Autor: Rüdiger Oberschür

CultureAndCream-Autor aus Westfalen Er ist Dipl.-Theaterwissenschaftler und seit knapp 20 Jahren als Journalist tätig, davon über fünf Jahre im Bereich Fashion, Beauty & Lifestyle mit Schwerpunkt B2B. Außerdem arbeitet Rüdiger Oberschür als Content Manager, Trendscout, Blogger und PR-Berater für verschiedene Unternehmen, Agenturen und Studios. Schreibt u.a. für FashionNetwork, eyebizz, Sposa Facts, schuhkurier und J'N'C - und seit neuestem auch für CultureAndCream.

Wie Männer zu Beauty-Tekkies werden können und beim Peeling-Talk wertvolles Wissen über ihre Haut mit nach Hause nehmen

Man(n) liegt. Eine Haube zieht eine ordentliche Linie entlang des Haaransatzes. Das eigene Gesicht wird in der nächsten halben Stunde zur Behandlungszone. Kosmetikerin Izabela Koziok ist im Hintergrund bereits intensiv damit beschäftigt, ein Fruchtsäure-Peeling zuzubereiten. Das ist besonders wichtig zur Reinigung und Vorbereitung der Haut. Denn je gezielter die Haut auf eine TDA-Therapie eingestellt sei, desto überzeugender soll hinterher das Ergebnis sein. TDA steht für transdermale Applikation. Bei Horst Kirchberger ist sie derzeit eine der gefragtesten Anwendungen. Der gefeierte Münchener Visagist setzt sie bei seinen Kundinnen erfolgreich als Anti-Aging- und Faltenbehandlung ein. Mittlerweile aber auch immer öfter bei männlichen Klienten. Der Männer-Anteil in seiner Beauty Lounge im Luitpoldblock an der Brienner Straße – mitten im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt – sei zwar immer noch gering, zuletzt aber deutlich von zwei auf etwa acht Prozent gestiegen. Beim Thema Falten und Hautbild seien Männer heute außerdem wesentlich sensibilisierter und interessierter als noch vor 20 Jahren, weiß Kirchberger. Das zeigen nicht nur speziell auf die männliche Zielgruppe zugeschnittene Beauty-Linien von Chanel bis Biotherm.

Männer als Beauty-Tekkies

Kirchberger nutzt zur TDA-Behandlung Apparaturen von Seyo. Die Marke gehört zur Meddrop GmbH, einem Life-Science-Unternehmen mit Sitz in Hamburg. Ihre Geräte verwandeln Kosmetikstudios europaweit in regelrechte Raumstationen für Wellness und Beauty. Bei Seyo nennt man es eine Kombination aus Anwendungstechnik und dermakosmetischen Aktivformulierungen.  „Wir erleben in der Kosmetik gerade eine Phase, in der die Behandlungen wieder sehr stark apparativ werden“, erklärt Kirchberger den Hype um technische Geräte, die aktuell eine regelrechte Renaissance feiern. Auf neuestem technischem Niveau versteht sich. Vieles komme aus der Weltraumforschung, wo die Idee der Aktivierung etwa von Muskulatur ja auch eine zentrale Rolle spielt. Das bringt einen technischen Aspekt mit in die Behandlung, die Männer durchaus begeistern kann – der Mann wird dabei ganz nebenbei zum Beauty-Tekkie. „Wir haben heute viele Methoden, wie man die Haut aktiv und den Alterungsprozess sehr stark hinauszögern kann“, macht Kirchberger im Gespräch mit Culture&Cream deutlich. Die TDA-Behandlung stellt dabei jedoch einen besonderen Meilenstein dar. Sie gilt als weltweit erste dermatologisch-ästhetische Therapie, bei der spezifische Aktivstoffe ohne Nadel in tiefste Hautschichten gelangen und dort Wirkdepots bilden. Diese regen die Zellteilung permanent an und können für ein nachhaltig verbessertes Hautbild sorgen. Die natürliche Struktur der Haut werde sichtbar gefestigt und die Faltentiefe reduziert.

Patronen für jeden Hauttyp

Das TDA-System besteht aus einer computergesteuerten Anwendungsstation, einem Applikator und diversen Behandlungspatronen. Quasi für jeden Hauttyp gibt es eine – von junger gesättigter Haut mit Hyal N5 über intrinsisch gealterte Haut mit Hyal N10, zu Problemhaut mit Proderm oder gereizter oder lichtempfindlicher Haut mit den Patronen Dermacool und Polar. Im Applikator wird schließlich die mit Aktivstoffen angereicherten Hyaluronsäure-Komplexe mit reinem Sauerstoff zu Mikroeinheiten kombiniert. Während der Behandlung werden diese in Ultraschallgeschwindigkeit und in einem definierten Abstand auf die Haut aufgetragen. Durch den hohen Sauerstoffpartialdruck werden die speziellen Barrierebrecher in den Präparaten aktiviert. Diese öffnen die oberen Hautschichten (Hornhaut) so, dass die Wirkstoffe sie durchwandern und gezielt bis in die tiefe Dermis vordringen können. Am Ende gibt es noch eine erfrischende Algenmaske, die jede Mimik unter sich begräbt (siehe Bild). Ist die Maske wieder runter, fühlt man(n) sich enorm erfrischt. Die Haut wirkt entspannt und lebendig. Für einen sichtbaren Effekt muss aber auch man(n) natürlich erstmal ausreichend Falten besitzen. Spürbar ist der Effekt  auf jeden Fall: Auch am nächsten Tag fühlt sich die Gesichtshaut noch auf angenehme Weise straffer, aber auch gleichzeitig entspannt an.

Peeling-Talk

Um auch noch etwas für den Kopf mitzunehmen, steht Kosmetikerin Izabela Koziok am Ende auch noch für ein klärendes Peeling-Gespräch zur Verfügung. Denn Peelings eilt der Ruf voraus, bei zu häufiger Anwendungen schädlich zu sein.
Herkömmliche Peelings mit Körnern kann man demnach fast täglich anwenden. Enzym- Peelings sind effizienter als herkömmliche Peelings und regen die Haut zur Zellerneuerung an. Fruchtsäure Peelings (wir erinnern uns!) sind am effektivsten. Sie gibt es mit einem Fruchtsäure-Anteil von 7% und 11%. Das sollte man aber nur ein bis zweimal die Woche durchführen, empfiehlt Koziok. Wer ganz dünne und durchsichtige Haut, sollte eher zu einem Enzym-Peeling greifen. Man sollte auf jeden Fall immer vorher gemeinsam mit der Kosmetikerin das besprechen und ein Fruchtsäure-Peeling auch nur von einer Fachkraft durchführen lassen.


Die Ausstellung „Beauty“ von Sagmeister & Walsh ist nach ihrer Premiere in Wien nun im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt zu sehen.

Vielleicht ist es der problematischste Begriff in allen Bereichen der Gestaltung: Schönheit. Was bedeutet sie eigentlich und warum zieht sie uns (teilweise) so magisch an? Dieser Frage geht der österreichische Grafikdesigner und Typograf Stefan Sagmeister in der gemeinsam mit seiner New Yorker Kollegin Jessica Walsh konzipierten Ausstellung „Beauty“ nach. „Wir haben versucht eine Ausstellung zu gestalten die beweist, dass Schönheit weder oberflächlich noch kommerziell ist, sondern zutiefst Teil von dem ist, was es heißt Mensch zu sein“, gibt Sagmeister für das BEAUTYtorial von C&C zu Protokoll. Das multimedial angelegte „Plädoyer für die Lust am Schönen“ war bis Ende März, kuratiert von Kathrin Pokorny-Nagel, im MAK Wien zu sehen. Nun gastiert die Schau seit dem 11. Mai, koordiniert von Peter Zizka, im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt.

Schönheit als Pädagogik

Rund 70 Objektgruppen sind im Obergeschoss des Frankfurter Museums untergebracht – unterteilt in sechs Ausstellungsthemen: „Was ist Schönheit?“, „Geschichte der Schönheit“, „Im Auge des Betrachters“, „Schönheit erleben“, „Transformierende Schönheit“ und „Contemplating Beauty“. Stefan Sagmeister will mit dem spannungsreichen Parcours einen ästhetischen Diskurs über die Schönheit als Paradigma für hochwertige Gestaltung entfachen. Auch wenn eine Definition aus seiner Sicht relativ einfach sei, wie er C&C erklärt: „Schönheit ist die Kombination von Gestalt, Farbe, Materialität, Komposition und Form, die meine ästhetischen Sinne anspricht, speziell mein Sehen.“ Dieses Statement ziert in leuchtenden Neonlettern auch einen der Aufgänge zu der Ausstellung.

Globaler Nenner

Im C&C-Interview macht Sagmeister dazu deutlich, dass Schönheit nicht im Auge des Betrachters liege. Außerdem gebe es – allen gegenläufigen Annahmen zum Trotz – weltweit durch nahezu alle Kulturen eine erstaunliche Übereinstimmung, was schön ist, und was nicht. Schönheit als globalster gemeinsamer Nenner also. Keine Frage, dass das auch Kritiker auf den Plan ruft. Einigen Kollegen geht Sagmeister generell zu pauschalisierend und plakativ vor und stelle bisweilen schiefe Vergleiche her. Sagmeister hingegen ist sicher: „Viele von uns empfinden das als schön, was wir gut kennen. Und der Kontext spielt ein große Rolle: Je sicherer ich mich fühle, desto mehr empfinde ich neue, überraschende Dinge als schön.“ Das klingt bei näherer Betrachtung aber auch wieder etwas pauschal und kann sicher auch im genauen Gegenteil münden.

Form follows Beauty

Doch Sagmeister hat ein noch durchaus konkreteres, durchaus ehrenwertes Anliegen: Er will den Schönheitsbegriff aus den Fängen der Funktionalität befreien. Schönheit um der Schönheit willen – nicht „Form follows Function“. Das wirkt natürlich gerade im Jubiläumsjahr des Bauhaus provokant. Deshalb weht Sagmeister aus seiner eigenen Zunft wohl der stärkste Wind entgegen. Die eigens für die Ausstellung produzierten Installationen sollen zusammen mit zahlreichen Beispielen aus Produktdesign, Stadtplanung, Architektur und Grafikdesign zum Sehen, Riechen und Fühlen animieren. Sagmeister & Walsh wollen mit „Beauty“ den Beweis antreten, dass schön gestaltete Arbeiten die menschliche Wahrnehmung stimulieren und damit besser funktionieren.

Das richtige Maß

Das heißt für Sagmeister auch, dass sich entsprechende Produkte mit dem richtigen Maß an Schönheit definitiv auch besser verkaufen:“ Wir sind durch Erfahrung im Studio darauf gekommen, dass immer wenn wir die Form sehr ernst nehmen and viel Liebe in die Schönheit stecken, funktioniert die resultierende Arbeit viel besser. Das heißt, wenn das Ziel der Verkauf ist, dann funktionieren auch da schöne Dinge besser“, so Sagmeister. „Wir haben dies in der Zwischenzeit auch bei vielen anderen Beispielen festgestellt: All die funktionalen Wohnblöcke der 70er Jahre die in den Neunzigern schon wieder gesprengt werden mussten, weil niemand darinnen wohnen wollte, hätten viel besser funktioniert, wenn Schönheit während der Planungsphase ein Teil des Ziels gewesen wäre“, führt der Designer gegenüber C&C weiter aus. Unterstützt von Erkenntnissen aus der psychologischen Ästhetik, aus Geschichte, Philosophie und den Naturwissenschaften vertreten er und seine Kollegin Walsh den Standpunkt, dass Schönheit mehr ist als eine rein oberflächliche Strategie: Sie beeinflusst unseren Alltag, stimuliert unsere Wahrnehmung und macht die Welt zu einem besseren Ort. Dagegen lässt sich am Ende wohl nur schwer argumentieren.

Die Ausstellung „Beauty“ von Sagmeister & Walsh ist noch bis zum 15. September im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main zu sehen.


Die Kosmetikmarke Natura Siberica überrascht mit ihren Inhaltsstoffen

Kaum eine Region birgt noch so viele Geheimnisse wie Sibirien. Die Wildnis hier hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. In den trostlosen Vororten Moskaus oder St. Petersburgs gelten die Weiten zwischen endloser Steppe und unberührten Wäldern im fernen Osten geradezu als Sehnsuchtsort. Für Andrej Trubnikow bildet die weitläufige Region das Fundament seiner 2007 gegründeten Kosmetikmarke Natura Siberica. Sein Beauty-Sortiment umfasst Shampoos und Badelotionen ebenso wie Körperpeelings, Rasierschaum, Spa-Produkte, Anti-Faltencremes, Make-up und sogar eine Produktlinie für Kinder. Seit vergangenem Jahr ist die Marke auch in Deutschland erhältlich.

Der Clou bei Natura Siberica sind laut Trubnikow vor allem die Inhaltsstoffe. Der Reichtum und die Vielfalt der sibirischen Kräuter, Pflanzen und Beeren bilden gewissermassen die DNA. Sie gedeihen in einem Klima das von 40 Grad im Sommer und bis zu Minus 40 Grad im Winter bestimmt ist. Das macht sie extrem widerstandsfähig und entsprechend ergiebig. Antioxidative Eigenschaften sollen sich auf Haut und Haare quasi unmittelbar übertragen. Einige Cremes von Natura Siberica werden sogar mit Kaviar oder Yakmilch angereichert.

Adaptogene Ingredienzien

Aus den Kräutern, Beeren und Blumen Sibiriens wurden bereits vor Jahrhunderten Schönheitselixiere für die russische Zarenfamilie zubereitet. Ein Teil dieser Pflanzen wie Rosenwurz, Sibirischer Ginseng, die Duftliane Nanai-Schisandra oder die Mandschurische Aralie gelten heute als adaptogen. Allen werden biologisch aktive Pflanzenstoffe zugeschrieben, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Um als adaptogen zu gelten, muss eine Pflanze demnach drei Kriterien erfüllen: nur ein Minimum an Veränderungen in den biologischen Funktionen hervorrufen, die Widerstandskraft des Körpers gegen diverse Umwelteinflüsse unspezifisch steigern und normalisierend auf einen Zustand einwirken, ohne andere Organe oder physiologische Funktionen zu verschlechtern.

Zirbelkiefer und Altai-Sanddorn

Zwei weitere Pflanzen der fernöstlichen Region ergänzenden die adaptogenen Zutaten bei Natura Siberica als Basis in sämtlichen Produkten. Vor allem wegen der Synergien, die sie laut der Marke im Zusammenspiel mit weiteren Zutaten entfalten: einerseits die sibirische Zirbelkiefer, andererseits der wilde Altai-Sanddorn. Die sibirische Zirbelkiefer ist wegen ihrer Widerstandskraft und ihrer einzigartigen Eigenschaften das meist genutzte sibirische Holz. Ihr Öl besitzt einen besonders hohen Anteil an Vitamin E und F. So hilft es, die natürliche Hautbarriere zu stärken und vor negativen Umwelteinflüssen zu schützen. Mit ihrem hohen Gehalt an seltenen Linol- und anderen Fettsäuren soll sie außerdem die Haut im Kampf gegen Zeichen der Alterung unterstützen und die Hautstruktur verbessern. Der wilde Altai-Sanddorn wächst im Altai-Gebirge auf 2.000 Metern Höhe. Aus seinen Beeren gewinnt man ein stark Vitamin-C-haltiges Öl. Er ist eine der reichsten natürlichen Quellen von Beta-Karotin sowie Omega 3, 6, 7 und 9. Die Beeren enthalten 22 verschiedene Fettsäuren und 36 Flavonoide. Sie sind reich an Vitamin E, das der Haut Feuchtigkeit zuführt, der Alterung vorbeugt und mit B-Vitaminen den Eiweißstoffwechsel ankurbeln soll.

Indigene Kooperationen

Das Wissen über Pflanzen und Kräuter haben die kleinen sibirischen Völker von Generation zu Generation weitergegeben. Trubnikow, der als Talisman und Zeichen der spirituellen Verbundenheit mit der Region gerne eine getrocknete Kröte um den Hals trägt, hat zur Gewinnung der besonderen Zutaten seiner Cremes und Tinkturen von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit der heimischen Bevölkerung gesetzt. Nur mit Unterstützung von Schamanen und Kräuterkundlern und deren Erzählungen über ihre Traditionen sei es laut Trubnikow gelungen, das nötige Wissen über die Schätze dieser verkannten Natur zu erschließen. In Folge dessen setzt sich Natura Siberica außerdem dafür ein, dass die sibirischen Wildkräuter nach einem ethisch vertretbaren Konzept geerntet werden, damit die Lebensgrundlage der Ureinwohner des fernen Ostens Russlands erhalten bleibt.

Bio-Farming-Programme

2014 hat Unternehmenschef Trubnikow dazu ein eigenes Bio-Farming-Programm mit einer ersten Farm am Ufer des Jenissej in der Republik Chakassien ins Leben gerufen. 2015 wurden zwei weitere Farmen gegründet, die eine in Kamtschatka, die andere auf der Halbinsel Sachalin, einer der entlegensten Gegenden Sibiriens. In Estlands Hauptstadt Tallinn betreibt Natura Siberica außerdem ein eigenes Logistik- und Laborzentrum. Die Verarbeitung wird ausschließlich durch eigene Spezialisten durchgeführt.

Zertifizierte Naturkosmetik

In der Europäischen Union kann man die Marke, die mit dem deutschen Bundesverband für Naturkosmetik (BDIH) zusammenarbeitet und auch europäische Zertifikate besitzt, in Drogeriemärkten bereits kaufen. Aktuell schaue man nach geeigneten Standorten für eigene Läden in Berlin, Düsseldorf, Hamburg oder München, wie Andreas Schönfelder erklärt, Vertriebsleiter von Natura Siberica für die DACH-Region. In Deutschland sind verschiedene Produktlinien von Natura Siberica im ausgewählten Drogeriefachhandel (z.B. Budnikowsky), im Bio-Fachhandel (LPG Berlin, Denn’s Bayern) sowie bei ausgewählten Parfümerien und vermehrt auch in Kosmetikstudios und Apotheken erhältlich. Der digitale Vertrieb läuft über einen deutschen Online-Shop und Marktplätze wie Amazon. Des weiteren ist Natura Siberica bei Supermarktketten wie Kaufland oder Real vertreten. Die Babypflege-Linie Little Siberica ist bei LPG Berlin sowie über den Online-Shop von dm erhältlich.


Beim GLORIA – Deutscher Kosmetikpreis 2019 im Hilton Düsseldorf spielte das angeblich starke Geschlecht eine eher untergeordnete Rolle – aber irgendwie auch ein bedeutendes Schattendasein

Während in Baden-Baden am selben Abend die Spa Awards vergebenwurden, hieß es im Rahmen der BEAUTY Düsseldorf bereits zum sechsten Mal: GLORIA . Seit 2014 zeichnet Veranstalter KOSMETIK international mit dem Preis Hautpflege-Expertinnen (und neurdings eben auch Experten) für herausragende Leistungen und besonderen Kundenservice aus. Die Gala im Hilton war entsprechend glamourös.

Wieviel Beauty weiß man(n)

Die spannende Frage (für einen männlichen Erstbesucher wie mich und wenige Wochen nachdem Berlin erstmalig den Internationalen Frauentag als 24fache Feierstunde zelebriert hatte) sollte nun lauten, welche Rolle Männlichkeit im Rahmen einer Preisverleihung einnehmen würde, die eine klar weiblich dominierte Branche feiert. Gerade, wo noch dazu Alpha-Männchen Boris Becker als krönender Abschluss der Gästeliste angekündigt war. Die Neugierde wurde nicht enttäuscht. So lautete denn eine der Kernbotschaften des von Alexander Mazza moderierten Abends, dass man sich freue, erstmals drei von Männern betriebene Kosmetikstudios in der engeren Award-Auswahl zu haben. Da waren sich Christian Schikora, Geschäftsführer vom Verlag KOSMETIK international, und Michael Degen, Executive Director der Messe Düsseldorf, gleichermaßen einig.

„Prachtburschen“ als Überraschungssieger

In der Kategorie „Unternehmensgründung“ gewann denn auch das Studio Prachtburschen G&W skincare aus Münster. Christoph Wendt und Michael Gebhardt betreiben das erste Pflegestudio in der westfälischen Universitätsstadt „nur für den Mann“ und bieten seit 2017 Gesichts- und Körperbehandlungen, Maniküre und Pediküre an. Schauspielerin Bettina Zimmermann, die mit Mann und Kollege Kai Wiesinger zu den prominenten Gästen der Gala gehörte, übergab den Preis an die beiden strahlenden Beauty-Profis. Doch das Thema Männer-Beauty war damit noch nicht durch. Schon kurz zuvor hatte Schauspieler Kai Wiesinger bei seiner Laudatio gestanden, sich gelegentlich im Beauty-Case von Frau Bettina zu bedienen. Man(n) cremt eben zur Not gerne unisex – auch wenn’s nicht auf der Packung steht.

Boris Beckers Outing als Beautymuffel

Dann aber schritt der Gala-Abend seinem Höhepunkt entgegen, und Tennislegende Boris Becker betrat die Bühne. Moderator Mazza ließ nach einer ausführlichen Huldigung von Beckers Wimbledon-Erfolg 1985 keinen Moment verstreichen, um Becker nach seinem persönlichen Beauty-Konzept zu fragen. Doch schnell machte sich Ernüchterung breit. Da hätte er bisher wenig Erfahrung, erklärte Becker ohne Umwege. „Ich lerne hier heute Abend wirklich eine Menge“, entgegnete der Tennisprofi und verwies lieber auf Sohn Elias (19), bei dem das Badezimmer in Sachen Beauty-Produkte bestens ausgestattet sei. Alle Hoffnung ruht also in Sachen Men’s Beauty auf der Generation Z. Für ein entsprechendes Statement war der Sohnemann allerdings an dem Abend nicht mehr zu erreichen.

Männliche Unterstützung für die Gewinnerinnen

Aus einer ganz anderen Ecke kam dann doch noch eine andere Form Männlichkeit aufs Tapet: Fast alle Preisträgerinnen des Abends würdigten in ihrer Danksagung ganz deutlich ihre Ehemänner, ohne die ihre Selbstständigkeit und ihr beruflicher Erfolg unmöglich gewesen wäre. Hört hört!

Die Gewinnerinnen der GLORIA 2019 sollen gerade deshalb hier nicht unerwähnt bleiben:In der Kategorie „Kosmetikinstitut bis zwei Mitarbeiter“ ging die Auszeichnung an Berta Schmidt Kosmetik – Wellness – Fußpflege in Amberg. Das beste „Kosmetikinstitut ab drei Mitarbeiter“ führt Franziska Wonde aus Schriesheim. Sie erhielt ihren Award aus den Händen von Schauspielerin und Fotografin Katja Flint.Herausragendes Nagelstudio 2019 wurde das LCN Beauty Center in Hannover von Nicole de Dakar. Die Auszeichnung überreichte Moderatorin Birgit Schrowange.

Boris Becker hatte natürlich auch eine Laudatio im Gepäck und würdigte ganz zum Galaende das Lebenswerk von Dagmar Engelhardt-Gruber, Institut „Cosmetic am Goldbachpark“ aus Nürnberg.

So rückte der Mann vielleicht vielleicht in manches Beauty-Bewusstsein unter den rund 600 Gala-Gäste, zu denen allerdings auch auf Promi-Seite vornehmlich Frauen zählten: Jenny Elvers, Maren Gilzer, Curvy-Model Angelina Kirsch, Alexandra Polzin, Elena Carrière, Topmodel Hana Nitsche und TV-Moderatorin Birgit Lechtermann, waren ins Hilton gekommen, um nur einige zu nennen.

Fotos by Isa Foltin@Getty Images


Geza Schön: „Süß ist mir viel zu langweilig“

Schon als Teenager hat er eine Sammlung von hunderten Duftproben angehäuft. Seine Ausbildung absolvierte Geza Schön schließlich im deutschen Grasse, bei Haarmann & Reimer (heute Symrise) in Holzminden an der Weser. Spätestens seit seinen „Escentric Molecules“ von 2006 gilt Geza Schön als „Duft-Rebell“, findet den Begriff aber selber ziemlich unpassend. In seinem Labor in Berlin-Kreuzberg hat der deutsche Parfümeur nun den ersten Duft für Luisa Cerano kreiert. Das Premium-Label der süddeutschen Hauber Group feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Entsprechend lautet der Titel der Duft-Premiere: Luisa Cerano 20 x Geza Schön. Vorgestellt wurde das Parfum kürzlich im Flagshipstore der Womenswear-Marke in Münchens Fünf Höfen.

C&C: Herr Schön, Sie haben Luisa Cerano den ersten und damit einen wirklich herausragenden Duft beschert. Wie würden Sie Ihre Kreation selbst umschreiben?

Geza Schön: Leicht, transparent und holzig. Der Duft beginnt sehr frisch und aromatisch. Roter Pfeffer, Kardamom und Koriandersamen begleiten raffiniert die Frische. Magnolie, Mimose und Pfirsich öffnen das Herz des Duftes, der vor allem durch die Iris-Note besticht. Osmanthus und Jasmin komplettieren die transparente Blumigkeit. Moschus, Ambra und Zedernholz bilden den Fond, dazu kommt ein Hauch Tonkabohne. Sicher kein typischer Damenduft. Aber das wollten wir auch so.

C&C: Wie ist es überhaupt zu der Kooperation mit Luisa Cerano gekommen?

Geza Schön: Der Kontakt kam über eine alte Freundin von mir, die bei LC arbeitet. Wir hatten über die Jahre immer wieder mal darüber gesprochen, einen Duft für die Marke zu machen. So ist es dann schließlich dazu gekommen, dass ich sie zusammen mit Geschäftsführer Jürgen Leuthe zu mir nach Berlin eingeladen habe, um ein paar erste Parameter abzustecken.

C&C: Parameter?

Geza Schön: Es ist wichtig, gleich am Anfang zu klären, in welche Richtung es überhaupt gehen soll. So etwas kläre ich am liebsten bei mir im Labor in Berlin, wo ich alle Essenzen und Komponenten greifbar habe. Ich habe den beiden dann einfach ein paar Akkorde vorgestellt, und wir waren uns dann aber ziemlich schnell einig, dass es ein leichter Duft werden sollte. Also nichts, was einem gleich den Atem raubt. So ist der Duft schließlich auch geworden. Die Hauptnoten sind holzig, das Ganze ist angereichert mit sehr teuren Blumen-Absolues.

C&C: Ich finde ihn fast auch für einen Mann tragbar, gerade wegen der edel-herben Holznoten!

Geza Schön: Mir gefällt er auch wirklich sehr gut. Süß ist mir für Frauendüfte meistens auch viel zu langweilig (riecht selbst nochmal am Papierstäbchen). Mir gefällt es am meisten, wenn ein Damenduft auch mit Herrennoten spielt. Hier besonders die Frische, die leichte Würzigkeit zusammen mit den Blumen-Absolues in der Herznote und Moschus, Ambra, und Zedern. Die Rezeptur ist gar nicht so lang.

C&C: Hatten Sie einen bestimmten Frauentypus vor Augen, als Sie den Duft kreiert haben?

Geza Schön: Eigentlich nicht. Diese Idee, dass man irgendeine Frau sieht und dann einen Duft zaubert, ist auch ein Mythos. Ich suche für die Entwicklung auch nicht in bestimmten Frauenzeitschriften nach irgendeinem Typ.

C&C: Und die Marke Luisa Cerano? Welchen Einfluss hatte das Image auf die Entstehung?

Geza Schön: Durch die intensive Zusammenarbeit haben wir den roten Faden der Brand sicher gut einfangen können. Es gibt da allerdings keine genaue Logik, wie man die Dinge miteinander verbindet. Das gilt sicher auch für die Kombination aus Mode und Düften. Der Vorgang ist eher ziemlich komplex. Ein Duft entsteht erst einmal im Kopf. So war es auch hier. Mir ging es vor allem darum, Luisa Cerano für meinen eben etwas anderen Stil zu begeistern und einen besonderen Duft abseits des Bekannten zu schaffen. Vor allem bei der Auswahl der Bestandteile, die wir alle drei dann auch mochten. Da gab es schon große Unterschiede, bis man sich eben auf eine Zielgerade bewegt.

C&C: Wie lange hat die Kreation am Ende zeitlich in Anspruch genommen?

Geza Schön: Ungefähr ein Jahr. Das darf man sich aber nicht so vorstellen, dass ich kontinuierlich an dem Duft gearbeitet habe, sondern Projekte laufen immer auch parallel. Das ist auch sehr hilfreich, um immer wieder mit etwas Abstand an einen Duft heranzugehen und ihn weiterzuentwickeln.

C&C: Herr Schön, vielen Dank für das Gespräch!

Eventfotos Jessica Kassner@Picture People


Reisen ist meine Leidenschaft.
Beauty meine Passion.
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