Schlagwort: Naturkosmetik


Die Kosmetikmarke Natura Siberica überrascht mit ihren Inhaltsstoffen

Kaum eine Region birgt noch so viele Geheimnisse wie Sibirien. Die Wildnis hier hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. In den trostlosen Vororten Moskaus oder St. Petersburgs gelten die Weiten zwischen endloser Steppe und unberührten Wäldern im fernen Osten geradezu als Sehnsuchtsort. Für Andrej Trubnikow bildet die weitläufige Region das Fundament seiner 2007 gegründeten Kosmetikmarke Natura Siberica. Sein Beauty-Sortiment umfasst Shampoos und Badelotionen ebenso wie Körperpeelings, Rasierschaum, Spa-Produkte, Anti-Faltencremes, Make-up und sogar eine Produktlinie für Kinder. Seit vergangenem Jahr ist die Marke auch in Deutschland erhältlich.

Der Clou bei Natura Siberica sind laut Trubnikow vor allem die Inhaltsstoffe. Der Reichtum und die Vielfalt der sibirischen Kräuter, Pflanzen und Beeren bilden gewissermassen die DNA. Sie gedeihen in einem Klima das von 40 Grad im Sommer und bis zu Minus 40 Grad im Winter bestimmt ist. Das macht sie extrem widerstandsfähig und entsprechend ergiebig. Antioxidative Eigenschaften sollen sich auf Haut und Haare quasi unmittelbar übertragen. Einige Cremes von Natura Siberica werden sogar mit Kaviar oder Yakmilch angereichert.

Adaptogene Ingredienzien

Aus den Kräutern, Beeren und Blumen Sibiriens wurden bereits vor Jahrhunderten Schönheitselixiere für die russische Zarenfamilie zubereitet. Ein Teil dieser Pflanzen wie Rosenwurz, Sibirischer Ginseng, die Duftliane Nanai-Schisandra oder die Mandschurische Aralie gelten heute als adaptogen. Allen werden biologisch aktive Pflanzenstoffe zugeschrieben, die dem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Um als adaptogen zu gelten, muss eine Pflanze demnach drei Kriterien erfüllen: nur ein Minimum an Veränderungen in den biologischen Funktionen hervorrufen, die Widerstandskraft des Körpers gegen diverse Umwelteinflüsse unspezifisch steigern und normalisierend auf einen Zustand einwirken, ohne andere Organe oder physiologische Funktionen zu verschlechtern.

Zirbelkiefer und Altai-Sanddorn

Zwei weitere Pflanzen der fernöstlichen Region ergänzenden die adaptogenen Zutaten bei Natura Siberica als Basis in sämtlichen Produkten. Vor allem wegen der Synergien, die sie laut der Marke im Zusammenspiel mit weiteren Zutaten entfalten: einerseits die sibirische Zirbelkiefer, andererseits der wilde Altai-Sanddorn. Die sibirische Zirbelkiefer ist wegen ihrer Widerstandskraft und ihrer einzigartigen Eigenschaften das meist genutzte sibirische Holz. Ihr Öl besitzt einen besonders hohen Anteil an Vitamin E und F. So hilft es, die natürliche Hautbarriere zu stärken und vor negativen Umwelteinflüssen zu schützen. Mit ihrem hohen Gehalt an seltenen Linol- und anderen Fettsäuren soll sie außerdem die Haut im Kampf gegen Zeichen der Alterung unterstützen und die Hautstruktur verbessern. Der wilde Altai-Sanddorn wächst im Altai-Gebirge auf 2.000 Metern Höhe. Aus seinen Beeren gewinnt man ein stark Vitamin-C-haltiges Öl. Er ist eine der reichsten natürlichen Quellen von Beta-Karotin sowie Omega 3, 6, 7 und 9. Die Beeren enthalten 22 verschiedene Fettsäuren und 36 Flavonoide. Sie sind reich an Vitamin E, das der Haut Feuchtigkeit zuführt, der Alterung vorbeugt und mit B-Vitaminen den Eiweißstoffwechsel ankurbeln soll.

Indigene Kooperationen

Das Wissen über Pflanzen und Kräuter haben die kleinen sibirischen Völker von Generation zu Generation weitergegeben. Trubnikow, der als Talisman und Zeichen der spirituellen Verbundenheit mit der Region gerne eine getrocknete Kröte um den Hals trägt, hat zur Gewinnung der besonderen Zutaten seiner Cremes und Tinkturen von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit der heimischen Bevölkerung gesetzt. Nur mit Unterstützung von Schamanen und Kräuterkundlern und deren Erzählungen über ihre Traditionen sei es laut Trubnikow gelungen, das nötige Wissen über die Schätze dieser verkannten Natur zu erschließen. In Folge dessen setzt sich Natura Siberica außerdem dafür ein, dass die sibirischen Wildkräuter nach einem ethisch vertretbaren Konzept geerntet werden, damit die Lebensgrundlage der Ureinwohner des fernen Ostens Russlands erhalten bleibt.

Bio-Farming-Programme

2014 hat Unternehmenschef Trubnikow dazu ein eigenes Bio-Farming-Programm mit einer ersten Farm am Ufer des Jenissej in der Republik Chakassien ins Leben gerufen. 2015 wurden zwei weitere Farmen gegründet, die eine in Kamtschatka, die andere auf der Halbinsel Sachalin, einer der entlegensten Gegenden Sibiriens. In Estlands Hauptstadt Tallinn betreibt Natura Siberica außerdem ein eigenes Logistik- und Laborzentrum. Die Verarbeitung wird ausschließlich durch eigene Spezialisten durchgeführt.

Zertifizierte Naturkosmetik

In der Europäischen Union kann man die Marke, die mit dem deutschen Bundesverband für Naturkosmetik (BDIH) zusammenarbeitet und auch europäische Zertifikate besitzt, in Drogeriemärkten bereits kaufen. Aktuell schaue man nach geeigneten Standorten für eigene Läden in Berlin, Düsseldorf, Hamburg oder München, wie Andreas Schönfelder erklärt, Vertriebsleiter von Natura Siberica für die DACH-Region. In Deutschland sind verschiedene Produktlinien von Natura Siberica im ausgewählten Drogeriefachhandel (z.B. Budnikowsky), im Bio-Fachhandel (LPG Berlin, Denn’s Bayern) sowie bei ausgewählten Parfümerien und vermehrt auch in Kosmetikstudios und Apotheken erhältlich. Der digitale Vertrieb läuft über einen deutschen Online-Shop und Marktplätze wie Amazon. Des weiteren ist Natura Siberica bei Supermarktketten wie Kaufland oder Real vertreten. Die Babypflege-Linie Little Siberica ist bei LPG Berlin sowie über den Online-Shop von dm erhältlich.


Ute Leube: Die Frau aus der zweiten Reihe

Sie wollten die Welt verbessern, Ute Leube und ihre Freunde. Damals in den 1980ern gründeten sie ein Unternehmen, das Pflanzenöle produziert im Einklang mit Mensch und Natur. Bis heute hat sich die 67-Jährige den unerschütterlichen Glauben bewahrt, dass wirtschaftlicher Erfolg eng verknüpft sein kann mit nachhaltigem, fairem und respektvollem Handeln auf jeder Ebene. Der Aufstieg von. Primavera scheint ihr recht zu geben. Doch nun stellt sich die Frage nach der Unternehmensnachfolge. Doch wie stellt man sicher, dass die gelebte Vision auch von potenziellen Nachfolgern gewahrt wird?

Beste Bio-Aromaöle aus aller Welt

Ute Leube kommt gerade zurück aus Bhutan, dem Mini-Königreich, das in die maximal hohen Berge des Himalayas eingebettet ist und in dem das Bruttoinlandsglück seiner Bewohner wichtiger ist das Bruttosozialprodukt. Und das dafür vier Säulen als Staatsräson manifestiert hat: die Förderung kultureller Traditionen, der Schutz von Umwelt und Kulturlandschaft, die Förderung sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Entwicklung sowie die Schaffung von Verwaltungsstrukturen, die diesem Ziel dienen. Nur wenn alle vier Säulen gleich groß sind, lässt sich ein stabiles Haus darauf bauen, sind die Bhutaner überzeugt. Ein Gedanke, der Ute Leube gefällt. Einer, in dem die Mitgründerin des Aromaöl-Produzenten Primavera sich und ihre Unternehmensphilosophie wiederfindet. Um diese Entwicklung zu unterstützen, beziehen sie und ihr Geschäftspartner Kurt L. Nübling ihr bio-zertifiziertes Lemongrass-Öl bei dem örtlichen Projekt Bio Bhutan. Weil es das leistet, was die Allgäuer Bio-Pioniere sich bei ihrer Gründung vor über 30 Jahren vorgenommen hatten: die Erzeugung bester Bio-Aromaöle, gewonnen aus Wildsammlungen oder nachhaltigem Anbau bei fairer Bezahlung, damit die Anbaupartner ihren Weg in die Unabhängigkeit finden können.

Norddeutsche Seele auf Erkundungstour

Ute Leube ist größer als die meisten Frauen ihrer Generation. Das silberne Haar trägt sie kurz geschnitten, unter den weit fallenden Kleidern zeichnet sich die weiche Silhouette ihres Körpers ab. Eine typisch Norddeutsche würde man denken, wäre da nicht ihre leise Stimme und der tastende, beinahe tänzerische Gang, die scheinbar so gar nicht zu passen wollen. Aufgewachsen ist sie bei Bremen. Sie ist ein stilles Kind, „unsicher, schüchtern, nicht wissend, wo mein Platz ist auf dieser Welt“. Nach dem Abi und ihrer Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin zieht sie nach Göttingen. Sie studiert Landwirtschaft und geht mit ihrem damaligen Freund für ein Jahr in die USA. Die indianische Kultur zu ganzheitlichem Heilen inspiriert sie derart, dass sie ihr Interesse an westlicher Medizin ganz verliert. Doch egal wo sie ist, am wohlsten fühlt sie sich in der zweiten Reihe oder noch weiter hinten, da wo man unsichtbar bleibt. In München zieht sie in eine WG, zusammen mit ihren Mitbewohnern betreibt sie einen Naturkostladen. Ihr Sohn wird geboren, sie trägt ihn in einem Tuch auf dem Rücken während sie Kisten schleppt und Kartoffeln eintütet. Dennoch: Es ist ein gutes Leben, gespeist aus ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln. „Eines Tage brachte unser Gemüsehändler ein kleines Fläschchen mit ätherischem Rosmarin-Öl mit, das angeblich wahre gesundheitliche Wunder bewirken sollte. Mir als Hardcore-Naturköstlerin kam es seltsam vor, Pflanzendüfte zu destillieren und sie in einen Flakon zu sperren. Aber meine Neugier siegte“, erinnert sie sich.

Vom Aufstieg …

Ute Leube will mehr darüber erfahren. Sie belegt einen aromatherapeutischen Kurs bei der als Expertin geltenden Susanne Fischer, spätere Fischer-Rizzi, in einem Seminarhaus, das Kurt L. Nübling federführend mitgegründet hatte. „Es waren unvergleichliche Dufterlebnisse, die ich dort hatte. Ich verstand, dass meine Nase nicht nur zum Ein- und Ausatmen da ist und welch heilsame und pflegende Wirkung Pflanzen auf Seele und Haut haben.“ Daheim, am Küchentisch, beginnen sie – Leube, Nübling und Fischer – zu spinnen, wie man die Euphorie ihrer Entdeckungen mit anderen Menschen teilen könne. „Damals gab es nur drei deutschsprachige Unternehmen, die aromatherapeutische Öle herstellten. Aber wir wollten eigene Öle, wollten wissen, wie rein sind sie und wie sie hergestellt werden. Wir gingen dorthin, wo die Pflanzen sich ihren ursprünglichen Standort gesucht haben, weil wir davon ausgehen, dass sie dort beste Bedingungen finden und besonders kraftvoll sind. Gleichzeitig wollten wir mit unseren Gewinnen beispielsweise tibetische Waisenkinder unterstützen. Wir dachten damals naiv und wussten nicht, dass die Erlöse fortlaufend in eine Firma investiert werden müssen.“ Ab jetzt kennt die Kreativität der drei keine Grenzen mehr. Während Nübling mit Alabaster-Lampen experimentiert, koordiniert Ute Leube die Kooperation mit Anbaupartnern. Die in der Szene bekannte Susanne Fischer-Rizzi ist das Gesicht nach außen.

… und von Abschieden

Im Frühjahr 1986 wird Primavera offiziell gegründet. Das junge Unternehmen präsentiert sich auf der Edelstein-Messe in Idar-Oberstein. „Das war ein kolossaler Erfolg! Mit einem Schlag hatten wir 250 Therapeuten-Adressen“, sagt Ute Leube. Darauf ließ sich aufbauen. Während ihre Kinder schlafen, packt sie Päckchen, die Kartons kommen gebraucht aus dem Supermarkt. Das Start-up geht durch die Decke. Eine Weile lang funktioniert das Triumvirat prima. Doch in dem Haus, an dem sie gemeinsam bauen, verschiebt sich die Statik, es knirscht gewaltig, Fischer-Rizzi steigt aus. Übrig bleiben Nübling und Leube. Sie kümmert sich fortan weiter um die Prozesssteuerung, den Einkauf, den Kontakt zu den Anbaupartner und die Produktentwicklung und findet sich, öfter als ihr lieb ist, hinter dem Schreibtisch wieder. Kurt L. Nübling, ein charismatischer Visionär und leidenschaftlicher Entdecker, widmet sich dem Marketing. Er in der ersten, sie in der zweiten Reihe – die perfekte Rollenverteilung, um den Markt mit hochwertigen Aromaöl-Produkten und Pflanzenkosmetik zu erobern.

Geld? Das Mittel zum Zweck

„Wir haben Primavera gegründet aus der Begeisterung für unsere Produkte und für die Art und Weise, wie sie entstehen. Sie haben einen Mehrwert für Bauern, Verbraucher und die Umwelt. Geht es um Strategien für die Zukunft, steht für uns im Fokus wie wir noch nachhaltiger wirtschaften können. Das Geld interessiert uns erst dann, wenn es notwendig wird“, sagt Ute Leube. Und es klingt überzeugend. Aber so viel Idealismus muss man sich erst mal leisten können. Schließlich hatte die kompromisslose Weltverbesserei das Unternehmen schon einmal in eine heikle Schieflage bugsiert. Mitte der Nuller Jahre befindet sich Primavera auf Expansionskurs und investiert kräftig in die Eroberung des US-amerikanischen Marktes. Doch die Einführung des Ratings führte zur Vollbremsung, die Banken lassen sie hängen. Leube schwitzt Tage und schlaflose Nächte über Finanzierungsplänen und hält den Atem an. Doch dann fand sich ein Investor und Primavera blühte auf.

Das Loslassen fällt schwer

Den Ruf der „durchgeknallten Öko-Spinner“ haben die Allgäuer Bio-Pioniere weit hinter sich gelassen. Über 30 Jahre später gehört Primavera mit 200 Mitarbeitern zu den europaweit führenden Aromaöl-Produzenten. Das Unternehmen ist gut strukturiert – und ist seinem Grundsatz treu geblieben. Ute Leube, die 2012 zur Unternehmerin des Jahres gekürt wurde und damit in die erste Reihe tanzte, stieg ein Jahr später aus dem operativen Geschäft aus. Seither im Beirat sitzt, denkt darüber nach, wie sie dem Entdecken und Forschen und Begegnungen mehr Raum geben kann. Bisher schlug der Versuch, komplett aus dem Geschäft auszusteigen, fehl. Denn wem vertraut man ein Unternehmen an, das untrennbar verbunden ist, mit ureigenen Visionen? „Wir waren so sehr mit dem beschäftigt, was wir tun, dass wir nicht rechtzeitig daran dachten, die Unternehmensnachfolge zu regeln“, meint sie selbstkritisch.

Neues Führungskonzept für Primavera

Doch die Ansprüche an potenzielle Nachfolger ist hoch, mancher Versuch bereits gescheitert: „Wir konnten uns nicht vorstellen, dass jemand anders denkt und nicht versteht, was für uns selbstverständlich ist.“ Aber das, was sie jetzt beginnen, könnte eine Lösung sein: eine integrale Führungskultur nach dem Spiral Dynamics-Prinzip von Ken Wilber. „Dann würden in einem sich selbst regulierende Führungskreis fünf Mitarbeiter aus unseren eigenen Reihen sitzen, die unterschiedliche Qualitäten mitbringen: Organisatoren, Visionäre, Integratoren und Akteure nach außen. Wir arbeiten derzeit mit Beratern von außen daran. Es ist ein anstrengender Prozess für alle Beteiligten, denn er verlangt schonungslose Offenheit und Darlegung der persönlichen Ziele. Aber unser Gründungsgedanke lebt bis heute. Wir hätten bei vielen Gelegenheiten zerbröselt werden können. Aber ich glaube, unser Unternehmen ist geschützt, solange wir unserer Idee treu bleiben.“

Fotos: Claudia Reshöft, Pascaline Photo


100 Prozent pflanzliche Wirkstoffe werden bei Team Dr Joseph mit modernster Mikrotechnologie verfeinert

Chemiefrei, ökologisch korrekt. Die Hauptpflege-Linie Team Dr Joseph aus Südtirol passt perfekt ins heutige Bild vom nachhaltigen Zeitgeist. Sie bezeichnet sich als „High-Tech-Naturkosmetik“. Moderne Power-Beauty für die Haut. Dabei wurde der Grundstein schon vor mehr als 40 Jahren gelegt.

Ein Unfall war schuld

Joseph Franz war Profi-Eishockey-Spieler. Ein Unfall beendete seine Karriere. Plötzlich war alles anders. „Überall in seinem Körper waren Entzündungen. Er hatte Wassereinlagerungen, die Muskeln waren verhärtet, der Stoffwechsel streikte. Die Schulmediziner wussten nicht weiter, eine Operation schien unausweichlich. Doch damit wollte unser Vater sich nicht abfinden“, erzählen seine Söhne Fabian und Viktor. Also suchte er nach Alternativen. Joseph Franz besann sich auf seine Wurzeln. Er stammt aus Bruneck, war inmitten eines großen Gartens mit Heilkräutern aufgewachsen. Pflanzenwirkstoffe, Kräuter und ätherische Öle waren schon immer seine Passion. Als kleiner Junge hatte er seine eigenen Herbarien.

Studien und Reisen

Auf der Suche nach einem Mittel tauchte Joseph Franz immer tiefer ein in die geheimnisvolle Welt der Pflanzen. Es folgte eine Ausbildung zum Heilpraktiker, Studium an der pharmakologischen Fakultät der Universität Urbino und jahrelange Reisen durch Europa, um sein Wissen über Heilkräuter, ihre Wirkstoffe und Synergieeffekte zu erweitern. Ihm gelang, woran keiner mehr geglaubt hatte: Durch den gezielten Einsatz der Heilpflanzen verschwanden die Schmerzen, der Stoffwechsel fuhr wieder an. Der Körper regenerierte komplett. Fast so, als hätte man einen Reset-Knopf gedrückt. Doch Joseph Franz wollte sein Wissen weitergeben, anderen Menschen helfen. Also eröffnete er in Bruneck einen kleinen Naturkostladen. Neben Obst und Gemüse bot er dort selbstgemachte Mineralseife, Shampoos, ätherische Ölmixturen und Cremes an. Die Kräuter dafür kamen aus dem eigenen Kräutergarten.

Vom Naturkostladen zum Imperium

Inzwischen ist ein kleines Imperium daraus geworden. Den Kräutergarten am Familienhaus mit ca. 100 verschiedene Heilpflanzen gibt es noch immer. Allerdings hauptsächlich für Studienzwecke. Nur ein kleiner Teil der Rohstoffe wie z.B. Johanniskraut und Edelweiß wird hier noch produziert. Größere Mengen für die Naturkosmetik beziehen sie aus gesicherten Resourcen. Nach dem Studium –  Fabian studierte Design in Bozen, dann Architektur in Innsbruck und Rom; Viktor Wirtschaftswissenschaften in Verona – sind auch die Söhne zurück in Südtirol und in den heimischen Betrieb eingestiegen. Gemeinsam mit dem Vater entwickeln sie dessen Rezepte weiter und gründeten 2014 das „Team Dr. Joseph“. Doch das Zepter hält immer noch der Senior in der Hand.

Dr. Franz, worin liegt der ganzheitliche Ansatz Ihrer Pflegelinie?

Bei einem Kosmetikum ist es auch wichtig, dass es eine ganz feine Wirkung über die Nase hat, Haut und Schleimhaut sind ja ziemlich verwandt. Will man die Haut-Gesundheit ganzheitlich betrachten, geht es um drei Bereiche: Psyche, Metabolismus, Struktur. Schaffe ich es, mit einem Produkt diese drei Bereiche anzusprechen, dann habe ich ganzheitlich gedacht.

Worin sind Pflanzen der Chemie überlegen?

Ein Beispiel: Pflanze haben nicht nur Phenole, um Bakterien zu töten, wenn ich das jetzt auf der chemischen Ebene betrachte. Sondern es handelt sich immer um einen riesengroßen Komplex. An synthetisch nachgebaute Substanzen können sich die Bakterien anpassen, und die wirken dann nicht mehr. Die Phenole in der Natur haben ewig gewirkt und werden auch in Zukunft ewig wirken. Das heißt, wenn ich auf der Haut pathogene Keime habe bei Akne beispielsweise Streptokokken, dann will ich die nicht nur bekämpfen, sondern auf breiterer Ebene klein halten.

Thema Konservierungsmittel…

Die Pflanze an sich gibt schon die Antwort. Sie kann 100%ig unterscheiden zwischen pathogenen und physiologischen Keimen. Wir wollen mit einem Kosmetikprodukt ja nicht die Hautflora kaputt machen durch extrem scharfe Konservierungsmittel, die dann alles bekämpfen, was sich tummelt. Und das nur, um das Produkt in alle Ewigkeit haltbar zu machen. Auf diese Weise kann ich zwar ein hochwirksames Produkt produzieren, aber auch gleichsam meinen allerliebsten Freund kaputt machen, die hautphysiologische Lipidschicht.

Wie konservieren Sie dann Ihre Produkte?

Wir garantieren 2,5 Jahre Haltbarkeit. Das ist extrem viel in unserem Bereich. Aber wir haben ein bißchen Glück gehabt vor vielen Jahren, verschiedene Stoffe zu kombinieren. Es hat nur einen Versuch gebraucht mit pflanzlichen Stoffen, die nicht aggressiv sind wie z.B. Rosmarin. Den futtert man schließlich seit jeher mit Braten. Warum? Mit Thymian und Rosmarin lassen sich Eiweiße wesentlich besser verdauen. Von den Traditionen aus der Ernährung kann man extrem viel lernen, und wir übertragen das dann auf die Kosmetikbranche. Rosmarin ist eines unserer Konservierungsmittel. Ein weiteres ist eine Fraktion der Rosen, der Phenylethylalkohol.

Klingt chemisch!

Ja, das tollste chemische Labor ist nicht irgendwo in einer mega-galaktischen Halle zu finden. Das intelligenteste Labor ist die minikleine Zelle. Wenn man die Photosynthese anschaut, erkennt man, was eine Zelle fähig ist zu produzieren. Bleiben wir bei der Rose. Sie besitzt zwischen 400 und 500 chemische Substanzen. Die meisten kennen unsere Chemiker gar nicht. Deshalb habe ich großen Respekt vor dem Labor Pflanze/Zelle, von der wir noch unwahrscheinlich viel lernen können. Man entdeckt immer wieder hochinteressante Sachen, die wir uns dann nützlich machen wie den Phenylethylalkohol. Der konserviert intelligent. Er weiß, dass er keine physikalischen Keime, sondern nur pathogene kaputt machen soll. Auf die Haut über das Kosmetikum aufgebracht, schützt er das Produkt und die Haut. Die Oxydation läuft ja immer auf unserer Haut ab, aber dann kommt dieses tapfere Schneiderlein…

Was ist Ihre ganz persönliche Lieblingspflanze im Kräutergarten?

Eine der tollsten Pflanzen, die dort wächst, ist die Rhodiola Rosea (Rosenwurz). In der alten Sowjetunion wurde auf medizinischer Ebene viel damit gearbeitet. Sie ist ein sogenanntes Adaptogen, das heißt ein Stresskiller aus der Natur. Rhodiola ist in verschiedenen unserer Produkte enthalten. Sie verbessert unser Abwehrsystem, stärkt die Psyche und die Resistenz gegenüber externen Einflüssen wie Stress, Pollution. Sie hält die aggressiven Sauerstoffradikale klein. Wir verwenden die Rhodiola auch zur Konservierung.

Wie findet man so eine Wunderpflanze?

Die Rhodiola kommt eigentlich aus der russischen Pharmakopöe (amtliches Arzneibuch). Deshalb gibt es viele wissenschaftliche Arbeiten, was diese Pflanze auf zellulärer Ebene im Stande zu leisten ist. Wir haben uns Samen besorgt und mit einem sozialen Projekt zusammengetan, wo Leute, die irgendwie aus der Bahn geworfen wurden, temporär im Garten arbeiten. Die haben in einer zweiten Phase die Pflänzchen gezogen, die dann auf ein Feld kommen. Das ist bei uns im Tierser Tal auf 1300 Meter Höhe. Wir haben auch Versuche auf 1800 Meereshöhe gemacht, also weit über der Baumgrenze. Dort hat sie nicht gut überlebt.

Wann ist eine Pflanze sozusagen erntebereit?

Wenn die Pflanzen in der ersten Phase im Garten zwei Jahre überleben, dann werden sie von den Inhaltsstoffen her analysisiert. Man weiß dann, was sie unter den Bedingungen in unserer Region hergibt. Erst nach drei bis fünf Jahren sind die Wirkstoffe einer Pflanze so weit, dass wir sie verwenden können. Bei uns im Labor werden dann die Extrakte untersucht, bevor sie in minikleinen Mengen in unsere Kosmetika kommen.

Was ist das Wichtigste, das Sie von der Natur gelernt haben?

Die Biodiversität, weil sie ganz klar die Stabilität des Systems ist. Und wir machen momentan diese Biodiversität in allen Bereichen kaputt. Auch auf politischer Ebene.


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