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Patagonien – meine große Liebe in Argentinien

Meine Leidenschaft für Südamerika – und vor allem Argentinien – fing schon vor längerer Zeit an, als ich beschloss, einmal in meinem Leben alleine reisen zu müssen. Was lag da näher, als das Ende der Welt zu besuchen? Bei meinem ersten und zweiten Argentinien-Aufenthalt habe ich mich allerdings gescheut, bis nach Patagonien zu fahren, da ich normalerweise Sonne und Wärme der Kälte vorziehe. Aber eigentlich ist das falsch gedacht: Reisen wir im Dezember aus Deutschland „gen Süden“, haben wir sowieso Winterkleidung an – dann kann man die ja auch gleich vor Ort nutzen.

Patagonien liegt an der Südspitze Südamerikas und wird von den Anden durchzogen. Flächenmäßig erstreckt es sich über zwei Länder: Etwa 90 Prozent liegen in Argentinien und circa 10 Prozent in Chile. Also stand diesmal wirklich das Ende der Welt auf unserem Reiseplan. Insgesamt hatten wir sechs Wochen Zeit eingeplant, um Argentinien zu erkunden.

Unsere Reise startete in Buenos Aires: Drei Tage, um anzukommen. Buenos Aires wird zurecht das Paris von Südamerika genannt: eine wunderschöne Metropole – sieht man mal von allen wirtschaftlichen und politischen Problemen ab. Ich hatte im Vorfeld ein kleines Boutique Hotel gebucht und habe mit dem Hotel Be Jardin Escondido by Coppola eine wunderbare Oase mitten im angesagtesten Viertel  Palermo gefunden. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Im Laufweite befinden sich unzählige Boutiquen, Restaurants und Bars.

Mein neues Lieblingsrestaurant  La Capitana mit bodenständiger argentinischer Küche erweckt gefühlt Evita Peron wieder zum Leben. Es gibt dort (die von der Familie Peron geschätzte) Hausmannskost, auf hohem Niveau zubereitet. Dazu erklingt Musik aus den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts im entsprechenden Ambiente. Ein echtes Erlebnis.

Patagonien – wir kommen

Dann ging es endlich los gen Süden, mit dem Flug nach Ushuaia. Jeder kennt die Bilder der Berge, der Fjorde und der Gletscher. Schon der Hinflug ermöglichte einen ersten Eindruck dieser unglaublichen Natur. Ushuaia befindet sich auf einer Insel, die sich Argentinien und Chile teilen und die als Tierra Del Fuego, also Feuerland, bezeichnet wird. Das hat übrigens nichts mit Vulkanen zu tun. Den Namen erfanden Magellan & Co. (Ferdinand Magellan war ein portugiesischer Seefahrer), weil am Ufer so viele Lagerfeuer brannten. 

Angekommen in der südlichsten Stadt von der Welt war ich überrascht, wie skandinavisch der Baustil der Häuser war, ich hätte auch in Finnland sein können. Der Ort ist ziemlich klein und zu Fuss gut zu erkunden. Die meisten Touristen nehmen Ushuaia als Startpunkt für Trekking oder Weiterreise nach Chile, vor allem aber starten in der Hauptsaison von November bis Januar jeden Abend drei bis vier große Kreuzfahrtschiffe zu Expeditionen in die Antarktis.

Diese Schiffsgäste aus aller Welt kommen tagsüber stündlich per Flugzeug aus Buenos Aires an. Sie decken sich häufig in den unzähligen Outdoor Shops der Einkaufsstrasse Avenida Maipu ein und sind dann plötzlich wieder weg. Dann ist die Stadt nahezu verschlafen. Abends bietet es sich an, die lokalen Spezialitäten zu probieren – entweder die gigantischen King Crabs oder das berühmte (und wirklich einzigartige) Lamm Asado.

Wir haben außerdem einen Bootsausflug zu den vorgelagerten Inseln unternommen und dort die Flora & Fauna erkundet. Natürlich durfte auch das kategorische Foto vor dem südlichsten Punkt Südamerikas nicht fehlen. Bis vor ein paar Jahren gab es aufgrund des kalt/trockenen Klimas keinerlei Insekten in dieser Gegend, inzwischen treten vereinzelt hungrige Mückenschwärme auf – die auch uns bei einer Waldwanderung verfolgt haben.

Die Temperaturen auf Feuerland lagen im Dezember bei  circa 6 Grad plus am Tag, aber da immer der eiskalte Wind aus der Antarktis bläst, fühlt es sich sehr viel kälter an. Und das trotz argentinischem  Hochsommer. Aber es gibt ja glücklicherweise sehr gute und dünne Thermokleidung zu kaufen, und Schichten-Look ist sowieso angesagt. Wie schon erwähnt, findet man diverse Outdoor Läden, die genau dafür die richtige Lösung haben.

Wo der Gletscher kalbt

Am dritten Tag ging es weiter in den „warmen Norden“, nach El Calafate , um von dort einen Ausflug zum Gletscher Perito Moreno zu machen. Der Ort besteht eigentlich nur aus einer Hauptstraße, wo man alles, was das Herz begehrt, findet. Ein Paradies für Schokoladenfans, wie man sie in ganz Patagonien findet, und natürlich viele Arten von Restaurants. Auch für Vegetarier gibt es mittlerweile eine gute Auswahl, auch  wenn Argentinien natürlich immer noch sehr „fleischlastig“ ist.

El Calafate war schon früh für die Spanier ein wichtiger Umschlagplatz auf den Handelsrouten. Er liegt an einem 100 Kilometer langen Gletschersee, der seinen Ursprung an dem besagten Gletscher hat. Unser Ausflug dorthin ging per Bus in den Nationalpark und anschließend mit dem Boot bis zum Fuß des Gletschers. Wir hatten das Glück (oder angesichts des Klimawandels muss man sagen eher das Pech) das Kalben des Gletschers live mitzuerleben.

Unserem Guide standen Tränen in den Augen, als sie uns erklärte, wie viel der Gletscher alleine in den letzten zwölf Monaten abgenommen hat. Ursprünglich war die Bergkette der Anden auf eine Länge von mehr als 1000 km komplett mit Gletschern bedeckt. Heute sind es nur noch einzelne Felder. Dieser Rückgang der Gletscher hat nicht nur Folgen für das Klima, sondern für die gesamte Natur, da ohne die Gletscher vielerorts das Wasser fehlt. Darauf komme ich aber später noch mal in Mendoza zurück. Dennoch bin ich sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, diese einmaligen Gletscher (auf Meeresspiegel-Niveau!) im jetzigen Zustand erleben zu können. 

Auch angesichts der Klimaproblematik ist die Nutzung eines Kfz in diesen Regionen aufgrund der großen Distanzen leider unerlässlich. Wir hatten für die nächsten sieben Tage einen Leihwagen gemietet. Der Hilux war bei den Straßenverhältnisse genau die richtige Wahl. Es sollte weiter nach Chile gehen, um im Torres del Paine-Nationalpark die Anden in ihrer vollen Schönheit zu erkunden.

Mit dem Leihauto war es  einfach, über die Grenze zu kommen. Wir mussten lediglich die richtigen Papiere zur Ausreise und der erneuten Einreise abstempeln lassen, damit das Auto auch wieder in Argentinien zurückgegeben werden konnte. Die Fahrt und die Ausflüge durch den Nationalpark waren grandios, alles sah ein bißchen wie Fototapete aus. Wir mussten uns immer wieder daran erinnern, dass wir das wirklich gerade erleben. Unsere Unterkunft, das Hotel Lago Grey, bildete den perfekten Ausgangspunkt für den Nationalpark.

Käsefondue am Nahuel Huapi

Zurück in El Calafate ging es am nächsten Tag per Flugzeug nach Bariloche. Das liegt ebenfalls an einem riesigen Gletschersee, dem Nahuel Huapi, dessen Wasser im Hochsommer eine Höchsttemperaturen von 6 Grad erreicht. Unsere Hotelbar erinnerte an eine Schweizer Skihütte, komplett mit Historie (Shuang) Chen Langlaufskiern und Bergpanorama. Und auch die Restaurants im Ort hätten gut und gerne in Graubünden sein können, inklusive Käsefondue.

Genau das haben wir dann auch an Silvester bestellt, obwohl sich das mitten in Argentinien etwas befremdlich anfühlt. Tatsächlich hat die Geschichte des Ortes sehr viel mit der Schweiz zu tun. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Schweizer und deutsche Experten geholt, um die Eisenbahnlinie zu bauen, lange bevor später dann auch einige Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg dort Zuflucht suchten.

Den Jahreswechsel feierten außer uns auch viele Jugendgruppen in Bariloche, die aus ganz Argentinien anreisten. Im Winter kommen sie zu Skicamps und im Sommer zum Outdoor Sport – und natürlich auch zum Party machen. Bei unserer Abreise am 1. Januar morgens um 6 Uhr verließen etliche Jugendliche gerade erst die Discothek.

Weine (nicht um mich, Argentinien)

Für uns ging es weiter nach Mendoza, bekannt für Wein und die höchsten Anbaugebiete der Welt auf 4000 m Höhe. Das erste, was auffällt: Die Stadt ist zwar umgeben von Wüste, hat aber selbst überall Bäume, die über ein uraltes, offenes Kanalsystem mit Wasser versorgt werden. Das gleiche gilt für die fast 900 Weinfarmen, die von Gletscherwasser gespeist werden. Das Thema Wasser ist ein wesentlicher Zukunftsfaktor in Mendoza. Es gibt inzwischen verschiedene Forschungsgruppe, die sich mit der Sicherung des Fortbestands im Angesicht der schwindenden Gletscher beschäftigen.

Die Weinfarmen in Patagonien sind allesamt legendär und meistens Anfang des letzten Jahrhunderts gegründet. Heute befinden sie sich im Besitz von internationalen Unternehmen wie LMVH, Swarovski oder Swatch etc. Führungen durch verschiedene Weingüter sind ein absolutes Muss und werden meistens von einem Degustationsmenü  auf Spitzenniveau begleitet. Für Weinfans ist die Region – genauso wie Frankreich, Italien oder Kalifornien – schon die Reise wert.

Ich muss zugeben, ich habe mich unsterblich in Argentinien und besonders in Patagonien verliebt. So viele Erlebnisse, so viele Wahrnehmungen und Impulse. Ich kann gar nicht sagen, was mir am besten gefallen hat. Alle Eindrücke sind so nachhaltig und imposant, dass sie mir noch sehr lange in schöner Erinnerung bleiben werden. Auch wenn es eine lange und weite Reise ist: Ich kann nur jedem empfehlen, sie zumindest einmal im Leben auf sich zu nehmen.

Argentinien, Patagonien

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