Schlagwort: Pilgerreise


Die letzten 100 Kilometer der Pilgerreise nach Santiago

Der Weg ist das Ziel. Obwohl ich natürlich immer das Ziel vor Augen hatte und es auch unbedingt erreichen wollte, war mir der Weg dorthin viel wichtiger. Das Verweilen im Augenblick, das Genießen des JETZT. Das ist es, was die Auszeit des Pilgerns so besonders macht. Hier nun, was wir auf den letzten Etappen alles erlebten:

7. + 8. Etappe: Valença bis Soutoxusto

Mit dem Überschreiten des Grenzflusses Miñho erreichten wir Tui, die erste Stadt auf dem spanischen Wegstück nach Compostela. 100 Kilometer lagen noch vor uns, mehr als 100 hinter uns. Konnten wir in Portugal in Ruhe unseren Gedanken nachhängen, war das in Spanien oft unmöglich. Ganze Horden von Jakobspilgern waren unterwegs. Der Grund war klar: Die meisten wollen die so genannte Compostela, ein Zeugnis der Pilgerreise, mit nach Hause nehmen. Dafür müssen sie täglich zwei Stempel sammeln als Beweis, dass sie die letzten 100 Kilometer tatsächlich zu Fuß gegangen sind. Folglich beginnen etliche Wanderer ihren Weg erst in Tui. Besonders Spanier und Briten traten in größeren Gruppen auf. Wenn es zu laut wurde, legten wir eine Rast ein, um die anderen vorbeiziehen zu lassen. In der Pilgerpension Hostal Louro, unserem nächsten Quartier in Porriño, bekamen wir gerade noch ein Doppelzimmer. Tagsüber hatten wir uns schon über Wanderer mit sehr kleinen Rucksäcken gewundert. Am folgenden Morgen war schnell klar, warum sie nicht mehr Gepäck trugen. Im Gang türmten sich ihre Koffer, die mit dem Bus zur nächsten Station gefahren wurden. Pilgerreisen sind ein nämlich neues Feld der Reisebranche. Sie bietet Serviceleistungen an wie Buchung der Übernachtungen in Pilgerherbergen bzw. einfachen Hotels sowie den Transport des Gepäcks. Die Premium-Variante schließt die Verpflegung an festgelegten Punkten ein. Das Rundum-Sorglos-Paket hat nicht nur finanziell seinen Preis. Die Reise ist von Anfang bis Ende durchgeplant. Spontane Änderungen sind nicht möglich.

Am achten Tag änderten wir wieder einmal unseren Plan. Statt in Redondela zu übernachten, entschlossen wir uns, bis nach Soutoxusto weiterzugehen, um am nächsten Tag mehr Zeit für Pontevedra zu haben. Vorsichtshalber reservierten wir in Soutoxusto telefonisch ein Zimmer, denn dort gibt es nur eine Übernachtungsmöglichkeit. „O Recuncho do Peregrino“ lag zwar mitten an einer befahrenen Straße, aber vom Garten aus hatte man einen traumhaften Blick auf den Meeresarm, und Hausherr Miguel war ein perfekter Gastgeber. Abends konnten wir unsere Wäsche sogar in einer Waschmaschine waschen. Welch eine Wohltat! Weil wir ziemlich hungrig waren und die Lokale in der Umgebung noch nicht geöffnet hatten, machten wir uns auf den Weg in eine Bar auf einem Hügel. Laut Internet hatte sie bereits geöffnet. Mit einigen Schwierigkeiten – weder Wirt noch Gäste – sprachen ein Wort Englisch, bestellten wir etwas Vegetarisches. Der Wirt schaute etwas ratlos, dann schlug er „Pimientos e Patatas“ vor. Er verzog sich in die Küche und kam nach einiger Zeit mit zwei großen Platten kleiner grüner Paprikaschoten und grob geschnittenen Pommes Frittes zurück. Als Nachtisch schenkte er uns sogar noch ein Eis. Das Essen in der einfachen Bar war köstlich, ein echtes Highlight. Als Abschluss genossen wir die wunderbare Abendstimmung an einem fast einsamen Strand. Auch so kann Pilgern sein!

9.+ 10. Etappe: Soutoxusto bis Caldas de Reis

Nachdem uns Pilgerführer und Weggefährten darauf hinwiesen, dass es in Pontevedra einiges zu sehen gäbe, planten wir am neunten Tag eine kurze Wegstrecke von nur 15 Kilometern. Unterwegs kamen wir wieder einmal an einem der steinernen, überdachten Waschplätze vorbei. Bis dahin hatten wir es für Relikte aus vergangenen Tagen gehalten. Aber tatsächlich stand dort eine alte Frau beim Waschen ihrer Wäsche. Ein anderes besonderes Bauwerk begegnete uns immer wieder in Galicien: Kornspeicher. Diese Lagerhäuser für Getreide und Kartoffeln stehen auf steinernen Pfeilern frei in der Landschaft. Der Raum selbst ist aus Holz, Stein oder Ziegel gebaut. Die aufwendige Bauweise erklärt sich aus dem Klima. Da es in diesem Teil von Spanien mit einem Jahresniederschlag von bis zu 2000 mm sehr feucht ist, müssen die Speicher gut belüftet sein. Manche dienen heute noch als Kartoffellager.

Pontevedra war unser nächstes, äußerst reizvolles Ziel. Gegründet im 12. Jahrhundert wuchs es im 16. Jahrhundert zur größten Stadt Galiciens heran, wurde 1833 Provinzhauptstadt. Hauptattraktion ist die Barockkirche Sanktuarium der Virxe Peregrina (Heiligtum der jungfräulichen Pilgerin). Ihr Grundriss gleicht einer Jakobsmuschel. Am zehnten Tag hatten wir uns vorgenommen, bis nach Caldas de Reis zu wandern. Es war ein extrem heißer Tag. Die Luft flimmerte. Um die Mittagszeit fielen uns die Schritte immer schwerer. So suchten wir uns einen schattigen Platz und schliefen eine Stunde. Danach ging es leichter. Als wir gegen 18 Uhr unser Tagesziel erreichten, zeigte das Thermometer immer noch 30 °C im Schatten. Unser Zimmer hatten wir dieses Mal über booking.com reserviert und umgingen so das Sprachproblem.

11. Etappe: Caldas de Reis bis Padrón

Endlich sollten wir nach Padrón kommen, der Heimat der „pimientos de Padrón“. Diese kleinen, grünen Paprikaschoten, in Olivenöl gebraten und mit grobem Meersalz bestreut, sind mittlerweile zu meiner Leibspeise geworden. Sie werden bevorzugt in der Nähe von Padrón angebaut. Typisch für sie ist der unterschiedliche Schärfegrad der einzelnen Früchte. Ein galicisches Sprichwort lautet: „Paprikas aus Padrón: Einige scharf, andere nicht.“ Neben den kulinarischen Besonderheiten hat Padrón noch viel mehr zu bieten, Santiaguiño do Monte (Jaköbchen vom Berge) zum Beispiel. Auf 114 Stufen erklommen wir den 350 Meter hohen Hügel mit der Wallfahrtsstätte. Dort soll der Legende nach der Apostel Jakobus eine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten haben. Wir hatten Glück und konnten in aller Ruhe den Blick über die Stadt schweifen lassen und unseren Gedanken nachhängen.

12. Etappe: Padrón bis Santiago de Compostela

Unser letzter Tag brach an. Der Wegabschnitt sollte bergig und anstrengend werden. Wir stellten den Wecker auf 5.30 Uhr (eine unchristliche Zeit für eine Langschläferin wie mich). Am Abend vorher hatten wir eine Pilgerbar in Padrón entdeckt, die ab 5 Uhr Frühstück anbot. Dort stärkten wir uns für den Tag und wurden von dem leutseligen Wirt zum Abschluss sogar gesegnet. Als wir aufbrachen, war es stockdunkel. Trotzdem waren wir nicht alleine unterwegs. Aber die frühe Stunde hatte auch Vorteile: Es war angenehm kühl, und wir kamen flott voran. Was für ein unvergessliches Gefühl, als wir von weitem den ersten Blick auf die Kathedrale von Santiago werfen konnten!

Um 14.15 Uhr trafen wir in Santiago ein. Geschafft! Die Stadt erschien uns riesig, der Rummel überwältigend. Zuerst deponierten wir unser Gepäck im Hostal Costa Azul, das wir über Internet ein paar Tage zuvor gebucht hatten. Dann ging es zum Pilgerbüro. Auch wir wollten nicht ohne unsere Compostela nach Hause kommen. Das Zertifikat wird auf Lateinisch geschrieben und mit einer bunten Zeichnung verziert. Dafür mussten wir in einer langen Reihe anstehen. Nach 80 Minuten hielten wir es in den Händen. Ein Schock für mich waren die Menschenmassen in der Kathedrale. Ich wollte unbedingt den Heiligen Jakobus sehen und die Abendmesse besuchen. Ich kam nicht mal in die Nähe der Statue. Sogar während des Gottesdienstes erklommen Gläubige die Stufen und umarmten ihn von hinten. Zum Abschluss der Messe bestaunte ich das Schauspiel mit dem großen Botafumeiro. Dieser Weihrauchkessel wiegt 54 Kilogramm und wird in einem Bogen von 65 Meter Länge geschwenkt. Um ihn zu bewegen, sind sechs bis acht Männer nötig. Diese Tradition soll bis ins Mittelalter zurückreichen. Damals wollte man mit dem Weihrauch den Geruch der Pilger überdecken. Am nächsten Tag ging unser Flug erst gegen Mittag. Wir versuchten unser Glück noch einmal in der Kathedrale beim Apostel Jakobus. Diesmal waren kaum Leute da. Ich umarmte die Statue und hätte nie gedacht, dass mich die Berührung so beeindruckt. Der Ort besitzt tatsächlich eine ganz besondere Energie.

Mein Blick zurück

Zwei ganze Wochen waren wir unterwegs. Im Rückblick kommen sie mir eineseits sehr lange vor, weil wir so viel erlebt und gesehen haben. Auf der anderen Seite ist die Zeit recht schnell vergangen. Wenn ich den Weg noch einmal gehen würde, würde ich eine andere Reisezeit wählen, um den Pilgerströmen zu entgehen. Außerdem ist es sinnvoll, mehr Zeit einzuplanen, um flexibler zu sein und noch länger an Orten zu bleiben, die einem gefallen. Auch vorher ein wenig Spanisch und Portugiesisch zu lernen, scheint hilfreich. Ansonsten hat alles gut geklappt. Wir überlegen bereits, wohin unsere nächste Pilgerwanderung gehen könnte.


Mein Weg nach Santiago – erster Teil

Endlich war es soweit. Der Rucksack gepackt, die Wanderstiefel bereits an den Füßen. Was für den Flug nötig war, wurde in den Hosentaschen und einer Gürteltasche verstaut. Das Abenteuer konnte beginnen. Meine Freundin und ich flogen in aller Herrgottsfrühe nach Porto. Dort angekommen machten wir uns erstmal auf den Weg ins Hostel, wo wir unsere Rucksäcke deponierten. So konnten wir leichtfüßig die Stadt erkunden, und in Porto gibt es allerhand zu sehen. 16 Kilometer und 32 Stockwerke haben wir an diesem Nachmittag und Abend zurückgelegt. Besonders angetan war ich von den blauen Kacheln, die etliche Kirchen und auch einfache Wohnhäuser schmücken.

1. Etappe: Porto bis Lavra

Nach einem guten Frühstück im Hostel ging unsere Pilgerwanderung los. Die erste Etappe führte uns immer an der Küste entlang. Wir hatten uns vorgenommen, an diesem Tag bis nach Lavra zu kommen. Etwa 24 Kilometer lagen vor uns. Und das bei 33 °C im Schatten. Doch die frische Prise vom Meer machte die Hitze einigermaßen erträglich.

An diesem Tag begegneten uns nur vier weitere Pilger. Das sollte sich am Abend ändern. Als wir bei unserem Quartier – einem Campingplatz – ankamen, bildete sich bereits eine Schlange bei der Anmeldung. Dieser Campingplatz ist bei Pilgern sehr beliebt, da er direkt am Jakobsweg in einem traumhaften Park liegt. Ein Restaurant ist gleich daneben. Was will man mehr nach einer langen Wanderung mit müden Füßen!

2. Etappe: Lavra bis Rates

Am zweiten Tag mussten wir uns entscheiden: Laufen wir weiter an der Küste entlang bis zum Rio Minho? Oder zweigen wir nach zehn Kilometern ab und folgen dem traditionellen Weg im Landesinneren? Wir entschieden uns für die zweite Variante. Diese ist zwar kürzer, aber auch bergiger als der Küstenweg. Entscheidend war jedoch, dass die Landschaft abwechslungsreicher ist. Wir haben unseren Entschluss nicht bereut. Bis Vila do Conde genossen wir noch die malerische Küstenlandschaft, bevor es dann ins Landesinnere ging.

Nach gut 25 Kilometern erreichten wir am Nachmittag ein wenig müde die Pilgerunterkunft São Pedro in Rates. Wir waren nicht wenig erstaunt, als uns gesagt wurde, dass bereits alle 60 Betten belegt seien. „Aber keine Sorge, wir schicken euch nicht weiter“ war gleich der nächste Satz, und schon hatten wir ein erfrischendes Glas kühles Wasser in der Hand. Diese Freundlichkeit und Fürsorglichkeit der Portugiesen erlebten wir noch öfter auf unserem Weg. Wir nächtigten also ganz bequem auf Matratzen im Gang. Was mich allerdings etwas irritierte, waren die Geräusche mitten in der Nacht. Noch im Stockdunkeln standen viele der anderen Mitpilger auf und verließen die Herberge. Wir waren um 7:45 Uhr die Letzten!

3. Etappe: Rates bis Portela de Tamel

Bei bedecktem Himmel und angenehmen Temperaturen brachen wir auf, um erst einmal ein Frühstückslokal zu suchen. Mit gefülltem Magen wandert es sich schließlich leichter. Pilgerherbergen bieten diesen Service fast nie an. Nach sechs Kilometern wurden wir fündig. Eine Schwierigkeit auf dem gesamten Weg nach Santiago war übrigens die Sprache – sowohl in Portugal wie auch später in Spanien. Mit den wenigsten Einheimischen konnten wir uns auf Englisch verständigen. Ab und zu kam man mit Französisch weiter. In Spanien half es, etwas Italienisch zu sprechen. Doch letztendlich bekamen wir stets, was wir benötigten. Die Reise hat mir eine Erkenntnis gebracht: Ich muss nicht immer perfekt sein und jeden Satz in einer fremden Sprache fehlerfrei vorbringen. Hauptsache, ich bemühe mich, ein paar Brocken in der Landessprache zu äußern. Der Rest geht mit Händen und Füßen – und mit einem Lächeln.

Mittags kamen wir in Barcelos an. Hier hätte es sich gelohnt, länger zu bleiben. Die Stadt ist klein, bietet aber mit ihren geschichtsträchtigen Bauwerken allerhand zum Besichtigen. Berühmt sind die Keramikarbeiten und natürlich der Hahn von Barcelos, der zu einem Symbol von ganz Portugal geworden ist. Nach einer ausführlichen Pause führte uns unser Weg weiter nach Portela de Tamel zu der öffentlichen Herberge Casa da Recoleta. Hier bekamen wir noch zwei Betten in einem Schlafsaal mit drei Stockbetten. Wir hatten Glück und konnten uns das Zimmer mit vier anderen Frauen teilen. Wer später kam, musste mit dem gemischten Schlafsaal vorlieb nehmen. Ohne gute Ohrstöpsel war man da verloren. Die moderne Herberge bietet eine gut eingerichtete Küche. Für alle, die nicht selbst kochen wollten, hat Herbergsvater Carlos Essen bestellt. Das einzige Restaurant am Ort hatte zwar ausgerechnet an diesem Tag seinen Ruhetag. War aber nicht schlimm. So konnten wir den schön angelegten Garten in der Herberge genießen und gemütlich draußen speisen.

4. Etappe: Portela de Tamel bis Ponte de Lima

Am nächsten Morgen begann ein ähnliches Rumoren wie am Tag zuvor. Um fünf Uhr haben bereits einige Pilger das Quartier verlassen. Wir fragten uns: Wohin wollen die denn? Warum machen sie sich einen solchen Stress? Wir starteten später ganz gemütlich in Richtung Ponte die Lima – auf kleinen Straßen und unbefestigten Wegen durch Weinberge und Eukalyptuswälder. Überall freundliche Menschen. Sogar einige Autofahrer hupten und winkten uns zu. So etwas ist mir beim Pilgern in Deutschland noch nie passiert!

In Ponte de Lima angekommen, suchten wir zuerst einmal die Touristinformation auf. Die hilfsbereiten Frauen dort vermittelten uns ein hübsches Zimmer im Zentrum mit eigenem Bad. Welch ein Luxus! Wir hatten nämlich beschlossen, ab jetzt auf die ganz günstigen Pilgerherbergen zu verzichten. Der Stress in den frühen Morgenstunden hatte uns gewaltig genervt. Also suchten wir uns auf dem weiteren Weg Privatunterkünfte, Pensionen, Hostels oder einfache Hotels.

5. Etappe: Ponte de Lima bis Rubiães

An diesem Tag haben wir uns eine kurze Strecke vorgenommen, mussten wir doch 300, zum Teil recht steile Höhenmeter überwinden. Andere Mitpilger haben uns vor diesem heftigen Abschnitt gewarnt, aber für uns war dies die bislang schönste Etappe. Schattige Pfade durch Wälder, unter Weinlaub und zwischen duftenden Sträuchern – einfach traumhaft!

6. Etappe: Rubiães bis Valença

Begonnen hat die Strecke recht idyllisch. Die alte Römerstraße war schattig und der Untergrund sandig. Optimale Verhältnisse also. Am Nachmittag verlief der Weg allerdings größtenteils auf Kopfsteinpflaster und Teerstraßen in der prallen Sonne. So entschlossen wir uns, nur bis Valença zu gehen. Dadurch hatten wir genügend Zeit, die alte Festungsstadt zu besichtigen. Valença liegt direkt an der Grenze zu Spanien. Zwischen den beiden Ländern verläuft der Rio Minho (portugiesisch) bzw. Río Miño (spanisch). Wie es dann weiter ging? Über unser Pilger-Abenteuer in Spanien berichte ich im nächsten Teil.


Wie Frau sich für eine Pilgerreise organisiert

Das kann nicht nur Hape Kerkeling. Schon lange träumte ich davon, einmal auf dem Jakobsweg nach Santiago zu gehen. Zu Fuß, alleine, nur mit dem Nötigsten im Rucksack. Aber kann ich es mir auch zutrauen? Schaffe ich es körperlich? Wie lange kann ich überhaupt am Stück zu Fuß gehen? Ich bin schließlich nicht die Sportlichste. Diese Fragen und Überlegungen hielten mich jahrelang davon ab, mir meinen Traum zu erfüllen. Vor fünf Jahren entschied ich mich schließlich, mich meinem Ziel langsam zu nähern. So ging ich jährlich einen Stück eines Pilgerwegs. Ich begann mit zwei Tagen im Allgäu, steigerte mich auf eine Woche in Niederbayern, Österreich und Oberbayern und brach schließlich dieses Jahr zu einer 14-tägigen Reise nach Santiago de Compostela auf.

Warum pilgern Menschen überhaupt?

Bereits im Mittelalter pilgerten die Menschen zum Heiligen Jakobus, um sich einen Platz im Paradies zu sichern. Heute haben die Motivationen von Pilgern nicht unbedingt einen religiösen Ursprung. Einige sehen darin eine sportliche Herausforderung. Andere möchten möglichst viele Menschen aus aller Herren Länder kennenlernen. Wieder andere verarbeiten schlimme Erfahrungen, haben ein Burn-out erlitten oder möchten sich etwas beweisen. Die Gründe sind so vielfältig wie die Menschen, die sich auf den Weg machen. Für mich ist es eine persönliche Auszeit, in der ich zur Ruhe komme. Ich will die Natur, all die wunderbaren Pflanzen und Tiere, auch die ganz kleinen, beim Gehen wahrnehmen, auf sie achten und mich jeden Tag wundern und darüber staunen, wie schön die Welt erschaffen ist. In Deutschland ist man als Pilger mehr oder weniger ein Exot, in Spanien dagegen gehören diese Reisenden zum Straßenbild. Wildfremde Fußgänger oder Radfahrer rufen einem „buen camino“ zu.

Gut vorbereitet

Pilgern kann zur Sucht werden. Kaum komme ich von meiner Reise zurück, überlege ich mir, wohin es nächstes Jahr gehen soll. So habe ich mit den ersten Überlegungen bereits im Herbst letzten Jahres angefangen. Nur war es dieses Mal anders. 2017 habe ich auf dem Münchner Jakobsweg eine Gleichgesinnte kennengelernt, mit der ich das letzte Stück zusammen gewandert bin. Nachdem wir uns so gut verstanden haben, haben wir beschlossen, die nächste Pilgerreise gemeinsam zu unternehmen. Unsere Wahl fiel auf den Portugiesischen Jakobsweg, der in Porto beginnt und in Santiago de Compostela endet. Im Gegensatz zu dem traditionellen spanischen Jakobsweg mit 800 Kilometern ist dieser nur circa 250 Kilometer lang und somit in zwei Wochen gut machbar. Im Januar 2018 buchten wir unseren Flug nach Porto und den Rückflug von Santiago nach München. Für die erste Nacht in Porto besorgten wir uns auch ein Quartier. Alle weiteren Übernachtungen ließen wir offen, um flexibel zu sein. Aber davon mehr in meiner nächsten Geschichte.

Rucksack richtig packen

Im Lauf der Jahre hat sich meine Ausrüstung stetig verbessert, so dass mein Rucksack nur noch gut vier Kilogramm wiegt. Es ist richtig befreiend, festzustellen, mit wie wenig man eigentlich auskommt.

  • Außer der Kleidung, die ich trage, nehme ich nur noch einen Satz Unterwäsche, ein schnell trocknendes T-Shirt und eine Hose mit. Zum allabendlichen Ritual gehört das Wäschewaschen. Am Morgen ist alles wieder trocken und landet im Rucksack. Falls es kühler werden sollte, ist eine Fleecejacke und eventuell – je nach Klima – Softshelljacke sinnvoll. Zusätzlich packe ich noch einen leichten Schlafanzug ein.
  • Das Wichtigste: Die Schuhe müssen gut passen (ein- bis eineinhalb Nummern größer als die normale Schuhgröße) und vor allem richtig eingelaufen sein.
  • Auch die Socken sollten nicht brandneu sein. Den Fehler habe ich dieses Mal gemacht und mir prompt eine Blase zugezogen. Bewährt haben sich Rechts-Links-Socken ohne Nähte.
  • Mein Rucksack begleitet mich schon viele Jahre und leistet mir gute Dienste, obwohl er nicht teuer war und nur 25 Liter fasst. Wenn ich mir irgendwann einen neuen kaufe, achte ich auf eine gute Passform. Er darf auf keinen Fall zu groß sein und zu tief sitzen, da sonst die Schultern zu stark belastet sind. Ein Hüftgurt ist unumgänglich. Was alles rein muss:
  • Regenzeug (Ich habe einen atmungsaktiven Poncho, den ich mit über den Rucksack ziehen kann)
  • Schuhe für abends (Flip-Flops, Crocs oder Wandersandalen. Mit Barfuß-Schuhen habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Sie sind mit 380 Gramm sehr leicht, entspannen die Füße und sind wasserfest)
  • Sonnenhut mit Krempe oder Schirmmütze, Sonnenbrille
  • Seidenschlafsack
  • Sitzunterlage
  • Toilettenartikel in kleinen Behältern (Duschgel, Zahnbürste, -seide und –pasta, Bürste, Lippenbalsam mit UV-Schutz, Sonnencreme, Gesichts-Feuchtigkeitscreme, Waschmittel in der Tube. Und ganz wichtig, um Blasen vorzubeugen: Hirschtalgcreme)
  • Medikamente (Salbe gegen Zerrungen u.ä., Kopfschmerztabletten, Alkoholpads, Blasenpflaster, weißes Fixierpflaster, Ohrstöpsel)
  • Mikrofaser-Handtuch
  • Papiere und Sonstiges (Ausweis und Kopie, EC-, Kredit- und Krankenversicherungskarte, Pilgerausweis, Telefon und Ladegerät/-kabel, Notizbuch und Stift, Pilgerführer mit Beschreibung des Wegs)
  • Verpflegung (1-1,5 Liter Wasser am besten in Edelstahlflasche, Taschenmesser, Notration: Trockenobst, Nüsse, Frucht-/Getreideriegel)
  • Nachdem ich manchmal Schwierigkeiten mit meinen Knien habe, nehme ich immer Teleskop-Wanderstöcke mit, die mir vor allem bergab gute Dienste leisten.

Jedes Jahr, wenn ich meinen Rucksack packe, steigt die Vorfreude auf die Reise und ich bin gespannt, was so alles auf mich zukommt und wie ich mit den Herausforderungen, die sich täglich stellen, umgehen werde. Ich freue mich auf die unbekannte Landschaft, auf die Menschen und auf die Erlebnisse außerhalb meiner Komfortzone.
Was ich heuer auf dem Weg von Porto nach Santiago de Compostela alles erlebt habe, folgt in der nächsten Geschichte.


Reisen ist meine Leidenschaft.
Beauty meine Passion.
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