Wir bekommen einen Hund

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Die Geburt eines Kindes ist ein aufregendes Erlebnis. Doch fast genauso aufgeregt wie ich es damals bei meiner Tochter war bin ich vor der Ankunft unseres vierbeinigen Familienzuwachses. Ja, wir bekommen einen Hund.

Jahrelang hat mein Mann sein Veto eigelegt, wenn die Sprache auf das Thema kam. „Du bist zu viel auf Reisen, da hat ein Hund keinen Platz“ war stets sein schlagendes Argument. Recht hatte er leider auch damit. Denn in meinem letzten Redaktionsjob als Festangestellte war ich fast jede Woche auf irgendwelchen Terminen und Reisen. 36 Flüge allein bei der Lufthansa habe ich in einem Jahr gezählt, und das war keine Ausnahme.

Kein Hund im „Handtaschenformat“

Als Selbstständiger zu arbeiten gibt mir heute wesentlich mehr Freiheiten, meine Tage einzuteilen, und letztlich auch Corona geschuldet unternehme ich viel weniger Flugreisen. Die Zeit für einen Hund ist reif. Monatelang diskutierten wir in der Familie über Rasse, Größe, Geschlecht. Das Für und Wider eines Hundes aus dem Tierheim oder einer Zucht. Eines stand für mich von Anfang an fest: Ein „Handtaschenformat“ kommt für mich nicht in Frage. Meine Bag brauche ich für mich alleine. Außerdem will ich einen richtigen Hund, der auf seinen vier Beinen läuft und nicht herumgetragen werden muss oder will.

Ein Aufpasser für mich

Mein Mann plädierte für einen Labrador? Die Silberfarbenen finde ich zwar wunderschön, aber leider ist es ein Modehund und irgendwelche von unverantwortlicher Züchterhand herbeigeführten Gen-Mutationen, die denen viel Geld einbringen, möchte ich auch nicht unterstützen. Nicht umsonst erkennt der Verband die silberne Labradorfarbe nicht an. Hinzu kommt, dass diese Hunderasse als verfressen gilt. Sie ist ständig am Futtern. Auch weggeworfene Essensreste auf der Straße und im Park, so erzählen mir Freunde, ist vor ihnen nicht sicher. Labradore sind auch nicht gerade als Wachhund bekannt. Doch für unsere abgelegenen Wohnsituationen in Deutschland wie in meiner zweiten Heimat Italien brauche ich, wenn ich alleine unterwegs bin, eher einen vierbeinigen Beschützer.

Der Hund meiner Kindheit

Schließlich kamen wir auf die Hunderasse, die mich auch in meiner Kindheit mit großer Freude begleitet hat. Ein Airedale Terrier. In meinem Elternhaus hatten wir zwei, Vater und Sohn. Mit Astor oder Bärle als Aufpasser konnte meine Mutter den Kinderwagen bedenkenlos vor jedem Laden stehenlassen. Jeder Passant, der nur einen Blick auf das Baby werfen wollte, wurde mit einem Knurren vertrieben. Und noch einen Vorteil hat diese größte Terrier-Rasse, die ursprünglich aus Yorkshire kommt. Wegen ihres getrimmten Felles ist sie für Allergiker wie mich gut verträglich.

Also ein Airedale Terrier. Über eine Bekannte meiner Schwester in Berlin, die seit vielen Jahren dieser Hunderasse aus einer bestimmten Zucht im Norden Deutschlands die Treue hält und nur gute Erfahrungen gemacht hat, bekam ich die Adresse einer verläßlichen Züchterin. „Ihre Warteliste wäre lang“, meinte diese, „aber die meisten Interessenten wollen eine Hündin“. Ich lieber einen Rüden. Deshalb standen meine Chancen gar nicht so schlecht. Ich erfuhr: Eine Hündin würde bald gedeckt, die Kleinen wurden für Ende Juli erwartet.

Enttäuschung und Erwartung

Wir waren gespannt und zählten schon die Wochen. Zwei Monate dauerte die Schwangerschaft und dann würden noch zwölf Wochen vergehen, bis wir unseren Welpen in Empfang nehmen dürfen. Mein Mann hatte sich inzwischen auch mit dem Gedanken an das neue Familienmitglied angefreundet und meinte im Spaß, „ob er bereits ein Zimmer hellblau streichen sollte“.

Dann kam Anfang August die schlechte Nachricht. Jule hatte ganz entgegen ihre letzten beiden Schwangerschaften nur ein Junges geboren. Der Welpe war ein Mädchen, aber glücklicherweise gesund. Mutter und Kind wohlauf, wie man so schön sagt. Doch wir bekamen auch ein Trostpflaster. Bei Ruby, einer anderen Hündin, sei es Mitte September so weit, hieß es. Nun warten wir auf den nächsten Wurf. Der Ultraschall zeigte sieben Welpen. Die Züchterin meinte, wir hätten gute Chancen, dass diesmal ein Rüde für uns dabei wäre…

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