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Schottland – Das Land der herzlichen Menschen und der sagenumwobenen Landschaften

Es gibt Orte, die mehr sind als nur geografische Punkte auf der Landkarte. Sie sind Sehnsuchtsträume, Spiegel der eigenen Gedanken, und manchmal sogar ein Stück Zuhause, das man erst unterwegs entdeckt. Begleiten Sie mich auf meiner persönlichen Reise.

Schottland ist für mich genauso ein Ort. Zwischen nebelverhangenen Highlands, uralten Burgruinen und dem rauen Klang des Meeres habe ich nicht nur faszinierende Landschaften erlebt. Ich habe auch stille Momente erlebt, die nachklingen.

Kein klassischer Reisebericht

Diese Reise ist kein klassischer Reisebericht. Es ist ein Streifzug durch Geschichten, Begegnungen und Gefühle. Mit einem Hauch Magie, einem Glas Whisky und einer Prise Humor. Kommen Sie mit auf eine Reise, die nicht nur durch Schottland führt, sondern auch ein wenig durch das eigene Herz. Schottland, das Land, wo mehr Schafe als Menschen leben, wo nicht nur der Whisky allein trunken macht, sondern auch die magische Landschaft. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einließ, als ich der Einladung meiner dort ansässigen, schottischen Freundin – wir nennen sie Shona – auf dem Fuße folgte.

Meine romantischen Vorstellungen vom Nebel, der um die Burgruinen wabert, und mystischen Moorlandschaften, konnte ich direkt über die Tragfläche des Flugzeugs werfen, als ich zum ersten Mal in Inverness landete. Man stellt sich dieses Land ja immer mystisch und magisch vor. Ich kann euch sagen: Es ist noch viel mystischer und magischer, als man es sich überhaupt ausmalen kann.

Kilt, Kultur und coole Schotten

Mein Schottland-Abenteuer begann bereits am Flughafen Inverness, wobei „Flughafen“ ein großzügiger Begriff ist. Ich hatte das Gefühl, in Lummerland gelandet zu sein. Es gibt nämlich genau ein Gate, ein Kofferband und vermutlich auch nur einen Mann, der gleichzeitig Pilot, Gepäck-Logistiker und Sicherheitschef ist. Die Atmosphäre? Schottische Entspanntheit. Fast schon familiär.

Am Kofferband erwartete mich bereits Shona. Wir fielen uns überglücklich in die Arme, glücklich, uns endlich wiederzusehen. Dabei wussten wir beide nicht, was uns in den nächsten Tagen alles Spannendes, Skurriles und Stürmisches erwarten würde. Das Abenteuer hatte begonnen. Und es sah aus wie das karierte Gänseblümchen, eine Mischung aus schottischer Eigenwilligkeit und zarter Überraschung. Ein Symbol für das, was uns bevorstand: wild, weich und mit einem Muster, das keiner so recht deuten konnte.

Von Ardersier nach Iverness

Wohnen kann ich immer bei Shona. Früher lebte sie in einem verschlafenen Dorf, das ehemals ein Fischerdorf war. Offiziell heißt der Ort Ardersier. Kleine Häuser, viel Wind, und der Duft von Meer und Gemütlichkeit. Direkt am Moray Firth, das ist ein großer Arm der schottischen Nordsee, im Nordosten gelegen, befindet sich eine wunderschöne Küstenlandschaft, wo sich viele Delfine im Meer aufhalten. Wenn man Glück hat, kann man sie beobachten. In diesem früheren kleinen Fischerdorf fühlte ich mich immer sehr geborgen. Dem Klang des Meeresrauschens oder dem Geschrei der Möwen kann sich niemand entziehen.

Vor einiger Zeit zog Shona direkt nach Inverness. Etwas städtischer, aber genauso herzlich wird man empfangen und verwöhnt. Bei ihr zu wohnen, heißt nicht nur, ein Gästezimmer zu bekommen, man gehört praktisch mit zur Familie. Die Nachbarn grüßen, als wäre man schon immer da gewesen. Manche bringen sogar einen Kuchen vorbei, andere wollen einfach nur wissen, „wie’s denn so ist, in Old Germany“.

Viele von ihnen waren selbst schon dort, als Soldaten, als Reisende, als Austausch-Studenten. Und fast alle sagen dasselbe:“We love the Germans. So polite.“ Ich nicke und lächle. Später frage ich Shona: “Meinten sie höflich oder politisch?“ Sie lacht. „Höflich. Polite heißt höflich. Political wäre politisch.“ Ich atme erleichtert auf. Ich hatte schon befürchtet, sie halten uns für wandelnde Wahlplakate.

You are welcome, my dear! Kaum angekommen, gab’s zur Begrüßung Shonas Lieblingsgetränk: Whisky-Likör mit Cola. Ich nahm einen Schluck, seufzte zufrieden, und sagte ganz beiläufig: “Das schmeckt wie Nessie-Wasser“. Shona sah mich an, dann prusteten wir beide los. Der Name blieb. Von da an war Nessie-Wasser unser gemeinsames Lieblingsgetränk. „Obwohl“, sagte Shona, „du würdest als Kanzlerin eine gute Figur machen.“ „Aber nur, wenn ich Nessie-Wasser im Bundestag einführen darf.“ Und dann lachten wir beide und hatten einen Mords-Spaß.

Erster Ausflug: Fort George

Unser erster Ausflug in Schottland führte uns nach Fort George, eine Festung, die sich in einem exzellenten Zustand befindet. Kaum betritt man das Gelände, fühlt man sich direkt in eine andere Zeit versetzt. Die mächtigen Mauern, die akkurat gepflegten Kasernen und die weite Sicht über den Moray Firth lassen Geschichten nicht nur sichtbar, sondern spürbar werden.

Das Fort liegt ganz in der Nähe von Shonas früheren Wohnortes. Es ist fußläufig erreichbar, was es für mich zu einem vertrauten Ort macht, fast wie ein Nachbar mit steinernen Schultern. Es ist einer dieser Plätze, die man nicht nur besucht, sondern immer wieder aufsucht, wie alte Freunde, die nie langweilig werden. Neben Loch Ness und Eilean Donan Castle gehört Fort George zu meinen absoluten Highlights in den Highlands. Orte, die sich tief ins Herz graben und dort für immer bleiben.

An diesem Tag fand dort ein Mittelaltermarkt statt. Zwischen Zelten, Rüstungen und dem Duft von gebratenem Fleisch entdeckten wir einen Stand mit allerlei seltsam aussehenden Werkzeugen, rostig, spitz, und definitiv nicht für die Gartenarbeit gedacht. Dahinter stand ein schaurig aussehender Mann mit finsterem Blick und einem schottischen Akzent, der direkt aus einem düsteren Märchen stammen könnte.

Neugierig fragte ich ihn: “Sind Sie Arzt?“ Er grinste breit, seine Stimme rau wie Torf-Whisky „Lady, wenn ich mit dir fertig bin, brauchst du keinen Arzt mehr!“ Er war, wie sich herausstellte, der königliche Folterknecht. Wir bekamen sofort eine gehörige Portion Gänsehaut. Und einen nicht aufhören wollenden Lachkrampf obendrauf.

Loch Ness & Urquhart Castle

Natürlich durfte ein Besuch am berühmtesten See Schottlands nicht fehlen: Loch Ness. Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis. Kurvige Straßen, sattes Grün. Und immer wieder dieser geheimnisvolle Blick aufs Wasser, als könnte darin jeden Moment etwas auftauchen. Etwas Großes. Etwas Legendäres.
Loch Ness ist der größte See in Schottland. Die nicht minder bekannte Burgruine Urquhart Castle, liegt direkt am Ufer und bietet eine spektakuläre Aussicht auf den See. Die Ruine selbst erzählt Geschichten von Belagerungen, Königen und verlorenen Schlachten. Und doch wirkt sie friedlich, fast romantisch.

Als wir ankamen, spielte ein Dudelsack-Spieler auf dem typisch Instrument Schottlands, der „Great Highland Bagpipe“. Der Klang trug sich über das Wasser, vermischte sich mit dem Wind und ließ uns für einen Moment glauben, wir wären Teil eines Films. Ein bisschen klischeehaft? Vielleicht. Aber genau so, wie man es sich wünscht. Und dann – direkt am Ufer, zwischen zwei Steinen – entdeckten wir ein Schild. Handgeschrieben, leicht schief, aber eindeutig. „Bin im Urlaub, Nessie“.

Wir mussten laut lachen. Ob sie gerade in der Karibik planscht oder sich einfach eine Auszeit vom Star-Rummel gönnt- wer weiß? Dafür haben wir uns diese wunderschöne Burgruine angesehen. Das Museum dort ist auch sehr sehenswert und informativ. Aber eines ist sicher: Loch Ness ohne Nessie ist wie Tee ohne Shortbread. Es ist wie das fehlende Teil in einem Puzzle.

Eilean Donan Castle: mystische Ruine, gebaut für die Ewigkeit

Zwischen drei Lochs – Loch Duich, Loch Long und Loch Alsh – erhebt sich Eilean Donan Castle wie ein stiller Wächter der Highlands. Auf dem Weg in Richtung Isle of Skye begegnet man ihr plötzlich: Diese Burg, die aus Nebel und Legende zu bestehen scheint. Umgeben von Wind, Wasser und Kormoranen wirkt die Burg zeitlos, mystisch, rau und wunderschön. Dort sah ich zum ersten Mal eine Frau Dudelsack spielen. Ihre Great Highland Bagpipe klang mitreißend-kraftvoll, frei und voller Seele. Ein Moment, der mich tief berührt hat.

Und inspiriert. Denn wieder Zuhause habe ich mich auf die Suche nach einer Band gemacht. Und was soll ich sagen? Direkt in meiner Heimatstadt lebte eine Frau, die heute noch in dieser Band Mitglied ist. Sie nahm mich mit zur Probe. Danach habe ich dieses wundervolle Instrument spielen und lieben gelernt. Insgesamt war ich acht Jahre lang dabei. Immer, wenn ich diese unverkennbaren Töne höre, werde ich zurück an diesen Ort versetzt, wo Ewigkeit und Klang ineinander verschmelzen.

Last but not least – Inverness

Nach all der Weite Schottlands, lustigen Erlebnissen, dem Wind und den mystischen Klängen der Highlands stand abends ein Besuch im ältesten Pub der Stadt an. Livemusik, Dudelsack-Begleitung, dunkles Holz, volle Gläser und Geschichten, die mit jedem Pint besser wurden. Man kam sich vor wie in der Muppet-Show. Nicht nur, weil manche Gäste so aussehen. Sondern weil sie mit ihrem unverwechselbaren Charme und Humor eine ganz eigene Show auf die Beine stellen. Herzlich, herrlich, schräg. Zum Verlieben schön! Als Absacker noch ein Nessie-Wasser. Slange var (Prost auf Schottisch)!

Lust auf Schottland?

Ich hoffe, ich habe Ihnen mit meinem Bericht einen kleinen Geschmack auf Schottland gegeben. Mit jeder Reise entdeckt man mehr eindrucksvolle Landschaften, mit der typischen Flora und Fauna, bewegenden Geschichten und landestypischen Gerichten, wie Haggis mit Stampfkartoffeln und Steckrüben, den dort genüsslich weidenden Hochlandrindern, auch Cuttles genannt, sowie Schafen.
Schottland ist mehr als ein mystisches Land mit vermeintlich schlechtem Wetter und karierten Röcken. Schottland ist ein Land der Kontraste. Manchmal glaubt man, man steht in Bayern, auf einer deutschen Nordseeinsel, im Schwarzwald oder in der Lüneburger Heide. Und doch ist es immer unverkennbar Schottland: abwechslungsreich, geschichtsträchtig und einzigartig.

Mein Herz ist dort an einem Hügel hängengeblieben. Immer wieder ein Grund für mich, es wiederzufinden. Ich wünsche Ihnen eine fantastische, unvergessliche Schottland-Reise. Man sieht sich. Vielleicht in einem Kilt.

Reisebericht, Schottland

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