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Malta – Die Kleine mit der großen Vergangenheit

Die Inselgruppe im Mittelmeer überrascht mit Liliput-Rekorden: Ihre Fläche ist mit 316 Quadratkilometern gerade mal so groß wie München. Ihre Hauptstadt Valletta ist die kleinste Europas. Und es gibt 6000 Jahre alte Ausgrabungen, die sogar die ägyptischen Pyramiden überbieten.

In Malta macht schon der Anflug auf den Flughafen deutlich: Hier haben wir es mit einem typischen Archipel im Mittelmeer zu tun, also einem Inselstaat, zu dem neben Malta auch Gozo und Comino gehören; dazu ein paar unbewohnte Kleinst-Inseln, eigentlich eher Felsen, die aus dem Meer ragen. Die Lage: Nur 90 Kilometer südlich von Sizilien, 295 Kilometer nördlich der afrikanischen Küste. Das verheißt Sonne (angeblich an 300 Tagen im Jahr), Hitze. Dazu zu jeder Jahreszeit kräftigen Wind, der auch hohe Temperaturen eher angenehm macht.

Mit dem Wassertaxi nach Valletta

Unser Hotel Verdi liegt im Küstenort Slema und ist nicht nur angenehm zum Wohnen, sondern auch ideal gelegen, um so viel wie möglich zu besichtigen. Am einfachsten wäre das per Mietauto. Aber der Verkehr ist heftig, die Staus sind oft lang, die Parkplätze rar. Und gefahren wird links – der langjährige britische Kolonialherr lässt grüßen. Wie gut, dass man in Malta nicht nur zu Fuß viel unternehmen kann, sondern auch öffentlich wunderbar von A nach B kommt, mit Bus oder Boot.

Schon der erste Ausflug nach Valletta, die Hauptstadt von Malta, zeigt, dass die Entscheidung gegen das Mietauto die richtige war: Per Wassertaxi geht es in nur zehn Minuten in die Hauptstadt. Im Boot haben gerade mal fünf bis sechs Personen Platz, vom pfiffigen Fährmann je nach Gewicht und Wellengang ausgeglichen platziert. Kommuniziert wird übrigens im besten Englisch – neben dem hoch komplizierten Maltesisch die zweite offizielle Landessprache.

Enge Gassen und viel Kultur

Unzählige enge verwinkelte Gassen, die oft über Treppen steil nach oben und unten führen, prägen Vallettas Stadtbild. Dieses Gewirr leitet automatisch kühle Luft von der Küste in die Stadt. Jetzt im Mai brauchen wir bei milden 22 Grad diesen Erfrischungseffekt noch nicht, aber im Sommer bei tropischer Hitze ist das sicher sehr angenehm.

Vorbei an zahllosen kleinen Kapellen und Kirchen geht es ins Zentrum, zur St. Johns Co-Cathedral, der ursprünglichen Hauptkirche des Johanniterordens. Sie wurde zwischen 1572 und 1577 erbaut und überrascht innen mit viel Gold, üppigen Barock-Elementen, sogar Originalbilder von Caravaggio gibt es. Der Boden der Kirche ist übersät mit rund 400 Marmor-Denkmälern, die die Gräber von Rittern und Würdenträgern markieren. Kein Wunder, dass die Kathedrale einer der Hauptanziehungspunkte Vallettas ist. Landen Kreuzfahrtschiffe im Hafen (und das tun sie eigentlich immer), schieben sich riesige Besuchermassen heran. Wie gut, dass man mit einen Online-Ticket an der Schlange vorbeilaufen darf…

Relaxen in den Barakka-Gardens

Nach der Besichtigung des Großmeisterpalasts, der Nationalbibliothek und des Tritonenbrunnen mit seinen mythologische Meereswesen (halb Mensch, halb Fisch) gönnen wir uns eine Verschnaufpause in den Festungsgärten. Eine wahrhaft grüne Oase, dicht bewachsen mit Mittelmeer-Zypressen, farbenfrohen Oleander-, Bougainvillea- und Hibiskuspflanzen sowie riesigen Callablüten. Und besten Aussichten aufs Mittelmeer.

Magisch zieht es uns wieder aufs Schiff, diesmal per Dampfer rund um den Hafen. Durchs azurblaue Wasser schippern wir entlang an Felsstränden, vorbei an der historischen Festungsanlage von St. Elmo. Immer wieder durchqueren wir Hafenbecken, von denen aus man in Stadtteile mit bunten Häusern schauen kann – und natürlich auf die unvermeidlichen Kreuzfahrt-Riesen.

Per Bus quer über die Insel

Für weiter entfernte Ausflüge bietet sich der Hop-Hop-Off Bus, der auch die entlegeneren Ecken der Insel anfährt. An den verschiedenen Haltestellen kann man bequem ein- und aussteigen. Der Fahrplan ist nicht immer zuverlässig, schließlich steht auch der Bus zwischendrin im Stau. Immerhin kriegen wir einiges von der maltesischen Landschaft mit.

Auf den ersten Blick wirkt sie wenig ansprechend mit kaum Grün und vielen Felsen. Schließlich bestehen Malta und seine Schwestern zum Großteil aus porösem Kalkstein, der durch Verwitterung teils bizarre Formen annimmt. Und schroffe Klippen formt, die die typisch maltesische Küste ausmachen. Zwischendrin dann doch einige der Natur abgetrotzte Olivenhaine, Weinlagen und Getreidefelder.

So gelangen wir so nach Mdina, der alten maltesischen Hauptstadt, Drehort für den Serienknüller Game of Thrones sowie Gladiator II. Offiziell bedeutet der Name „Stadt der Stille“. Das mag am sehr frühen Morgen oder im tiefen Winter so sein. An den meisten Tagen ist auch Mdina ein riesiger Touristenmagnet mit seinen verwinkelten Gassen, Klöstern, Kirchen. Etwas ruhiger geht es im fußläufig entfernten Rabat zu. Wir erkunden das Domus Romana, ein aristokratisches Stadthaus aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. mit den typischen Alltagsgegenstände dieser Zeit und prächtigen Marmorböden.

Die ältesten Tempel der Welt

Noch viel weiter zurück in die Geschichte? Auf Malta kein Problem. Die Megalit-Tempel Ħaġar Qim und Mnajdra an der Südwestküste werden zwischen 3.600 und 2.500 v. Chr. beziffert. Einsam liegen sie mitten in der Natur. Und sie sind ebenso Teil des UNESCO-Weltkulturerbes wie der noch viel ältere Ggantija-Tempel, den wir später auf der Nachbarinsel Gozo entdecken. Tatsächlich werden die Steinbauten aus der Megalith-Zeit als rund 1000 Jahre älter als die ägyptischen Pyramiden von Gizeh geschätzt und gelten mit 5.800 Jahren als älteste, freistehende, einigermaßen erhaltene Gebäude der Welt. Auch noch mit vielen Info-Tafeln wunderbar aufbereitet, so dass wir eine spannende Geschichtsstunde erhalten.

Leckere Snacks – und viel Fisch

Geschichte macht hungrig – auch dafür ist Malta bestens vorbereitet. Neben englischen Fish & Chips, italienischer Pasta oder Pizza gibt’s ganz eigene Spezialitäten. Ftira zum Beispiel, überbackenes, knuspriges Fladenbrot, süß gefüllt mit Pudding. Oder auch pikant mit Tomaten, Zwiebeln, Tunfisch, Oliven. Sie sind ebenso echte Sattmacher wie die buttrigen Blätterteigtaschen Pastizzi, gefüllt mit Schinken, Ricotta, Curry oder Spinat. Gerne auch mit Ziegenkäse, der vor allem auf Gozo hergestellt wird. Doch lieber süß? Die Malteser stehen auf eine zuckrige Füllung mit viel Nutella.

Ansonsten stehen oft Eintöpfe auf der Speisekarte. Gerne mit Kaninchen – und natürlich Fisch, der (hoffentlich) aus dem Mittelmeer stammt. Sicher tut er das im Dörfchen Marsaxlokk, berühmt für seinen kunterbunten Sonntags-Fischmarkt. Früh da sein hat oberste Priorität, sonst wird’s schnell zu voll und zu heiß. So haben wir uns eine Taxifahrt gegönnt – mit dem Anbieter Bolt, der auf Malta unglaublich verbreitet ist. Um 7 Uhr morgens sind vor allem Einheimische vor Ort, die mit den Fischern um Bestpreise für Sardinen, Muränen, Muscheln, Tunfisch feilschen. In vorderster Front die Restaurantbesitzer von Marsaxlokk, die ab 12 Uhr die besten Fischgerichte auf den Teller zaubern – Bedarf gibt’s genug.

Natürlich lockt das kristallblaue Meer auch Badefreunde an. Noch sind den meisten die gefühlt 16 Grad Wassertemperatur deutlich zu wenig – mir zumindest. Aber die typischen Badebuchten wie die Golden Bay, die Blaue Lagune auf Comino, das Blue Hole oder der Xlendi Beach auf Gozo sind auch echte Highlights fürs Auge – und per Schiffsausflug bestens zu erreichen. Sie machen Lust auf mehr Malta – das nächste Mal vielleicht bei Badetemperatur?

Malta, Mittelmeer

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