Autor: Margit Rüdiger

CultureAndCream-Autorin aus München Beruflich als Beauty-Journalistin zu reisen, war mir nicht genug. Sechs Monate Weltreise haben auch nicht gereicht. Immer wieder zieht es mich in andere Städte, fremde Länder, zu Roadtrips und an Locations, die man kennenlernen sollte. Mich interessieren nicht nur „culture“ und „cream“, sondern auch Menschen, die Geschichten zu erzählen haben. Auf solche Reisen möchte ich euch mitnehmen.

Der geheime Promi-Friedhof von Los Angeles

Er stand schon lange auf meiner Los Angeles To-do Liste: der Westwood Village Memorial Park Cemetery, südlich des Millionärviertels Bel Air. Dass es mich ausgerechnet am Totensonntag dorthin zieht… Zufall? Den unscheinbaren Friedhof hinter dem iPic Theatre am Wilshire Boulevard zu finden, ist nicht ganz einfach. Mehrfaches Fragen von Passanten und Anwohnern bleibt erfolglos. Erst eine kleine, alte Dame, die gerade in ihr Auto einsteigen will, nickt wissend und beschreibt mir den richtigen Weg zur Adresse 1218 Glendon Avenue. „Er liegt versteckt zwischen der Bücherei dort und dem Parkhaus. Genau da geht der Weg rein“, sagt sie und zeigt mit dem Finger auf zwei kastige, unansehnliche Gebäude und einen Durchgang dazwischen. Die Gräber müssen sich demnach über der Tiefgarage befinden.

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Ein Gespräch mit dem Münchner Dermatologen Dr. Timm Golüke

C&C: Warum ist für viele Frauen Botox die Einstiegsdroge, wenn sie etwas an sich verbessern wollen?
Dr. Timm Golüke: Bei Botox ist das Einstiegsalter viel jünger als bei Fillern. Wenn junge Patientinnen zum ersten Mal zu mir in die Praxis kommen, ist es häufig die Zornesfalte, die sie behoben haben wollen. Diese ist nicht durchs Leben entstanden wie zum Beispiel die Nasolabialfalte, sondern es ist eine genetisch vererbte Mimik. Die Zornesfalte zeigt sich oft schon bei 20-jährigen. Die Frauen kommen dann mit 25 zu mir und sagen, dass die Falte sie stört, weil sie sie immer böse aussehen lässt. In dem Alter ist eine Botox-Spritze auch extrem effektiv. Hat sich die Falte erst einmal durch ständige Mimikbewegung tiefer eingeprägt, ist es für Botox zu spät.

C&C: Wie oft muss man nachspritzen?
Dr. Timm Golüke: Zweimal im Jahr kommen die Patientinnen in der Regel zum Nachspritzen, da die Abbauzeit etwa sechs Monate beträgt. Je öfter man es gemacht hat, desto länger hält Botox, weil man sich die mimischen Bewegungen irgendwann abgewöhnt. Das ist auch das Ziel des frühen Beginnens.

C&C: Ist die Mimik eigentlich nur tagsüber so aktiv?
Dr. Timm Golüke: Nicht bei allen. Was interessant ist, dass Menschen, die nachts mit den Zähnen knirschen oder die Zähne aufeinander beißen, morgens eine stärkere Zornesfalte haben. Bei denen ist die Mimik tagsüber gar nicht mal so ausgeprägt. Bruxismus nennt man diese nächtliche Überbeanspruchung der Kaumuskulatur. Die meisten tragen nachts eine Beißschiene, aber man kann den Kaumuskel auch gut mittels einer Botox-Spritze in leichter Dosierung entspannen. Es wird direkt in den Muskel gespritzt.

C&C: Stimmt es, dass man mit Botox auch das Gesicht schmäler aussehen lassen kann?
Dr. Timm Golüke: Die Asiaten machen das, um ihr von Natur aus breiteres Gesicht zu verschmälern. Auch hier wird der Kaumuskel behandelt, jeweils mit zwei Einheiten Botox. Der Effekt hält ebenfalls etwa sechs Monate an. Das Kauen wird dadurch nicht beeinträchtig. Der Muskel wird nur geschwächt, so dass das Gesicht schmaler erscheint.

C&C: Was versteht man unter Baby-Botox?
Dr. Timm Golüke: Mini- oder Baby-Botox bedeutet, dass die Substanz viel stärker verdünnt wird. Im Vergleich zur Glabella-Falte zwischen den Brauen beträgt das Verhältnis 1/10. In Amerika wird es häufig praktiziert gegen vergrößerte Poren und Unreinheiten. Botox in verdünnter Form reduziert die Aktivität der Talgdrüsen. Dadurch erscheinen die Poren feiner, Hautunreinheiten weniger werden. Man spritzt das Botox direkt mit ganz vielen kleinen Stichen in den Bereich der Unreinheiten. Man kann das Gesicht vorher mit Creme betäuben, es ist aber auch ohne gut auszuhalten. Der Effekt ist so überzeugend, dass man die Schmerzen schnell vergisst. Auch wenn man ganz viele kleine Fältchen auf der Stirn hat und keine volle Lähmung möchte, kann man sie mit Baby-Botox behandeln. Allerdings bringt es selbst bei einer jungen Patientin gar nichts, die Glabellafalte damit zu unterspritzen.

C&C: Welche Schönheitsprobleme kann man sonst noch mit Botox behandeln?
Dr. Timm Golüke: Die queren Stirnfalten sind inzwischen auch Standard für Botox. Die Augenbrauen anheben funktioniert sehr gut mit dem Behandeln der Zornesfalte. Man spritzt am Brauenende außen jeweils einen Punkt, das nennt man Chemical Browlift. Es hebt den Blick, lässt ihn offener aussehen. Krähenfüsse sind eine weitere klassische Indikation. Was immer häufiger mit Botox behandelt wird, ist der Bereich von Mundwinkel und Pflasterkinn. Und um zu vermeiden, dass der Halsmuskel die Gesichtskonturen nach unten zieht, spritzt man in die senkrechten Halsstränge, die sogenannten Platysmas. Hängende Mundwinkel korrigiert man, indem man den Mundwinkelrunterzieher-Muskel schwächt. Auch hier sechs Monate Haltbarkeit.

C&C: Botox wird auch gegen übermäßiges Schwitzen eingesetzt?
Dr. Timm Golüke: Man spritzt es unter die Achsel in die Schweißdrüsen. Dort hält es oft länger als sechs Monate, ist allerdings ziemlich schmerzhaft, weil die Achseln sehr empfindlich sind. Mit Kühlpads ist es auszuhalten. An Händen und Füssen wirkt Botox auch sehr gut. Dazu braucht es aber eine Nervenanästhesie, die von einem narkoseerfahrenen Arzt durchgeführt werden muss. Bei uns kommt extra jemand in die Praxis.

C&C: Warum baut sich Botox unterschiedlich schnell ab?
Dr. Timm Golüke: Botox wird immer nur lokal in den Muskel gespritzt, nicht in die Blut-Hirn-Schranke etc. Im Muskel wird es lokal verstoffwechselt. Das heißt je öfter ich den Muskel bewege, desto schneller baut sich die Substanz ab. Daher hält der Effekt an den Augen weniger lang als an der Stirn. An den Augen wird es am schnellsten abgebaut, weil man oft blinzelt. Auch bei Leistungssportlern, die ganz viel Mimik haben, baut es sich schneller ab als bei einer Person, die weniger Mimik hat. Grundsätzlich aber gilt: Je öfter ich Botox spritzen lasse, desto länger hält es.

C&C: Welche Zonen im Gesicht sind schwierig zu behandeln?
Dr. Timm Golüke: Am Mund muss der Arzt vorsichtig vorgehen. Gerade wenn es gilt, Raucherfältchen zu verbessern, nimmt man ganz geringe Einheiten. Andernfalls kann es sein, dass der Patient sonst beim Trinken, Küssen, Pfeifen etc beeinträchtigt ist. In dieser Region baut sich Botox auch schnell wieder ab. Man muss in kürzeren Abständen nachspritzen. Allerdings sollten drei Monate dazwischen liegen, sonst gewöhnt sich der Muskel an Botox, und es hilft nicht mehr.

C&C: Gibt es Unterschiede in der Haltbarkeit bei den verschiedenen Botox-Produkten?
Dr. Timm Golüke: Unterschiede in der Haltbarkeit bei den unterschiedlichen Herstellern sind durch Studien nicht zu belegen, obwohl manche Firmen das gerne behaupten. Die in Deutschland zugelassenen Botox-Präparate sind Azzalure (Galderma), Bocouture und Xeomin (Merz), Botox und Vistabel (Pharm Allergan), Dysport (Ipsen). Man sollte dem Arzt vertrauten, mit welchem Material er schon lange arbeitet und die besten Erfahrungen hat. Ist man als Arzt zufrieden mit einem Produkt, bleibt man dabei: never change a winning team.

C&C: Wie teuer ist eine Spritze?
Dr. Timm Golüke: Bei den Mundwinkeln muss man mit 80 Euro rechnen. Sonst kann man von einem Mittelwert ab 150 Euro je nach Material und Aufwand ausgehen. Um die Schweißdrüsen zu lähmen, benötigt man viel Material, ist deshalb auch teuer. Kostet ab 600 Euro für beide Achseln, Hände oder Füsse.

C&C: Was muss man nach einer Botox-Behandlung beachten?
Dr. Timm Golüke: Wir empfehlen an dem Tag keinen Sport zu machen und keine Kopfüber-Bewegungen wie beispielsweise beim Yoga. Im Augenbereich sollte man beim Abschminken und Eincremen vorsichtig sein und nur nach oben wegstreichen, weil man nicht möchte, dass das Botox nach unten diffundiert. Das behandelte Areal zu massieren, ist Quatsch. Schwanger sollte man nicht sein und auch zeitgleich mit der Botox-Spritze keine Antibiotika einnehmen. Die lähmende Wirkung tritt in der Regel nach etwa zehn Tagen ein. Bei manchen dauert es mitunter 14 Tage. Je öfter man es macht, desto länger dauert es.

C&C: Gibt es Risiken?
Dr. Timm Golüke: Eigentlich nur, wenn man zu einem unerfahrenen Anwender geht. Die Hauptrisiken liegen im Stirnbereich. Wenn man zu nah an die Brauen spritzt, kann der Augenbrauenheber mit geschwächt werden, und somit entsteht ein müder Blick. Eine am Mund zu hoch gewählte Dosierung kann beim Essen, Sprechen und Pfeifen behindern. Diese Beeinträchtigung kann 6-8 Wochen anhalten. Deshalb ist es immer besser, gerade bei der Erstinjektion konservativ vorzugehen, nach zwei Wochen einen Kontrolltermin machen und gegebenenfalls nacharbeiten. Dass die ungewollte Lähmungswirkung weniger lang anhält als normal, liegt daran, dass man Gegenbewegungen macht und nicht der Muskel getroffen wurde, der geschwächt werden sollte. Als Hilfsmaßnahme kann man Botox in den Gegenspieler-Muskel injizieren und den ebenfalls schwächen. Ein Gegenbotox wie die Hyaluronidase bei der Hyaluronsäure gibt es allerdings nicht.

Links:

Praxis Dr. Timm Golüke

Royal Fern Skin Care


Warum das Oriental-Hotel die lange Reise wert ist

Wenn ein Hotel so etwas wie eine zweite Heimat sein kann, ist es für mich das „Mandarin Oriental“ in Bangkok. Und das schon seit vielen Jahren. Immer wieder zieht es mich in das Haus am Chao Phraya Fluss zurück. Dabei habe ich stets die Berichte von Anna Leonowens im Kopf. Eine Zeitzeugin, die 1862 in der Stadt ankam, um am Hof von König Mongkut, besser bekannt als Rama IV, den 67 Kindern Englisch und westlichen Benimmunterricht zu geben. Ihre Tagebücher bildeten später die Vorlage zu dem romantischen Roman „Anna und der König von Siam“ von Margaret Landon von 1944, der mehrere Male als „The King and I“ verfilmt wurde.

Tatsächlich hat Anna nie einen Fuß in das Oriental gesetzt, da ihr Aufenthalt nur fünf Jahre andauerte. Laut der Hotelchronik wurde das „Oriental“ 1876 als Seemannsherberge gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts war es Fremden nicht erlaubt, in der abgeschotteten, mit zweihunderttausend Einwohnern schon relativ großen Königsstadt zu nächtigen. Heute stehen rechts und links vom „Mandarin Oriental“ zwei ziemlich verfallene Gebäude, die an die alten Zeiten erinnern. Auf dem einen weist der Name East Asian Company auf die Handelstätigkeiten hin. Auch den Old Wing des „Oriental“, in dem mit der Seemannsherberge alles anfing, gibt es noch. Er wurde 2016 zum 140. Geburtstag mit einem Aufwand von 17 Millionen Euro renoviert und umgebaut. Sein historisches Flair hat er glücklicherweise nicht eingebüßt. Vom Fluss aus kaum zu sehen liegt er verborgen hinter Fächerpalmen. Die Author’s Lounge darin ist ganz in Weiß und in kolonialem Stil gehalten, mit weißen Korbstühlen und weißen Lamellenfenstern. Außer der Grand Royal Oriental Suite mit 600 qm und sechs Schlafzimmern entstanden zwölf neue Garden Suites. Meine erstreckt sich über zwei Etagen mit Fensterfronten vom Boden bis zur Decke und einer gemütlichen Lounge. Vom Schlafzimmer in der oberen Etage blicke ich rechts auf die Lichter der Stadt, links auf den träge dahinfließenden Chao Phraya. Ideal für mein Beauty-Wochenende. Denn die vier neuen Spa-Studios, in denen erstmals in Bangkok Pediküre und Maniküre von Bastien Gonzalez sowie Beauty Behandlungen mit der deutschen Wirkstoffkosmetik !QMS angeboten werden, befinden sich ebenfalls im Garden Wing.

Erster Tag: Nach dem langen Flug kann ich erstmal eine Relax-Massage vertragen. Um zum Hauptspa zu kommen, muss ich den Fluss überqueren. Bootsführer Narong Petcharit fährt mich. Er gehört wie viele andere Hotelmitarbeiter seit mehr als 20 Jahren zur „Oriental“-Familie. An jedem Arbeitstag tuckert er mit seiner Barke bis zu zweihundert Mal über den Fluss. Er fährt immer mit seiner Frau Rachanee: Sie wirft die Leinen, macht fest und hilft den Gästen beim Aussteigen.

Im Spa ist heute Digital Detox Day. Zwei Stunden ohne Mobiltelefon. Das Konzept zur Reduzierung von Stressfaktoren wurde zusammen mit der Mayo-Klinik erarbeitet. An der Rezeption tausche ich mein Handy gegen ein duftendes Öl ein. Drei Mal tief einatmen. Anschließend im Behandlungsraum werden damit meine verspannten Körperzonen wie Nacken, Schultern, Rücken über eine Stunde lang besonders intensiv bearbeitet. Im Loungebereich wartet danach noch mehr Ablenkung vom Digitalstress auf mich beim Lesen, Schreiben oder Malen. Ich lasse mir eine entspannende Gesichtsmaske auflegen, während ich auf einem Meditationskissen sitze, die Augen schließe und alles um mich herum vergesse. Im Nu sind zwei Stunden vergangen. Abends bin ich so müde, dass das Essen ausfallen muss. Ich lasse mir nur ein paar Früchte und Tee aufs Zimmer bringen, dann falle ich todmüde in die weichen Kissen.

Zweiter Tag: Heute lerne ich Bastien Gonzalez kennen. Schon viel von ihm gehört. Der Franzose wird gern als „Fußflüsterer“, „Fußvirtuose“ oder „Prinz der nackten Füße“ betitelt. Seine einzigartige Technik und die innovativen Pflegeprodukte, die er auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen entwickelte, sollen Wunder bewirken. Der ausgebildete Podologe und Pedikürist hat das Talent, die gesamte Kondition der Füße zu verbessern und nicht nur die der Fußnägel. Dieses Wissen gibt er auch an alle seine Mitarbeiter weiter. Zu Bastiens Hollywood-Klientel gehören Gwyneth Paltrow, Cate Blanchett, Naomi Campbell und Robert DeNiro. An diesem Tag gehöre auch ich dazu.

Natürlich frage ich gleich, warum er unter seinen 20 ausschließlich luxuriösen Standorten kein Institut in Deutschland und nicht mal eins in Frankreich besitzt. „Ganz einfach“, sagt er, „weil wir dort ästhetische und medizinische Pediküre nicht zusammen ausführen dürfen. „Unsere Philosophie aber ist die Kombination beider Aspekte. Wir bezeichnen uns als Pediküre-Podologen mit dem Ziel, nicht nur die Nägel schön zu machen. Wir behandeln alle Probleme, eingewachsene Nägel, Diabetiker etc. Ein Podologe bezieht auch die Konstitution des Körpers mit ein. Wir können Leute analysieren, während sie laufen. Was sie falsch machen, was sie verbessern können.“ Also laufe ich erst mal. Ich habe Glück: keine Fehlhaltung, kein Hallux. Meine Füße sind griechisch, erfahre ich. Erkennbar an der längeren zweiten Zehe wie man sie an griechischen Statuen sieht. 20-25 % der Bevölkerung gehören zu dieser Gruppe. Am häufigsten ist die ägyptische Form mit ca. 50 %, wobei der große Zeh der längste ist. Darauf sind die meisten Designerschuhe konzipiert. Das sollte man bei seiner Schuhwahl in Betracht ziehen, sonst kann der längere, griechische Zeh zum Hammerzeh werden. Was mir bei der Behandlung auffällt: Es gibt kein Fußbad. „Wir benutzen kein Wasser“, erklärt der Mitarbeiter von Gonzalez. „Wasser trocknet aus. Die Haut produziert Sebum zur Befeuchtung und Widerstandsfähigkeit. Mit Seife und Wasser wäscht man das Fett aus. 20 Minuten ist alles gut, dann wird die Haut immer trockener.“ Außerdem erklärt er mir, dass man den Zustand von Haut und Nagel nur im trockenen Zustand richtig beurteilen kann. Naß sieht man beispielsweise die gelbe Färbung, an der man verhärtete Stellen erkennt, nicht mehr. Dann kommt es vor, dass zu viel Haut abgeschliffen wird.

Zur Reinigung der Nägel und Entfernen von Nagellack gibt es ein spezielles Gerät. Der Sound hört sich an wie beim Zahnarzt. Bastien: „Ich benutze möglichst keinen Lackentferner, weil die Chemikalien Haut und Nägel unnötig austrocknen. Fußnägel sind zweimal dicker als die an den Händen, deshalb kann man hier gut die Maschine einsetzen. Damit entferne ich außer Lack auch eine winzige Schicht von der kontaminierten Oberfläche. Nägel absorbieren Chemikalien von Lack bespielsweise wesentlich stärker als die Haut.“ Um verhärtete Haut zu beseitigen, wird für jeden Gast eine frische, sterile Klinge, eine Art gebogenes Mini-Salpell benutzt. Den Nagelecken gebührt besondere Aufmerksamkeit, damit sie nicht einwachsen. Hornhaut wird nie komplett abgetragen, maximal 50 %, weil sie auch einen Schutz für den Fuß darstellt. Sobald eine gute Elastizität der Haut fühlbar ist, wird aufgehört. „Den Erfolg machen 20 % die Augen aus, 20 % die Klinge. Der Rest ist das Gefühl in den Händen“, so Bastien. Sein Mitarbeiter macht deutlich, wie wichtig die Erfahrung ist, die auch die Lebensumstände des Klienten berücksichtigen sollte. Er erzählt: „Zu Anfang meiner Laufbahn habe ich einen Fußballspieler behandelt. Ich habe ihm richtige Babyfüße verpasst. Leider war das falsch, weil sie zum Fußballspielen danach viel zu empfindlich waren. Man muß immer die Balance halten und genau wissen, was man macht.“

Gefeilt wird mit einer Glasfeile, weil die am sanftesten ist. Diesen Rat bekomme ich auch für zu Hause. Eine Paste für die Nägel mit der Textur von Perlmutt wirkt wie ein Scrub. Danach werden sie mit einem soften Lederbuffer poliert. Ich fühle, wie Wärme sich im Nagel ausbreitet. „Die Nagelplatte wird besser durchblutet und mehr mit Sauerstoff versorgt, das stärkt sie“, sagt Bastien. „Der Buffer wurde übrigens von Marie Antoinette, Gattin Ludwig XVI., prominent gemacht. Es ist der eigentliche Ursprung der French Manicure.“ Die Nägel sehen hinterher tatsächlich rosig frisch und strahlend aus. Mit einer Creme, die nicht nur einfach aufgetragen, sondern zwei Minuten lang intensiv einmassiert wird, bin ich entlassen. Meine Füße sehen perfekt aus, und den Weg zu meinem Zimmer lege ich wie auf Wolken zurück. Beim Abendessen auf der anderen Seite des Flusses im „Rim Naam“ mit authentisch thailändischen Gerichten, die auf der Terrasse serviert werden, trage ich mit Sicherheit offene Schuhe.

Es steht „Beauty by Mandarin Oriental“ auf meinem Programm. Termin in der neuen Spa-Suite für ein QMS!-Treatment. Es ist die erste Dependance der deutschen Kosmetikfirma in Asien. Das Menu umfasst eine erlesene Auswahl an exklusiven und maßgeschneiderten Signature-Behandlungen wie das Anti-Aging Treatment mit einem Collagen Boost sowie das belebende und hautstraffende Skin Lift Facial. Ich entscheide mich für ersteres, das „Collagen Vita Skin Facial“. Es dauert eine gute Stunde, soll die Hautalterung kontrollieren und gleichzeitig regenerieren. Gearbeitet wird vor allem mit natürlich löslichem Kollagen, um den Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu verbessern. Genau das brauche ich. Highlight ist eine Algen Modelage, eine Maske, die auf der Haut antrocknet. Damit habe ich bereits meine Erfahrungen, keine guten. Deshalb zögere ich, ob ich mich damit wohlfühle, wenn Augen und auch Mund bedeckt sind. Meine thailändische Kosmetikerin bietet mir an, den Mund frei zu lassen. Damit bin ich einverstanden.

Die weiße Algenpaste fühlt sich kühl an auf der Haut. Ich atme tief durch je mehr sie damit von meinem Gesicht bedeckt. Als die Augen an der Reihe sind, halte ich kurz die Luft an, dann entspanne ich mich allmählich. Schon bald spüre ich, wie die Masse allmählich auf meinem Gesicht zu trocknen beginnt. Als die Asiatin nach 20 Minuten beginnt, die Modelage sanft zu lösen, bin ich erstaunt, dass die Zeit schon vorbei ist. Schließlich hält sie die feste Maske, das genaue Abbild meines Gesichts in den Händen. Auf der Innenseite kann sie wie auf einer Landkarte den Zustand meiner Haut lesen. Wo die Haut zu trocken ist, wie tief die Fältchen waren. Das Ergebnis ist verblüffend. Meine Haut sieht wie aufgepolstert aus, feine Linien sind verschwunden und tiefere minimiert. Alles in allem finde ich den Teint strahlend und voller Vitalität. Es hat sich gelohnt. Bedauerlich, dass es die Wundermaske nur für die Kabine gibt und nicht für die Anwendung zu Hause. Übrigens gibt es QMS Medicosmetics weltweit in über 700 Locations.

Den Nachmittag verbringe ich im Fitness-Center am gegenüberliegenden Flussufer hinter dem Lotusteich. Ich trainiere Ausdauer und Kraft, gönne mir zum Abschluss Dampfbad, die Sauna ist mir zu heiß, sowie einen Abstecher in den Whirlpool. Dabei beschließe ich, meinen letzten Abend auf einem Nachtmarkt zu verbringen. Am wenigsten touristisch ist der „Road Fai“ hinter dem Esplanade Shopping Center. Er ist ab 18 Uhr geöffnet und bietet alles von Kleidung über Essen bis hin zu Nightlife. An unzähligen Streetfood-Ständen gibt es alles, was die thailändische Küche an Köstlichkeiten zu bieten hat. Die vielen kleinen Bars sind in Schiffscontainern untergebracht, die man übereinander gestapelt hat. Ein echtes Erlebnis abseits vom Tourismus.

Dritter Tag: Am Morgen meines Rückflugtags bin ich so fit und voller Energie, dass ich zum Morgenyoga aufstehe und mich schon um 6.30 Uhr über den Chao Phraya zum Spa schippern lasse. Dort erwartet mich meine Trainerin Neelam Khatri, eine bekanntes Gesicht von früheren Besuchen. Die Inderin unterrichtete vor dem Wechsel ins „Oriental“ Yoga im renommierten Hotel The Oberoi Rajvilas in Jaipur. Sie ist ebenso in Ayurveda und Meditation geschult, konzipiert individuelle Wellness-Programme. Nach dem Frühstück am reichhaltigen Buffet mit Blick über den träge fließenden Chao Praya verbringe ich die letzten Stunden lesend am Pool bevor mit ein Shuttle am späten Nachmittag zum Flughafen bringt. Ich bin so fit und gut erholt, dass ich die langen Nachtreise zurück nach Europa sozusagen wie im Flug überstehe.

Mein Fazit: So ein Beauty-Wochenende sollte man sich viel öfter gönnen. Es muss ja nicht immer gleich Bangkok und das Mandarin Oriental sein. Wobei ich zugeben muss, dass das Hotel zwar teuer, aber ein echtes Asia-at-its-Best-Erlebnis ist.


Reisen ist meine Leidenschaft.
Beauty meine Passion.
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