blasensenkung genannt) angewandt. Dadurch wird die Scheidenhaut gestrafft, verdickt und ist wieder elastischer. Das bewirkt eine deutliche Verbesserung von Beschwerden wie Brennen oder Schmerzen beim Verkehr, Trockenheit, Juckreiz, Einrisse oder Brennen. Durch die Straffung der vorderen Scheidenwand unterhalb der Blase und Harnröhre erhält der Halteapparat der Harnröhre neuen Halt, und es stellt sich eine Verbesserung der Stress- oder Belastungsinkontinenz ein. Die Methode hilft auch bei Vulvudemie, wo vor allem junge Frauen unklares Jucken und Schmerzen an der Scheide haben. Ebenso erfolgreich eingesetzt wird das Juliet-Laser-System bei Lichen sclerosus (griech. Lichén = Flechte und sklerós = trocken, hart), einer chronischen, in Schüben verlaufenden, entzündlichen, aber nicht ansteckenden Hauterkrankung mit juckenden Flecken.

Das sagt der Experte Dr. Maximilian Franz

Was ist das für ein Laser-System?

Wir verwenden in unserer Praxis mit dem Juliet-Laser-System ein besonders schonendes Verfahren. Die spezielle Wellenlänge des Erbium:YAG-Lasers ermöglicht das Erreichen der submukosalen Schichten (lamina propria), die reich an Kollagen sind. Sie wirkt „selektiv“, ohne das umliegende Gewebe zu verletzen. Das neu entwickelte Behandlungselement für den vaginalen Einsatz wird in einer Sterilverpackung geliefert und ist für den Einmalgebrauch vorgesehen. Dies garantiert maximale Hygiene.

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Der Arzt führt die Laserspitze in die Scheide ein, und die Laserenergie wird in Form von Pulsen abgegeben. Die gesamte Behandlung dauert nur wenige Minuten und ist schnell, schmerzlos und diskret. Es ist keine Anästhesie erforderlich (da weder Schnitte noch Nähte durchgeführt werden). Zufriedenstellende Ergebnisse können in den meisten Fällen schon nach der ersten Sitzung beobachtet werden. Eine zweite Behandlung nach einigen Wochen ist empfohlen, um die Ergebnisse im Laufe der Zeit zu erhalten.

Was muss man nach dem Eingriff beachten?

Es wird empfohlen während der ersten drei Tage nach der Behandlung auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Man sollte auch keinen schweren körperlichen Betätigungen sowie sportlichen Aktivitäten nachgehen und den Besuch von Schwimmbads oder Sauna unterlassen.

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