Autor: Margit Rüdiger

CultureAndCream-Autorin aus München Beruflich als Beauty-Journalistin zu reisen, war mir nicht genug. Sechs Monate Weltreise haben auch nicht gereicht. Immer wieder zieht es mich in andere Städte, fremde Länder, zu Roadtrips und an Locations, die man kennenlernen sollte. Mich interessieren nicht nur „culture“ und „cream“, sondern auch Menschen, die Geschichten zu erzählen haben. Auf solche Reisen möchte ich euch mitnehmen.

Das perfekte Dinner


Dazu gehören nicht nur ein stilvoll zelebriertes Menü, ein tolles Outfit und natürlich der richtige Mann, sondern auch ein romantisches, subtil verführerisches Make-up. Star-Visagist Horst Kirchberger zeigt, wie man es schminkt

Im Vordergrund stehen die Augen. Sie sollen groß sein und ein wenig mystisch wirken. Alles sehr natürlich, nichts aufdringlich Gekünsteltes. Deshalb weiche und romantische Farben bevorzugen. Wie das Augen-Make-up Step für Step entsteht, zeigen wir unten. Und das restliche Gesicht? Das hautfarbene Luminzing Powder schenkt dem Teint ein makelloses Aussehen und einen verführerischen Glow. Dazu das Puder gleichmäßig auf die Haut oder über das Make-up auftragen. Ein frisches Rouge (Modelé Mineralisé 09) lässt die Wangen rosig schimmern. Die Lippen werden mit dem Liner in einem warmen Karamellbraun (Lip Liner 61) nur im Mundwinkel konturiert und anschließend mit einem natürlichen Ultra Gloss 26 betont.

Schritt 1: Die Augen werden mit einem schwarzen Konturenstift auf der ganzen Länge vom Innen- bis zum Außenwinkel grob konturiert. Die Linien mit einem Lidschattenpinsel breit auflösen, damit die Linien soft wirken.

 

 

Schritt 2:
Danach einen Lidschatten in dunklem Blau sehr großflächig auf das Lid auftragen. Die Farbe über die Lidfalte hinaus bis zur Braue ausschattieren. Entlang des Unterlids dieselbe Farbe verteilen und breit ausblenden. Das kreiert einen weichen Ausdruck!

Schritt 3:
Mit dem schwarzen Eyeliner am oberen Außenlidrand direkt am Wimpernkranz eine Linie ziehen. Auf dem Innenlid wird der Kanal in Schwarz aufgetragen. Auf der unteren Wasserlinie lässt der weiße Kanal das Auge groß, den Blick frisch wirken.

 

Schritt 4:
Zuletzt die Wimpern tuschen und anschließend die Härchen sorgfältig trennen. Trauen Sie sich: Statt schwarz wirkt hier ein dunkles Rot (z.B Mascara Infernale) wesentlich weicher und betont die eigene Augenfarbe.

 

Fotos und Skizzen: Horst Kirchberger

Kaum jemand kommt aus dem Thailand-Urlaub zurück ohne eines der hübschen sechseckigen Döschen mit dem Golddeckel und der bunten Tiger-Banderole. In asiatischen Ländern begegnet sie einem an allen Ecken und Enden – auf dem Markt, an Strassenständen oder der kleinen Boutique im Ferien-Resort.

Tigerbalm kosten fast nichts dort, umgerechnet knapp zwei Euro, wenn man es mit unseren Arzneimitteln vergleicht. Und genau so benutzen die Einheimischen den Wunderbalm. Er wird bei nahezu allen Wehwehchen, jeder Art von Verspannung und Entzündung bis hin zur Nabelpflege bei neugeborenen Babys von Mensch und Tier zu Hilfe geholt. Tigerbalm darf in keinem Haushalt fehlen. Auch bei uns gehört er inzwischen bei vielen Frauen zur Grundausstattung einer Handtasche. Er hilft, wenn sich eine plötzliche Kopfschmerzattacke ankündigt, bei juckenden Insektenstichen oder um bei einer Erkältung die Nase wieder frei zu bekommen.

Affe versus Tiger

Viele denken, der heilende Balsam stammt aus Thailand. Das stimmt aber nicht. „Tigerbalm stinkt“, behauptet mein thailändischer Schwie-gersohn. Thais bevorzugen ihr eigenes Produkt „jaa-mong“, zu erkennen an dem Affen auf der Verpackung. Offiziell heißt er „White Monkey Holding Peach“-Balm, wird meist aber nur als Monkey Balm bezeichnet. In seiner Zusammensetzung ist er dem Tigerbalm ähnlich. Er be-steht ebenfalls hauptsächlich aus Menthol, Kampfer und Methylsalicylat, dem Methylester der Salicylsäure, enthält aber zusätzlich noch verschiedene Ingwersorten. Die Einheimischen schätzen ihn nicht nur als Arzneimittel. Er wird in etwas heißem Wasser aufgelöst in Schalen aufgestellt, um unangenehme Gerüche in Haus und Küche zu neutralisieren oder um Moskitos und andere Insekten zu vertreiben. In den Händen angewärmt wird er zum Massagebalm.

Eine lange Tradition

Der Asien-Balm stammt ursprünglich aus der chinesischen Heilkunde. Er war ausschließlich dem Kaiser und seinen Wehwehchen vorbehalten. Die Rezeptur wurde strengstens gehütet und stets von einem großen Meister nur an seine begabtesten Schüler weitergegeben. Mit Sicherheit wäre dieser Schatz der traditionellen chinesischen Medizin in Vergessenheit geraten, wäre er nicht durch einen Zufall vor 150 Jahren in die Hände des burmesischen Pflanzengelehrten Aw Chu Kin gelangt. Er besaß in Rangun, der Hauptstadt von Burma (heute Myanmar), einen kleinen Laden für Naturheilmittel. Das Wunderbalsam hieß damals auch noch nicht Tigerbalm. Den Namen verdankt er Aw Chu Kins Söhnen Boon Par, dem „sanften Leopard“, und Boon Haw, dem „sanften Tiger“, die nach dem Tod des Vaters die Apotheke übernahmen. Sie verbesserten die jahrhundertealte Rezeptur immer weiter. Zuerst entstand „Ban Kim Ewe“ – das „goldene Öl“, abgefüllt in kleine Glasflaschen. Aufgrund der großen Nachfrage mussten die Haw Par Brüder ihr Geschäft auf professionellere Füsse stellen mit eigenen Fabriken und einem strategischen Vertrieb. Aus „Ban Kim Ewe“ wurde „Tiger Balm“, benannt nach Boon Haw. Der Tiger, in China das Symbol für Kraft und Stärke, wurde zum Markenzeichen für die Firma und ihre Produkte. Inzwischen wird er in mehr als 80 Ländern verkauft.

Tierisch gut

Trotz des Tier-Symbols auf der Dose ist der Balm rein pflanzlich. 25 Pro-zent der Wirkstoff-Kombination macht Kampfer aus dem Holz eines asiatischen Baumes aus. Dazu 10 Prozent Menthol aus ätherischen Minzölen, denen eine besonders schmerzlindernde Wirkung zuge-schrieben wird. Außerdem abschwellendes Cajeputöl, entzündungshemmendes Eukalyptusöl sowie belebendes Zimtbaumöl. Nelkenöl ist im weißen Tigerbalm nur zu 1,5 Prozent enthalten, weil es sehr stark ist. Im roten Balsam sind es 5 Prozent, die durchblutend wirken, die Muskeln entspannen und Entzündungen lindern. Der Rote wird deshalb auch zur Behandlung von Muskelentzündungen und Gelenkschmerzen empfohlen, sowie bei Arthritis und Verspannungen. Dagegen ist die Kombination von Eukalyptus und Menthol im weißen Balsam besonders effektiv bei Erkältungen und Husten. Auf die Schläfen oder die Stirn getupft entwickelt er eine erfrischende, schmerzlindernde Wirkung bei Kopfschmerzen. Übrigens gibt es in Thailand auch einen grünen Balsam mit einer höheren Konzentration an Menthol und Kampfer, versetzt mit grünen Kräutern. Er wird nicht nur zur Schmerzlinderung angewendet. Aufgelöst in heißem Wasser soll er als Massage-„Öl“ aufgrund seiner entstauenden Wirkung auch gegen Cellulite helfen.

Und vieles mehr

Tigerbalm kann auch bei ganz alltäglichen Handlungen zum Einsatz kommen. Als natür-liches Deo neutralisiert das Menthol Schweiß-geruch. Ideal zur schnellen Auffrischung unter-wegs. Geschwollene Füße profitieren von dem leichten Kühl-Effekt. Übelkeit auf Auto- oder Busfahrten? Den beruhigenden Duft der ätheri-schen Öle inhalieren, hilft sofort. Juckende Mückenstiche im Sommer? Eine geringe Menge Balm dünn auftragen, und weg ist der Juckreiz. Verwenden sollte man Tigerbalm allerdings aus-schließlich auf intakter Haut. Und danach unbe-dingt gründlich die Hände waschen und die Fingernägel von Salbenresten säubern. In Kontakt mit Schleimhäuten kann Tigerbalm höllisch brennen. Ist aber nicht weiter schlimm, es vergeht bald wieder von selbst. Inzwischen muss man auch nicht mehr nach Asien reisen, um sich mit dem Allheilmittel einzudecken. Man bekommt es in deutschen Drogeriemärkten und Apotheken. Mir fehlt dabei allerdings das tropische Reise-Erlebnis!

Aufmacherfoto: shutterstock@apple2499, Tigerbalm (4), Melanie Rüdiger (1)

 

 


Der Gang zum Waxing ist inzwischen so selbstverständlich wie der Termin beim Friseur. Das war nicht immer so. Lesen Sie, wie Christine Margreiter ihre Studio-Kette „Wax in the City“ im Lifestyle-Segment integrierte und was Carrie Bradshaw, Protagonistin von „Sex and the City“, damit zu tun hat.

Immer mehr Männer gehen zum Waxen

„Im Frühjahr kommen viele Neukunden zu uns, weil das Waxing überall eine große Rolle spielt. In den kälteren Monaten sind es eher Stamm-kunden“, erzählt Christine Margreiter beim Treffen in ihrem Berliner Büro. Von hier aus lenkt sie das Geschick ihrer 26 Filialen. In zwei eigenen und 24 Franchise-Läden wird jeder Körperteil glatt gemacht, wo Haare stören. Beine, Achseln und andere Stellen. Doch am gefragtesten ist bei den Depiladoras – so heißen die (ausschließlich) Frauen, die das Wachsen an Frau und Mann beherrschen – das Intim-Waxing. Besonders beliebt: der Hollywood Cut. Dabei werden alle Haare im Schambereich entfernt. In Deutschland waren es bisher vor allem U-35-Personen, die die Intim-zone waxen ließen. Etwa 20 Prozent Männer trauen sich bereits an die nicht ganz schmerzfreie Prozedur heran. „Inzwischen geht Intim-Waxing durch alle Altersgruppen“, erzählt Margreiter. „Für die Jüngeren ist das kein Problem mehr. Bei den Älteren braucht es oft eine Annäherung.“ Da wird vielleicht erst mal der Bikini-Strip gebucht, wo man nur die Haare am Venushügel schmaler trimmt. Doch spätestens wenn die Schamhaare ergrauen, bei Frauen oft ab 40, lassen viele auch den Rest entfernen.

„Wax in the City“-Chefin Christine Margreiter

So kahl wie Carrie

Klassisch ist die Haarentfernung mit Halawa, einer Zuckerpaste. Die Methode aus dem Orient reicht auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Das Brazilian Waxing ist noch jung. Es kam in den 1990er Jahren in den Küstenstädten Brasiliens auf. Spätestens seit der dritten Staffel von „Sex and the City“, in der Carrie von einer russischen Depiladora ungewollt einen kompletten Kahlschlag beim Bikiniwachsen verpasst bekam, ist die Haarentfernung im Studio auch in Deutschland ein Thema. 2005 eröffnete Christine Margreiter mit Sibylle Stolberg in Berlin-Mitte 2005 ihr erstes „Wax in the City“-Studio. Bereits der Name weckt Assoziationen! Die Österreicherin, die aus einem kleinen Dorf in Tirol stammt, ist jedenfalls so selbstbewußt und karriereorientiert wie Carrie. Sie hat sich schon immer mit Trends beschäftigt – erst im Kultur-Management, dann im Immobilien-Architektur-Marketing. Wie sie auf Waxing kam? „Ich bin dunkelhaarig. Das Thema Haarentfernung hat mich beschäftigt wie jede andere Frau. Ich habe rasiert, kannte aber aus anderen Ländern wie Frankreich, dass es durchaus bessere Methoden gibt“, sagt sie. Und dann war da noch der sogenannte Lipstick-Faktor, den Margreiter spannend fand: „Wenn es in der Wirtschaft nicht so gut läuft, die Konjunktur nach unten geht oder stagniert, hat das interessanterweise wenig Auswirkungen auf die Ausgaben für Kosmetik, im Gegenteil. Man gönnt sich vielleicht keine zweite Reise, aber den kleinen Luxus zwischendurch. Ich habe mir immer gedacht, wenn ich eine Geschäftsidee umsetze, dann im Beauty-Bereich.“ Und die hat die Selfmade-Frau in bisher sechs Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, Irland, Ungarn, Tschechien) sehr erfolgreich etabliert.

Termin-Vereinbarung per App

Auf das Wachs kommt es an

Brazilian-Waxing ist eine Warmwachs-Methode. Bisher üblich war Wachs auf natürlicher Basis von Honig oder Baumharzen (Kolo-phonium). Weil Kolophonium aber manchmal allergische Reaktionen hervorrufen kann, hat Christine Margreiter eine neue Generation von Enthaarungswachsen entwickelt: „Unser neues Wachs ist ein mikrokristallines Filmwachs ohne Kolophonium, 100% vegan.“ Das Wachs wird so lange erwärmt, bis es flüssig ist. Dann trägt die Depiladora die Masse mit einer Spatel auf die Haut auf. Nach einigen Sekunden wird das getrocknete Wachs mit kräftigen Ruck samt Härchen abgezogen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Schmerz, aber das regelmäßige Entfernen der Haare hat noch einen anderen Vorteil: Je öfter man es macht, desto feiner und weniger der Nachwuchs. Die Haare werden zwar mit der Haarzwiebel ausgerissen und nicht mit der Wurzel. Aber die macht irgendwann so schlapp, dass sie kein neues, starkes Haar mehr produziert.

Angenehme Studio-Atmosphäre

Das sollte man wissen

Ob Hollywood Cut (alle Haare weg inklusive Pofalte), Landing Strip (ein schmaler, senkrechter Streifen auf dem Venushügel) oder Freestyle (Muster wie Herzform, Blitz, Dreieck). Soll der Intimbereich immer perfekt glatt sein, muss je nach individuellem Haarwuchs alle vier bis sechs Wochen nachgearbeitet werden. „Eine Mindestlänge von ca. 3-4 mm ist erforderlich, weil man so die meisten Haare entfernen kann“, so Margreiter. Zu lang sollten sie auch nicht sein, weil es der Depiladora die Arbeit erschwert und auch schmerzvoller ist. Kann man seinen gewohnten Rhythmus nicht einhalten, ist es sinnvoll, die Haare mit einem Trimmer zu stutzen. Der Schnitt mit der Schere ist weniger gut, sie kürzt nie auf gleiche Länge. Das wiederum verkompliziert das Waxen. Sauberkeit versteht sich von selbst. Vollbäder sollte man direkt vor dem Termin aber vermeiden, sie machen die Haut zu weich. Und keine zu enge Wäsche bzw. Kleidung tragen, weil sie an der gewachsten Intimzone unangenehm reiben kann. Auch auf die vier „S“ – Sonne, Solarium, Sport und Sex – sollte man einen Tag lang verzichten.

Nichts ist peinlich!

Die Depiladora lässt bitten

Peinlichkeit ist im Waxing-Studio kein Thema. Die Depiladora ist ein Profi, gibt genaue, sachliche Anweisungen. „Die meisten verfügen über eine kosmetische Grundausbildung, wir haben aber auch Quereinsteiger“, erklärt Margreiter. Die Ausbildung bei ihr dauert 14 Tage in Praxis und Theorie im hauseigenen Schulungszentrum in Berlin. Vorab hat die Bewerberin eine Schnupperstunde in einem der Studios absolviert, um die Realität zu erleben und zu sehen, ob sie sich diese Arbeit wirklich zutraut. Die Waxing-Chefin: „Wichtig ist, dass die Depiladoras in den Kabinen gerne mit und am Menschen arbeiten, dass sie keine Scheu haben.“ Beim Enthaaren muss jeder Handgriff sitzen. Bei Männern sind neben Schultern, Rücken, Oberarmen ebenfalls komplette Intim-Waxings gefragt. Das heißt dann nicht Brazilian, sondern „Manzilian Waxing“. Auch das lernt die Depiladora. Und was ist, wenn der Typ leicht erregbar reagiert? Margreiter: „Es kann passieren, damit können wir umgehen.“ Und woran erkennt man ein gutes Studio? Sauberkeit, Methode und Wachs sind wichtig und das Ergebnis natürlich: Sind die Haare eher ab- als herausgerissen, zeigen sich Rötungen. Die Mitarbeiter sollten fundiert ausgebildet sein. Auf die Liegen gehört für jeden Kunden ein frisches Papier, das beim Hinsetzen nicht gleich durchreißt. Wichtig sind auch die Arbeitsutensilien und die Vorbehandlung der Haut. Hamameliswasser auf der Enthaarungszone wirkt leicht desinfizierend. Pro Kunde und Körperregion eine neue Einwegspatel, versteht sich. Das Wachs in einem guten Studio kommt aus einem geschlossenem System und wird jeweils frisch aus dem Automaten in ein kleines Cup abgefüllt. Let’s wax!

Fotos: Aufmacher@AlexStraubino,@ToniHaupt(5)

Von Schwarz zu Grau. Mein aufregendes Haarexperiment habe ich bereits im letzten Jahr gestartet. Nun wird es von Friseurtermin zu Friseurtermin allmählich so, wie ich es mir vorstelle. „Salz und Pfeffer“ sagt meine Freundin Barbara dazu.

Wie alles begann? Ich war es schon länger leid, die Ansätze in meinen naturschwarzen Haaren ständig nachfärben zu lassen oder mir zu Hause mit der schwarzen Farbe ab und an das Badezimmer zu versauen. Aber zu dem Entschluss, die grauen Strähnen rauswachsen zu lassen, bin ich erst nach langem Ringen mit mir gekommen. Früher dachte ich immer, graue Haare machen alt. Auch als „granny hair“ vor einigen Jahren Trend wurde, konnte ich mich nicht dafür erwärmen. Gut, ein junges Gesicht noch ohne Linien und Makel kann per se nicht alt aussehen. Aber Grau fand ich bislang nur an unserer Großmutter Elsa gut, und die trug wegen ihrer spanischen Abstammung immer eine Blautönung darüber. Meine ersten, noch vereinzelten Grauen riß ich mir vor dem Badezimmerspiegel aus. Keine Lösung, wie ich bald feststellte. Es kamen neue dazu. Noch schlimmer, die Schläfenkonturen wurden hell und heller. Kaum vom Nachfärben beim Friseur zurück, zeigte sich schon wieder Nachwuchs. Um eine stets perfekte Kontur zu haben, wäre die Schwarz-Arbeit bald alle 14 Tage nötig gewesen.

Mein Friseur riet mir ab

Irgendwann war ich es leid und fragte meinen Friseur, längst ein naher Freund, ob ich die grauen Strähnen nicht einfach rauswachsen lassen sollte. Er winkte ab: „Nein, das steht dir nicht!“ Kurzzeitig experimentierten wir mit braunen Strähnen, die aber in meinen dunklen Haaren kaum zur Geltung kamen. Verunsichert und unzufrieden wurde weiter regelmäßig geschwärzt. Bis ich durch eine Bekannte letzten Sommer in München einen Mailänder Friseur traf. Armano schnitt mir die Haare und fragte eher beiläufig, ob ich schon mal darüber nachgedacht hätte, die Grausträhnen rauswachsen zu lassen. Als hätte er meine Gedanken gelesen. Er meinte, das einfarbige Schwarz würde doch sehr hart aussehen, wie ein dunkler Helm. Wir vereinbarten für meinen nächsten Italien-Trip einen Termin in seinem Salon in Mailand. Etwas mulmig war mir schon dabei. Um mich nicht noch mehr zu verunsichern, diskutierte ich das Thema „Aus Schwarz wird Grau“, ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, auch nicht mit Freundinnen.

Termin in Mailand

Als ich mich dann Mitte September auf den Weg nach Mailand machte, hatte ich immer noch den Satz meines Friseur-Freundes im Kopf „das steht dir nicht“. Das Grau war inzwischen fünf Zentimeter rausgewachsen, so wie es Armano verlangt hatte, um mit Farbe aktiv werden zu können. Angekommen in seinem Salon in der Via Senato nahm ich reichlich nervös auf dem Stuhl Platz. Wie würde ich mit der Veränderung aussehen? Meine schwarzen Haare und roter Lippenstift waren schließlich jahrelang so etwas wie mein Markenzeichen gewesen. Und wie beim Zahnarztbesuch die Zahnschmerzen wie weggeblasen sind, fand ich gerade an diesem Tag meine Haare so wie sie waren besonders cool. Aber kneifen? Nein, das wollte ich jetzt auch nicht. Armano besprach mit mir die Vorgehensweise: „Um die grauen Strähnen, vor allem an den Schläfen, harmonisch an den Rest anzugleichen, kommen wir um eine Blondierung nicht herum“, erklärte er. Mit diesem Bleaching werden alle Farbpigmente aus dem Haar gezogen. Es bildet die optimale Basis für nachfolgende Farben, vor allem bei hellen Grau-Nuancen. Die Prozedur beansprucht die Haare jedoch stark, und wer Probleme mit Spliss hat, sollte sich die Behandlung genau überlegen. Da war ich mal wieder froh, dass meine Haare gesund und üppig sind.

 

Was für eine Prozedur!

Die Haare wurden in Passées geteilt, und die Strähnen einzeln auf Alufolie mit der Blondierung bestrichen. Im Spiegel sah ich einen Wust aus schwarzen Haaren und Silberfolie auf meinem Kopf. Gesamteindruck: immer noch schwarz. Nach Stunden und mehreren Espressi öffnete der Maestro immer wieder einige Folien, um nach dem Fortschritt der Blondierung zu sehen. Jedes Mal schüttelte er den Kopf. Noch nicht so weit, bedeutete sein Gesichtsausdruck. Je dunkler die Haarfarbe, desto schwieriger ist es, dass die Strähnen nicht zu gelbstichig werden. „Und schwarze Haare nehmen gern einen Rotstich an, den wir auch nicht wollen“, hatte er mir bereits vorab erklärt. Dann endlich war es so weit. Die bestmögliche Bleachingstufe war fürs erste erreicht. Endlich wurden über dem Waschbecken alle Folien herausgenommen, die Blondierung gründlich ausgewaschen und die Haare mit Pflege versorgt.

Der erste Schreck

Der erste Blick in den Spiegel. OMG! Die blondierten Strähnen hingen wie blasse Spaghetti in meinen Haaren. Armanos Begeisterung über das Ergebnis konnte ich in keiner Weise teilen. Es folgten Schnitt und Blowdry. Möglichst natürlich, bitte. Bloß nichts Gestyltes. Im trockenen Zustand mischten sich die „Spaghetti“ zwar harmonisch unter den Rest. Doch insgesamt erschienen mir die Haare viel heller als ich es erwartet hatte. Als ich kurze Zeit später in meinem Zugabteil zurück nach Hause saß, zog draußen bereits Dunkelheit auf. Ich sah mein Spiegelbild in den Fenstern und war mir völlig fremd. Schnitt und Farbe waren wirklich toll. Aber war das wirklich ich? Großes Fragezeichen. So ging es mir noch viele Monate. Die Reaktionen meiner Umwelt waren da wesentlich positiver. Von „die hellen Haare sehen viel freundlicher aus“, „tolle Farbe“, „besser als das harte Schwarz“ bis hin „du wirkst um Jahre jünger“, bekam ich fast ausschließlich positive Kommentare.

Ein neuer Look musste her

Mit der veränderten Haarfarbe änderte sich auch mein Look. Meine rotgeschminkten Lippen fand ich neuerdings zu aufdringlich, viele Lieblings-Outfits zu farbintensiv. Mein Kopf kam mir bunt genug vor mit den verschiedenen Blond- bis hin zu leichten Orangetönen. Statt meinem geliebten Tilbury-Orangerot fühlte ich mich mit Rosenholz bis Violett auf den Lippen wohler. In Gesichtsnähe trug ich nur Einfarbiges. Auch meine Haare brauchten mehr Pflege als zuvor. Das Aufhellen hatte sie stark beansprucht. Regelmäßig wende ich Haarmasken an, um sie mit Feuchtigkeit zu versorgen und Haarbruch zu vermeiden. Silbershampoos mindern den Gelbstich. Einen Vorteil hat die neue „Rauigkeit“ meiner vielen und damit schweren Haare. Sie besitzen ein enormes Volumen und fetten nie nach. Das Trockenshampoo macht erstmal Pause.

Zweiter Termin

Drei Monate später, kurz vor Weihnachten, war Armano wieder mal auf Besuch in München. Wir vereinbarten einen weiteren Blondierungstermin. Und was soll ich sagen: Ich bin total begeistert. Die Gelb- und Orangetöne sind verschwunden, der Hinterkopf ist durchgesträhnt und damit weniger schwarz. Die Strähnen an der Stirn haben endlich genau den Silberton, den ich mir gewünscht hatte. Nun bin ich gespannt, wie es aussieht, wenn meine eigenen Grausträhnen ganz herausgewachsen sind und ich anstatt wie vorher Schwarz mit Grau, Grau mit Schwarz trage. „Salz und Pfeffer“ – so nennt es Barbara.

Fotos (4)@up_n_co

Keine Frage des Alters, nur eine Frage der richtigen Technik. Der Münchner Star-Visagist Horst Kirchberger (Foto oben) zeigt Step für Step, wie man sich auf moderne Weise Smokey Eyes schminkt. Nicht nur perfekt für das Silvester-Makeup. Ready?

Schritt 1: Den oberen und unteren Lidrand mit einem dunklen Kajalstift umranden. Ebenso die Lidfalte nachziehen und die Linien am Außenwinkel verbinden, so dass dieser dunkel ist.

Do: Um die zu bemalenden Konturen zu sehen, sollte man die Augenhaut „anheben“, d.h. unter der Braue mit einem Finger die Haut leicht nach oben ziehen. Don‘t: Wer das Auge zu sehr streckt, verändert die Augenform so, dass  die Konturen nachher nicht da sitzen, wo sie sein sollten.

 

 

Schritt 2: Die entstandenen Konturen werden nun mit einem rund gebundenen Pinsel „weichgewischt“.

Do: Unbedingt einen rundgebundenen Pinsel zum Auflösen der Linien verwenden und anschließend mit losem Puder die entstandene Fläche satt abpudern. Das fixiert den Untergrund und verhindert, dass der nachfolgende, rauchige Lidschatten „wolkig“ wird. Don‘t: Den Lidschatten nie direkt auf die vorgezeichnete Kontur setzen, sondern immer vorher ausblenden und fixieren.

 

 

 

 

Schritt 3: Über die weiche Vorzeichnung einen dunklen, rauchigen Lidschatten setzen und ausschattieren.

Do: Am Außenwinkel ansetzen und nach oben hin ausschattieren.
 Don‘t: Nicht vor der Braue aufhören, sondern bis in die Braue hinein schattieren. Außerdem nie mit schwarzem Lidschatten arbeiten, sondern eher auf Grau-und Taupetöne zurückgreifen.

 

 

 

 

Schritt 4: Die oberen Lidkonturen noch einmal schwarz nachziehen – entweder mit Kajal oder Liquid Eyeliner.

Do: Die obere Kontur stärkt das Auge und macht es „wach“. 
Don‘t: Für die Konturen keine andere Farbe als Schwarz verwenden.

 

 

 

Schritt 5: Mit Kontur und Highlights Kontraste schminken.

Do: Der dunkle Smokey Untergrund bekommt mehr Kraft und das Auge mehr Glamour, wenn am Innenwinkel bis über die Pupille ein champagner- farbener Highlighter gesetzt wird. 
Don‘t: Nicht das ganze Lid aufhellen, sonst mischt sich der dunkle Lidschatten mit dem Highlight.

 

 

 

 

 

Schritt 6: Den Außenwinkel betonen und Mascara auftragen.

Do: Ob mit oder ohne Highlight: Das Auge wirkt umso glamouröser, wenn man nur in den Außenwinkeln schwarzen Lidschatten setzt und diesen sanft in den vorher ausschattierten Ton verlaufen lässt.
 Don‘t: Nicht mit zu viel Schwarz arbeiten, sondern eher die Farbe langsam aufbauen.

Fotos/Illustrationen @Horst Kirchberger, Make-up Studio München

Es ist eine Stadt der Vergangenheit. Am 16. November 2019 beging sie ihren 500. Geburtstag. Eine alte Dame, die ihr Make-up nur notdürftig erneuert. Unter dem Putz bröckelt es. Und dennoch strahlen Havanna und seine lebenslustigen Bewohner eine einzigartige Faszination aus.

Es war einmal…

…eine blühende und elegante Stadt im frühen 19. Jahrhundert, als der Handel zwischen der Karibik und Nordamerika sich auf dem absoluten Höhepunkt befand. Habana, wie die Kubaner sagen, trug den Beinamen „Paris der Antillen“. Zu Recht, wenn man sich die Architektur von damals ansieht bzw. das, was davon noch übrig geblieben ist. Die vielen prachtvollen Bauten von üppiger Schönheit, errichtet von den einstigen Tabak-, Rum- und Zuckerrohr-Baronen, lassen das frühere mondäne Leben erahnen. Die meisten der repräsentativen Villen und Privat-Residenzen standen in Miramar, dem Stadtteil der Oberschicht mit Yacht- und Countryclub und der Quinta Avenida, der 5th Avenue von New York nachempfunden. Nachdem die meisten der Schönen und Reichen ab 1959 vor der Revolution in die Vereinigten Staaten geflüchtet waren, wurden die Gebäude dem Verfall preisgegeben. In den bislang renovierten Villen von Miramar ist heute vor allem das Botschaftsviertel der kubanischen Hauptstadt untergebracht.

Neue Pracht und alte Armut

Überhaupt sind es vor allem öffentliche Gebäude wie unzählige Museen, das berühmte Gran Teatro oder das Capitol, die bereits aufwändig renoviert sind oder gerade restauriert werden. Oder La Vieja, die Altstadt von Havanna mit ihren engen Gassen, einfachen Restaurants und Bars, seit 1982 UNESCO-Weltkulturerbe, wird gerne vorgezeigt. Doch in unmittelbarer Nachbarschaft machen sich vielerorts Verfall, verzweifelte Stützversuche an einst imposanten Gebäuden und muffige Dunkelheit hinter farbigen Fassaden breit, wo die Einheimischen leben. In schmalen Hauseingängen oder leeren Räumen, die zeitweise zu mobilen Verkaufsstätten umfunktioniert werden, sieht man sie täglich für Lebensmittel Schlange stehen. Oft vergebens!

Taxifahrt im Oldtimer

Nicht wegzudenken aus Havannas Straßenbild und gleichzeitig beliebtestes Fotomotiv der Touristen ist die Armada amerikanischer Vintage-Strassenschlitten in den schönsten Regenbogenfarben. Sie werden zwar jeden Morgen von ihren Besitzern akribisch-liebevoll geputzt und auf Hochglanz poliert noch bevor die Touristen ihre Augen öffnen. Doch genau hinsehen darf man in der Regel nicht, wenn man in einen Dodge, Plymouth, Chevrolet, De Soto, Ford, Buick, Cadillac oder Imperial steigt. Der schöne Schein trügt. Der Fahrer muss gleichzeitig Mechaniker sein. Und so manches Mal wird ein Hammer aus dem Kofferraum geholt, wenn die Autotüre sich nicht freiwillig schließen will. Trotzdem muss man zumindest einmal so eine Fahrt unternommen haben. Es ist eine Art Zeitreise in die 1950er Jahre, bevor Fidel Castro und sein Bruder Raúl mit Che Guevara die Macht von Diktator Fulgenico Batista übernahmen. Perfektes Ziel für so eine Spritztour (ca. 40 Euro pro Stunde) ist beispielsweise die Hemingway Villa vor den Toren Havannas mit ihrem atemberaubenden Blick über die Stadt. In den Räumen des einstöckigen Bungalows mit dem lichtdurchfluteten Dichterturm sieht es noch so aus, als hätte der exzentrische Schriftsteller sie gerade erst verlassen.

Dass es in Kuba so viele amerikanische Oldtimer gibt, ist übrigens in der politischen Vergangenheit des Landes begründet. Als Fidel Castro 1959 an die Macht kam, wurden nach und nach Bürger, Staatsbeamte und Unternehmen der Vereinigten Staaten enteignet. Hunderttausende, vor allem die gebildete Mittel- und Oberschicht sowie Amerikaner, flohen damals aus dem Land und mussten ihre Fahrzeuge zurücklassen. Das sind die Taxis von heute. Dass sie noch fahren, ist allein dem Erfindergeist der Habaneros zu verdanken. Die oft nötigen Ersatzteile sind nicht zu bekommen, deshalb werden Klebeband & Co. zu Hilfe genommen. Und nicht selten sitzt unter der Motorhaube, wo einstmals eine fetter Achtzylinder röhrte, heute ein schmalbrüstiger Nissan-Motor.

Morbider Charme

Wer zu Fuß geht, läuft vor allem in den ärmeren Vierteln am besten wie die Einheimischen in der Strassenmitte, weil die Gehsteige löchrig und uneben, mit Unrat oder vor allem morgens mit Waschwasser bedeckt sind, da die Wohnungen oft keine Bäder haben. High Heels kann die Havanna-Besucherin getrost zu Hause lassen. Kommt ohnehin dem Gepäck zu Gute. Wer schlau ist, reist nämlich mit Handgepäck. Sonst wartet man ewig und manchmal auch vergeblich am Flughafen auf seinen Koffer. Doch trotz alle dieser Widrigkeiten zieht die Stadt jeden in ihren Bann. Sie besitzt einen morbiden Charme, ist bunt und überbordend fröhlich. In jedem noch so schmalen Hausgang werden Souvenirs verkauft, meist mit Kuba-Flagge oder Revolutionsheld Che Guevara. Auch Fidel Castros Konterfei darf nirgends fehlen. Wer gern feiert und abends lange abhängt, ist in Havanna genau richtig. Ob in der Bar Floridita, wo schon Hemingway sich mit Daiquiris betrank oder der Bodeguita Del Medio, wo angeblich der beste Mojito, der traditionelle Cocktail aus Rum, Limetten, Zucker, Mineralwasser und Minze, serviert wird. Bars gibt es ohne Ende. Am Meer auf der Mauer am Malécon, der acht Kilometer langen Uferpromenade am Atlantik, trifft sich die Jugend zum Flirten, Chillen und Musikhören. Getränke werden mitgebracht. Am besten essen kann man in den privaten Paladares. Viele verstecken sich in den noch funktionierenden oberen Stockwerken verfallender Häuser. Auch die sind übrigens dem Einfallsreichtum der Habaneros geschuldet, um an die begehrte CUC-Währung der Touristen zu kommen.

Trickreiche Habaneros

Bis spät in den Morgen hört man Salsa- und Rumba-Rhythmen an allen Ecken, und auf den Straßen wird laut gefeiert. Billige Preise darf man in Havanna jedoch nicht erwarten. Cappuccino ist fast doppelt so teuer wie in seinem Heimatland Italien. Ein Mittagessen kostet rund 20 CUC. Shoppen ist Fehlanzeige. Die wenigen ausländischen Marken wie Mango oder Adidas sind wesentlich teurer als in Europa. Wer es sich einigermaßen gut gehen lassen will im Kuba-Urlaub, sollte mit täglich 50 CUC (1:1 zum US Dollar, der aber nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert wird, ebenso wenig wie Kreditkarten) kalkulieren. Nicht eingerechnet sind die cleveren Versuche der Habaneros mit vielerlei Tricks den Touristen Geld aus der Tasche zu ziehen. Verständlich, denn die begehrten Importwaren können Einheimische häufig nur mit der Touristenwährung erstehen. Ihr Peso ist zwei Drittel weniger wert. Vorsicht ist vor allem bei Zigarren geboten, die auf der Straße verkauft werden. Sie sind meist von minderer Qualität bzw. Fälschungen. Topmarken wie Cohiba oder Montecristo kauft man am besten in den staatlichen Lebensmittelgeschäften, den sogenannten „Bodegas“. Und wer beim Essen im Restaurant nicht zu viel bezahlen will, besteht darauf, eine Speisekarte zu sehen – die jedes Lokal haben muss, auch wenn der Kellner es anfangs gerne verneint.

Muss man in Havanna gesehen haben

  • Hotel Nacional de Cuba – Auch wenn man nicht dort nächtigt, das Hotel im Stadtteil Vedado hoch über dem Malecón ist einen Besuch Wert. Es wurde 1988 zu einem Kulturdenkmal Kubas erklärt und 1992 komplett renoviert. Hier residierten schon Polit- und Showgrößen aus aller Welt wie Wladimir Putin, Winston Churchill, Roman Polanski, Errol Flynn und Marilyn Monroe. Von der Terrasse und dem wunderschönen Garten aus blickt man auf den Golf von Mexiko, und im Cabaret Tropicana des Hotels bekommt man die schönsten kubanischen Tänzerinnen zu sehen.
  • Gran Teatro – der Prachtbau am Prado mit üppiger Dekoration und Türmchen wurde 1838 von Generalgouverneur Tacón erbaut. Nach der Restauration 1915 erhielt die Fassade ihren neobarocken Stil. Das Ballet Nacional de Cuba und das Opernensemble des Teatro Lírico Nacional de Cuba sind hier beheimatet. So berühmte Schauspieler und Tenöre wie Sarah Bernhardt, Enrico Caruso und Benjamino Gigli gaben Gastspiele.
  • Capitolio Nacional (Capitol) – der ehemalige Abgeordneten- und Senatssitz am Paseo José Martí wurde 1929 nach dem Vorbild des Capitols in Washington D.C. erstellt mit einem 94 Meter hohen Dom. Zwei 6 m hohe Bronze-Statuen, „Arbeit“ und „Tugend“, säumen die breite Granittreppe zum Haupteingang. In der großen Halle steht „La República“, zweitgrößte Innenstatue der Welt (14 Metern, 49 Tonnen). Im Capitolio ist die Akademie der Wissenschaften und das Museo de Historia Natural (Museum für Naturwissenschaften) untergebracht.
  • Fábrica de Tabacos Partgás – die Partagasfabrik in Centro Habana ist die älteste Zigarrenfabrik des Landes. Sie wurde 1845 gegründet und produziert bis heute die bekannten Marken Partagás, Bolivar und Cohiba. In einem ca. einstündigen Rundgang kann man die verschieden Produktionsphasen kennenlernen.

Gut essen in Old Havana

  • 5 sentito, San Juan de Dios 67, Ecke Compostela
  • Paladar San Cristóbal,  Calle San Rafael #469
  • San Juan Grill & Bar, San Juan de Dios #9 E/ zwischen Habana und Aguiar
  • Paladar La Guarida, 418 Concordia
  • La Imprenta, Calle Mercaderes #208 e/ zwischen Lamparilla und Amargura
  • Esto ho es un Café, 58A Callejon del Chorro

Frühstücken zwischen Kunst und Kitsch

  • Cafe del Angel (Konzeptstore von Havannas Mode-Designerin Jacqueline Fumero), Compostela Nr. 1 Esquina Cuarteles am Plazuela del Ángel
  • Cafe Bohemia, Calle S. Ignacio 364 , Plaza Vieja
  • El Dandy (Cafè mit Art Gallery,  Teniente Rey am Plaza del Cristo

     

Trinken auf Hemingways Spuren

  • Floridita (gute Daiquiris und Live-Musik), Obispo 557 Ecke Monserrate
  • La Bodeguita del Medio (ehemaliger Künstlertreff), Calle Empedrado, 207
  • Amos Mundos Hotelbar (in Zimmer 511 wohnte Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingways in 1930er-Jahren, heute ein kleines Museum), 153 Obispo
  • Buena Vista Social Club (für Fans kubanischer Musik), Zulueta 660, zwischen Apocada und Gloria
  • Sloppy Joe‘s Bar (2013 nach 48 Jahren wieder eröffnet, berühmt-berüchtigter Künstler- und Mafia-Treff), Ánimas Ecke Agramonte

Shoppen – was mir auffiel

  • Cris-Cris – ausgefallene Lingerie & Bademoden (die deutsche Besitzerin entwirft Kostüme für das Centro Teatro de la Habana), 361 Villegas, Ecke Tentiente Rey am Plaza del Cristo
  • Clandestina – der erste unabhängige Design-Store für Nachhaltigkeit in Kuba, Villegas 403, zwischen Teniente Rey und Muralla
  • Habana 1791 – antike Parfümerie mit individuellen Düften und historischen Exponaten in einem Herrenhaus aus dem 18. Jh., 156 Mercaderes

Ob nach Schwangerschaften oder Wechseljahren, wenn die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist, kann es zu allerhand körperlichen Problemen kommen – von Inkontinenz bis zu Orgasmus-Schwierigkeiten. Auch verschiedene vaginale Veränderungen können die Lebensqualität einer Frau physisch, psychologisch und sexuell beeinträchtigen. Dagegen gibt es zwei neue, nicht invasive Methoden. Der Münchner Gynäkologe Dr. Maximilian Franz erklärt, wann und wie sie einzusetzen sind.

Emsella Chair – Bitte Platz nehmen

Der BTL Emsella Chair sieht aus wie eine Mischung aus 50er-Jahre Friseurstuhl und postmodernem Sessel. Man sitzt sehr aufrecht und mittig auf dem harten Stuhl, keine Lümmelposition, – und schon geht es los. Das System schickt fokussierte elektromagnetische Wellen durch den Unterleib und löst dadurch supermaximale Muskelkontraktionen aus. Über ein  Steuerungstool wird die Intensität reguliert. Es beginnt mit niedrigen Elektroimpulsen, die bis auf 100 Prozent gesteigert werden. Der Emsella (Em- wie elektromagnetisch, sella, lateinisch für Stuhl) wurde von Urologen entwickelt und ist FDA-geprüft. In den USA ist das Beckenbodenwunder längst ein Renner, denn eine 30-minütige Sitzung entspricht 12.000 Kontraktionen. Das kann mit keinem anderen Beckenbodentraining erreicht werden. Schmerzen hat man währenddessen keine. Zu spüren ist ein Kribbeln, unterbrochen von Stoßbewegungen. Man kann lesen, Musik hören oder nur vor sich hin träumen. Nur das Handy darf nicht mit Platz nehmen. Laute einer Pilotstudie tritt eine Verbesserung der Beschwerden oft bereits nach ein, zwei Sitzungen ein. Übrigens bei Frauen wie Männern. Nach der zweiten Sitzung fühlt sich die untere Bauchmuskulatur fester an. Auch die untere Rückenmuskulatur wird gestärkt. Aber das sind die angenehmen Nebeneffekte. Nach der sechsten Sitzung hat sich durch die komplexe Straffung die Inkontinenz reduziert, und durch die Kräftigung des Beckenbodens kann dieser wieder bewusster angespannt werden. Die Orgasmus-Fähigkeit bei Frauen verbessert sich erheblich, bei Männern die Potenzstörungen.

Das sagt der Experte Dr. Maximilian Franz

Warum ist es eigentlich so schwierig, den Beckenboden zu trainieren?

Vor allem Schwangerschaften sorgen dafür, dass die Beckenbodenmuskulatur gedehnt und sehr belastet wird. Fehlendes Training sowieso. Und wer sie trainieren will, kann es eigentlich schlecht, weil man gar nicht, wo man trainieren soll. Vielfach findet man den Muskel überhaupt nicht. Man weiß oben im Kopf nicht ganz genau, wie man den Muskel unten kontrahiert. Da fehlt sozusagen das Mapping über die Zuordnung auf der Hirnrinde vom Muskel.

Wie viele Sitzungen braucht man auf dem Stuhl?

Empfohlen sind erstmal sechs Anwendungen mit wöchentlichen Abständen und anschließend drei Wochen warten. Auch wenn man den Bizeps trainiert, sieht man nicht von heute auf morgen wie er anschwillt. Dann ist es natürlich auch gut, wenn man danach selbst weiter trainiert. Man weiß ja jetzt, wo der Muskel sitzt und wo man anspannen muss. Dann sollte man nach ein paar Wochen einen Effekt merken.

Wie kann man alleine weiter trainieren?

Ganz simpel, man kauft sich Liebeskugeln. Die tut man in die Scheide, und dann muss man sie drin behalten. Es geht nicht darum, dass die Kugeln ein Gefühl auslösen, sondern dass sie an Ort und Stelle bleiben. Dadurch wird der Beckenboden trainiert. Durch diese Kontraktionen wird das Ganze natürlich auch etwas fester und enger und damit orgasmusfähiger. Die klassische Behandlung beim Physiotherapeuten ist das Biofeedback-Training, wo man ein Gerät einführt in die Scheide und einen Drucksensor hat. Durch ihn bekommt man Feedback, wie fest man die Beckenbodenmuskulatur kontrahieren kann. Aber auch das beste Biofeedback-Training bringt nichts, wenn man a) keine Muskeln hat und b) nicht weiß, wo man zusammenkneifen muss. Gut ist auch Pilates, weil hier ein deutlicher Fokus auf der sogenannten Core-Muskulatur liegt. Diese Muskulatur (schräge, gerade, untere Bauchmuskulatur, Wirbelsäulenmuskulatur, Zwerchfell, Beckenboden) trägt den Rumpf des Körpers.

Juliet Laser – Veränderung im Intimbereich

Vaginale Atrophie, vaginales Relaxationssyndrom oder eine Inkontinenzsymptomatik sind mögliche Veränderungen, die in den unterschiedlichen Lebensabschnitten der Frau wie nach Geburten oder in den Wechseljahren auftreten. Ein neuer vaginaler Laser wird vor allem bei Beschwerden wie einer trockenen, gereizten und empfindlichen Scheidenhaut (Atrophie) oder bei einer Senkung der vorderen Scheidenwand (auch Blasensenkung genannt) angewandt. Dadurch wird die Scheidenhaut gestrafft, verdickt und ist wieder elastischer. Das bewirkt eine deutliche Verbesserung von Beschwerden wie Brennen oder Schmerzen beim Verkehr, Trockenheit, Juckreiz, Einrisse oder Brennen. Durch die Straffung der vorderen Scheidenwand unterhalb der Blase und Harnröhre erhält der Halteapparat der Harnröhre neuen Halt, und es stellt sich eine Verbesserung der Stress- oder Belastungsinkontinenz ein. Die Methode hilft auch bei Vulvudemie, wo vor allem junge Frauen unklares Jucken und Schmerzen an der Scheide haben. Ebenso erfolgreich eingesetzt wird das Juliet-Laser-System bei Lichen sclerosus (griech. Lichén = Flechte und sklerós = trocken, hart), einer chronischen, in Schüben verlaufenden, entzündlichen, aber nicht ansteckenden Hauterkrankung mit juckenden Flecken.

Das sagt der Experte Dr. Maximilian Franz

Was ist das für ein Laser-System?

Wir verwenden in unserer Praxis mit dem Juliet-Laser-System ein besonders schonendes Verfahren. Die spezielle Wellenlänge des Erbium:YAG-Lasers ermöglicht das Erreichen der submukosalen Schichten (lamina propria), die reich an Kollagen sind. Sie wirkt „selektiv“, ohne das umliegende Gewebe zu verletzen. Das neu entwickelte Behandlungselement für den vaginalen Einsatz wird in einer Sterilverpackung geliefert und ist für den Einmalgebrauch vorgesehen. Dies garantiert maximale Hygiene.

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Der Arzt führt die Laserspitze in die Scheide ein, und die Laserenergie wird in Form von Pulsen abgegeben. Die gesamte Behandlung dauert nur wenige Minuten und ist schnell, schmerzlos und diskret. Es ist keine Anästhesie erforderlich (da weder Schnitte noch Nähte durchgeführt werden). Zufriedenstellende Ergebnisse können in den meisten Fällen schon nach der ersten Sitzung beobachtet werden. Eine zweite Behandlung nach einigen Wochen ist empfohlen, um die Ergebnisse im Laufe der Zeit zu erhalten.

Was muss man nach dem Eingriff beachten?

Es wird empfohlen während der ersten drei Tage nach der Behandlung auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Man sollte auch keinen schweren körperlichen Betätigungen sowie sportlichen Aktivitäten nachgehen und den Besuch von Schwimmbads oder Sauna unterlassen.


Egal ob Tagescreme, Serum oder Gel. In der Anti-Aging-Pflege wird Hyaluronsäure als DIE Wunderwaffe gefeiert. Sie soll die Haut aufpolstern, Falten glätten und Rauigkeit ausgleichen. Doch ist das viele Lob tatsächlich berechtigt?

Zumindest ist Hyaluronsäure, kurz HA, unserem Körper nicht fremd. Chemisch gesehen ist es ein Polysaccharid, also ein Vielfachzucker, und damit wichtiger Bestandteil verschiedenster Bindegewebsarten. Sie ist Hauptbestandteil unserer Gelenkflüssigkeit und schmiert die Gelenke. Der größte Anteil an HA, etwa 50 Prozent, lagert in der Haut. Ihre Aufgabe ist es, enorme Wassermengen zu binden – pro Gramm bis zu sechs Liter. Leider geht auch hier mit dem Alter die körpereigene Produktion zurück. Und das bereits ab dem 25. Lebensjahr. Mit 50 sind die Wasserspeicher nur noch halb gefüllt. Das macht sich äußerlich bemerkbar: Feine Linien und Fältchen, eingefallene Wangen, Krähenfüße oder eine Vertiefung der Nasolabialfalte sind klassische Anzeichen von Hyaluronsäuremangel. Wie elastisch die eigene Haut noch ist, der sogenannte Hautturgor, lässt sich ganz einfach selbst messen: Man hebt mit zwei Fingern eine Hautfalte an der Hand an und lässt sie wieder los. Je nach Feuchtigkeitsgehalt bleibt sie stehen oder legt sich elastisch wieder an. Knackende Gelenke deuten übrigens darauf hin, dass die Hyaluronsäure sich aus der Gelenkflüssigkeit verabschiedet.

Kettenreaktion

So einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt, lassen die leeren Speicher sich nicht füllen – und schon gar nicht von außen mit Creme. Ob und was diese bewirken kann, liegt vor allem an der Größe der HA-Moleküle. Das bestätigt auch Simone Presto, Ärztin und Expertin für die Eucerin-Serie HyaluronPlus: „Die langkettige (hochmolekulare) Hyaluronsäure ist ein sehr großes Molekül. Die bleibt auf der Haut liegen. Die mittelkettige dringt schon etwas tiefer ein, also in die oberflächlichen Hornhautschichten bis durch die Epidermis. Von den 12 Schichten der Epidermis erreicht man etwa die Mitte. Die kurzkettige (niedermolekulare) Hyaluronsäure kann in die Tiefe gehen.“ Aber auch hier gibt es ein Limit, räumt die Ärztin ein. Selbst die kleinsten HA-Moleküle können die Basalmembran nicht durchbrechen. Dies ist die unterste Lage der Oberhaut, wo ständig Zellen nachproduziert werden. Kein noch so innovatives Kosmetikum kann sie überlisten. Die kurzkettige Hyaluronsäure lagert sich dort ab und quillt regelrecht auf, weil sie Wasser aus dem Gewebe bindet. Auf diese Weise kann sie nicht nur dafür sorgen, dass Fältchen flacher werden, sondern auch dass die Zellkommunikation aufrecht erhalten wird. Letztendlich unterstützt sie die physiologischen Prozesse der Haut. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass genug Feuchtigkeit im Gewebe vorhanden ist. Das unterstreicht auch Simone Presto: „Schon deshalb ist es wichtig, dass man ausreichend trinkt. Ich muss der Haut schließlich auch von unten Feuchtigkeit bieten, die sie oben binden kann.“

Nerd-Wissen

Streng wissenschaftlich wird Hyaluronsäure seit einigen Jahren Hyaluronan genannt. Bis Ende der 90er wurde sie aus Hahnenkämmen extrahiert, heute wird sie mittels Fermentation aus Hefe oder Getreide gewonnen. Diese vegane Variante ist deutlich verträglicher. Gemessen wird die Molekülmasse in Dalton (kd steht für Kilodalton benannt nach dem englischen Naturforscher John Dalton, der sich mit der Atomtheorie beschäftigte). Hochmolekulare Hyaluronsäure hat 1.500 kD, mittelkettige 100 kD und kurzkettige 50 kD und weniger. Bei der Angabe von Inhaltsstoffen auf kosmetischen Produkten, der sogenannten INCI, heißen übrigens alle Varianten: Sodium Hyaluronate. Wer mehr darüber wissen will, was in seiner Creme steckt, sollte beim Hersteller weitere Informationen einholen. Hat ein Kosmetikprodukt zum Ziel, mehr als nur die Oberfläche zu befeuchten, müssen sowohl lang- als auch kurzkettige Moleküle in hoher Konzentration enthalten sein. Was kein Pflegeprodukt mit Hyaluronsäure erreicht, auch wenn die Industrie es gerne glauben machen möchte: Gesichtskonturen anheben, Lippen vergrößern oder tiefe Falten ausbügeln. Auch gezielt Volumen an einzelnen Gesichtspartien aufbauen, das schaffen nur Hyaluron-Injektionen beim Beauty-Doc. Sie können in tiefere Hautschichten vordringen und somit intensivere und langfristigere Effekte erzielen.

Dauerbetrieb

Soll ein Hyaluronsäure wirklich etwas bringen, muss man es dauerhaft anwenden. Simone Presto: „Hauteigene Enzyme, die Hyaluronidasen, bauen Hyaluronsäure ab. Bei einem Pflegeprodukt in der Regel innerhalb von 12 Stunden. Deswegen sollte man zweimal am Tag cremen, um den Effekt aufrechtzuerhalten.“ Bei einer schwachen Hautbarriere hilft auch das nur bedingt. Für eine langfristige Durchfeuchtung ist die Stärkung der Barriereschicht notwendig. Die äußerste Schicht der Epidermis, die sogenannte Hornschicht (Stratum corneum), bildet den eigentlichen Schutz der Haut gegenüber der Umwelt und verhindert übermäßigen Feuchtigkeitsverlust. Zu den wichtigsten Aktivstoffen, die die Barrierefunktion stärken, gehören Harnstoff, Vitamine und Ceramide.

Foto: @up_n_co

 


Wie sich mit den Jahren der persönliche Mode-Geschmack verändert, ist es oft auch mit den Parfums, die man favorisiert. Und manchmal ist dabei ein Mann im Spiel – so war es zumindest bei mir.

Ich weiß es noch genau. Ich war vier Jahre alt, als ich die Lust am Parfümieren entdeckte. Dafür plünderte ich den Rosengarten meiner Mutter und weichte die roten und rosafarbenen Blütenblätter in Wasser ein. Meine Mutter war allerdings – aus purer Liebe – zu mir auch die einzige, die meine „Duftwässer“ verwendete – oder zumindest tat sie so. Mit acht war ich schwer verliebt in meinen attraktiven Vater. Dass er aus meiner Sicht meine Mutter mehr liebte als mich, schrieb ich einem quadratischen Zauber-Fläschchen zu, das sie in ihrer Frisierkommode verwahrte. Eines Abends, meine Eltern hatten gerade in großer Ballrobe das Haus verlassen, schlich ich mich in ihr Schlafzimmer und öffnete die Schublade, in dem der Schatz lag. Ich duftete mich vor dem großen Spiegel verschwenderisch ein – mit Chanel Nr. 5. Mit dem Erfolg, dass meine Kinderfrau mich anschließend in die Badewanne steckte und unsanft abschrubbte.

Meine erste (Parfum-)Liebe

Die Jahre vergingen und statt für meinen Vater schwärmte ich inzwischen für einen älteren Jungen aus dem Nachbar-Gymnasium. Ich war 13 und reif für mein erstes eigenes Parfum – davon war ich überzeugt. „Jil Sander Sun“ roch ich bei meiner besten Freundin, die echt cool war, etwas älter und schon einen festen Freund hatte. Meine Patentante schenkte es mir zum Namenstag, nachdem ich nicht locker gelassen hatte. Ich fühlte mich damit total erwachsen, und doch war seine süßlich-weiche Note etwas, das mich mit meiner noch nicht ganz abgestreiften Kindheit verband. Mit 17 traf ich meine erste große Liebe. Für immer und ewig sollte es sein. Welches Parfum hätte da besser gepasst als „Eternity“. Meine Ewigkeit dauerte allerdings nur ein gutes Jahr. Mit dem Kerl verschwand dann auch alles andere, was mich an ihn erinnerte, aus meinem Badezimmer. Von nun an ging es erst mal à la carte weiter – bei Männern und Düften.

Lebensabschnittsbegleiter

Wenn ich heute so darüber nachdenke, passten beide „Lebensabschnittsbegleiter“ – die Parfums und die Männer – immer irgendwie zusammen. Mit einem Gitarristen aus London fühlte ich mich so eins, dass ich mit ihm nicht nur die Liebe zur Musik teilte und die Vorliebe für grüne Parka, sondern auch für „ck one“, den ersten Unisex-Duft, den es damals überhaupt gab. Dann kam ein Schauspieler indischer Abstammung. Er war groß gewachsen mit glutschwarzen Augen und samtiger Haut. Wie selbstverständlich entdeckte ich „Obsession“ für mich, das Elixir einer Leidenschaft. Ich war verrückt nach ihm, und jeder von uns reiste meilenweit um den Globus, um den anderen zu treffen – manchmal nur für wenige Stunden. Irgendwann folgte mein Inder dem Ruf nach Hollywood, während ich auf meine innere Stimme hörte und blieb. Doch von da an war ich den Orientalen treu – den Düften versteht sich. „Angel“ habe ich geliebt, seit ich den massiven Sternflakon auf seiner Deutschland-Premiere zum ersten Mal in Händen hielt und den vanilligen Duft genüsslich einsog. Er erinnerte mich an die Weihnachtsbäckerei meiner geliebten Nanny und rief in mir Gefühle kindlicher Geborgenheit wach. Unsere Beziehung überdauerte selbst meine erste Ehe. Noch heute, sagt mein Ex, könne er es nicht ertragen, wenn eine andere als ich diesen Duft trüge – wie er das wohl meint?

Masse, nein danke!

Inzwischen habe ich mich der Nische verschrieben. Ich mag es einfach, wenn nicht jeder, der in meine Richtung schnuppert, gleich zu wissen meint „ach, du trägst doch….“ Meine neueste Duft-Liaison kommt aus Spanien und heißt „Megalium“, würzig-rauchig und dennoch weich-orientalisch. Was nicht bedeutet, dass ich nicht doch ab und zu schwach werde, wenn ich all den schönen Verführern in kunstvollen Flaschen in meinem Badezimmer begegne. Da erwische ich mich dann manchmal, dass ich mit dem orientalisch-blumigen „Casablanca Lily“ meinen Mann zum Jour fix treffe, mit „Pelárgonium“ ins Wochenende fahre oder mit „Sweet William“ ins Bett gehe. Aber am nächsten Tag greife ich in meine Handtasche und fühle, wie meine Finger einen schlichten kubischen Flakon umfassen – „Megalium“.

Aufmacherfoto: @up_n_co

Der Berliner Colorist Andreas Kurkowitz ist ein echter Guru, was Haarfarben angeht.  Im C&C-Interview spricht er über Trends, Kundenwünsche und wie graue Haare wirklich cool aussehen.

Wie sehen die Farbtrends 2020 aus?

Was die Farbe angeht, habe ich das Gefühl, dass es in die wärmere Richtung geht. Gerade im Winter. Ich mag das auch gerne, weil man im Winter weniger Licht hat. Warme Töne geben mehr Reflexion und auch mehr Glanz. Man kann ohnehin nicht sagen, dass es feste Trends für jede Saison gibt. Aber ich bin tendenziell immer ein Fan davon, gerade im Winter in Europa, wo es weniger Licht gibt, die Farben etwas wärmer zu machen als im Sommer.

Sprichst du von Strähnen oder Highlights? Nicht jeder möchte gleich immer eine komplette Umfärbung.

Mit Strähnen, ob von Hand gemacht oder Foliensträhnen, kann man zu jeder Jahreszeit easy variieren. Zum Winter hin macht man den Farbton etwas wärmer und im Sommer wieder kühler. So gibt es die Möglichkeit, ohne Komplettfärbung eine Veränderung zu erzielen. Oft sind es nur kleine Nuancen, die einen großen Unterschied machen. Ob das jetzt ein Honigton ist oder Karamell, oder eher ins Kühle, Sandige geht. Viele meiner Kunden beschweren sich im Sommer darüber, dass ihre Haare zu warm wirken. Das hat natürlich etwas mit dem Lichteinfluss zu tun.

Welche Frisur ist am gefragtesten?

Trend ist eigentlich, dass die Leute super individuelle Sachen wollen. Man kann nicht mehr sagen, die haben ein bestimmtes Foto gesehen und wollen genau diese Frisur. Die Frauen geben viel mehr auf sich acht, was zu ihnen passt. Es gibt natürlich Unterschiede: Da sind die Kunden, die wollen etwas ausprobieren. Sie sehen ihre Haare als modischen Aspekt und wollen sie verändern, wie sie auch ihre Kleidung verändern. Andere wollen einfach nur frisch aussehen und etwas haben, das zu ihnen passt.

Der beste Trick, um frischer auszusehen?

Ich würde die Haare nie dunkler als drei Töne verändern, weil es dann hart wirken kann. Und was einen Riesenunterschied macht, ist, wie hell oder dunkel die Kontur gefärbt ist. Egal, ob Strähnen, eine mittelblonde Komplettfärbung, ob hell- oder dunkelbraun, wenn die Kontur zu dunkel ist, sieht es oft sehr unnatürlich aus, macht hart und weniger frisch. Dass die Kontur weicher ist und heller als der Rest, finde ich super wichtig. Daran merkt man auch, ob jemand gefärbte Haare hat oder nicht. An der Kontur sind die Haare viel feiner, sie nehmen die Farbe schneller an. Wenn ich das Gleiche an Farbe darauf gebe wie auf den Rest, hat man oft das Problem, dass es an der Stelle zu pigmentiert, zu überlagert aussieht.

Was ist wichtiger, Farbe oder Schnitt?

Ich persönlich erachte die Kombination als wichtig, dass es zusammenpasst. Aber dadurch, dass ich ausschließlich Haare färbe, habe ich immer den Fokus auf Farbe. Wenn man eine richtig gute Farbe hat, kommt man auch mit einem weniger perfekten Haarschnitt durch. Allerdings meine ich auch, je dunkler die Haare gefärbt sind, desto perfekter muss der Schnitt sein. Bewegt man sich im Blondbereich, fällt es nicht so auf, wenn der Schnitt nicht ganz optimal ist. Möchte dagegen jemand schwarze Haare haben, was ein guter Look sein kann, sieht man jede Kleinigkeit, ob ein Schnitt gut ist oder nicht.

Was ist die beliebteste Haarfarbe im Salon?

Tendenziell wollen die meisten Richtung Blond gehen. Ich würde schätzen, ca 75 Prozent meiner Kundinnen wollen eher heller werden als dunkel. Entweder wollen sie so gefärbt werden wie ihre Naturfarbe einmal war, oder sie wollen heller werden. Wir machen extrem viel Blond, von Dunkel- bis Hellblond, auch Kupfertöne immer mal wieder. Alles eher im warmen Bereich, keine kühlen Rottöne mit Violett oder Blond drin. Aber auch hier soll es eher natürlich wirken. Schreiendes Rot wird so gut wie nie verlangt.

In der Regel färbt man immer mehrere Töne…

Jein. Es kommt darauf an. Das Haar ist immer die Basis. Und das hat ja auch nicht nur einen Ton, so dass ich drei Reihen färben muss, damit es natürlich aussieht. Oft finde ich es dann besser zu sagen, ich färbe nur einen Ton rein, weil eh schon drei verschiedene Blondtöne vorhanden sind.

Auch ein Thema: graue Haare rauswachsen lassen?

In meiner Beratung frage ich erst mal: Wie sehr stören die grauen Haare? Für mich gibt es verschiedene Optionen. Die erste: Möchte man die weißen Haare so abgedeckt haben, dass man sie gar nicht mehr sieht. Oder zweitens, kann man damit leben, dass sie transparent sind. Oder drittens, findet man es sogar gut, wenn sie da sind oder man sie gar noch unterstützt. Ich habe schon das Gefühl, dass viele Frauen vielleicht nicht offen sind dafür, ihre Grauen zu verstärken oder sie so zu tragen. Die meisten wollen sie schon färben, aber dass sie transparent bleiben und das Grau nicht unbedingt plakativ abgedeckt ist.

Macht Grau alt?

(Denkt nach) Ich finde, das Gesamtbild macht alt, wenn der Rest nicht stimmt. Man kann tolle graue Haare haben und nicht alt wirken. Zu sagen, Grau macht alt, trifft zu, wenn ich mich dementsprechend kleide und keinen guten Haarschnitt habe. Grau werden heißt ja nicht, dass man keine Arbeit mehr damit hat, sie einfach wachsen lässt und und trotzdem cool aussieht. Grau kann gut aussehen, aber man muss trotzdem beispielsweise extra blondierte Strähnen reinsetzen, die das Grau noch intensiver wirken lassen. Make-up und Kleidung sind ganz starke Faktoren. Jünger macht Grau nicht, aber ich finde auch nicht, dass es unbedingt alt machen muss. Oft wird gleichgesetzt: Grau = Alter. Aber viele bekommen bereits jung graue Haare. Ich habe mal ein Model in London gefärbt, die war 26 Jahre alt und hatte schon ganz weiße Haare.

Wie oft muss man Strähnen in grauem Haar nacharbeiten?

Alle drei bis vier Monate. Es kommt darauf an, ob es das erste Mal ist oder schon mehrere Male gemacht wurde. Dann kann man minimal auffrischen.

Ist es ein Qualitätsmerkmal für einen Salon, wenn er einen eigenen Coloristen hat?

Finde ich schon. Allein wenn man nach der Erfahrung geht. Wie viel Erfahrung kann einer haben, der am Tag vier Leute färbt und vier schneidet im Vergleich zu jemand, der am Tag acht Leute nur färbt! Das über einen Zeitraum von einem Jahr berechnet, zeigt wie viel mehr der Colorist an Erfahrung hat. Für mich ist es wichtig, dass Colorist und Stylist zusammenzuarbeiten, um zu sehen, wie ist der Haarschnitt, welche Farbe passt am besten zu der Person. Aber meiner Meinung nach ist es schon wichtig, das zu separieren.

Welche besondere Ausbildung besitzt ein Colorist?

Da gib es unterschiedliche Szenarien. Bei mir war es so, wie ich es auch in unserem Salon mache, wo wir Leute ausbilden. Die durchlaufen eine 18-monatige Assistenzzeit, die in Gruppen eingeteilt ist, die sie abarbeiten und dann halt Modelle färben müssen. Das ist schon so eine Intensivzeit, in der sie ausschließlich färben. Es ist aber immer etwas anderes, ob du Modelle färbst oder am Kunden arbeitest. Deshalb finde ich das erste Jahr nach der Ausbildung grundsätzlich super wichtig – egal ob man schneidet oder färbt. Das erste Jahr ist noch mal wie eine Art Lehrjahr am Kunden.

Aufmacherfoto: @shutterstock

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