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Thailand – der vielfältige Süden

Mein Thailand Besuch war nicht nur Urlaub. Das Land, vor allem der Süden, ist ein Teil meiner emotionalen Heimat. Meine Tochter lebt dort seit über zehn Jahren, ebenso mein Schwiegersohn und seine weit verzweigte Familie. Es war eine Rückkehr nach vielen Jahren. Corona kam dazwischen und zwei Operationen, die mir die lange Reise von München nach Krabi unmöglich machten.

Thailand – zehn Jahre später. Bei meiner Rückkehr erkannte ich Bekanntes und erlebte viel Neues. Wo anfangen? Meine Tochter sagte: „Schreib doch eine Geschichte, wie das Leben in Thailand wirklich ist.“ Aus diesem Grund ist diese Geschichte auch mehr als ein reiner Reisebericht geworden. In Thailand, besonders wenn man in der Provinz oder wie meine Tochter auf einer kleinen Insel im Süden lebt, gehen die Uhren anders als bei uns in Europa. Und das liegt nicht nur an den sechs Stunden Zeitunterschied, die unsere Welten trennen. Hinzu kommt, dass sich der hauptsächlich muslimische Süden stark vom buddhistischen Norden Thailands unterscheidet.

Thailand liebt es süß

Vieles, was bei uns in Deutschland selbstverständlich ist, ist in Thailand unmöglich oder unerschwinglicher Luxus. Das beginnt schon bei den Lebensmitteln. Ein guter Käse. Fehlanzeige! Ein leckerer Naturjoghurt. Teuer, wenn man nicht in Zucker ertrinken möchte. Hier ist alles gezuckert. In einem Restaurant oder Café einen ungesüssten Smoothie aus frischen Früchten zu bekommen, ist extrem erklärungsbedürftig. Und meine Tochter spricht Thai. Also an der Sprache liegt es nicht. Auch nicht „waan nid noi“ (ein wenig) – wird dann meist gefragt. Nein, danke. Ganz ohne Zucker bitte. Mein Sprüchlein muss ich immer wieder aufsagen.

Für das neue Haus meiner Tochter in Krabi ein wenig hübsche Deko zu finden, ist nahezu aussichtslos. Man müsste sie schon aus Bangkok heranschaffen, und das ist 800 km entfernt. Süd-Thais denken eben praktisch. Alles, was nicht für den Alltag unverzichtbar ist, gilt als unnütz. Bei dem, was die meisten Menschen hier in Thailands Süden mit ihrer Arbeit verdienen, rund 300 Euro im Monat, ist das nicht weiter verwunderlich. Essen nimmt einen hohen Stellenwert ein. Heißt es bei uns, erst die Arbeit, dann das Vergnügen, kommt bei den Thais die Nahrungsaufnahme an erster Stelle: erst essen, dann essen, dann die Arbeit.

Bloß keine Konflkte

Wer in Thailand leben will, muss sich das deutsche Denken schnell abgewöhnen. Auch was das Miteinander angeht. Wenn bei uns jemand lächelt, was leider heutzutage immer seltener vorkommt, ist das tatsächlich ein Lächeln. Thais lächeln immer, wenn sie es mit Fremden zu tun haben. Aber meist ist es nur Fassade. Lächeln dient der Vermeidung von Konflikten, und die wollen Thais um jeden Preis vermeiden. Die Augen sprechen dabei oft eine andere Sprache. Aber in die schaut man hier nicht. Das ist eher unhöflich.

Dabei sind die Menschen äußerst kommunikativ. Sie sind ständig am ratschen und sehr neugierig. Meine Tochter findet das manchmal anstrengend, weil die Fragen sich in Endlosschleife wiederholen. Ich bleibe davon verschont, weil ich die Sprache nicht spreche – außer den paar Höflichkeitsfloskeln. Trotzdem ist der Umgang mit den Menschen hier angenehm. Sie sind höflich, freundlich und hilfsbereit. Das ist mir schon bei meiner Ankunft am Flughafen in Bangkok aufgefallen. Während man bei uns ignoriert oder angepflaumt wird, ist in Thailand sofort eine helfende Hand zur Seite, wenn man offensichtlich etwas nicht findet oder nicht zurecht kommt.

Immer schön leise

Thais bewegen sich leise und unauffällig, demütig dem Leben gegenüber. Das merkt man schon am Gang. Sie gehen nicht aufrecht mit gestrafften Schultern wie wir. Ihre Haltung ist eher gebückt, der Blick nach unten gerichtet, wenn sie an Passanten und speziell an Betenden vorübergehen. Wenn beim Autofahren gehupt wird, dann nicht aus Ärger oder um den anderen zu massregeln. Allenfalls zur Begrüßung eines Bekannten wird die Hupe eingesetzt. Verkehrsregeln sind eher optional. Jeder fährt, wie es ihm gerade passt. Und trotzdem funktioniert es – zumindest meist. Ich bin trotzdem sehr froh, dass bei unseren Unternehmungen meine Tochter am Steuer sitzt.

Unser erster Ausflug

Er führt uns in die Provinz Krabi, Genauer gesagt zum Khlong Root Canal, ein Gebiet das als Hauptdrehort für „Jurassic Park“ diente. Dramatische Kalksteinfelsen wechseln sich mit üppiger Vegetation ab. Und in der Tat fühlt man sich auf den malerischen Wasserstraßen mit ihrem kristallklaren, smaragdgrünen Wasser und dem dichtem Dschungel sofort in den Film mit den prähistorischen Dinosauriern versetzt. Für Familien ist Klongh Nam Sam ein beliebtes Ausflugsziel – zum Baden in der „Crystal Lagoon“ oder Paddeln durch den ruhigen, von Bäumen und wilden Orchideen gesäumten Kanal oder bei der Erkundung der Mangrovenwelt.  

Das krasse Gegenteil zu dem ruhigen Naturschauspiel ist der Touristen-Hotspot Ao Nang, früher ein gemütlich-verschlafenes Fischerdorf. Heute reiht sich entlang der Hauptstraße Restaurant an Bar an Reisebüro an Massagesalon. Der lange Strand an der Andamanensee wäre immer noch sehr schön, würde er nicht von Touri-Massen überfüllt sein. Zahlreiche Langboot-Touren werden an die Strände von Kalkstein-Inseln wie Ko Hong, Ko Poda und Ko Gai (Chicken Island) angeboten. Auch wenn die Umgebung noch so malerisch ist, nichts wie weg von hier.

Dagegen ist der Ao Nang Mountain Buddha Temple (oft Wat Phu Khao Phra Maha Bodhisattva genannt), etwa 3-4 km nordöstlich vom Ao Nang Strand, ein Erholungsort. Er gehört zu den weniger überlaufenen Geheimtipps in der Krabi-Region. Wer die vielen Stufen nach oben zu der goldenen Buddha-Statue mit Tempelanlage am Berghang nicht scheut, wird mit eine toller Aussicht auf die fantastischen Kalksteinfelsen belohnt. Der Eintritt ist übrigens kostenlos, was in Thailand nicht sehr oft vorkommt. Und als Tourist zahlt man dann meist das Vielfache der Einheimischen-Preise.

Ein weiterer Tag in Krabi Stadt

Wir lassen ihn entspannt angehen mit einer wunderbar entspannenden Thai-Massage in der Nähe des Pak Nam. Der Krabi-Fluss ist ein fünf Kilometer langer, von Mangroven gesäumter Mündungsarm der Andamanensee, Besonders hervorzuheben ist das River Restaurant, das einzige Floating Restaurant in der Stadt, direkt am Fluss gelegen mit Live Musik am Abend, sehr gutem Seafood und aufmerksamer Bedienung. Gut essen und coole Drinks findet man auch in der „45 degrees BAR Krabi“. Sicher ein guter Ausklang nach einem Besuch des Night Market. Am Wochenende mit Lebensmitteln, Kleidung und Souvenirs sowie Live Musik und Sitzgelegenheiten.

Als „White Temple“ ist der schneeweiße Tempel Wat Kaew Korawaram (oft auch nur Wat Kaew genannt) bekannt, der sich auf einem Hügel im Zentrum von Krabi Town befindet. Er ist der größte und bedeutendste buddhistische Tempel der Stadt. Der Haupttempel ist strahlend weiß, während der Innenraum mit farbenfrohen Fresken verziert ist. Die beeindruckende weiße Treppe, die nach oben führt, säumen Naga-Schlangen.

Nicht vergessen: Beim Betreten von religiösen Bauwerken müssen in Thailand Schultern und Knie bedeckt sein. Die Schuhe müssen vor dem Betreten des Tempelgebäudes ausgezogen werden – das gilt übrigens auch für Wohnhäuser, Massagesalon und einige kleinere Geschäfte. Eine Schuhsammlung vor der Tür ist das eindeutige Zeichen, die Schuhe ebenfalls dort abzustellen. Es dient der Sauberkeit und dem Respekt

Insel-Leben auf Kho Siboya

Die Siboya Bungalows auf Koh Siboya sind für die nächsten zehn Tage mein Zuhause. Das idyllische Insel-Resort, geführt von Mr. Chung, bietet eine herzliche Atmosphäre und absolute Ruhe fernab vom Massen-Tourismus. Das hauseigene Restaurant mit leckerem Thai-Food und die Massagen von Anne – was will ich mehr. Besonders angetan hat es mir der Spicy Yam Salat mit Fleisch oder Cashew-Nüssen. Allerdings muss ich zugeben: Noch besser kocht mein Schwiegersohn Law, beispielsweise Gerichte mit fangfrischem Squid und Gewürzen aus dem eigenen Garten. Danach Papaya aus eigenen Anbau. Das ist schon ein bißchen wie Paradies.

An aller Hand Getier inmitten von so viel Natur muss man sich allerdings auch gewöhnen. Handtellergroße, aber sehr friedliche und nützliche Spinnen. Eine saß im Klodeckel . Ein Frosch hüpft durch mein Bad. Leider pissen die Dinger, weshalb ich sie nur in einem Handtuch ins Freie befördern kann. Was ihn aber nicht stört, am nächsten Tagen wiederzukommen. Ameisen gibt es in jeder Größe. Unangenehm sind nur die mit einem roten Mittelteil am Körper. Ihre Bisse sind schmerzlich und können sogar leichte Blutergüsse verursachen.

Affenalarm am frühen Morgen

Affen gehören ebenfalls zum Tagesbild, speziell am frühen Morgen, wenn sie auf der Suche nach den Früchten von Tamarindenbäumen sind. Eine ganze Herde trampelte ein paar Mal frühmorgens über das Dach meines Häuschens. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ein besonders hässlicher großer Makake glotzte frech in mein Fenster. Ein Tokay Gecko, der größte seiner Art, frisst nützlicherweise in meinem Zimmer die Insekten weg. Er stößt merkwürdig urtümliche Laute aus. Dann gibt es noch Warane, groß wie Krokodile, die hinter der Restaurantküche auf Essenabfälle warten. Alles in der Natur hat hier eben seinen Zweck.

Relaxen ist mein Hauptziel in diesen Tagen. Strandspaziergang, abhängen auf der Terrasse oder in der Hängematte. Dazu einen leckeren Shake aus frischen tropischen Früchten von Ananas über Mango bis zu Papaya. Auch wellnessmäßig bin ich bestens versorgt. Ann macht die weltbeste Thai-Massage. 400 Baht für die Stunde. Davon kann man in Europa nur träumen – und dann zahlt man oft viel Geld für eine schlechtere Qualität. Ein weiteres Highlight: Bei meiner Tochter kann ich in ihrem wunderschönen azurblauen Pool schwimmen.

Mit dem Motorrad über die Insel düsen

Autos gibt es nicht auf Siboya. Das meiste wird mit dem Motorrad erledigt. Also schwinge ich mich bei unserer Insel-Rundfahrt hinter meiner Tochter Melanie aufs Motorrad. Vorbei geht es an Gummiplantagen (geerntet stinkt der Gummi fürchterlich!), zwei Schulen, vier Moscheen, alte Holzhäuser, dazwischen – etwas bizarr – moderne Variationen aus dem Katalog. Im Inselcafe Baan Tid Koh – geführt von einem sehr freundlichen Moslem-Ehepaar – gibt es einen lecker-cremigen Coconut Smoothie (40 Bath) und sehr schmackhaftes Essen. Viele der Einheimischen holen es sich hier – ist billiger als Selberkochen. Dann geht es weiter zum Insel-Krämer und zum Frauenladen. Da gibt es alles für den Haushalt, zum Anziehen und natürlich Essen. Nach dem für mich ungewohnten Motorrad-Ritt tut mir die Massage bei Ann besonders gut.

An einem anderen Tag besuchen wir die Nachbarinsel Koh Jum. Erst 35 Minuten mit dem Boot, dann werden wir mit dem Tuk-Tuk abgeholt, eigentlich heißt das motorisierte dreirädrige Gefährt Samlor. Unser Fahrer En stammt aus dem Inselteil Koh Pu und kennt das Eiland deshalb wie seine Westentasche. Koh Jum, die kleine Insel zwischen Krabi und Koh Lanta, ist etwas touristischer als Koh Siboya, bietet allerdings immer noch einsame Strände, günstige Unterkünfte, ein authentisches Inselleben mit hübschen Läden, netten Cafes und einer sehr entspannte Atmosphäre. Besonders schön ist der Golden Beach mit seinem weißen Sand für ganztägiges Badevergnügen während man auf Siboya je nach Gezeiten oft ewig lange dem Wasser „nachlaufen“ muss.

Ein Must: die National Parks in Thailands Süden

Unser erster Besuch gilt dem Emerald Pool in Krabi, auch als Sa Morakot bekannt. Er befindet sich im Khao Phra Bang Khram Nature Reserve, rund 55 Kilometer südöstlich von Krabi Town, und zählt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Region. (Eintritt für Touristen 400 Bath, Einheimische 40 Baht). Aber es lohnt sich jeder Baht für dieses Erlebnis.

Einfach faszinierend ist die idyllische Wanderung durch das lebendige Dschungel-Ökosystem, die schließlich zu dem kristallklaren, smaragdgrünen Naturpool führt. Noch schöner wäre der Anblick ohne die darin badenden Touristen mit ihren Selfie-Sticks. Ich verzichte gerne auf ein Bad in dem nur maximal zwei Meter tiefen Wasser. Im nahegelegenen Crystal Pool ist Baden glücklicherweise verboten. Eine traumhafte Oase zum Verweilen.

Enttäuschend dagegen fand ich den Hot Stream Waterfall (thailändisch: Namtok Ron), ebenfalls in der Provinz Krabi im Distrikt Khlong Thom gelegen. Das ca. 35–42 °C warme Wasser in dem natürlichen Thermalbecken entspringt vulkanischen Quellen. Es fließt über glatte Steine auf Terrassen und bildet dort kleine Becken (natürliche Whirlpools), in denen die Menschen baden, bevor das Wasser dann in einen kühleren Fluss mündet. Da das Wasser reich ist an Mineralsalzen, soll es sich positiv auf Haut und Gesundheit auswirken.

Auf Dschungeltour im Khao Sok Nationalpark

Bevor es zurück nach Europa geht, hat meine Tochter noch ein weiteres Highlight auf dem Plan. Wir fahren mit dem Auto circa zwei Stunden in den Süden Thailands. Der Khao Sok Nationalpark liegt an der Westküste der Provinz Surat Thani. Der 739 Quadratkilometer große Nationalpark besteht zu 80 Prozent aus Wasser und Mangroven-Gebieten, zu 20 Prozent aus dichten Regenwäldern, Dschungelpfaden, Wasserfällen und einer exotischen Tierwelt.

Sein Herzstück, der Chiao-Lan-See, ist ein gigantischer Stausee, den wir in einem Longboat befahren. Vorbei geht es an den bizarren Felsformationen wie dem berühmten 3-Brüder-Felsen (Hin Sam Glur). Das Ufer säumen das satte Grün des Dschungels und dicht bewachsene Gebirgszüge aus Kalkstein. Wir besuchen hellblau leuchtende Wasserfälle, tiefe, dunkle Tropfstein-Höhlen und beobachten die exotische Tierwelt wie den seltenen Hornbill-Vogel. Wegen seines langen, dicken und gebogenen Schnabels in auffallendem Gelb, der in seiner Form an das Horn eines Nashorns erinnert, heißt er auf deutsch auch Nashornvogel. Sie werden bis zu sechs Kilogramm schwer mit einer Flügelspannweite bis zu 1,8 Meter und erreichen ein Alter von 35-40 Jahren. Beheimatet sind die Hornbills vor allem in den Tropen Asiens und Afrikas.

Schwimmende Bungalows auf einem riesigen Stausee

Wir übernachten in einem der Floating Bungalow Resorts. Alle Bungalows sind auf dem Wasser schwimmend konstruiert. Sie sind über Stege miteinander verbunden und bieten direkten Zugang zum See. Unser Familien-Bungalow ist unerwartet komfortabel, sogar mit einer kleinen Terrasse. Zur Anlage gehört ein Gemeinschaftsbereich, in dem das Essen serviert wird. Zum Baden muss man allerdings aus Sicherheitsgründen Schwimmwesten tragen, wie sie auch in den Longboats Vorschrift sind. An den Stegen befinden sich Kanus, die frei genutzt werden können.

Außerdem werden verschiedene Ausflüge angeboten wie Nachtwanderungen im Nationalpark oder frühmorgens zur Tierbeobachtung. In jedem Fall ein unvergessliches Erlebnis. Vor allem morgens um 5 Uhr, wenn sich die Sonne langsam über den Horizont schiebt, der Nebel sich vom Wasser hebt und der Dschungel mit den verschiedensten Geräuschen erwacht. Einen schöneren Abschluss meiner Thailand-Reise hätte ich mir nicht vorstellen können.

Thailand, Thailands Süden

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