Kompetenz kennt kein Mindestalter
Jung. Weiblich. Erfolgreich. Drei Eigenschaften, die einzeln niemanden überraschen sollten. In Kombination sorgen sie in der Geschäftswelt aber erstaunlich oft noch für hochgezogene Augenbrauen. Was hinter steckt, erklärt Unternehmerin Stella Pollak, die sich als Mutmacherin einer neuen Business-Generation versteht.
Kompetenz wird oft mit bestimmten Attributen verknüpft. Typisch dafür ist die Ansage: „Dafür bist du aber noch ganz schön jung.“ Diesen Satz kenne ich gut. Er ist meistens als Kompliment gemeint und verrät trotzdem ziemlich viel darüber, wie wir Kompetenz noch immer betrachten. Als hätte sie ein Mindestalter. Als müsste man erst eine bestimmte Anzahl an Berufsjahren sammeln, bevor die eigene Meinung Gewicht bekommt. Und als wäre Erfolg bei einer jungen Frau noch immer ein kleines bisschen überraschender.
Kompetenz bekommt man nicht zum Geburtstag geschenkt
Dabei ist die entscheidende Frage doch nicht: Wie alt ist jemand? Sondern: Was kann dieser Mensch? Natürlich ist Erfahrung wertvoll. Aber Erfahrung und Alter sind nicht dasselbe. Wer seit 20 Jahren arbeitet, hat 20 Berufsjahre gesammelt. Ob daraus automatisch 20 Jahre Entwicklung entstanden sind, ist eine andere Frage. Man kann sehr lange dieselben Dinge auf dieselbe Weise tun. Und man kann innerhalb weniger Jahre enorm viel lernen, wenn man Verantwortung übernimmt, Entscheidungen trifft, Fehler macht und anschließend mit den Konsequenzen umgehen muss.
Ich habe mich mit 18 Jahren selbstständig gemacht. Nicht, weil ich damals schon alles wusste. Ganz im Gegenteil. Sondern weil ich angefangen habe, bevor ich mich für alles bereit gefühlt habe. Genau darin liegt für mich ein entscheidender Unterschied: Kompetenz entsteht nicht nur durch Wissen. Sie entsteht durchs Machen. Sie entsteht durch Entscheidungen, die funktionieren. Und vor allem durch jene, die es nicht tun.
Wer Verantwortung übernimmt, sammelt zwangsläufig Erfahrungen. Nicht immer die schönen. Manchmal sind es genau die Entscheidungen, bei denen man sich im Nachhinein fragt, was man sich eigentlich dabei gedacht hat, aus denen man am meisten lernt.
Junge Frauen – zu viele Regeln
Junge Frauen brauchen keine neue Bedienungsanleitung. Bei jungen Frauen kommt noch eine Ebene dazu. Sei selbstbewusst, aber nicht arrogant. Sei ambitioniert, aber nicht verbissen. Sei erfolgreich, aber bitte möglichst bescheiden damit. Setz dich durch, aber wirke nicht dominant. Zeig, was du kannst, aber bloß nicht zu viel davon. Ganz schön viele Regeln für Menschen, die eigentlich einfach ihren Job machen wollen. Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, jungen Frauen permanent zu erklären, wie sie auftreten müssen, damit man sie ernst nimmt.
Eine Frau muss nicht älter wirken, um kompetenter zu sein.… weiterlesen

C&C Autorin aus Igersheim
Stella Pollak ist Unternehmerin, Autorin und Mutmacherin einer neuen Business-Generation. Bereits mit 18 Jahren entschied sie sich für den Weg in die Selbstständigkeit und baute entgegen vieler Erwartungen mehrere Unternehmen auf. Heute führt sie drei Firmen und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, warum nicht Wissen oder Talent über Erfolg entscheiden, sondern häufig der Mut, den nächsten Schritt zu gehen.
