Los Angeles – The Beauty And The Beast
Los Angeles gehört zu den Großstädten, die ich am häufigsten bereist habe. Vor allem wegen einer sehr lieben, langjährigen Freundin, die in Santa Monica lebt. Aus diesem Grund konnte ich die Veränderung der kalifornischen Metropole von einst nach jetzt genauer beobachten.
Mein aktueller Besuch in Los Angeles hat mich ziemlich betroffen gemacht. Klar, es ist immer noch eine faszinierende Stadt mit vielen schönen Facetten. Und trotzdem hat sich Vieles zum Schlechteren gewendet aufgrund der politischen Situation, wirtschaftlichen Veränderungen und Umwelt-Katastrophen.
Los Angeles – The Beauty
Los Angeles, die Stadt der Engel, ist mit unendlichen Sonnentagen verwöhnt. Sie hat wundervolle, lange Strände, tolle Geschäfte, unzählige Restaurants mit Cuisine aus aller Welt, Grünflächen und moderne Architektur neben schönen, alten Gebäuden. Und die Menschen, zumindest die meisten, sind freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit.
An jeder Ecke gibt es ein Fitness-, Pilates- oder Yoga-Studio. Sport und gutes Aussehen waren in Los Angeles und vor allem Hollywood schon immer oberstes Gebot. Die Angelenos joggen am Strand, Schwitzen auf Pilates-Reformern und strömen schon am frühen Morgen in knappen Pants und bauchfreien Tops in die Workout-Studio. Die Trinkflasche stets unter den Arm geklemmt.
Und dann die Aha-Momente, die mich staunen lassen. Ein Vorgeschmack auf die Zukunft holt mich hier täglich ein. Bargeld ist kaum noch von Nöten. Alles wird per App oder Karte bezahlt. Im Straßenverkehr begegnen einem täglich mehrmals weisse Autos ohne Fahrer. Sie heißen Waymo. Diese selbstfahrenden Wägen sind ein Versuchsmodel, das derzeit in Santa Monica und Umgebung bis hoch nach West-Hollywood von Jaguar gestartet wurde. Die Locals behaupten, dass Uber nach mehreren Übergriffen auf Fahrgäste nicht mehr sicher sei, und die fahrerlosen Automobile von Jaguar sollen das Problem lösen. App downloaden, Waymo bestellen und Ziel eingeben. Und los geht die Fahrt.
Ein weiterer Aha-Moment für mich in Los Angeles: Auf dem Gehweg überholen mich kleine rote oder andersfarbige Boxen, je nach Betreiber. Diese selbstfahrenden „Cocos“ oder „Briannas“ bringen Bestellungen aus Restaurants zu ihren Kunden nach Hause. Eine Erleichterung gerade für ältere Menschen, die weder ein Auto fahren können noch gut zu Fuß sind.
Los Angeles – The Beast
Aber da sind auch die Schattenseiten der 3,9 Millionen Metropole. Alles ist extrem teuer geworden. Hotelkosten von 400 $ pro Nacht sind keine Ausnahme und rechtfertigen dabei oft noch nicht mal den hohen Preis. Wer als Local in einem guten Viertel leben möchte, beispielsweise in Beverly Hills, aber noch nicht mal auf der Seite der Celebrity Villen, muss als Alleinstehender mindestens 225.000 $ im Jahr verdienen. Familien entsprechend mehr.
Für mein Frühstück to go – Joghurt und einen Cappuccino – komme ich nie unter 20 $ weg. Das Auto parken kostet ab 3,15 $ pro Viertelstunde. Einkaufen im Supermarkt ist auch nicht gerade ein Schnapper. Kein Wunder, dass überall in der Stadt Homeless people ihr Nachtlager aufschlagen. Man sieht sie in den Eingängen von repräsentativen Bürogebäuden, auf den Straßen, am Strand und sogar auf den Seitenstreifen der Freeways.
In dieser zweitgrößten Stadt der Vereinigten Staaten leben etwa 50.000 Menschen auf der Straße. Die meisten, etwa 5.000, findet man in einem Gebiet in der Innenstadt, das sich Skid Row nennt. Dort hausen sie in ausrangierten Autos oder Zelten rund um einen stillgelegten Bahnhof. In ganz Kalifornien, dem wirtschaftlich stärksten Bundesstaat der USA, haben ca. 115.000 Menschen keine feste Bleibe.
Die LA-Bürgermeisterin Karen Bass will das zumindest für ihre Stadt ändern. 1,3 Milliarden Dollar sollen in den nächsten Jahren fließen, um temporären und festen Wohnraum zu schaffen. Einen kleinen Erfolg kann sie bereits für sich verbuchen: Seit ihrem Amtsantritt im Dezember 2022 hat sie bereits rund 14.000 Menschen ein Zuhause verschafft. Nur New York City hat ein noch größeres Problem mit Obdachlosen. Dort leben schätzungsweise über 100.000 Menschen ohne dauerhafte Bleibe.
Santa Monica Promenade, ein Trauerspiel
Was auch noch negativ auffällt. Früher meine Lieblingsshopping-Meile, die Promenade der Third Street in Santa Monica, zwei Straßen vom Beach entfernt, ist kaum noch wieder zu erkennen. Hauseingänge riechen nach Urin. Es ist schmutzig, viele Ladengeschäfte sind leer. Die netten Boutiquen von früher sind verschwunden. Nur der riesige Apple Store ist immer noch da. Auch die einst imposanten, mit Efeu bewachsenen Dinosaurier-Skulpturen auf der Promenade sind verwahrlost. Randale sind an der Tagesordnung. An einem Tag meines Aufenthalts ereignet sich eine Schießerei. Ein Obdachloser hat einen Polizisten angeschossen. Die Polizei sucht ihn aus der Luft per Hubschrauber und am Boden mit Hunden, bis sie ihn nach vier Stunden verhaften können.
Die Folgen der Brandkatastrophe vom Januar 2025
Wenn man auf dem Ocean Drive von Santa Monica in Richtung Malibu weiterfährt, kann man noch immer die verheerenden Auswirkungen der Brandkatastrophe vom Januar dieses Jahres sehen. Die fünf Brände zerstörten über 11.000 Hektar Land und vernichteten Tausende von Häusern. Allein im vornehmen Vorort Pacific Palisades am nordwestlichen Rand von Los Angeles wurden mehr als 1.000 Wohngebäude zerstört.
Apokalyptische Bilder sind noch immer zu sehen – verkohlte Bäume und Palmen, ausgebrannte Autos und nackte Stelen, die in den Himmel ragen, wo einst Menschen lebten. Der Wiederaufbau gestaltet sich mühsam. Neben den hohen Kosten spielen auch die Verfügbarkeit von Baumaterialien und Fachkräften eine Rolle. Außerdem müssen die örtlichen Bauvorschriften eingehalten werden, die je nach Standort und Bebauungsplan variieren.
Downtown, das eigentliche Zentrum der Stadt
Downtown Los Angeles, das sich in den letzten Jahren aus der Schmuddelecke heraus gekämpft hatte und zu einem beliebten Wohn- und Entertainment-Viertel geworden ist, hat in den vergangenen Wochen besonders gelitten. Nach den Ausschreitungen und Demonstrationen mit großem Polizeiaufgebot und Einsatz der National Guard im Juni gab es Plünderungen und Verwüstungen.
Viele Ladenlokale wurden verlassen und stehen bis heute leer. Andere sind immer noch mit Holzverschalung gesichert, weil die riesigen Scheiben während der Randale eingeschlagen, wurden. Es waren nicht die zumeist friedlichen Demonstranten gegen Trumps Immigranten-Politik, sondern wie man von Einheimischen hört, angeheuerte Trupps, die auch in anderen Städten für Unruhen sorgen.
Schade um die schönen Fassaden der alten amerikanischen Gebäude wie The Stile Hotel. In dieser historischen, Location befand sich früher das United Artists Building mit dem United Theater on Broadway. Die Filmgesellschaft wurde 1919 von Charlie Chaplin und Schauspieler-Kollegen wie Mary Pickford und Douglas Fairbanks gegründet mit der Absicht, Filmschaffenden mehr kreative Freiheit und Unabhängigkeit von Produzenten zu gewähren.
Ein anderes historisches Gebäude ist das Downtown L.A. Proper Hotel. Es befindet sich in einem restaurierten Gebäude aus den 1920er Jahren und verfügt über 148 von Kelly Wearstler entworfene Zimmer und Suiten. Einfach atemberaubend ist der 360 Grad Blick vom Rooftop auf die Skyline. Mein Fazit: Downtown wird noch lange brauchen, um sich von diesen Schock zu erholen.
Einst top jetzt flop
Entvölkert und heruntergekommen ist auch die frühere Shopping-Meile der Melrose Avenue. Ihre hübschen kleinen Boutiquen sind verschwunden, stattdessen sind Tattoo- und Nagelstudios eingezogen. Ganze Ladenzeilen sind verweist.
Besser sieht es auf der Montana Avenue aus auf Santa Monicas Westside. Sie hat sich nach der Covid-Pandemie wieder etwas erholt und wird ihrem Ruf als Shopping- und Dining-Eldorado mit Dutzenden von Restaurants und kleinen Shops gerecht.
Flucht aus den Hollywood-Filmstudios
Auch Hollywood steckt in der Krise. Die Filmindustrie ist nicht mehr das, was sie früher war. Die großen Stars werden immer weniger. Die Filmbranche hat sich verändert. Aus Kostengründen wird häufiger im Ausland gedreht statt in den Studios. Nachdem der Oberste Gerichtshof die Auflösung des Studiosystems beschlossen hatte, wurden die fünf größten Filmstudios, die so genannten Big Five“ (Walt Disney Studios, Warner Bros., Paramount Pictures, Universal Pictures und Sony Pictures) gezwungen, ihre Kinos zu verkaufen und Produktionen einzuschränken.
Steigende Kosten, Stars, die zu Free Agents wurden, also nicht exklusiv an ein bestimmtes Filmstudio oder eine Produktionsfirma gebunden sind, und große Fernsehstudios, die Sendezeit konsumierten, haben die Goldene Ära Hollywoods beendet. Das letzte Jahr war das schlechteste für Dreharbeiten in Los Angeles seit 30 Jahren, abgesehen vom Pandemie-Desaster 2020. Inzwischen wird nur noch ein Fünftel der Fernsehsendungen und Spielfilme, die das amerikanische Publikum zu sehen bekommt, in Kalifornien gedreht.
Gouverneur Gavin Newsom forderte deshalb, die jährlichen Mittel für Kaliforniens sogenanntes Steuergutschriften-Programm für Film und Fernsehen von 330 Millionen auf 750 Millionen Dollar zu erhöhen. Zwei Gesetzesentwürfe dazu werden derzeit im kalifornischen Parlament beraten. Man kann nur hoffen…
Econimics, Los Angeles, Top&Flop

CultureAndCream-Autorin aus München
Beruflich als Beauty-Journalistin zu reisen, war mir nicht genug. Sechs Monate Weltreise haben auch nicht gereicht. Immer wieder zieht es mich in andere Städte, fremde Länder, zu Roadtrips und an Locations, die man kennenlernen sollte. Mich interessieren nicht nur „culture“ und „cream“, sondern auch Menschen, die Geschichten zu erzählen haben. Auf solche Reisen möchte ich euch mitnehmen.



























