Autor: Rüdiger Oberschür

CultureAndCream-Autor aus Westfalen Er ist Dipl.-Theaterwissenschaftler und seit knapp 20 Jahren als Journalist tätig, davon über fünf Jahre im Bereich Fashion, Beauty & Lifestyle mit Schwerpunkt B2B. Außerdem arbeitet Rüdiger Oberschür als Content Manager, Trendscout, Blogger und PR-Berater für verschiedene Unternehmen, Agenturen und Studios. Schreibt u.a. für FashionNetwork, eyebizz, Sposa Facts, schuhkurier und J'N'C - und seit neuestem auch für CultureAndCream.

Die Kosmetikmarke Natura Siberica überrascht mit ihren Inhaltsstoffen

Kaum eine Region birgt noch so viele Geheimnisse wie Sibirien. Die Wildnis hier hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. In den trostlosen Vororten Moskaus oder St. Petersburgs gelten die Weiten zwischen endloser Steppe und unberührten Wäldern im fernen Osten geradezu als Sehnsuchtsort. Für Andrej Trubnikow bildet die weitläufige Region das Fundament seiner 2007 gegründeten Kosmetikmarke Natura Siberica. Sein Beauty-Sortiment umfasst Shampoos und Badelotionen ebenso wie Körperpeelings, Rasierschaum, Spa-Produkte, Anti-Faltencremes, Make-up und sogar eine Produktlinie für Kinder. Seit vergangenem Jahr ist die Marke auch in Deutschland erhältlich.

Der Clou bei Natura Siberica sind laut Trubnikow vor allem die Inhaltsstoffe. Der Reichtum und die Vielfalt der sibirischen Kräuter, Pflanzen und Beeren bilden gewissermassen die DNA. Sie gedeihen in einem Klima das von 40 Grad im Sommer und bis zu Minus 40 Grad im Winter bestimmt ist. Das macht sie extrem widerstandsfähig und entsprechend ergiebig. Antioxidative Eigenschaften sollen sich auf Haut und Haare quasi unmittelbar übertragen. Einige Cremes von Natura Siberica werden sogar mit Kaviar oder Yakmilch angereichert.

Adaptogene Ingredienzien

Aus den Kräutern, Beeren und Blumen Sibiriens wurden bereits vor Jahrhunderten Schönheitselixiere für die russische Zarenfamilie zubereitet. Ein Teil dieser Pflanzen wie Rosenwurz, Sibirischer Ginseng, die Duftliane Nanai-Schisandra oder die Mandschurische Aralie gelten heute als adaptogen. Allen werden biologisch aktive Pflanzenstoffe zugeschrieben, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Um als adaptogen zu gelten, muss eine Pflanze demnach drei Kriterien erfüllen: nur ein Minimum an Veränderungen in den biologischen Funktionen hervorrufen, die Widerstandskraft des Körpers gegen diverse Umwelteinflüsse unspezifisch steigern und normalisierend auf einen Zustand einwirken, ohne andere Organe oder physiologische Funktionen zu verschlechtern.

Zirbelkiefer und Altai-Sanddorn

Zwei weitere Pflanzen der fernöstlichen Region ergänzenden die adaptogenen Zutaten bei Natura Siberica als Basis in sämtlichen Produkten. Vor allem wegen der Synergien, die sie laut der Marke im Zusammenspiel mit weiteren Zutaten entfalten: einerseits die sibirische Zirbelkiefer, andererseits der wilde Altai-Sanddorn. Die sibirische Zirbelkiefer ist wegen ihrer Widerstandskraft und ihrer einzigartigen Eigenschaften das meist genutzte sibirische Holz. Ihr Öl besitzt einen besonders hohen Anteil an Vitamin E und F. So hilft es, die natürliche Hautbarriere zu stärken und vor negativen Umwelteinflüssen zu schützen. Mit ihrem hohen Gehalt an seltenen Linol- und anderen Fettsäuren soll sie außerdem die Haut im Kampf gegen Zeichen der Alterung unterstützen und die Hautstruktur verbessern. Der wilde Altai-Sanddorn wächst im Altai-Gebirge auf 2.000 Metern Höhe. Aus seinen Beeren gewinnt man ein stark Vitamin-C-haltiges Öl. Er ist eine der reichsten natürlichen Quellen von Beta-Karotin sowie Omega 3, 6, 7 und 9. Die Beeren enthalten 22 verschiedene Fettsäuren und 36 Flavonoide. Sie sind reich an Vitamin E, das der Haut Feuchtigkeit zuführt, der Alterung vorbeugt und mit B-Vitaminen den Eiweißstoffwechsel ankurbeln soll.

Indigene Kooperationen

Das Wissen über Pflanzen und Kräuter haben die kleinen sibirischen Völker von Generation zu Generation weitergegeben. Trubnikow, der als Talisman und Zeichen der spirituellen Verbundenheit mit der Region gerne eine getrocknete Kröte um den Hals trägt, hat zur Gewinnung der besonderen Zutaten seiner Cremes und Tinkturen von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit der heimischen Bevölkerung gesetzt. Nur mit Unterstützung von Schamanen und Kräuterkundlern und deren Erzählungen über ihre Traditionen sei es laut Trubnikow gelungen, das nötige Wissen über die Schätze dieser verkannten Natur zu erschließen. In Folge dessen setzt sich Natura Siberica außerdem dafür ein, dass die sibirischen Wildkräuter nach einem ethisch vertretbaren Konzept geerntet werden, damit die Lebensgrundlage der Ureinwohner des fernen Ostens Russlands erhalten bleibt.

Bio-Farming-Programme

2014 hat Unternehmenschef Trubnikow dazu ein eigenes Bio-Farming-Programm mit einer ersten Farm am Ufer des Jenissej in der Republik Chakassien ins Leben gerufen. 2015 wurden zwei weitere Farmen gegründet, die eine in Kamtschatka, die andere auf der Halbinsel Sachalin, einer der entlegensten Gegenden Sibiriens. In Estlands Hauptstadt Tallinn betreibt Natura Siberica außerdem ein eigenes Logistik- und Laborzentrum. Die Verarbeitung wird ausschließlich durch eigene Spezialisten durchgeführt.

Zertifizierte Naturkosmetik

In der Europäischen Union kann man die Marke, die mit dem deutschen Bundesverband für Naturkosmetik (BDIH) zusammenarbeitet und auch europäische Zertifikate besitzt, in Drogeriemärkten bereits kaufen. Aktuell schaue man nach geeigneten Standorten für eigene Läden in Berlin, Düsseldorf, Hamburg oder München, wie Andreas Schönfelder erklärt, Vertriebsleiter von Natura Siberica für die DACH-Region. In Deutschland sind verschiedene Produktlinien von Natura Siberica im ausgewählten Drogeriefachhandel (z.B. Budnikowsky), im Bio-Fachhandel (LPG Berlin, Denn’s Bayern) sowie bei ausgewählten Parfümerien und vermehrt auch in Kosmetikstudios und Apotheken erhältlich. Der digitale Vertrieb läuft über einen deutschen Online-Shop und Marktplätze wie Amazon. Des weiteren ist Natura Siberica bei Supermarktketten wie Kaufland oder Real vertreten. Die Babypflege-Linie Little Siberica ist bei LPG Berlin sowie über den Online-Shop von dm erhältlich.


Beim GLORIA – Deutscher Kosmetikpreis 2019 im Hilton Düsseldorf spielte das angeblich starke Geschlecht eine eher untergeordnete Rolle – aber irgendwie auch ein bedeutendes Schattendasein

Während in Baden-Baden am selben Abend die Spa Awards vergebenwurden, hieß es im Rahmen der BEAUTY Düsseldorf bereits zum sechsten Mal: GLORIA . Seit 2014 zeichnet Veranstalter KOSMETIK international mit dem Preis Hautpflege-Expertinnen (und neurdings eben auch Experten) für herausragende Leistungen und besonderen Kundenservice aus. Die Gala im Hilton war entsprechend glamourös.

Wieviel Beauty weiß man(n)

Die spannende Frage (für einen männlichen Erstbesucher wie mich und wenige Wochen nachdem Berlin erstmalig den Internationalen Frauentag als 24fache Feierstunde zelebriert hatte) sollte nun lauten, welche Rolle Männlichkeit im Rahmen einer Preisverleihung einnehmen würde, die eine klar weiblich dominierte Branche feiert. Gerade, wo noch dazu Alpha-Männchen Boris Becker als krönender Abschluss der Gästeliste angekündigt war. Die Neugierde wurde nicht enttäuscht. So lautete denn eine der Kernbotschaften des von Alexander Mazza moderierten Abends, dass man sich freue, erstmals drei von Männern betriebene Kosmetikstudios in der engeren Award-Auswahl zu haben. Da waren sich Christian Schikora, Geschäftsführer vom Verlag KOSMETIK international, und Michael Degen, Executive Director der Messe Düsseldorf, gleichermaßen einig.

„Prachtburschen“ als Überraschungssieger

In der Kategorie „Unternehmensgründung“ gewann denn auch das Studio Prachtburschen G&W skincare aus Münster. Christoph Wendt und Michael Gebhardt betreiben das erste Pflegestudio in der westfälischen Universitätsstadt „nur für den Mann“ und bieten seit 2017 Gesichts- und Körperbehandlungen, Maniküre und Pediküre an. Schauspielerin Bettina Zimmermann, die mit Mann und Kollege Kai Wiesinger zu den prominenten Gästen der Gala gehörte, übergab den Preis an die beiden strahlenden Beauty-Profis. Doch das Thema Männer-Beauty war damit noch nicht durch. Schon kurz zuvor hatte Schauspieler Kai Wiesinger bei seiner Laudatio gestanden, sich gelegentlich im Beauty-Case von Frau Bettina zu bedienen. Man(n) cremt eben zur Not gerne unisex – auch wenn’s nicht auf der Packung steht.

Boris Beckers Outing als Beautymuffel

Dann aber schritt der Gala-Abend seinem Höhepunkt entgegen, und Tennislegende Boris Becker betrat die Bühne. Moderator Mazza ließ nach einer ausführlichen Huldigung von Beckers Wimbledon-Erfolg 1985 keinen Moment verstreichen, um Becker nach seinem persönlichen Beauty-Konzept zu fragen. Doch schnell machte sich Ernüchterung breit. Da hätte er bisher wenig Erfahrung, erklärte Becker ohne Umwege. „Ich lerne hier heute Abend wirklich eine Menge“, entgegnete der Tennisprofi und verwies lieber auf Sohn Elias (19), bei dem das Badezimmer in Sachen Beauty-Produkte bestens ausgestattet sei. Alle Hoffnung ruht also in Sachen Men’s Beauty auf der Generation Z. Für ein entsprechendes Statement war der Sohnemann allerdings an dem Abend nicht mehr zu erreichen.

Männliche Unterstützung für die Gewinnerinnen

Aus einer ganz anderen Ecke kam dann doch noch eine andere Form Männlichkeit aufs Tapet: Fast alle Preisträgerinnen des Abends würdigten in ihrer Danksagung ganz deutlich ihre Ehemänner, ohne die ihre Selbstständigkeit und ihr beruflicher Erfolg unmöglich gewesen wäre. Hört hört!

Die Gewinnerinnen der GLORIA 2019 sollen gerade deshalb hier nicht unerwähnt bleiben:In der Kategorie „Kosmetikinstitut bis zwei Mitarbeiter“ ging die Auszeichnung an Berta Schmidt Kosmetik – Wellness – Fußpflege in Amberg. Das beste „Kosmetikinstitut ab drei Mitarbeiter“ führt Franziska Wonde aus Schriesheim. Sie erhielt ihren Award aus den Händen von Schauspielerin und Fotografin Katja Flint.Herausragendes Nagelstudio 2019 wurde das LCN Beauty Center in Hannover von Nicole de Dakar. Die Auszeichnung überreichte Moderatorin Birgit Schrowange.

Boris Becker hatte natürlich auch eine Laudatio im Gepäck und würdigte ganz zum Galaende das Lebenswerk von Dagmar Engelhardt-Gruber, Institut „Cosmetic am Goldbachpark“ aus Nürnberg.

So rückte der Mann vielleicht vielleicht in manches Beauty-Bewusstsein unter den rund 600 Gala-Gäste, zu denen allerdings auch auf Promi-Seite vornehmlich Frauen zählten: Jenny Elvers, Maren Gilzer, Curvy-Model Angelina Kirsch, Alexandra Polzin, Elena Carrière, Topmodel Hana Nitsche und TV-Moderatorin Birgit Lechtermann, waren ins Hilton gekommen, um nur einige zu nennen.

Fotos by Isa Foltin@Getty Images


Geza Schön: „Süß ist mir viel zu langweilig“

Schon als Teenager hat er eine Sammlung von hunderten Duftproben angehäuft. Seine Ausbildung absolvierte Geza Schön schließlich im deutschen Grasse, bei Haarmann & Reimer (heute Symrise) in Holzminden an der Weser. Spätestens seit seinen „Escentric Molecules“ von 2006 gilt Geza Schön als „Duft-Rebell“, findet den Begriff aber selber ziemlich unpassend. In seinem Labor in Berlin-Kreuzberg hat der deutsche Parfümeur nun den ersten Duft für Luisa Cerano kreiert. Das Premium-Label der süddeutschen Hauber Group feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Entsprechend lautet der Titel der Duft-Premiere: Luisa Cerano 20 x Geza Schön. Vorgestellt wurde das Parfum kürzlich im Flagshipstore der Womenswear-Marke in Münchens Fünf Höfen.

C&C: Herr Schön, Sie haben Luisa Cerano den ersten und damit einen wirklich herausragenden Duft beschert. Wie würden Sie Ihre Kreation selbst umschreiben?

Geza Schön: Leicht, transparent und holzig. Der Duft beginnt sehr frisch und aromatisch. Roter Pfeffer, Kardamom und Koriandersamen begleiten raffiniert die Frische. Magnolie, Mimose und Pfirsich öffnen das Herz des Duftes, der vor allem durch die Iris-Note besticht. Osmanthus und Jasmin komplettieren die transparente Blumigkeit. Moschus, Ambra und Zedernholz bilden den Fond, dazu kommt ein Hauch Tonkabohne. Sicher kein typischer Damenduft. Aber das wollten wir auch so.

C&C: Wie ist es überhaupt zu der Kooperation mit Luisa Cerano gekommen?

Geza Schön: Der Kontakt kam über eine alte Freundin von mir, die bei LC arbeitet. Wir hatten über die Jahre immer wieder mal darüber gesprochen, einen Duft für die Marke zu machen. So ist es dann schließlich dazu gekommen, dass ich sie zusammen mit Geschäftsführer Jürgen Leuthe zu mir nach Berlin eingeladen habe, um ein paar erste Parameter abzustecken.

C&C: Parameter?

Geza Schön: Es ist wichtig, gleich am Anfang zu klären, in welche Richtung es überhaupt gehen soll. So etwas kläre ich am liebsten bei mir im Labor in Berlin, wo ich alle Essenzen und Komponenten greifbar habe. Ich habe den beiden dann einfach ein paar Akkorde vorgestellt, und wir waren uns dann aber ziemlich schnell einig, dass es ein leichter Duft werden sollte. Also nichts, was einem gleich den Atem raubt. So ist der Duft schließlich auch geworden. Die Hauptnoten sind holzig, das Ganze ist angereichert mit sehr teuren Blumen-Absolues.

C&C: Ich finde ihn fast auch für einen Mann tragbar, gerade wegen der edel-herben Holznoten!

Geza Schön: Mir gefällt er auch wirklich sehr gut. Süß ist mir für Frauendüfte meistens auch viel zu langweilig (riecht selbst nochmal am Papierstäbchen). Mir gefällt es am meisten, wenn ein Damenduft auch mit Herrennoten spielt. Hier besonders die Frische, die leichte Würzigkeit zusammen mit den Blumen-Absolues in der Herznote und Moschus, Ambra, und Zedern. Die Rezeptur ist gar nicht so lang.

C&C: Hatten Sie einen bestimmten Frauentypus vor Augen, als Sie den Duft kreiert haben?

Geza Schön: Eigentlich nicht. Diese Idee, dass man irgendeine Frau sieht und dann einen Duft zaubert, ist auch ein Mythos. Ich suche für die Entwicklung auch nicht in bestimmten Frauenzeitschriften nach irgendeinem Typ.

C&C: Und die Marke Luisa Cerano? Welchen Einfluss hatte das Image auf die Entstehung?

Geza Schön: Durch die intensive Zusammenarbeit haben wir den roten Faden der Brand sicher gut einfangen können. Es gibt da allerdings keine genaue Logik, wie man die Dinge miteinander verbindet. Das gilt sicher auch für die Kombination aus Mode und Düften. Der Vorgang ist eher ziemlich komplex. Ein Duft entsteht erst einmal im Kopf. So war es auch hier. Mir ging es vor allem darum, Luisa Cerano für meinen eben etwas anderen Stil zu begeistern und einen besonderen Duft abseits des Bekannten zu schaffen. Vor allem bei der Auswahl der Bestandteile, die wir alle drei dann auch mochten. Da gab es schon große Unterschiede, bis man sich eben auf eine Zielgerade bewegt.

C&C: Wie lange hat die Kreation am Ende zeitlich in Anspruch genommen?

Geza Schön: Ungefähr ein Jahr. Das darf man sich aber nicht so vorstellen, dass ich kontinuierlich an dem Duft gearbeitet habe, sondern Projekte laufen immer auch parallel. Das ist auch sehr hilfreich, um immer wieder mit etwas Abstand an einen Duft heranzugehen und ihn weiterzuentwickeln.

C&C: Herr Schön, vielen Dank für das Gespräch!

Eventfotos Jessica Kassner@Picture People


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Beauty meine Passion.
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