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Bergamo – ti amo!


Eine Liebeserklärung an die norditalienische Stadt mit viel Flair und großer Geschichte

Sie steht immer im Schatten ihrer berühmten Nachbarin, die rund 50 km weiter westlich liegt. Aber, scusi Milano, die Kleine von nebenan ist schon ein bisschen hübscher. Ganz ehrlich, sogar sehr viel hübscher. Deshalb haben wir diesmal auf dem Weg nach Mailand, vorher die Ausfahrt Bergamo genommen. Leider nur für einen Tag.

Das chice Duo

Bergamo – das sind eigentlich zwei Städte: Die Città Bassa in der Ebene, eine elegante, quirlige Universitätsstadt, in der alle Shoppinggoals erfüllt werden. Eine Stadt, mit großzügig angelegten Straßen, eleganten Arkaden und nur mäßig hohen Häusern, damit, so eine Anordnung von früher, keinem der Blick auf die Altstadt auf dem Hügel verbaut sei. Und diese sogenannte Cittá Alta, die obere Stadt, ist ein wahres Schmuckstück. Sie liegt etwa 100 m über der „unteren“ und ist per Standseilbahn aus dem Jahre 1880 zu erreichen. Ein Must, wenn man stilecht nach oben will, um die Altstadt zu erkunden. Aber auch, wenn man – just for fun – ein paar Minuten analoges Reisen per Funicolare genießen will.

Die Città Alta

Wir fahren zunächst mit dem Auto nach oben – die zweitbeste Idee, wenn man Samstag mittags anreist. Denn dann wird die enge Straße, wenn man nicht gerade einen Cinquecento fährt, schnell zum Nadelöhr. Doch viele Möglichkeiten hat man nicht, es gibt nur wenige direkte Zufahrten: Bergamo ist umgeben von einer mittelalterlichen Stadtmauer. Oben angekommen landen wir auf einem natürlich vollen Parkplatz, der aber unweit unseres Hotels in der Via Mario Lupo liegt. Sehr entspannend, wenn man nach einem kurzen Anruf an der Rezeption eine Parkkarte für das angrenzende (volle) Parkhaus abholen kann. Außerdem wird auch gleich das Auto für die Altstadt „freigeschalten“, da normalerweise die Zufahrt eingeschränkt ist. Doch gefahren wird nicht mehr … Muss man hier auch nicht, alles ist perfekt zu Fuß zu erreichen. Aber, Achtung, Ladies: Das mittelalterliche Pflaster ist der natürliche Feind der High-Heels – also lieber Flats auspacken. Keine Ahnung übrigens, wie Italienerinnen das machen –sie stöckeln unbeirrt über die groben Steine.

Mittendrin wohnen

Wer ein Hotel in der Città Alta bucht, landet immer mittendrin. In der Stadt, ihrer Kultur, der italienischen Lebensart. Und in der Kunst romantisches altes Gemäuer mit Contemporay Design zu verbinden – radikal, aber mit Fingerspitzengefühl. Wie das Hotel Gombit, das zu den kleinen, feinen Design-Hotels gehört und für eine Nacht unser Zuhause ist. Es liegt im Torre del Gombito, einem Wachturm aus dem 13. Jahrhundert. Sorgsam renoviert, kann man die Spuren der Vergangenheit in Form von alten Steinmauern und Holzdecken noch in jedem der 13 Zimmer finden. Zusammen mit den reduzierten Designmöbeln und edlen Holzböden, den handgewebten leichten Leinenstoffen und anderen kuscheligen Materialien, den modernen Bädern und Working-Stations, ergibt sich ein luxuriöses, aber nicht überkandideltes Ambiente, in das man sofort einziehen möchte. Die Räume strahlen die Ruhe eines eleganten Landhauses aus. Doch kaum hat man die Fenster mit den typisch-italienischen Läden geöffnet, ist man mitten drin, im pulsierenden Leben der engen Gassen einer italienischen Altstadt. Im Foyer, der Bar und der Bibliothek finden sich originelle Installationen, von Vespa-Reifenspuren bis hin zu Büchern, die von der Decke hängen. Frühstück wird in der Tower Lounge (die auch für Meetings oder Geschäftsessen genutzt werden kann) serviert – reichhaltig, bio, regional und lecker.

Essen und Trinken

Die Cittá Alta ist voll mit kleinen Cafes, Eisdielen, Bäckereien und Locandas. Und die sind voll mit Touristen, die die Funicolare unaufhörlich in die Altstadt „hineinschüttet“. Nachmittägliche Musts sind aber ein Stracciatella-Eis (z.B. bei La Marianna, wo es in den sechziger Jahren erfunden wurde) und ein Aperitivo, zu dem Oliven-, Chips und Polenta (auch für den Maisbrei ist Bergamo bekannt) serviert wird – am längsten steht die Sonne bei den Tischen eines Cafés auf der Piazza Mercato delle Scarpe. Dort sitzen, obwohl es direkt an der Funicolare-Station liegt, eher die Einheimischen. Und sitzen und sitzen und sitzen. Gefährlicher für die Figur als Aperitiv und Eis ist eine traditionelle Spezialität, die jede Pasticcheria im Schaufenster hat: Polenta e Osei, ein halbkugelförmiger gelber Kuchen, verziert mit Schoko-Marzipan-Vögeln, die es in jeder erdenklichen Größe gibt. Er soll an das einstige Arme-Leute-Essen, Maisbrei mit Singvögeln, erinnern. Spätestens bei der Assoziation – bin ich raus. Es soll zwar süß, aber dennoch lecker sein. Wer Samstagabend essen gehen möchte, muss zeitig reservieren. Sonst bekommt man allenfalls noch einen Slot mit der Ansage, nach dem Essen gleich Platz für die folgende Reservierung zu machen. Wie gut, dass das Hotel noch eine Empfehlung in petto hatte, mit der wir in Ruhe und ohne zeitliche Begrenzung den Abend genießen konnten. Normalerweise bin ich bei solchen Tipps eher skeptisch – doch das war ein echt guter. Das Ristorante La Tana liegt eher unspektakulär an der Auffahrtsstraße Via San Lorenzo, 500 Meter abseits vom touristischen Epizentrum bergabwärts. Doch der „Abstieg“ lohnt sich: die charmant-rustikale Enotheka bietet eine äußert gepflegte Weinauswahl, eine aufregend regionale Speisekarte und Jazzmusik im Hintergrund. Pizza wird man hier nicht finden, dafür aber bergamaskische und lombardische Spezialitäten, ganz basic oder kreativ fusioniert.

UNESCO und Co.

Für einen ersten Eindruck von Bergamo braucht man keinen Plan, man kann sich einfach nur treiben lassen. Denn in der Oberstadt gibt es fast keine Ecke, die nicht irgendwie hübsch, atemberaubend und tipico ist. Allein für die Piazza Vecchia mit dem mittelalterlichen Rathaus wurde wahrscheinlich der Begriff „malerische Altstadt“ erfunden – selbst Le Corbusier sollte diesen Platz einen der Schönsten der Welt genannt haben. Gleich um die Ecke findet man die Piazza Duomo, wo einem vor sakralen Prachtbauten fast schwindlig wird. Wovon der barocke Dom der äußerlich noch Unscheinbarste ist. Deutlich imposanter ist da das Ensemble nebenan: Der etwas bescheidenere, romanische Eingang gehört zur barocken Basilica di Santa Maria Maggiore, in der auch das Grab des Opernkomponisten Gaetano Donizetti (ein echter Bergamaske) liegt. Daran schließt sich mit einer opulenten Fassade aus rotem und weißem Marmor die Capella Colleoni an – eigentlich das Grabmal von Bartolomeo Colleoni, einem der berühmtesten Söldnerführer Italiens, ist. Es heißt, um Mitternacht das Familienwappen der Colleonis am Zaun zu berühren, soll Glück bringen (manche sagen, es erinnere an drei pralle Hodensäcke – ital. coglioni). Rechts davon liegt noch die achteckige Taufkirche Battistero, die von acht Statuen, die Tugenden wie Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Klugheit, Tapferkeit, Mäßigung und Geduld darstellen, umrundet wird.

Apropos umrunden

Ein weiteres Highlight Bergamos befindet sich um die Città Alta herum. Die alte, venezianische Stadtmauer von über sechs Kilometern Länge, die von einer wechselvollen Geschichte erzählt und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, aber auch die perfekte Kulisse für romantische Spaziergänge im Sonnenuntergang liefert. Und noch etwas gibt es in der Altstadt, was nicht nur sehenswert, sondern auch hörenswert ist: Direkt an der Piazza Vecchia steht der Campanone, der Stadtturm mit der größten Glocke der Lombardei. Sie schlägt jeden Abend um 22 Uhr, hundertmal – wie zur Zeit der venezianischen Herrschaft, als um diese Zeit die Stadttore geschlossen wurden. Wie gut, dass sie heute offenbleiben. So können wir demnächst wieder mal die Ausfahrt nach Bergamo nehmen … Es gibt noch einiges zu entdecken: Zum Beispiel die andere Station der alten Funicolare, San Vigilio, von wo aus man einen tollen Ausblick auf die Oberstadt haben muss. Vielleicht aber einfach nur, um ein echtes Stracciatella-Eis zu essen.


Ein Hotel, wo man einfach nicht mehr weg möchte

„Kann ich hier bitte einziehen?“ Dieser Satz wird heutzutage oft inflationär gebraucht, sobald ein Restaurant oder Hotel ein schönes Interieur bietet. Doch gutes Aussehen ist das eine, ein Gefühl das andere. Denn das, was unsichtbar ist – die Atmosphäre – entscheidet über das Wohlbefinden, und ob man in einer Location auch wirklich wohnen möchte.
Das 5* Gourmet Hotel & Spa Gardena Grödnerhof in Südtirol ist definitiv so ein Ort. In eines der 54 elegant und liebevoll eingerichteten Zimmer möchte zumindest ich sofort einziehen.

Familienhotel mit Wohlfühl-Faktor

Woher der Wohlfühl-Faktor kommt? Von viel, viel Herzlichkeit. Das Hotel im charmanten Bergdorf St. Ulrich inmitten der Dolomiten gibt es schon seit 1923 und ist bis heute in Besitz der Familie Bernardi. Bodenständige Leute, denen es nicht um extravagantes Chichi geht, sondern darum, ihren Job gut zu machen, damit sich alle Gäste stets wie zuhause fühlen – und dabei in dezentem Luxus schwelgen können. Nicht umsonst gehört das Gardena Grödnerhof zum exklusiven Kreis der Relais & Chateaux Hotels. Die Behaglichkeit beginnt schon beim Check-in: Platz nehmen in kuschligen Sesseln, ein heißes Tuch zum Erfrischen für die Hände und ein köstlicher Drink des Hauses für die Seele. Stress und Sorgen? Alles weg! Man fühlt sich jederzeit willkommen. Das Personal ist aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein und schnell wird klar: Auch die fühlen sich hier wohl.

Entspannen im Floating-Raum

Vor allem der wunderschöne, 2018 komplett erneuerte Spa-Bereich verführt zum Einziehen ins Hotel. Die rund 1.900 qm sind wie der Rest des Hauses modern-alpin eingerichtet mit viel Holz und in gedeckten Natur-Tönen. Durch große Fensterfronten lässt sich das fantastische Berg-Panorama anschmachten, besonders gute Sicht hat man vom Rooftop-Pool und aus der finnischen Sauna. Doch das eigentliche Relax-Highlight ist der Floating-Raum. Auf Liegen, die einem Wasserbett ähneln und mit Kopfhörern ausgestattet sind, fühlt man sich schon nach 10 Minuten so entspannt wie nach einer zweistündigen Meditations-Session.

Soulfood auf Sterne-Niveau

Noch mehr gestreichelt wird die Seele im Gardena Grödnerhof beim Essen: Chefkoch Hubert Fischnaller serviert jeden Abend ein 6-Gang-Menü auf höchstem Niveau: Erdbeer-Pfeffer-Sorbet, Ziegencamembertmousse, rosa gebratenes Kalbskaree oder Kokusnuss-Crème-Brulée. Echte Gourmets schätzen zudem die kulinarische Abwechslung im Hotel: Gegen einen Aufpreis kann man sich ebenfalls die Hauben- und Michelin-Sterne-Küche von Reimund Brunner in den „Anna Stuben“ gleich nebenan schmecken lassen.

Die Dolomiten erkunden

Das Rundum-gelungen-Paket vervollständigt die tolle Lage vom Gardena Grödnerhof: Im Winter gibt es direkte Liftverbindungen in das 1.200 km große Skigebiet, zu dem auch die bekannte „Sella Ronda“ und „Seiser Alm“ gehört. Im Sommer kann man wandern, radfahren oder durch nahegelegene Städte bummeln wie Brixen (25 km) oder Bozen (36 km). Ansonsten gibt es im Hotel selbst noch eine sagenhaft gut bestückte Bar, einen 2.000 qm großen Gartenbereich, ein wöchentlich wechselndes Fitness-Programm und ein Billard-Zimmer. Wie schon gesagt: Kann ich hier bitte einziehen?

Was kostet es? DZ im Gourmet Hotel & Spa Gardena Grödnerhof ab 164 Euro p.P. (in der Nebensaison) inkl. Gourmet-Halbpension (Frühstück, Kuchenbuffet, 6-Gang-Abendessen). Tipp: Die „Gardena Chalets“  direkt neben dem Hotel sind ideal für größere Gruppen und Familien ab 1.700 Euro/Woche (in der Nebensaison).


Robinson-Charme in der Andamanensee

In jedem Paradies lauert eine Schlange, sagt man. Doch hier, zwischen den Mangroven, die ihre Wurzeln wie Stelzen in das flache Wasser strecken, so fürchte ich, ist es vielleicht eher eine Panzerechse. Irgendwo habe ich von einer Schlacht im Zweiten Weltkrieg gelesen, bei der eine Gruppe japanischer Soldaten von den Alliierten in einen Sumpf an der burmesischen Küste nahe der Stadt Mergui getrieben wurde. Von den 400 Japanern haben angeblich nur 40 überlebt. Nicht etwa, weil sie irgendwelchen kriegerischen Auseinandersetzungen zum Opfer gefallen wären, sondern weil es dort so viele Krokodile gab.

Kugelfische auf der Leine

Der Sumpf und die Stadt Mergui liegen mehrere hundert Kilometer nördlich, versichern mir alle, die ich frage, und die Krokodile seien auf Farmen oder tot. Ebenso tot wahrscheinlich wie die Kugelfische, deren runde, stachelige Häute wie schlaffe Ballons auf einer Leine in der Sonne trocknen und die angeblich nach China verkauft werden, weil irgendwo in Ghuangzhou im Perlflussdelta jetzt Handtaschen aus Kugelfischleder angesagt sind.

Digital detox

Ansonsten ist es auf der Insel 111 beinahe schon unheimlich idyllisch. Frauen mit Mustern m Gesicht aus Thanaka, jener geriebenen Baumrinde, die vor Sonne schützen soll, reparieren die Reusen. Die Männer fahren aufs Meer hinaus, und die Hütten sind aus traditionell geflochtenen Bambusmatten, gedeckt mit Palmstroh. Die gut gelaunten Kinder am Strand sind mit ihren Kätzchen und ein paar Plastikbechern zum Spielen völlig zufrieden. Das Internet kennen sie nicht, und ein Mobilfunknetz gibt es hier auch nicht. Manchmal geht das Telefon östlich von Insel 108, aber nur, wenn es nicht regnet. Insofern erübrigt sich der Blick aufs Handy, was manche Reisende nervös macht. Aber was sollte man hier schon vermissen?

Nummern statt Namen

Einen Namen hat das Dorf ebenso wenig wie die meisten umliegenden achthundert unbewohnten Inseln. Immerhin, die Inseln tragen Nummern. Der Mergui Archipel ist das letzte unberührte Insel-Paradies der Welt. Weiße Strände mit türkisfarbenen Lagunen, Korallenriffe und dichten Dschungel hat man fast für sich allein. Man kann tagelang segeln und niemanden treffen – außer ein paar indigenen Fischern im Einbaum. Die einzigen Menschen hier waren bis vor kurzem die Moken, welche die Küste von Myanmar bis Indonesien bevölkern und hauptsächlich auf ihren Booten lebten. Den Regierungen waren die Seenomaden, die sich nicht an Staatsgrenzen hielten, schon immer suspekt. Doch in letzter Zeit hat sich der Umgang mit ihnen entspannt, nicht zuletzt deswegen, weil viele von ihnen inzwischen in Dörfern an Land leben.

Eines der letzten Paradiese

Das ehemalige militärische Sperrgebiet fiel nach dem Zweiten Weltkrieg in eine Art Dornröschenschlaf und wird vermutlich in den nächsten Jahren touristisch schnell entwickelt werden, liegt es doch nur ein paar Kilometer nördlich der Grenze zu Thailand. Erreichbar ist der Mergui-Archipel nur per Boot und am einfachsten vom thailändischen Ranong aus, gerade mal eineinhalb Flugstunden von der Metropole Bangkok entfernt. Mein Tipp: Jetzt fahren, denn heute ist der Robinson-Charme des abgeschiedenen Nationalparks in der Andamanensee noch unschlagbar. Die fehlende Infrastruktur erlaubt es nur gut ausgestatteten Booten durch die Inselwelt zu kreuzen. Je nach Geschmack bietet der Veranstalter Burma-Boating  vom klassischen Dreimaster bis zur Solar-Yacht alles an, womit man auf dem Wasser unabhängig ist. Unser Katamaran „Meltemi“ hat die Kabinen in den Kufen, ein großzügiges Sonnendeck und sogar eine Meerwasserentsalzungsanlage an Bord.

Ankern zwischen Inseln bei Sonnenuntergang

Auf den Trip stimmen uns schon die Formalitäten am Grenzfluss ein, von dort geht es mit dem Longtailboot über die Bucht in die burmesische Grenzstadt Kawthong, vorbei an einer Casino-Insel, die einem etwas zwielichtigen Milliardär gehört und einem weiteren Eiland, von der ein großer goldener Buddha die Gäste begrüßt. Nachdem die Crew die restlichen Vorräte verstaut hat, verlassen wir den Hafen und ankern zum Sonnenuntergang zwischen zwei windgeschützten Inseln, ganz in der Nähe der einheimischen Fischer. Bei einem Sundowner besprechen wir mit unserem südafrikanischen Kapitän Nolte die Route des fünftägigen Trips, der uns vom burmesischen Kawthong bis nach Lampi Island hinauf führt. Auch die Chemie mit den anderen Gästen stimmt, was bei Trips, wo Fremde auf engem Raum zusammentreffen, nicht ganz unwichtig ist. Neben dem Fotografen Ken Schluchtmann aus Berlin und dem Kameramann Florian Witulski aus Bangkok haben wir an Bord einen amerikanischen Filmproduzenten, zwei Duftspezialisten aus Singapur und eine Architektin. Also durchaus Leute, mit denen man es ein paar Tage gut aushalten kann.

Frische Kulinarik aus der Bordküche

In der Küche zaubert unser Koch Kayin auf kleinstem Raum erstaunliche Menus, die je nach Anglerglück mit frisch gefangenen Makrelen oder Thunfischen angereichert werden. Frischer kann ein Sashimi nicht sein.
Nach der ersten Übernachtung und dem morgendlichen Sprung ins Meer setzt die Tiefenentspannung ein. Mit dem Dinghi erkunden wir den Mangrovenwald einer Flussmündung, fahren zum Schnorcheln an Riffe oder beobachten vom Boot aus majestätische Adler, die über den Kalksteinfelsen ihre Kreise ziehen. Wer ganz viel Energie hat, versucht sich im Wakeboarding oder erklimmt einen Felsen. Am Abend fahren wir gemeinsam an den Strand und trinken am Lagerfeuer aus selbst gesammelten Treibholz Pina Colada, ganz frisch aus der Kokosnuss. Von wilden Ebern, Hirschferkeln und Elefanten, die im Dickicht des Dschungels leben sollen, gibt es übrigens keine Spur. Die einzigen Tiere, von denen hier eine Gefahr ausgeht, sind Sandfliegen, denen man sich gut mit Insektenschutzmitteln erwehren kann. Die Sonne geht unter hinter dem Mast der „Meltemi“, die als Schattenriss auf dem Meer ruht, und der Abendhimmel strahlt in ganz unwirklichen Farben zwischen Orange, Lila und Rosa. Ein Flughund huscht kurz durch das Licht. Ist es der zweite Tag oder der dritte? Wo sind wir genau? Und wie ist die Nummer der Insel? Eigentlich egal, es ist alles gleich traumhaft.

Fotos: Ken Schluchtmann


Eine Stadt, reich an Tradition, Kunst und Kultur

Was kommt Ihnen bei Marrakesch in den Sinn? Ein Rausch an Farben, Feilschen und Nie-satt-sehen in den Souk-Märkten. Die traditionellen Wasserträger (Guerrab) mit ihren großen bunten Hüten und das Flötenspiel der Schlangenbeschwörer auf dem Djemaa el Fna. Dort auf dem Gaukler-Platz bei Minztee und Datteln das Fremdländische in sich aufsaugen. Das ist eine Seite von Marrakesch.

Willkommen im Garten Eden

Aber die Millionenstadt am Fuß des Atlasgebirges kann auch anders. Ruhiger und tiefgründiger, ein Ort mit viel Tradition, Kunst und Kultur. Einen wahrer Garten Eden inmitten der Medina offenbart sich dem Gast, sobald er durch die unscheinbare, niedrige Holzpforte des Riyad El Cadi schlüpft. Gleich acht Gebäude vereint das einstige „Haus des Richters“ aus dem 14. Jahrhundert mittlerweile in seinen kühlen Mauern. Ich finde mich in einem wundersamen Labyrinth wieder aus Innenhöfen, Nischen, Alkoven. Jedes der 17 Zimmer, viele mit Balkon zum Innenhof, sind liebevoll mit islamischer, byzantinischer Kunst und marokkanischem Berber-Kunsthandwerk ausgestattet. Fast wie in einem Museum komme ich mir vor, während ich anatolische Kelims, antike Holz-Reliefs aus Fes, osmanische Stickereien, rustikale Keramik aus Marokko und asiatische Möbelstücke bewundere. Die 20 Angestellten des Hauses sind so leise und diskret, dass man sie kaum je zu Gesicht bekommt.

Speisen unter Orangenbäumen

Der Vater der jetzigen Besitzerin Julia Bartels, ehemaliger Botschafter in Marokko, hat das Riyad El Cadi in den neunziger Jahren gekauft und stets erweitert. Im Haupthof, der zu dem Haus gehört, mit dem alles anfing, befindet sich das Restaurant inmitten von Orangenbäumen. Mittag- und Abendessen wird nach Anmeldung angeboten. Ich bestelle natürlich marrokanisches Essen und bekomme eine Auswahl an leckeren Mezze-Vorspeisen in kleinen Schalen serviert und danach Tajine mit Huhn, Kaninchen oder Rindfleisch in dem runden, aus Lehm gebrannten Schmorgefäß. Die beste, die ich je gegessen habe.

Das „Paradies“ im Innenhof

Gesellschaft leistet mir die El Cadi-Chefin. Von ihr erfahre ich viel über die marrokanische Riad-Kultur: Das arabische Wort „Riad“ bezeichnet „Gärten“. In Marokko und speziell in Marrakesch wird der Begriff für ein Stadthaus besonderer Art verwendet. Das gewöhnliche Stadthaus, das Dar, ist ein einfaches Innenhofhaus mit einem von einen Säulengang umgebenen Innenhof. Der Patio des Riad dagegen ist größer und beherbergt einen mit Bäumen bestandenen Garten: Vier rechteckige, mit Fruchtbäumen bepflanzte Flächen um einen Brunnen im Zentrum des Hofes geben Schatten und Rückzugsmöglichkeiten. Das Konzept des Riad vom vierteiligen Garten im Haus entspricht der Vorstellung des Korans vom himmlischen Paradies: Es ist ein Garten mit hohen Mauern und Toren, der mit schatten- und früchtespendenden Bäumen bewachsen ist.

Die kobaltblaue Welt von Yves Saint Laurent

Gärten spielen überhaupt eine wichtige Rolle in Marrkesch. Nicht neu, aber sehenswert ist der 4000 m² große Jardin Majorelle, zuletzt im Besitz von Yves Saint Laurent. Üppiger Bambus und zahlreiche, vielfältige Kakteen vermitteln eine waldartig-ruhige Atmosphäre. Eine spezielle Abstufung des Kobaltblaus, die im Garten sehr oft verwendet wurde, nennt man das Majorelle-Blau. Hinter einer Mauer sieht man die Spitze des Privathauses, wo der Modeschöpfer bis zu seinem Tod 2008 stets mehrere Monate im Jahr verbrachte. Erst im Oktober 2017 hat nebenan das Musée Yves Saint Laurent  eröffnet. Schon allein der elegante Granit-Ziegelstein-Bau ist wegen seiner beeindruckenden Architektur einen Besuch wert. Je nach Tageszeit erleuchtet die Fassade in Rosa und Rot. Streifenartige Lichtbrunnen kreieren im Inneren wunderschöne Lichteffekte. Auf 4.ooo Quadratmetern erhält man einen Einblick in die Arbeit von Saint Laurent und sein Leben in Marrakesch. Gezeigt werden in der Dauerausstellung rund 100 seiner Kreationen, darunter jener Damen-Smoking, mit dem er die Konventionen Modewelt einst auf den Kopf stellte. Außerdem gezeigt werden Accessoires und Entwürfe sowie dramatische Marrakesch-Bilder des Malers und Gartengründers Jacques Majorelle (1859–1926) vor majorelle-blauen Wänden und auch einiges an Bild- und Filmmaterial. Ich stehe morgens schon lange vor der Öffnung um 10 Uhr am Museum an, um die sonst elend lange Schlange am Ticketschalter und eine weitere am Einlass zu vermeiden. Tipp: Auch wenn Sie ein Kombiticket für den Jardin Majorelle mit erwerben, können Sie das lange Anstehen vor dem Garten überspringen.

Eine Fahrt über Land

Ebenfalls Garten und Museum bietet das Musée de la Palmeraie, außerhalb von Marrakeschs Stadtkern in der Palmeraie gelegen. Abgehend von der Route de Fes kann man sich bei der Fahrt viele interessante Eindrücke über Land und Leute verschaffen. In der stillen Oase findet man dann eine sehr ansprechende Sammlung moderner marokkanischer Künstler vor. Sie verteilt sich auf mehrere Gebäude, die von einem großen, andalusisch angelegten Garten umgeben sind mit Wasserbecken und Kakteengarten.

Der verwunschene Garten

Etwas ganz Besonders ist der Anima Garden von André Heller. Er liegt auf dem Weg ins Ourika Tal. Wenn man sich vorher über das Internet anmeldet, ist im Eintrittspreis der Shuttle Service von der Stadt aus inbegriffen. In dem üppig angelegten Garten gibt es verwunschene Gänge mit vielen Ecken und Nischen, um zu verweilen und die Seele baumeln zu lassen. Überall ist Kunst zu entdecken, manches davon mit einem sympathischen Sinn für Humor. Erholen kann man sich in einem Café, dem Ausstellungsräume mit weiterer Kunst angeschlossen sind – u.a Bilder des deutschen Malers Geerdts, der lange in Marrakesch gewirkt hat.

Unter marrokanischen Touristen

Julia Bartels erzählt mir vom Ourika Tal: „Es ist absolut touristisch, aber das ist für mich gerade das charmante dabei. Die Wasserfälle in Setti Fatma werden insbesondere von marokkanischen Touristen aufgesucht. Die Ufer des kleinen Flusses sind von Restaurants gesäumt, in denen jeden Tag ab Vormittag die Tajines auf dem Feuer dampfen. Die Tische stehen nicht selten im Wasser des Flusses, so dass die Gäste ihre Füße kühlen können. Alles ist bunt und farbenfroh, die Tischdecken wie auch die zahlreichen Andenkenlädchen, denen man auf dem Weg hoch zu den Wasserfällen begegnet. Der Weg ist steinig und steil und nicht leicht zu erklettern. Besonders an gut besuchten Tagen kann es sehr eng werden. Das schreckt aber selbst die fülligsten Damen in ihren Babouches (Schlappen) nicht ab. Sie werden von den Führern den halben Weg hinauf geschoben.“ Das muss ich sehen. Und tatsächlich ist alles so wie von Julia beschrieben. Die Landschaft in den Atlas Bergen ist überall atemberaubend, auch auf anderen Strecken. An jeder Kurve entdeckt man neue, großartige Bergformationen, hübsche kleine Dörfer und im Frühling Massen von blühenden Oleandern. Auf der Route d‘Ourika in Douar Takaterete mache ich Bekanntschaft mit der Schweizerin Christine Ferrari, eine mutige Expat, die dort alleine, nur mit Hilfe von Berber-Familien eine biologische Safran Plantage betreibt. Im „Le Paradis du Safran“ hat sie auf 2,5 Hektar fast 100 verschiedene Pflanzen wie unzählige Kräuter- und Arzneipflanzen sowie Zitrus-Früchte und exotische Fruchtbäume kultiviert. Im Preis von 10 Euro pro Person ist der Gartenrundgang, ein Barfuss-Weg und Kneippen mit Kräutern, Blüten-Mineralwasser und Kräutertee mit Safran eingeschlossen. Eines steht für mich fest: Im Ourika Tal ist eindeutig der Weg das Ziel.

Julia Bartels Insider-Tipps

Zum Essen:

Al Fassia in Guéliz und in Agdal. Rein marokkanische Küche mit traditionellen Gerichten aus Fes. Das Restaurant wird nur von Frauen geleitet (der Sicherheitsmann ist der einzige Mann in diesem Laden). Berühmt ist die gold gebackene Lammschulter, die man für zwei Personen und im Voraus bestellen muss. Le Foundouk: gute marokkanische und französische Küche. Moderne Einrichtung mit einem marokkanischen Twist. Die Location ist eine ehemalige Karawanserai (Foundouk). Le Salama direkt am Gauklerplatz gelegen ist ein Restaurant im Bistro-Stil à la Marocaine. Gute Küche, guter Service. Gegen 21.30 Uhr gibt es an belebteren Tagen einen Auftritt von Bauchtänzerinnen. Das Nomad ist der jüngste Hotspot in der Medina. Schickes Lokal mit spektakulärem Blick auf den Place des Epices. Sowohl marokkanische als auch internationale Küche. Unbedingt reservieren. Le Jardin vom selben Betreiber wie das Café des Epices und Nomades. Man sitzt kühl unter Palmen und kann Schildkröten füttern, während die Kanarienvögel lustig zwitschern. Das Essen ist eine Mischung aus international und marokkanisch. Hier wird Alkohol serviert. La Trattoria di Giancarlo in Guéliz ist zu empfehlen, wenn man der marokkanischen Küche überdrüssig ist. Gute italienische Küche, unglaublich netter Service. Man sitzt lauschig am Pool hinten im Garten. Vorne kann man seine Drinks einnehmen oder später am Kamin – designed von Marrakeschs Star-Desiger Bill Willis – sitzen.

Zum Shoppen:

Definitiv sollte man die Souks besuchen. Man wird zwar schnell erschlagen von den Massen an Waren, aber die Kreativität der marokkanischen Handwerker ist schon sehr schön anzusehen. Mitbringen sollte man Zeit, Geduld und eine Menge Humor. Mit viel Witz macht auch das Handeln noch mehr Spaß. Schön ist der Laden Fil D’or im Souk Semmarine. Die Händler sind ungemein freundlich. Sie verkaufen die edelsten Babouches aus feinem Leder. Über eine Hühnerleiter hinunter in den Keller eröffnet sich dem Besucher eine Art Höhle des Ali Baba, in reich bestickte Tuniken, Stolen und vieles mehr zum Kauf verführen. Traumhafte Teppiche findet man bei Bazar du Sud im Teppich-Bazar. Die Brüder Lamdaghri haben nicht weit von ihrem Laden einen wundervollen Showroom eröffnet. Bitte Termin vereinbaren, damit auch jemand da ist. Schönes Altes (Schmuck und antike Textilien, Kästchen etc) findet man beim Einäugigen am Ende von Souq Mouassine, kurz vor der Kreuzung auf der linken Seite oder im Coffre des Mysterieux. In einem immensen Fundus an altem Schmuck mit wunderschönen Perlen, Silberarbeiten und traditionellen Steinen kann man bei Bel Haj im ersten Stock des Foundouk Bab Ftouh stöbern. Er betreibt zwei Ladengeschäfte, eines an der Westseite und ein kleineres in der nordöstlichen Ecke des Foundouks, in dem er die feinsten Steine dem kundigen Käufer unter der Theke hervor holt. Für moderneres Design ist ist das Atelier Moro am Place de Mouassine zu empfehlen. Eine steile Treppe führt in den ersten Stock mit vielen ausgefallenen, zauberhaften Designartikeln: Muschelketten aus Marokko, Pareos aus Sri Lanka, im eigenen Design erdachte Kissenbezüge. Neueres Design gibt es ebenfalls in den vielen kleinen Lädchen der Galerie unter den Terrasses des Epices. Tuniken mit moderner Anmutung kauft man entweder im Beldi im Souq Mouassine oder Akbar Delights (sehr schön, sehr üppig, sehr teuer) im Place Bab Ftouh. Rund um den Jardin Majorelle ist ein neues hippes Shopping-Viertel entstanden mit Konzept-Stores wie 33 Rue Majorelle und dem 16 Kawa. Bei The Maroccans, Rue Yves Saint Laurent, gibt es Interieur, traditionelle Kaftane modisch interpretiert und ausgefallene Accessoires. Héritage Berbère bietet wunderbar duftende marokkanische Parfums und Taschen im Birkin-Stil aus grobem, bedruckten Sackleinen.

Zum Ausgehen:

In der Medina bietet das Restaurant Le Salama Drinks an. Klassiker mit Grandezza ist die Churchill Bar im Hotel Mamounia, allerdings auch recht teuer. Ein weiterer absoluter Klassiker, allerdings lauter und lebendiger, ist die Bar vom Le Comptoir. Abends treten dort Musiker, Tänzer mit und ohne Kerzen, Männergruppen in wechselnden Darbietungen auf. Für Expats und sehr modern ist das Kechmara in Guéliz – ein bißchen Berlin-Flair in Marrakesch. Gleiches gilt für das Bo-Zin, es liegt aber deutlich weiter außerhalb. Einen hübschen Blick über die Dächer der Neustadt genießt man von der Skybar des Hotels La Renaissance. Allerdings ist die Bedienung dort phänomenal nachlässig. Wundervoll eingerichtet von Star-Architekt Bill Willis ist die Bar der Trattoria.


Zu Besuch im Altstadt Vienna

Städte-Reisen sind wie Job-Wechsel. Kaum angekommen, will man integriert und über die do’s and don’ts informiert sein. In Fall Wien: Wo gibt es die beste lokale Küche? Welches Viertel soll ich lieber meiden? Was für eine Ausstellung ist gerade angesagt? Die erste Anlaufstelle für Insider-Wissen ist meist die eigene Unterkunft in der neuen, fremden Stadt. Nicht ohne Grund bevorzugen immer mehr Reisende Privatwohnungen statt Hotel-Ketten. Sie lechzen nach authentischen Tipps fern der Touristen-Masse und wollen sich heimisch fühlen. Das Altstadt Vienna in Wien erfüllt diese Ansprüche: Man wohnt so gemütlich und zwanglos wie bei Freunden, genießt aber die Annehmlichkeiten eines Hotels.

Im Hotel und doch Zuhause

Vor 25 Jahren gründete der österreichische Finanzmanager Otto Wiesenthal das 4*-Boutique-Hotel im 7. Bezirk Wiens. Er hatte genug exzellente Häuser auf der ganzen Welt bereist, um zu wissen: Nichts geht über Gastfreundschaft! Mit dem Altstadt Vienna schuf er ein Zuhause für Freunde und Gäste. Das Haus lebt seitdem von moderner Kunst, kreativer Architektur – und jeder Menge Wiener Gemütlichkeit. Das ist nicht zuletzt der zentralen Lage am hippen Spittelberg geschuldet. Hier reihen sich kleine Kaffeehäuser an kreative Shops und urige „Beisl“ – typische Wiener Restaurants mit lokaler Küche. Passenderweise ist auch das quirlige Museums-Quartier fußläufig erreichbar. Obwohl man bei so viel Inspiration im Altstadt Vienna kein Museum mehr von innen sehen müsste. Denn Otto Wiesenthal ist leidenschaftlicher Sammler zeitgenössischer Kunst. Die Flure und Gänge seines Hotels schmücken Werke von Andy Warhol, Niki de Saint Phalle und der Fotografin Annie Leibowitz.

Wohnen wie im Märchen

Alle 61 Zimmer und Suiten des Altstadt Vienna sind über einzelne Etagen des Gründerzeit-Hauses von 1902 verteilt. So wohnt, besser gesagt lebt jeder Gast quasi Tür an Tür mit waschechten Wienern. Das Besondere der Räume ist ihr individuelles Innenleben. Wie bei „Alice im Wunderland“ öffnet sich hinter jeder Tür ein neues Reich. Mal extrovertiert-burlesque, mal klassisch-minimalistisch, lieblich-verspielt, oder poppig-bunt mit einem Augenzwinkern. Jedes einzelne Objekt in den Zimmern, von der Blumenvase bis zum Kleiderschrank, ist sorgfältig ausgesucht. Verantwortlich für die einzigartigen Interieur-Welten sind aufstrebende oder bereits bekannte Kreative wie der Südtiroler Star-Architekt Matteo Thun, das Wiener Designer-Duo Polka und die Modegestalterin Lena Hoscheck. Um die Magie der Zimmer zu spüren, muss man nicht in jedem geschlafen haben. Einen guten Eindruck schenken die professionell gedrehten Kurz-Videos mit Erläuterungen der Designer – abrufbar über QR-Codes neben der jeweiligen Eingangstür.

Entspannt in den Tag starten

So familiär die Atmosphäre, so annehmlich das Drumherum in gewohnter Hotel-Manier: 24-h-Rezeption, Zimmerservice, Mini-Bar, Nespresso-Maschine, Klimaanlage, Hausschuhe. Im Übernachtungspreis ebenfalls inbegriffen: ein köstliches Frühstücksbuffet (bis 11 Uhr, wochenends sogar bis 11.30 Uhr) sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Abends lohnt ein Abstecher in die „Honesty Bar“ im roten Salon des Hauses. Dort sitzt man wie im Wohnzimmer eines guten Freundes in plüschigen Sesseln und auf gemütlichen Sofas. Zeitschriften und Bücher warten auf neugierige Augen, ein flackernder Kamin auf kalte Füße und ein Flügel auf begabte Hände. Wer will, mixt sich an der Bar sein Getränk selbst, die Bezahlung basiert auf Vertrauensbasis. Als Betthupferl gibt es kleine Schokotäfelchen und ein Mini-Kreuzworträtsel. Kleine Gesten mit großer Wirkung.

Menschen mit Herz begegnen

Im Altstadt Vienna steht der Gast ebenso im Vordergrund wie die Menschen aus dem Hintergrund. Denn Herzlichkeit können keine Roboter vermitteln, sondern nur Personen mit Ecken und Kanten, die ihren Job lieben. Und das tun die Angestellten des Altstadt Vienna. Ein inspirierendes Refugium und der perfekte Ausgangspunkt, um Wien zu erkunden (DZ ab 164 € für 2 Pers. inkl. Frühstück, Nachmittagstee & Kuchen).


Mein Aktiv-Wochenende im SeinZ

Ein Ort, der die Welt besser machen soll. Für viele Menschen ist das die nächst gelegene Diakonie-Stelle, ein Pflegeheim oder vielleicht noch ein Ashram in Indien. An ein Hotel in den Ammergauer Alpen denken wohl die wenigsten. Und doch hat das erst vor Kurzem eröffnete SeinZ genau dieses Ziel: die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Wie genau das gelingen soll? Hinfahren und sich überraschen lassen!

Volles Programm

2016 kaufte das Münchner Ehepaar Christian und Doris Kramer das einstige Kurhaus in Bad Kohlgrub, wo sich früher wohlhabende Herrschaften und der Adel in Moorbädern räkelten. Mittlerweile ist das Anwesen fast komplett grundsaniert und modernisiert. Moorbäder gibt es (vorerst) nicht, denn der Gast soll selbst aktiv sein. „Das SeinZ ist ein Wisdom Resort, Seminarhaus, Bio-Hotel und Heilzentrum in einem“, erklärt mir Eigentümer Christian Kramer bei meiner Ankunft in Bad Kohlgrub. Was nach viel Programm klingt, ist auch viel: Es gibt neben speziellen Arrangements (z.B. Familien-wochenenden mit Ponyreiten und Plätzchenbacken; Relax- und Pärchen-Tage) auch hauseigene Weiterbildungs- und Therapieangebote (u.a. Reittherapie), Yoga-Stunden, ayurvedische Kochkurse, Massage-Angebote sowie Literatur-, Kunst- und Musikveranstaltungen. Hotelbesitzer Christian Kramer hat zudem immer ein offenes Ohr, gibt Ausflugs- und Wandertipps, macht Hausführungen und steht auch selbst hinter dem Herd, besser gesagt Ofen, wenn es Donnerstagabends heißt: „Pizza connection“. Denn dann sind auch externe Gäste herzlich dazu eingeladen, ihre Pizza selbst zu kreieren – selbstverständlich vegetarisch

Back to basic

Mit dem SeinZ hat das Ehepaar Kramer seine Vision von einem Hotel mit ganzheitlichem Ansatz verwirklicht: Die 60 Zimmer sind alle so gestaltet, dass der Gast zur Ruhe kommt; kein Wlan und Fernseher lenken ab. Gereinigt wird nur auf Wunsch – das spart Energiekosten und Arbeitszeit. Im Restaurant bedient sich jeder selbst am Kühlschrank, der Tee- und Kaffee-Ecke. Es ist ein Konzept, das auf Vertrauen basiert, denn der Gast notiert selbst auf einer Liste, was er konsumiert hat. Das weitläufige Gelände mit Pferdekoppel, Schwimmteich, Terrasse und Feuerplatz vermittelt ein Gefühl von Freiheit, ganz nach dem Motto: back to basic. Diesem nachhaltigen Ansatz folgt auch die Küche im SeinZ mit seinem „Vegan Plus Konzept“: Die meisten Lebensmittel stammen aus dem hoteleigenen Anbau. Die gute Seele des Hauses, Koch Sruti, bereitet daraus kreative und köstliche Speisen in Bio-Qualität zu. Der gebürtige Slowene bereiste schon die halbe Welt: Australien, Europa, Indien und zu guter Letzt Neuseeland, wo er ein ayurvedisches Restaurant betrieb. Im SeinZ kocht er mit Herz, immer ein Lächeln im bärtigen Gesicht und einen witzigen Spruch auf den Lippen. Seine Erlebnisse im Ausland und sein Wissen über gesunde Lebensmittel und deren Zubereitung teilt er gerne mit den Gästen – ob beim Essen oder beim Zubereiten im Rahmen eines ayurvedischen Kochkurses.

Familiäres Miteinander

Mittlerweile gibt es im SeinZ knapp 20 Beschäftigte – oder sollte man besser sagen Familienmitglieder? Denn Geselligkeit und ein herzliches Miteinander werden hier gelebt. „Wir sehen uns selbst als einen Ort der Begegnung, ein Zuhause auf Zeit“, sagt Christian Kramer. Stimmt! In keinem anderen Hotel habe ich so viel spannende und nette Menschen kennengelernt wie im SeinZ. Die Atmosphäre des Restaurants gleicht der eines gemütlichen Wohnzimmers. Am Flügel kann musizieren, wer will, Kinder sind ebenso willkommen wie Haustiere. „Einer unserer Pläne für die nächsten Jahre“, so Christian, „ist sogar ein eigenes Tierdorf.“ Der ehemalige Software-Entwickler und seine Familie wollen zudem ein energetisches Innovationszentrum und ein Handwerksdorf inklusive Schreinerei errichten.

Kraft und Achtsamkeit

Zugegeben: Das SeinZ ist kein Hotel im klassischen Sinn mit Spa-Bereich und 4-Gang-Menü, aber eines, das viel Gutes im Sinn hat. Hier kann man Kraft tanken und lernen, achtsamer zu leben, sich und seine Umwelt wieder bewusst wahrzunehmen und mit bestem Gewissen zu handeln – ein Ort eben, der die Welt ein kleines bisschen besser macht.

Zwei Ausflugstipps für Bad Kohlgrub:

Franz Marc Museum, Kochel am See: Hier finden sich mit über 2000 Werken eine der größten Sammlungen an Papier-Arbeiten des Blaue-Reiter-Malers. Eine Führung vermittelt alle wichtigen Hintergrund-Informationen zu den Skizzen und Zeichnungen. Highlight: Zweimal im Monat findet sonntags „Relaxing Yoga“ im Aussichtsraum des Museums mit Blick auf den Kochelsee statt. Kosten: Erwachsene 8,50 Euro / 18 Euro für 45 Minuten Yoga inkl. Museumseintritt.
Kloster Ettal: Wunderschöne Anlage mit gotischer Basilika, eigener Bierbrauerei, urigem Gasthof, Liqueurmanufaktur, Schaukäserei und wechselnden Ausstellungen.

 


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