Autor: Chris & Carsten Stricker

Chris und Carsten Stricker CultureAndCream-Autoren aus Berlin Chris als Inhaberin einer PR-Agentur und Carsten im Musik-Management tägig, sind wir beide sehr eingespannt und auch beruflich jeder für sich viel unterwegs. me- bzw. us-time holen wir uns zwischendurch immer wieder auf kleinen, gemeinsamen Reisen, wo dann auch die Golfbags nicht fehlen dürfen. Doch einmal im Jahr machen wir uns auf zu einem großen, mehrwöchigen Abenteuer in Orte der Welt, die noch auf unserer Landkarte fehlen. Lasst euch überraschen!

Den nordafrikanischen Staat an Atlantik und Mittelmeer, der geprägt ist durch die kulturellen Einflüsse von Berbern, Arabern und Europäern, auf eigene Faust erkunden. Das hatten sich Chris und Carsten Stricker diesmal für ihre schon obligatorische Reise zum Jahresende ausgesucht. Mit dem Leihwagen ging es über Land, Wüste, Gebirge bis ans Meer.

Da uns in einigen Wochen eine weitere Fernreise „droht“ (mehr davon bald…), haben wir uns 2019 kein Fernziel gesucht, sondern sind über die klassische „Mittelstrecke“ gegangen. Vier Flugstunden mit easyJet nach Marrakesch. Und dann, in zweieinhalb Wochen 2.800 Kilometer mit dem PKW über und um das majestätische Atlasgebirge herum, an die Westküste des Landes und wieder zurück in die faszinierende Metropole. Das alles als „Selbstfahrer“. Was sich für uns von selbst versteht, ist vor Ort längst nicht der Standard. Das Gros der Touristen bereist das Land mit dem Reisebus oder in kleinen Gruppen mit Fahrer/Reiseführer – oder man bleibt einfach gleich in Agadir oder eben Marrakesch. Wir aber finden es spannender, uns im Land umzuschauen und unserem eigenen Reiseplan zu folgen. Und es ist uns wichtig, spontan entscheiden zu können, wie lange wir an einem Ort bleiben und welche Strecken wir dann zurücklegen möchten. Marokko macht dies denkbar einfach: Die Strassen sind – dank des andauernden staatlichen Straßenbauprogramms – ganz hervorragend. Auch die Verfügbarkeit von kurzfristig buchbaren Hotels, Riads und Pensionen war bei den einschlägigen Plattformen (wie booking.com, IEscape, SecretEscapes etc.) mehr als ausreichend – und dies in den meisten Preiskategorien. Generell bietet dieses Reiseland echten „value for money“ und hat genau den Mix von Erholung, Exotik und Abenteuer, den wir während unserer Urlaubstage suchen. Hier unsere Highlights an den vier Hauptorten unserer Reise sowie einige (Geheim-)Tipps.

Marrakesch – zwischen Hast und Stille

Marrakesch mit dem Mietwagen zu erleben ist schon ein echtes „Erweckungserlebnis“, besonders wenn eben dieser Wecker um vier Uhr morgens geklingelt hat. Und wenn der Flug dank Streik der französischen Fluglotsen beinahe sechs statt der geplanten vier Stunden gedauert hat. Also rein in den Mietwagen, raus ins feindliche Leben – genauer in den Innenstadtverkehr von Marrakesch rund um die Medina. Kreisverkehr ohne Ende, Fahrbahnmarkierungen sind Makulatur, Verkehrsregeln werden von Mopedfahrern, zerbeulten Taxis und Eselkarren allenfalls als grobe Empfehlung wahrgenommen. Da hilft nur: Augen auf und: mit-hupen! Nach nur 30 Minuten dann die Ankunft in unserem ersten Domizil, dem wunderbaren Boutique-Hotel Dar Zemora. Es ist ein wenig ausserhalb der Innenstadt gelegen in der ruhigen Palmeria. Himmlische Stille, ein paradiesischer Garten, geschmackvoll eingerichtete Zimmer und Suiten. Dazu zum ersten Mal auf der Reise diese einmalige, Ruhe ausstrahlende, marokkanische Gastfreundschaft.

Erg Chebbi, der große Sandkasten

Nach drei Übernachtungen endet unser „Städtetrip“, und es geht in die Berge – beziehungsweise über sie hinweg. Das Atlas-Massiv ist spektakulär schön, die Strassen gut ausgebaut, und wir kommen gut voran. Nach einer Übernachtung in der Dades-Schlucht erreichen wir am Mittag des nächsten Tages Merzouga und den Erg Chebbi. Hier, knapp vor der algerischen Grenze, reicht die Sahara bis nach Marokko hinein und entsand(et)e eine imposante, knapp 22 Kilometer lange und 5 km breite Dünenlandschaft. Dieser 150 Meter hohe Sandkasten lockt mit allerlei Sandspielzeugen wie Quad- oder Motorradfahrten, Kamelritten in den Sonnenuntergang oder Sandboarding – dem sandingen Pendant zum Snowboarding. Empfehlenswert: der halbtägige Trip um die Düne (diesmal mit Fahrer und Allradfahrzeug) inklusive einer Fundstätte erdfrühzeitlicher Versteinerungen und Besuch einer Berberfamilie zum Mittagstee. Die Orte Merzouga und Hassilabied bieten Hotels und Zelt-Camps in allen Kategorien an. Auch unser Riad Madu lässt keine Wünsche offen. Und die Wüste? Da möchte man nur Antoine de Saint-Exupéry (u.a. „Der kleine Prinz“) zitieren: „Ich habe die Wüste immer geliebt. Man setzt sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Und währenddessen strahlt etwas in der Stille.“

Sidi Ifni – am Meer und im Souk

Nach zehn Tagen in Marrakesch und am Atlas freuen wir uns aufs Meer. Ist es nicht ein Privileg in nur einem Urlaub Berge und auch das Meer geniessen zu dürfen? Unsere erste Begegnung mit dem Atlantischen Ozean findet in Mirleft statt, auf der Küstenstrasse nach Sidi Ifni. Selten hatten wir einen spektakuläreren Meerblick als in der Kasbah Tabelkoukt, unserem temporären Zuhause für drei Tage und Nächte. Die Website lässt zu wünschen übrig – das Boutigue-Hotel dagegen nicht. Einrichtung, Gastfreundlichkeit, Verpflegung – alles auf höchstem Niveau. Dieses Niveau hält auch die Location selbst, der Standort direkt am Meer auf einen Hochplateau und mit privatem Zugang zu einem der schönsten Surf-Strände Marokkos. Dennoch hält es uns nicht an Meer und Pool, uns lockt mit Sidi Ifni ein geschichtsträchtiger Ort in unmittelbarer Nähe. In dieser ehemaligen spanischen Exklave findet man Art Deco-Architektur der 1930er Jahre und mitten in der Altstadt eine riesige Brachfläche. Es handelt sich um den ehemaligen Militärflughafen, der die Altstadt durchschneidet. Bizarr. Und nach kurzen Minuten Fahrt durch die fruchtbare Küstenlandschaft finden wir im Ort Guelmin den Tiermarkt. Einen ursprünglichen Souk (Markt), auf dem die Bauern neben Kamelen, Schafen, Rindern und Geflügel auch selbst angebautes Gemüse, Früchte und Gewürze anbieten. Ein authentisches Erlebnis für alle Sinne.

Essaouira – das Beste aller (marokkanischen) Welten

„Die Windige Stadt“ ist längst kein Geheimtipp mehr. Früher Mogador genannt, ist Essaouira mittlerweile Surf- und Kitesurfing-Paradies und, als ehemaliger Wohnort von Jimi Hendrix, ein beliebtes Reiseziel für internationale Musikfans und Touristen. Aber auch Sunbirds, also Senioren aus aller Welt, verbringen hier den Winter. Und das ist mehr als nachvollziehbar, hat es der Küstenort doch verstanden, seinen ursprünglichen Charme zu bewahren. Die Medina hat alles, was auch die Altstadt Marrakeschs (an-)zu bieten hat – aber eben in überschaubareren Rahmen, intimer und weniger hektisch. Man kann all das kaufen, was auch in Marrakeschs Medina angepriesen wird, aber statt zehn Pantoffel-, Teppich- oder Kunstgewerbeläden mit deckungsgleichem Angebot gib es eben nur zwei oder drei. Es finden sich wunderbare, versteckte und bezahlbare Riads direkt an der Stadtmauer. Das kulinarische Angebot der Region ist phänomenal – vom Fisch- und Meeresfrüchte-Imbiss am Hafen bis hin zur südfranzösischen Spitzenküche findet hier sicher jeder etwas. Und auch unser letztes Domizil bekommt von uns 5 Sterne: Dar Alya liegt einige wenige Minuten ausserhalb der Stadt und überzeugt mit (nur) vier schön eingerichteten Zimmern mit eigenem Kamin, geheiztem Pool und der quirligen Vermieterin Sophie, die nur für die Gäste – und natürlich für ihre Haustiere – da ist.

Und noch ein paar Stopover-Empfehlungen und Tipps:

Zagora – Ebenfalls unter dem Atlas und nah an der Wüste, aber weniger touristisch und ursprünglicher – doch auch nicht so spektakulär wie Erg Chebbi. Übernachtungstipp: Ma Villa Au Sahara, ein toller Riad mit Tim & Struppi-Charme.

Taroudannt – Das östliche Zentrum der fruchtbaren Souss-Ebene und wird auch „Kleine Schwester von Marrakesch“ genannt. Das Hotel Dar Zitoune glänzt durch seine Gartenanlage, zwei schöne Pools und nett eingerichtete Bungalows sowie Luxuszelte.

Dades-Schlucht – Mitten im Hohen Atlas bietet sie spektakuläre Felsformationen und steinalte Kasbahs (Burgen) sowie eine Vielzahl von Restaurants und Pensionen für die Nacht.

Restaurant-Tipps:

… in Essaouira: O’ Bleu Mogador. Der Maitre Serge kocht marokkanisch-südfranzösische Fusion-Küche auf Spitzenniveau. Nur wenige Tische, also unbedingt reservieren!

… in Marrakesch: Am Platz der Gaukler findet man Foodstände, Foodstände, Foodstände. Schnecken, Kebabs unnd Tajine – alles , was man will, und das mitten im Gewimmel.

Dar Yacout – Traditionelle marokkanische Küche in Riesenportionen, ein unvergleichliches Ambiente, leckere (auch alkoholische!) Getränke und ziemlich gute, nordafrikanische Livemusik als Dinner-Begleitung. Das Dar Yacout im Norden der Medina garantiert einen unvergesslichen Abend. Reservieren!

Beats Burger – Mitten in der Medina gibt es richtig gute Burger, zum Beispiel, wenn man keine Tajine mehr sehen kann.

Marrakesch-Shopping – Die Neustadt hat sich zu einem kleinen Shopping-Eldorado entwickelt. Mode von lokalen Designern, modernes Interior und geschmackvolle Mitbringsel findet man im Viertel zwischen Boulevard el Mansour Eddahbi und der Rue Tariq Bnou Ziad.

 


Die Winter-Reisezeit nähert sich, und Sie suchen noch ein spannendes Ziel. Wie wäre es mit Südafrika? Chris und Carsten Stricker aus Berlin zieht es immer wieder dort hin. Diesmal ging es an die Ostküste. Hier sind ihre fünf Highlights aus 5.000 Kilometern Südafrika.

Wie schon in unserem Culture & Cream-Bericht über Namibia zu lesen hat es uns Afrika, speziell die Sub-Sahara, angetan. Und wir fahren auf Reisen gern Auto, sehen uns so viel wie möglich an. So führte uns unser letzter „großer“ Jahresurlaub wieder einmal, zum mittlerweile dritten Mal, nach Südafrika, diesem wunderbaren, abwechslungsreichen und faszinierenden Land zwischen Atlantischem und Indischem Ozean. Im Gegensatz zu vorherigen Reisen war unser Ziel, der An- und Abreiseort, diesmal Johannesburg und nicht Kapstadt wie zuvor. Nach der Landung am O. R. Tambo International Airport an einem Morgen Mitte Dezember – leider ohne Reisegepäck, aber das ist eine andere Geschichte – holten wir unseren Mietwagen ab und fuhren gleich in Richtung Südosten zu unserem ersten Stop, einer Safarilodge in der Nähe des Krüger National Parks. Nach drei erholsamen und ereignisreichen Tagen dort ging es dann vier Wochen lang im Uhrzeigersinn die Ostküste hinunter durch Kwazulu-Natal und die Ostkap-Provinz bis zur Garden Route nach George. Dann durch die Kleine und Große Karoo-Wüste wieder gen Norden zurück nach Jo’burg. An zwölf Stationen dieser (ent-)spannenden und inspirierenden Reise übernachteten wir wie es gerade passte – im Sterne-Hotel oder im einfachen Bed & Breakfast.

1. Kapama Buffalo Camp

Gelegen in der „Greater Krüger“- Region in der Provinz Limpopo ist das Kapama Buffalo Camp (für uns) der ideale Ort zum An- und Runterkommen. Jeden Tag gab es zwei Safaris mit motivierten und kenntnisreichen Guides, und so hatten wir wieder mal das Glück, die echten „Big Five“ (also Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und den ziemlich selten aufzuspürenden Leoparden) bereits am ersten Tag zu sehen. Die Nächte verbrachten wir in einem luxuriösen Zelt – eigentlich eher einem Leichtbau-Bungalow auf Stelzen – , und im Restaurant gab es die beste afrikanisch- europäische Fusion-Küche, die man im Dschungel Afrikas bekommen kann. Krokodil-Curry! Sympathische, gleichgesinnte Mitreisende aus der ganzen Welt wohnten in den nur sieben weiteren „Zelten“. Und dann war da noch Claire, die beste Hotelmanagerin, die man sich vorstellen kann. Sie schaffte es, dass unser irgendwo zwischen Berlin, Zürich und Afrika hängen gebliebenes Gepäck binnen 24 Stunden rangeschafft wurde. Besser kann ein Urlaub nicht beginnen.

2. Buffelsdam Country House

Natürlich ist der Besuch der Garden Route, also der Küstenstrecke zwischen Port Elisabeth im Norden und Mossel Bay im Süden, für den Südafrika-Touristen so etwas wie ein Muss. Städte wie Knysna und Plettenberg Bay – oder „Plett“, wie der Einheimische sagt – sind wahre Highlights mit Traumstränden, lebendigen Hauptstrassen und gartenreichem Umland. Wir hatten uns diesmal gegen den Aufenthalt direkt in Plett, sondern und stattdessen für das Hinterland entschieden. Eine gute Idee. Das Buffelsdam Country House  liegt inmitten des Weinanbaugebiets „The Crags“ und ist umgeben von Pferdeweiden, auf denen rassiges Vollblüter grasen. Plettenberg ist nämlich die Polo-Metropole Südafrikas, und in The Crags züchten die Polo-Profis ihre Turnierpferde. Das Buffelsdam Country House wurde von seinen ausnehmend netten Besitzerinnen erst vor neun Jahren gebaut. Die Lage besticht durch eine beeindruckende Bergkulisse und zwei gepflegte Pools im großzügigen Garten. Und von der große Terrasse bekommt man einen unvergesslichen Blick auf den traumhaften afrikanischen Sternenhimmel geboten.

3. Prince Albert Country Stay

Von der Garden Route kommend fährt man durch die milde, von Hopfen- und Rosenanbau geprägte Landschaft in Richtung Oudtshoorn, Hauptstadt der Straussenzucht, und überquert dann den spektakulären und nicht ungefährlichen Swartbergpass, der die Grenze zur Großen Karoowüste darstellt. Unser Bed & Breakfast  lag in Prince Albert, einer idyllischen Wüstenstadt, aber auch echten „One Horse Town“ – und war ein weiteres Highlight unserer Reise. Wiederum die freundlichsten Gastgeber, die man sich vorstellen kann, und das beste Frühstück – der cremigste Joghurt der Welt kommt von der Molkerei com nur ein paar Meter die Strasse runter. Die zehn stilvoll eingerichteten Zimmern sind von einem wunderschönen Garten umgeben. Das Händchen fürs Interior versteht sich hier von selbst, denn unsere Gastgeber betreiben vor Ort auch den „Prince Albert Country Store“, einen kleinen Shop mit Möbeln, Antiquitäten und allerlei Kuriosa.

4. The Hobbit Hotel Bloemfontein

Apropos „Kurios“: Wussten Sie, dass der Schöpfer von „Herr der Ringe“ und der „Hobbits“, J.R.R. Tolkien, aus Südafrika kommt – und nicht aus England oder Neuseeland? Er wurde in Bloemfontein geboren, einer an sich nicht besonders bereisenswerten Stadt mitten im Land. Und da man auf der weiten Fahrt zurück nach Johannesburg in jedem Fall einen Übernachtungsstop einlegen muss, empfehlen wir das Hobbit Hotel , das in Tolkiens Geburtshaus eingezogen ist und mit reichlich Mittelerde-Referenzen und Tolkien-Memorabilia punktet. Auch gut: das New York Restaurant ums Eck. Steak und Fine Dining, dazu – wie überall im Land – Spitzenweine.

5. The Winston Hotel Johannesburg

„Jozie“ ist nicht so einfach zu knacken. Um die fünf Millionen Einwohner, gelegen auf fast 2.000 Meter Höhe ü.d.M.. Und eigentlich spürt man immer noch die Goldgräbersiedlung, aus der Johannesburg vor erst 130 Jahren entstanden ist, mit all seiner Betriebsamkeit und Härte. Da ist es umso angenehmer, wenn man ein schickes und ruhiges „Home Away From Home“ hat. Und das ist The Winston . Das von der Besitzerin überaus liebevoll mit viel Geschmack eingerichtete Boutiquehotel glänzt mit perfekter Lage auf den grünen Hügeln des Nordens der Stadt, mit freundlichem und hilfsbereiten Personal. Es ist der ideale Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden – sei es mit Uber oder dem Hop-On-Hop-Off-Bus, der in unmittelbarer Nachbarschaft anhält. So freundet man sich dann doch noch mit Jo‘burg an.

Unser Special Tipp:
Wenn den Reisenden die Lust auf einen eiskalten Mojito überkommt, ihn statt afrikanischer mal kubanisch-karibische Gefühle durchwallen und er sich zufälligerweise in der Nähe von Mossel Bay an der Südlichen Garden Route befindet, empfehlen wir ausdrücklich das Cafe Havana . Musik, Drinks und Einrichtung stimmen einfach und auch die Burger lassen nichts zu wünschen übrig.


Unterwegs im Land der Stille und Weite

Schon lange hatten wir uns auf Namibia gefreut. Zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland, aber nur 2,3 Millionen Einwohner. Stille! Namib, die älteste Wüste der Welt. Geparde, Elefanten, Antilopen und Giraffen – für uns als Tierfreaks das Paradies. Kalahari und Etosha-Pfanne, Orte, die man nur aus Dokumentarfilmen kennt. Aber auch (wenig ruhmreiche) deutsche Kolonial-und Industriegeschichte. Wie nähert man sich so einem Land? Wir näherten uns (logischerweise) mit dem Flugzeug, und zwar mit Qatar Airways. Ein Zwischenstopp in Doha, einem der modernsten Flughäfen der Welt. Was für ein Unterschied zum Windhoek International, der sich im Vergleich dazu ziemlich provinziell und überschaubar, aber auch gemütlich anfühlte.

Geländewagen sind unerläßlich für einen Roadtrip

Schon vorab hatten wir unseren fahrbaren Untersatz gemietet, der uns in den kommenden drei Wochen über 4000 km durchs Land begleiten sollte. Geländegängige, allradgetriebenene Fahrzeuge sind ein absolutes Muss, denn ein Großteil der Straßen Namibias ist unbefestigt. Man verbringt viel Zeit auf ausgefahrenen Schotterpisten. Tipp: Hier sollte man nicht sparen und zu einem der größeren, „hochbeinigeren“ Geländewagen greifen – was wir übrigens dummerweise nicht getan haben. Zum Beispiel bei Tui Cars (Guter Vor-Ort Service von Europcar und umfassendes Versicherungspaket). Die ersten zwei Nächte verbrachten wir zur Akklimatisierung in Windhoek. 1650 Meter über Meeresspiegel und über 30°C. Die erste Person, mit der wir auf der Straße ins Gespräch kamen, war ein farbiger Einwohner Windhoeks, der einen Großteil seiner Jugend in Ost-Berlin verbracht hatte. Er hatte uns sofort als Touristen identifiziert und salutierte in akzentfreiem Deutsch mit dem Pioniergruß „Immer bereit!“. Für uns, aus München und dem Ruhrgebiet stammend, eine recht bizarre Erfahrung. Und ein erster Hinweis darauf, wie viel Namibia, das ehemalige Deutsch-Südwest, sowohl als Kolonie bis zum ersten Weltkrieg als auch als sozialistisches Partnerland der DDR mit uns und unserer unmittelbaren Geschichte zu tun hat.

Am Wendekreis des Steinbocks

Unsere Reise-Route

Anders als viele Besucher, die sich zumeist im Dreieck Windhuk, Namib und Etosha bewegen, planten wird die größere Runde. Sie führte uns bis in den Süden und an die Grenze Südafrikas. Zuerst 550 Kilometer in die Kalahari, an die Grenze des Transfrontierparks und damit ins Dreiländereck Botswana, Südafrika und Namibia. Übernachtung in kleinen Chalets. Von dort ging es westwärts zum zweitgrößten Canyon der Welt, der Fish River Schlucht. Immer weiter westwärts fuhren wir entlang der Grenze des Sperrgebietes, in dem seit über 100 Jahren Diamanten geschürft werden. Die Eisenbahntrasse, die am Küstenort Lüderitz endet, liegt bestimmt ebenso lange still. Die Namib durchquerten wir Richtung Norden mit einem Aufenthalt in Sesriem bei Sossusvlei. Dieser Ort mitten in der Wüste mit der größten Düne der Welt und dem versteinerten Wald ist sicherlich einer der meistbesuchten und -fotografierten Orte im Land. Aufgrund der Hitze (Temperaturen lag über 40 °C) freuten wir uns schon auf die nächste Station. Die Küstenstadt Svakopmund mutet fast mediterran an mit ihren gemäßigten Temperaturen in der heißen Jahreszeit. Doch wir wollten wieder in die Natur. Nächste Station: die Erongo-Berge. In der hervorragenden Erongo Mountain Lodge übernachteten wir zum ersten Mal in Zelten. Zugegeben ziemlich luxuriösen Den nördlichsten Punkt unserer Rundreise bildete das Etendeka Gebirge, von wo aus wir in die Etosha fuhren. Am östlichen Ende des großen Salzsees verbrachten wir noch einige ruhige Tage in einer Lodge, in der wir von unserem Zelt aus die Tiere am nahegelegenen Wasserloch beobachten konnten. Ausgeruht ging es wieder nach Windhoek und heim nach Deutschland.

5 Dinge, die man in Namibia gemacht haben muss

Jeepfahrt in den Fish River Canyon. Eines der absoluten Highlights unserer Reise. Die Fishriver Lodge ist unmittelbar am Canyon gelegen. Man blickt vom Bungalow aus in die 500 Meter tiefe Schlucht. Atemberaubend! Früh am Morgen gingen wir mit Guide Jerry, der eigentlich Jerome heißt, und einem sehr netten Paar aus Neuseeland auf Jeep-Tour an den Fuß der Schlucht. Für die 27 Kilometer Strecke benötigten wir zweieinhalb Stunden – one way. Es ging über Stock und Stein, über schmale Pässe, durch Vulkanlandschaften bis hinab ins Flussbett. Belohnt wurden wir dort durch ein Bad in einem See und viele interessante Geschichten von Jerry. Er erzählte auch, dass die Köcherbäume einzigartig sind und es sie nur im Fish River Canyon gibt. Besitzer und Konservator des Naturschutzgebietes ist übrigens die Familie Rockefeller.

Bratwurst im „deutschen Dorf“ Lüderitz. Wenn auch ein wenig abseits der üblichen Touristen-Routen, ist die deutsche Küstenstadt Lüderitz einen Besuch wert. Sie liegt unterhalb der Namib, direkt am Rande des Sperrgebietes. Seit den 1910er Jahren hat sich hier kaum etwas verändert. Die Beschriftungen der Häuser zeigen die ursprüngliche Verwendung: Turnverein, Kegelbahn und Eisengießerei. Es gibt die Damenschneiderei und natürlich die Brauerei „Hansa“. Und sollte den Reisenden der Hunger nach einer Bratwurst überkommen, kann ihm geholfen werden: Diaz Coffee Shop bietet eine beeindruckende Wurstauswahl, von Thüringer über Frankfurter bis zu Nürnberger Rostbratwurst, prima Kaffee und sogar Bock- und Weizenbier. Übernachtet haben wir in einem netten Bed & Breakfast.

Flug über die Namib. Für viele ist das Erklimmen der größten Düne der Welt bei Sossusvlei ein Pflichtprogramm. Wir haben uns den Wüstentrip wegen der hohen Temperaturen erspart. Um den versteinerten Wald und die Skelett-Küste trotzdem zu sehen, haben wir einen Rundflug gebucht. Von Svakopmund aus leicht zu organisieren. Ein Buschpilot (der übrigens genauso aussah, wie man ihn sich vorstellt) flog uns in seiner Cessna zweieinhalb Stunden über die Namib. Er zeigte uns Dinge, die man so nur von oben zu sehen bekommt. Mindestens genauso beeindruckend wie die spektakuläre Dünenlandschaft ist die verlassene Mine unweit der Küste. Dort suchten vor 150 Jahren deutsche Glücksritter nach Diamanten. Beim Flug entlang der Küste erklärten die zahlreichen Schiffswracks, warum dieser Teil Namibias den Namen Skeleton Coast trägt. Morbide schön.

Safari in der Etosha Pfanne. Die Safari im Etoshapark Naturschutzgebiet gehört zur Reise wie das Hofbräuhaus zu München. Wir verbrachten insgesamt vier Tage in einer wunderbaren Lodge, direkt jenseits der östlichen Grenze des Parks. Von hier aus fuhren wir ein- bis zweimal täglich mit einem Fahrer im offenen Jeep auf 3- bis 4-stündige Tour in den Park. Man kann es auch als Selbstfahrer machen, aber die erfahrenen und zumeist sehr motivierten Guides wissen einfach besser, wo sich die Tiere zu welcher Tageszeit aufhalten. So sahen wir Elefanten (mit Babys!), Giraffenherden im Sprint, ein Nashorn, jede Menge Antilopen, Geparden und sogar einen der extrem schwer zu findenden Leoparden. Es ist schon eine ganz besondere Erfahrung, wenn der Löwe drei Meter neben der Straße liegt. Oder du die Fahrt nicht fortsetzen kannst, weil sich zwei pubertierende Giraffenbullen unbedingt auf der Straße vor dir prügeln müssen.

Der Himmel über Namibia. Das Etendeka Gebirge ist erst seit weniger als 20 Jahren touristisch erschlossen, wobei „erschlossen“ etwas übertrieben ist. Es gibt nur einige wenige Lodges. Für Leute, die Stille, Einsamkeit und eine absolut spektakuläre, wenn auch karge Landschaft suchen, genau richtig. Man kann Bergelefanten und Bergzebras sehen, Giraffen laufen frei umher. Das ökologische Etendeka Mountain Camp, in dem wir zu Gast waren, liegt buchstäblich im Nirgendwo und kommt fast vollständig ohne Elektrizität und künstliche Beleuchtung aus. Die komplette nächtlichen Dunkelheit offenbart einen Sternenhimmel, der seinesgleichen sucht. Die Sterne der südlichen Hemisphäre sind in beeindruckender Klarheit zu sehen. Sternschnuppen garantiert. Romantik auch.

Ein wenig Beschäftigung mit dem deutschen Erbe. Man muss seinen Namibia-Urlaub nicht zu einer Bildungsreise gestalten. Aber alles macht mehr Sinn und auch Spaß, wenn man sich ein wenig auf die Reise vorbereitet und vor Ort die Augen und Ohren offen hält. Es ist nun einmal ein Fakt, daß Deutsch dort eine der Umgangssprachen ist und Deutschland als ehemalige Kolonialmacht ein unrühmliches Erbe hinterlassen hat. Zigtausende Hereros wurden von den Kolonial-„Herren“ in die Wüste getrieben und umgebracht. „Das Deutsche“ ist allgegenwärtig. In Beschriftungen alter Industriegebäude, dem Ost-Berliner Jungpionier aus Windhoek oder dem deutschsprachigen Radiosender Funkhaus Namibia. Da wird samstagmittags schon mal das NDR „Hafenkonzert“ live übertragen. Umso wichtiger ist es, dies alles einsortieren zu können. Wir empfehlen einen guten Reiseführer (wir fuhren gut mit Stefan Loose Reiseführer Namibia) und die Lektüre von Gerhard Seyfrieds hervorragendem Roman „Herero“ oder Lucia Engombe & Peter Hilliges „Kind Nr. 95. Meine deutsch-afrikanische Odyssee“.


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