Das Reisen in den Zeiten von Covid

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Der Titel fiel mir ein in Anlehnung an eines meiner Lieblingsbücher von Gabriel García Márquez („Die Liebe in den Zeiten der Cholera“). Als Journalistin war mein bisheriges Berufsleben geprägt von Reisen. Ich habe mehr Zeiten auf in- und ausländischen Flughäfen und in der Luft verbracht als in meinem Büro in der Redaktion. In einem Jahr zählte die Lufthansa auf meinem Miles&More-Konto 36 Flüge. Auch privat war Reisen schon immer meine Leidenschaft. Bis auf die Antarktis habe ich alle sieben Kontinente viele Male bereist.

Noch im Februar letzten Jahres war ich für eine Story-Recherche auf drei Malediven-Inseln. Und dann kam das tückische, neue Virus – und von einem auf den anderen Tag war alles anders. Keine Reisen, keine Presse-Termine mehr. An Tagen, an denen ich etwas deprimiert bin über die momentane Situation, klicke ich mich auf dem Computer durch meine Fotos von den schönsten Trips und verreise in Gedanken. In solchen Momenten macht es mich besonders dankbar, dass ich schon so viel von der Welt gesehen habe. Wenigstens ein kleiner Trost.

Reisen ist jetzt anders

Wenn man so viel unterwegs ist, wird das Kofferpacken zur Routine. Jeder Handgriff sitzt. Man hat alles im Kopf, was man für die unterschiedlichen Destinationen und Wetterlagen benötigt. Nicht ein einziges Mal habe ich etwas Wichtiges zu Hause vergessen. Heute steht meine erste Reise nach den unzähligen Lockdowns an. Ich fahre für drei Tage zu meiner Schwester nach Berlin. Eigentlich nichts Weltbewegendes so eine sechsstündige Autofahrt, aber ich bin so aufgeregt wie früher als ich beispielsweise für drei Tage zu einer Parfüm-Präsentation nach Rajasthan eingeflogen wurde. Bloß nichts vergessen. Es kommt mir vor, als würde ich zum erstmal eine Reisetasche packen. Ich muss über mich selbst lachen. Klamotten rein, Klamotten raus, weil ich feststelle, dass man doch nicht viel braucht.

Ausgehen und Flanieren ist ja auch in Berlin nicht erlaubt. Also packt man ganz anders als früher. Keine Highheels, keine tollen Kleider. Nur Leisure wear, also Gemütliches wie zu Hause. Das berühmte Zitat von Karl Lagerfeld „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, würde er heute sicher auch revidieren und trendige Jogger kreieren. Denn geschäftstüchtig war er ja, der gute Karl.

Athflow nennt sich der neue Trend. Kein Schluffi-Look, sondern bequem und zugleich chic. So etwas packe ich jetzt auch ein. Denn die neuen Jogger haben in Materialien und Design längst nichts mehr gemein mit den ollen Turnvater-Jahn-Beinkleidern. Weiter geht’s. Brauche ich einen Regenmantel oder lieber die ultradünne Daunenjacke, die man klein zusammenrollen kann. Letztere darf mit, weil platzsparend. Endlich ist alles verstaut.

Dann sind die Kosmetika dran. Das Abfüllen von früher für den durchsichtigen Handgepäck-1-Liter-Beutel bleibt mir erspart. Wenigstens ein Vorteil. Alles an Tuben und Tiegeln, die ich heute morgen im Bad benutzt habe, kommt mit. Ach, und dann noch ein Trockenshampoo, damit ich in Berlin nicht gleich am nächsten Tag Haarewaschen muss. Die Beautybag ist fertig. Nein, doch nicht. Mein Lieblingsparfum von Byredo im ledernen Travel case hätte ich fast vergessen.

Stullen statt Restaurant

Nächste Station ist die Küche. Mein Mann wünscht sich für unterwegs ein paar Stullen, weil man ja nicht wie früher in einem netten Restaurant Pause machen kann. Es ist eben wirklich alles anders geworden, aber bestimmt nicht lustiger. Also Stullen schmieren, Kaffee kochen für die große, schwarze Thermoskanne, die ich als „Corona“-Ausrüstung bereits angeschafft habe. Ich komme mir vor wie zum Camping-Urlaub, und das war noch nie mein Ding. Endlich ist alles bereit, um ins Auto verfrachtet zu werden.

Ich schließe gerade die Haustüre ab, als es mir siedend heiß einfällt – die FFP2-Masken. So ein Reise-Utensil habe ich früher auch nicht gebraucht. Es ist eben wirklich alles anders. Also marsch, marsch zurück und die Masken holen. Puh, ohne die wäre ich unterwegs erstmal aufgeschmissen gewesen. Ohne darf man schließlich nicht mal zum Pinkeln in eine Tankstelle. Endlich sitzen wir im Auto gen Berlin. Nach gut einer halben Stunde bemerke ich, dass ich meine bereits gefüllte Wasserflasche in der Küche habe stehen lassen. Das wäre mir früher auch nie passiert. Aber jetzt ist es zu spät. Ich möchte endlich wieder so unbeschwert leben können wie früher. Leichtigkeit. Genau das fehlt den Reisen in Zeiten von Covid.

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